Wild und Wald gehören zusammen

In den letzten Jahren beschäftigt die Öffentlichkeit im verstärkten Maße die angebliche Zunahme des Wildbestandes und insbesondere der Bestände von Rot-, Schwarz- und Rehwild. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf die Auswirkungen auf menschliche Siedlungen und die Landwirtschaft, sondern auch auf die Entwicklung des Waldes und den dortigen Gehölzbestand. Dazu zählt zum Beispiel eine Studie des Max-Planck-Institutes für Biogeochemie, welche nach eigener Auskunft in einer Presseinformation vom 02.12.2014, auf Untersuchungen auf fast 7.000 Untersuchungsflächen im Freistaat Thüringen und in der Republik Rumänien beruht. Schon die Überschrift, Zitat: „Das Wild siegt über den Artenschutz“, Zitat Ende, aber auch der Eingangssatz, Zitat: „Schutzgebiete im Wald können kaum zum Artenschutz beitragen, solange das Wild die artenreiche Baumverjüngung der geschützten Waldfluren auffrisst.“, Zitat Ende, drücken deutlich und kompakt das Ergebnis der Studie aus. Ein offenbarer Anlass ist wohl, dass im Freistaat Thüringen die Herausnahme von 25.000 ha Wald aus der Bewirtschaftung erfolgen soll, um Arten zu schützen. Nach zusammenfassender Aussage der Studie gehen die Forscher davon aus, dass in Thüringen 50 bis 60 Prozent und in Rumänien 10 bis 30 Prozent der Baumarten durch Wildverbiss verloren gehen. Als Ursache ermittelt die Studie, dass in Schutzgebieten zu viele Paarhufer die jungen Baumtriebe fressen. Im Ergebnis dessen schätzt das Forschungsteam, welchem auch Forstleute aus Thüringen, Bayern und Rumänien angehören, nicht nur Schutzgebiete, sondern auch Wirtschaftswälder betroffen sind. Daraus leitet man ab, dass das erklärte Wirtschaftsziel des ökologischen Waldanbaus in Frage gestellt ist, weitere Ziele es zu ändern gilt, wie im Zitat von der Professorin für Forstrecht an der Forstlichen Hochschule im rumänischen Suceava Laura Bouriaud deutlich darstellt: „Die Situation wird sich erst ändern, wenn die rechtlichen Grundlagen zur Bejagung geändert haben. Es gibt kein Grund dafür, dass Jäger ein Monopol auf die Regulation der Wildbestände halten, wenn die Populationen außer Kontrolle geraten“, Zitat Ende sowie wie der Mitarbeiter bei Thüringen Forst Domink Hessenmöller ausdrückt, Zitat: „Nur eine nachhaltige Bewirtschaftung von Wald und Wild kann den Zustand der Biodiversität im Wald erhalten“, Zitat Ende. Olivier Bouiaud vom Rumänischen forstlichen Forschungs- und Management-Institut in Bukarest relativiert eindeutig die Wirkung von Raubtieren mit folgenden Worten, Zitat: „Wir haben nämlich Wolf, Bär und Luchs in Rumänien. Doch jagt der Wolf lieber ein Schaf auf den alpinen Wiesen als ein Reh auf alpinen Waldhängen; wir haben also immer noch den Wildverbiss im Wald“, Zitat Ende.

Für den Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) ergeben sich folgende Schlussfolgerungen und Kritiken aus der sehr interessanten Studie:

