Werrarenaturierung zwischen Frankenroda und Falken (Bauabschnitt 2)

Stellungnahme zum Antrag auf Genehmigungsplanung mit integriertem Landschaftspflegerischen Begleitplan Antrag auf Plangenehmigung nach § 68 WHG Werraschleife Frankenroda II Werrarenaturierung zwischen Frankenroda und Falken (Bauabschnitt 2)

Grundsätzliches

Bekanntlich bilden Fluss- und Auenlandschaften eine wichtige Einheit. Beide stehen in einer engen und sehr vielfältigen Wechselbeziehung zueinander. Die Auenlandschaften dienen den Flüssen als Ausbreitungsraum für Hochwasser und versorgen sie somit mit Wasser, Sedimenten und z.B. als Schwemmgut herangetragenes neues genetisches Material aus Tieren und Pflanzen. Im Umkehrschluss fungieren die Auenlandschaften als „Reinigungskraft“ für die Flüsse, indem beispielsweise Auenwälder das abgebremste Wasser von Sedimenten „befreien“ sowie Schwemmgut „herauskämmt“.
Diese langzeitige Wechselbeziehung hat somit eine der arten- und strukturreichsten Naturlandschaften der gemäßigten Zonen hervorgebracht, welche zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebens- und Rückzugsraum bietet. Darüber hinaus trägt diese intensive Wechselbeziehung zur Verbesserung des Landschafts- und Ortsbildes urbaner Gebiete bei und sorgt als Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet und -korridor für eine nachhaltige Verbesserung des Klimas.
Auf dieser Basis bezieht der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) folgendermaßen Stellung:

Zu den Verfahrensunterlagen
Zu 2. Begründung der geplanten Maßnahmen

Im konkreten Fall sind die Maßnahmen nicht angemessen. Es gilt massiv die Möglichkeit der natürlichen Entwicklungsprozesse des Flusses zu befördern. Dazu gehören die Einbindung von Altverläufen des Flusses, Die Entfernung von Querbauwerken sowie Sohl- und Uferbefestigungen, um mit Hilfe von Störsteinen und -hölzern die Mäandrierung zu initiieren bzw. zu befördern. Dazu gehört auch das Belassen von Alt- und Bruchholz im Gewässerverlauf, was zudem die Möglichkeit des Erhaltes bzw. – Schaffung von Nahrungs- und Lebensräumen für verschiedene Tierarten wie zum Beispiel Biber, Eisvogel und Beutelmeise ermöglicht. Ferner bieten Steilufer Brutmöglichkeiten für Uferseeschwalben, Bienenfresser, Eisvögel und Wildinsekten. Die Entfernung von Querbauwerken ist für die generelle Durchlässigkeit der Werra erforderlich. Dazu gehören Fischwanderungen, aber auch der Transport von Sedimenten, was zu mindestens eine weitere Eintiefung des Flusses verhindert, besser noch eine Hebung der Fußsohle ermöglicht. Die angedachten Baumaßnahmen sind da wenig hilfreich, da nur die Natur für stabile und vielfältige Strukturen an Fauna und Flora sowie in der Landschaft sorgen kann. Die angedachten Baumaßnahmen spiegeln nicht die Entwicklungsmöglichkeiten der Werra wider, sondern zeugen von der Umsetzung menschlicher Wunschvorstellungen. Wie bereits erwähnt, können menschliche Aktivitäten maximal durch Rückbaumaßnahmen im Sohl- und Uferbereich sowie in der Werraaue. Dazu gehören die Prüfung und ggf. Umsetzung der Beseitigung der Staustufe in Falken sowie der Umverlegung und des Rückbaus des Landgasthofes und Reiterhofes Probstei Zella.

Nach Auffassung des AHA gilt es Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen Werrarenaturierung zwischen Frankenroda und Falken zusammenfassend folgende Aktivitäten zu entfalten:

Erstellung einer wissenschaftlich fundierten Schutz- und Entwicklungskonzeption für die Werra und ihrer Aue im Raum zwischen Frankenroda und Falken.
Prüfung der sukzessiven Entstehung eines Auenwaldes, um a) das standorttypische Arten- und Strukturspektrum entstehen zu lassen, b) Ungehindertes Wurzelwachstum zu ermöglichen und c) wiesen- und staudenreiche Zwischenzeiträume bieten Insekten sehr viele Nahrung und Unterschlupf.
Wissenschaftliche Begleitung der Entwicklung dieses Teils der gesamten Fluss- und Auenlandschaft der Werra.

III. Schlussbemerkungen

Bekanntlich gehören Fluss- und Auenlandschaften zu den arten- und strukturreichsten Landschaften und Naturräumen der gemäßigten Zonen. Sie bieten punktuell und flächendeckend Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, bilden Kaltluft- und Frischluftentstehungsgebiete und fungieren als Ventilationsbahnen sowie üben sehr wichtige Funktionen als Hochwasserausbreitungs-, Biotop- und Grünverbundraum aus. Ferner dienen sie als Erholungsraum für die Menschen.
Diese vielfältigen Funktionen erfordern jedoch eine naturnahere bis naturnahe Entwicklung.
Nach Auffassung des AHA empfiehlt der AHA für den Gesamtverlauf der Werra folgende Aktivitäten zu entfalten:

Wissenschaftliche Prüfung, ob die Wiederanbindung der Altverläufe der Werra möglich bzw. sinnvoll erscheinen.
Die begrüßenswerte Entstehung eines Auenwaldes sollte sukzessiv geschehen, um a) das standorttypische Arten- und Strukturspektrum entstehen zu lassen, b) Ungehindertes Wurzelwachstum zu ermöglichen und c) wiesen- und staudenreiche Zwischenzeiträume bieten Insekten sehr viele Nahrung und Unterschlupf.
Wissenschaftliche Begleitung der Entwicklung dieses Teils der Fluss- und Auenlandschaft der Werra.

Der ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. bietet gerne seine Erfahrungen und fachlichen Kenntnisse an.

Der Kontakt lautet:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 29.06.2020

20200313_Werraschleife_FrankenrodaII_Natura2000_EE
P0144_2020_04_21_Bericht Lph34
20200313_UVP_Vorprüfung_Werraschleife Frankenroda II
529-2019 Frankenroda Werraschleife BGE (003)
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20200313_Werraschleife II_AFP
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P144_Frankenroda_TP



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