  1. Die Bestände von Rehen und Hirschen sind zu hoch. Nur worauf beruht diese Einschätzung ? Was für wissenschaftlich fundierte Daten liegen dem zu Grunde ? Nach Auskunft in der Studie hat man Schätzungen vorgenommen. Wie wissenschaftlich ist das denn ? Warum erfolgte im Rahmen eines so anspruchsvollen Projekts keine ordnungsgemäße Kartierung unter Einbeziehung der angrenzenden Acker- und Siedlungsflächen ? Besonders, wenn die Studie zu Recht Artenschutz und deren Konzepte nur im komplexen Zusammenhang mit der gesamten Fauna und Flora betrachten soll. Bei einer tatsächlichen zahlen- und flächenmäßigen Betrachtung der Wildbestände verfehlt die Studie leider eindeutig den eigenen, eigentlich vollkommen richtigen Anspruch.
  2. Nach der Logik der Studie ergibt sich daraus, dass es nichts bringt Wald aus der Bewirtschaftung zu nehmen, da Wildverbiss z.B. nur Buchenmonokulturen hinterlässt. Ergo: Weiter Bewirtschaften und das Wild massiv reduzieren. Abgesehen davon, dass eigene über 30 Jahre lange regelmäßige Beobachtungen z.B. in Auenwäldern an Elbe, Saale und Mulde, im Harz sowie im Hakel andere Ergebnisse aufzeigen, vernachlässigen derartige Feststellungen, dass gerade die „traditionelle“ Forstwirtschaft zu Wäldern in Monokulturen geführt haben. Dazu zählen z.B. Fichtenmonokulturen in den Mittelgebirgen und Kiefernmonokulturen im Land Brandenburg. Ferner ist bekannt, dass in allen Bundesländern die Forstwirtschaft nach sogenannten Wirtschaftskriterien stattfinden soll. Das die an der Studie beteiligten Forstleute aus den Freistaaten Bayern und Thüringen diese gesetzlichen Vorgaben hier nicht einbringen möchten ist schwer vorstellbar.
  3. Welche rechtlichen Grundlagen zur Jagd möchte den die Professorin Laura Bouriaud ändern ? Sollen Bauern und Siedler selbst zur Waffe greifen, um den Wildbestand zu „regulieren“ ? Ergänzend stellte ja Dr. Olivier Bouriaud fest, dass die Raubtiere ja auch nicht zur Regulierung der Bestände beitragen. Ergo: Menschliche, dann noch rechtlich gelockerte Regulationen der Wildbestände müssen es richten. Ganz so wie zu Zeiten, als man z.B. Wölfe, Bären und Luchse fast komplett ausrottete !? Nur besitzt der Mensch heute nicht nur bei den Waffen bessere technische Möglichkeiten. Die Jagdwirtschaft drängt z.B. bekanntlich verstärkt auf Zulassung von Nachtsichtgeräten. Dazu, dass sich an der Haltung von Weidetieren etwas ändern muss, um die Verluste durch Raubtiere zu reduzieren, führt Herr Bouriaud leider nichts aus. Nur zu einem abgerundeten, fachübergreifendem Forschungsprojekt gehören eigentlich solche Vorschläge mit dazu.

Die Studie beinhaltet, nach Auffassung des AHA, nicht nur keine soliden Daten zu tatsächlichen Wildbeständen, sondern vernachlässigt auch noch ganz andere Fakten. Dazu zählt ganz besonders der Verlust an barrierefreien Lebensraum für das Wild, welches sich in den zumeist inselhaften Waldgebieten konzentriert und auf den ausgedehnten Agrarflächen kaum die entsprechenden vielfältigen Lebensbedingungen vorfinden kann. Dazu zählen zu aller erst, dass noch immer auf ausgedehnten Agrarflächen Gehölzflächen und –streifen fehlen und somit weitläufig ausgeräumte Industrielandwirtschaftsflächen das Landschaftsbild prägen. Hinzu kommt die Reduzierung der ackerbaulichen Vielfalt von einst 25 auf maximal 6 Kulturen. Vorrangig dominieren aus verschiedenen Gründen Mais und Raps die Agrarlandschaft, da hier am besten der Steuer- und Gebührenzahler eine Schröpfung über EU, Bund und Länder erfahren kann. Um genügend Fläche zu haben stören Gehölzstreifen und –inseln. Nur diese sind auch als Lebensraum für das Wild notwendig. Die meisten Tiere brauchen Feld und Wald auf dem engsten Raum, so dass sie sich verstärkt in den bestehenden Fläche konzentrieren. Auf dem Großteil der Ackerflächen fehlt das Wild weitgehend, was durch massenhaften Mais- und Rapsanbau zudem ebenso wie Greifvögel und Eulen ihres Nahrungsraumes beraubt sind. Dies und Großtechnik ermöglichen auch dem Hasen erschwert Standorte für Schlaf- und Wurfsassen zu finden. Das Schwarzwild, was sich dagegen im Mais pudelwohl fühlt, gelangt durch den großflächigen Anbau von Mais bis an die Siedlungsgebiete heran, wo auf einstigen Nahrungsgebieten und Wanderrouten nun Einfamilienhäuser mit anschließenden Gärten befinden. Als Essenabfalldeponie degradierte Komposthaufen sowie frisches Grün bieten sich zusätzlich als Nahrungsquelle an.

Eine Zunahme von Bundesautobahnen und Straßen engen zusätzlich den Bewegungsraum der Tiere ein und erhalten ihre öffentliche Resonanz bei Berichten über zunehmende Wildunfälle. Gegenwärtig umfasst das befestigte Straßennetz in Deutschland laut Statistischem Bundesamt eine Länge von 230.400 km und liegt zusammen mit unbefestigten Straßen bei einer Länge von 644.480 km weltweit an 11. Stelle. Das bedeutet eine Netzdichte im Umfang von 1.805,15 m/km², wo Deutschland an 30. Stelle rangiert. Rumänien belegt im Vergleich eine vergleichbare Straßenlänge von 198.817 km den 25. Platz, was eine Netzdichte in Höhe von 834,00 m/km² bedeutet. Alleine der Anteil der Länge der Autobahnen umfasst laut Statistischem Bundesamt eine Länge von gegenwärtig 12.900 km. Die tagtägliche bundesweite Flächenversiegelung schlägt laut Statistischem Bundesamt und Umweltbundesamt mit etwa 81 ha zu Buche, was in etwa 116 Fußballfeldern und im Jahr in etwa der Fläche der Stadt München entspricht. Diese Zerschneidungsgesichtspunkte mit erheblichen Einschränkungsmöglichkeiten des Wildes unbeachtet zu lassen, bescheinigt nach Auffassung des AHA einer derartigen Studie eine eindeutige tendenziöse Ausrichtung. Dabei haben wir unabhängige, fachlich übergreifende, wissenschaftlich fundierte Studien zu dem sehr wichtigem Themenfeld dringend nötig.

Anhang:

Presseerklärung-Max-Plank-Institut-Biogeochemie-Das Wild siegt über den Artenschutz-2014

Studie-MPI-Waldverjüngung-2014



Haben wir wirklich zu viel Wild?

In letzter Zeit verstärkt sich eine massive Medienkampagne bezüglich einer bedrohlichen Entwicklung der Wildbestände in deutschen Bundesländern. Einmal geht es um Wälder in Brandenburg und Bayern sowie zum anderen um Wildschweine im Stadtgebiet von Bitterfeld-Wolfen.
Was aber vollkommen unverständlich erscheint, ist wieder einmal die Einschätzung zu den Wildbeständen, welche sich ausschließlich über die Abschüsse beziffern sowie der gesichteten Bestände in Waldgebieten und angrenzenden Feld- und Siedlungsgebiete definiert. Daraus lassen sich überhaupt keine ernsthaft belastbaren Zahlen zu den Wildbeständen ableiten. Zumeist gelten Schwarz-, Rot-, Dam- und Rehwild als explosionsartig ansteigend, weil sich deren Abschüsse steigern, vermehrt Wildunfälle auftreten und die Tiere zunehmend in Siedlungs- und Wohngebiete der Menschen drängen. Immer wieder vermittelt man nur eine Lösung: Die Jäger sollen mehr Wild schießen. Als Argumente kommen da immer wieder der Schutz der Gehölzbestände in den Wäldern, Verringerung von Wildunfällen und der Schutz menschlicher Siedlungen. Nun stellt sich die ernsthafte Frage: Haben sich die Bestände an Wild tatsächlich so dramatisch erhöht ? Wer hat den Mal eine ernsthafte wissenschaftlich fundierte Zählung des Wildes vorgenommen ? Auf welchen Flächen fanden bzw. finden derartige Inventuren statt ? Bis jetzt konnte man keine belastbaren Daten finden, außer dass man immer wieder die Bezifferung der Abschüsse als Maß der Dinge ansetzte und zusätzlich die „gefühlte“ Zunahme in Folge von vermehrten Auftreten von Wild in Siedlungsgebieten zu Grunde legte und legt. Nur auf dieser eher dürren und zutiefst unwissenschaftlichen Basis Schlussfolgerungen zu Wildbeständen zu treffen, ist mehr als zweifelhaft.

Könnten nicht eher andere Faktoren einen scheinbar extrem steigenden Wildbestand vortäuschen ? Dazu zählen zu aller erst, dass noch immer auf ausgedehnten Agrarflächen Gehölzflächen und –streifen fehlen und somit weitläufig ausgeräumte Industrielandwirtschaftsflächen prägen. Hinzu kommt die Reduzierung der ackerbaulichen Vielfalt von einst 25 auf maximal 6 Kulturen. Vorrangig prägen aus verschiedenen Gründen Mais und Raps die Agrarlandschaft, da hier am besten der Steuer- und Gebührenzahler eine Schröpfung über EU, Bund und Länder erfahren kann. Um genügend Fläche zu haben stören Gehölzstreifen und –inseln. Nur diese sind auch als Lebensraum für das Wild notwendig. Die meisten Tiere brauchen Feld und Wald auf dem engsten Raum, so dass sie sich verstärkt in den bestehenden Fläche konzentrieren. Auf dem Großteil der Ackerflächen fehlt das Wild weitegehend, was durch massenhaften Mais- und Rapsanbau zudem ebenso wie Greifvögel und Eulen ihres Nahrungsraumes beraubt sind. Dies und Großtechnik ermöglichen auch dem Hasen erschwert Standorte für Schlaf- und Wurfsassen zu finden. Das Schwarzwild, was sich dagegen im Mais pudelwohl fühlt, gelangt durch den großflächigen Anbau von Mais bis an die Siedlungsgebiete heran, wo auf einstigen Nahrungsgebieten und Wanderrouten nun Einfamilienhäuser mit anschließenden Gärten befinden. Als Essenabfalldeponie degradierte Komposthaufen sowie frisches Grün bieten sich zusätzlich als Nahrungsquelle an.

Eine Zunahme von Bundesautobahnen und Straßen engen zusätzlich den Bewegungsraum der Tiere ein und erhalten ihre öffentliche Resonanz bei Berichten über zunehmende Wildunfälle. Die tagtägliche bundesweite Flächenversiegelung schlägt mit etwa 80 ha zu Buche. Selbst der vom Umweltbundesamt für Brandenburg gesetzte Zielwert für den Zeitraum von 2017 bis 2020 von 1,3 ha pro Tag liegt noch in weiter Ferne. In den Medien führen die falschen Ursachenbestimmungen und –bewertungen zu verheerenden Schlussfolgerungen. Anstatt endlich eine Wiedererhöhung der Artenvielfalt der Agrarlandschaft mit der Wiedererhöhung der Anzahl der Anbaukulturen sowie einer umfassenden Flurholzbegrünung, was übrigens bereits die Volkskammer der DDR sowie die Räte der Bezirke im Frühsommer 1989 in Form von Flurholzprogrammen verabschiedeten, in Gang zu setzen, setzt man die bisherige Praxis der Kultur- und Landschaftsarmut fort. Diese Maßnahmen lassen sich sehr gut mit der Schaffung von mindestens beidseitig 10 m breiten Gewässerschonstreifen entlang von Gewässern verbinden, welche im Komplex mit den vorgenannten Maßnahmen zur Verbesserung von Biotop- und Grünverbünden, zur Verringerung von Wind- und Wassererosion sowie als Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten beitragen können. Hinzu kommt noch die häufig vorhandene märchenhaft begründete Ablehnung der Ausbreitung des Wolfes, welche bei einer Straßendichte in Deutschland im Umfang von durchschnittlich 646 m je km² zu massiven Einschränkungen in den Jagdrevieren führt. Jedoch mit dem Vordringen des Wolfes vom Osten und des Luchses von Westen und Südwesten rücken Tiere in einstige Lebensräume vor, wo sie schon einst die Spitze der Nahrungskette bildeten.

Hinsichtlich der Waldentwicklung haben Beobachtungen nachgewiesen, dass angepflanzte Gehölze eher als umfassende „Kostproben“ dem Wild zum Opfer fallen, als sukzessiv entstehende und darauf basierend sich entwickelnde Gehölzflächen. Hier lohnt es sich mal alternativ Gedanken zu entwickeln, anstatt dem jahrhundertalten Reflex nachzugehen und nach vermehrter Bejagung zu rufen. Einem Jäger und Heger müsste das im Gegensatz zum Jäger und Geschäftemacher genauso übel aufstoßen, wie Organisationen und Menschen, welche sich dem Schutz, Erhalt und Entwicklung von Natur, Landschaft und Umwelt annehmen.


Haben wir wirklich zu viel Wild ? – Reaktion auf den Beitrag „Keine neuen Schutzzäune für Bäume“ von Wilfried Neiße, „Neues Deutschland“ vom 10.10.2014, Seite 10 – Brandenburg

Die bestimmt sachlich geschilderte räumliche und flächenmäßige Darstellung der Wälder in Brandenburg sowie deren stockenden Erweiterung der Artenstruktur geben bestimmt die tatsächlichen statistischen Zustände dieser Gebiete wieder. Was aber vollkommen unverständlich erscheint, ist wieder einmal die Einschätzung zu den Wildbeständen, welche sich ausschließlich über die Abschüsse beziffern sowie der gesichteten Bestände in Waldgebieten und angrenzenden Feld- und Siedlungsgebiete definiert. Daraus lassen sich überhaupt keine ernsthaft belastbaren Zahlen zu den Wildbeständen ableiten. Zumeist gelten Schwarz-, Rot-, Dam- und Rehwild als explosionsartig ansteigend, weil sich deren Abschüsse steigern, vermehrt Wildunfälle auftreten und die Tiere zunehmend in Siedlungs- und Wohngebiete der Menschen drängen. Was schlägt dazu das Agrarministerium in Brandenburg -im Chor mit den Fachressortkollegen im Bund und anderen Ländern vor? Die Jäger sollen mehr Wild schießen. Als Argumente kommen da immer wieder der Schutz der Gehölzbestände in den Wäldern, Verringerung von Wildunfällen und der Schutz menschlicher Siedlungen. Nun stellt sich die ernsthafte Frage: Haben sich die Bestände an Wild tatsächlich so dramatisch erhöht ? Wer hat den Mal eine ernsthafte wissenschaftlich fundierte Zählung des Wildes vorgenommen ? Auf welchen Flächen fanden bzw. finden derartige Inventuren statt ? Bis jetzt konnte man keine belastbaren Daten finden, außer dass man immer wieder die Bezifferung der Abschüsse als Maß der Dinge ansetzte und zusätzlich die „gefühlte“ Zunahme in Folge von vermehrten Auftreten von Wild in Siedlungsgebieten zu Grunde legte und legt. Nur auf dieser eher dürren und zutiefst unwissenschaftlichen Basis Schlussfolgerungen zu Wildbeständen zu treffen, ist mehr als zweifelhaft. Könnten nicht eher andere Faktoren einen scheinbar extrem steigenden Wildbestand vortäuschen ? Dazu zählen zu aller erst, dass noch immer auf ausgedehnten Agrarflächen Gehölzflächen und –streifen fehlen und somit weitläufig ausgeräumte Industrielandwirtschaftsflächen auch das Bild Brandenburgs prägen. Hinzu kommt die Reduzierung der ackerbaulichen Vielfalt von einst 25 auf maximal 6 Kulturen. Vorrangig prägen aus verschiedenen Gründen Mais und Raps die Agrarlandschaft, da hier am besten der Steuer- und Gebührenzahler eine Schröpfung über EU, Bund und Länder erfahren kann. Um genügend Fläche zu haben stören Gehölzstreifen und –inseln. Nur diese sind auch als Lebensraum für das Wild notwendig. Die meisten Tiere brauchen Feld und Wald auf dem engsten Raum, so dass sie sich verstärkt in den bestehenden Fläche konzentrieren. Auf dem Großteil der Ackerflächen fehlt das Wild weitegehend, was durch massenhaften Mais- und Rapsanbau zudem ebenso wie Greifvögel und Eulen ihres Nahrungsraumes beraubt sind. Dies und Großtechnik ermöglichen auch dem Hasen erschwert Standorte für Schlaf- und Wurfsassen zu finden. Das Schwarzwild, was sich dagegen im Mais pudelwohl fühlt, gelangt durch den großflächigen Anbau von Mais bis an die Siedlungsgebiete heran, wo auf einstigen Nahrungsgebieten und Wanderrouten nun Einfamilienhäuser mit anschließenden Gärten befinden. Als Essenabfalldeponie degradierte Komposthaufen sowie frisches Grün bieten sich zusätzlich als Nahrungsquelle an.

Eine Zunahme von Bundesautobahnen und Straßen engen zusätzlich den Bewegungsraum der Tiere ein und erhalten ihre öffentliche Resonanz bei Berichten über zunehmende Wildunfälle. Die tagtägliche bundesweite Flächenversiegelung schlägt mit etwa 80 ha und in Brandenburg mit durchschnittlich 3,2 ha zu Buche. Selbst der vom Umweltbundesamt für Brandenburg gesetzte Zielwert für den Zeitraum von 2017 bis 2020 von 1,3 ha pro Tag liegt noch in weiter Ferne. Insofern zeigt auch der Beitrag von Wilfried Neiße wieder deutlich auf, dass die falsche Ursachenbestimmung und –bewertung zu verheerenden Schlussfolgerungen führen. Anstatt endlich eine Wiedererhöhung der Artenvielfalt der Agrarlandschaft mit der Wiedererhöhung der Anzahl der Anbaukulturen sowie einer umfassenden Flurholzbegrünung, was übrigens bereits die Volkskammer der DDR sowie die Räte der Bezirke im Frühsommer 1989 in Form von Flurholzprogrammen verabschiedeten, in Gang zu setzen, setzt man die bisherige Praxis der Kultur- und Landschaftsarmut fort. Diese Maßnahmen lassen sich sehr gut mit der Schaffung von mindestens beidseitig 10 m breiten Gewässerschonstreifen entlang von Gewässern verbinden, welche im Komplex mit den vorgenannten Maßnahmen zur Verbesserung von Biotop- und Grünverbünden, zur Verringerung von Wind- und Wassererosion sowie als Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten beitragen können.

Hinzu kommt noch die häufig vorhandene märchenhaft begründete Ablehnung der Ausbreitung des Wolfes, welche bei einer Straßendichte in Deutschland im Umfang von durchschnittlich 646 m je km² und in Brandenburg zwar unterdurchschnittlichen 418 m je km², zu massiven Einschränkungen in den Jagdrevieren führt. Jedoch mit dem Vordringen des Wolfes vom Osten und des Luchses von Westen und Südwesten rücken Tiere in einstige Lebensräume vor, wo sie schon einst die Spitze der Nahrungskette bildeten. Hinsichtlich der Waldentwicklung haben Beobachtungen nachgewiesen, dass angepflanzte Gehölze eher als umfassende „Kostproben“ dem Wild zum Opfer fallen, als sukzessiv entstehende und darauf basierend sich entwickelnde Gehölzflächen. Hier lohnt es sich mal alternativ Gedanken zu entwickeln, anstatt dem jahrhundertalten Reflex nachzugehen und nach vermehrter Bejagung zu rufen. Einem Jäger und Heger müsste das im Gegensatz zum Jäger und Geschäftemacher genauso übel aufstoßen, wie Organisationen und Menschen, welche sich dem Schutz, Erhalt und Entwicklung von Natur, Landschaft und Umwelt annehmen.

Zeitungsausschnitt:

Keine Neuen Schutzzäune Bäume ND10.10.2014(1)
Keine Neuen Schutzzäune Bäume ND10.10.2014(1)
Keine Neuen Schutzzäune Bäume ND10.10.2014 (2)
Keine Neuen Schutzzäune Bäume ND10.10.2014 (2)

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