AHA fordert Stopp des forstwirtschaftlichen Raubbaus

Mit großem Interesse hat der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) in der „Mitteldeutschen Zeitung“ vom 12.02.2016 auf Seite 3 den sehr euphorischen Artikel „Eichen aus Sachsen-Anhalt begehrt“ aufgenommen, welcher sehr detailliert die Grundlagen der gnadenlosen Abholzungen in Sachsen-Anhalts Wäldern darstellt. So fällt man zum Beispiel ökologisch wertvolle 200 bis 300 Jahre alte Eichen für ein Furnierhersteller aus Bayern, damit die Einrichtung eines gehobenen Restaurants erfolgen kann. Der hier angegebene Preis von 6.448,78 Euro lässt dabei deutlich erkennen, dass die bei der jüngsten Versteigerung am 11.02.2016 eingenommenen 686.004,01 Euro vorrangig von Firmen, Organisationen und Personen kann, welche über ein recht gutes Einkommen verfügen müssen.

Also verkauft Sachsen-Anhalt seine Bäume an den meistbietenden Gutbetuchten? Nach Auffassung des AHA sieht das genau danach aus. Bereits seit dem Jahr 1980 mahnt der heutige AHA immer wieder den Schutz und Erhalt unserer Wälder an. Nur seit dem Jahr 2003 muss der ehrenamtliche und gemeinnützige Umwelt- und Naturschutzverein eine Zunahme von Holzeinschlägen feststellen. Dabei verstärken sich auch die Abholzungen u.a. im Plötzkauer Auenwald, im Dröbelschen Busch, in der Sprohne, im Hakel, im Zeitzer Forst und im Salegaster Forst. Die genannten Waldgebiete gehören entweder zu Naturschutzgebieten, zum europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000 und zu einem EU-Vogelschutzgebiet – Special Protected Area (SPA) oder grenzen unmittelbar an sie heran.

Die Abholzungen, welche zumeist arten- und strukturzerstörende Ausmaße angenommen haben, finden häufig mit den Begründungen statt, Eichen in ihrem Bestand zu befördern. Es ist schon dreist, derartige Unwahrheiten zu verkünden, wenn die praktischen Taten ganz andere Bilder vermitteln. Dabei haben viele derartige Wälder mit direkten bzw. indirekten Eingriffen für Verkehrs-, Gewerbe- und Siedlungsbauten sowie Störungen in Folge dieser Maßnahmen zu kämpfen. Da seien die vergangenen Flussbegradigungen der Saale im Bereich des Plötzkauer Auenwaldes und der Sprohne, die Zerschneidung des FFH-Gebietes Nr. 103 – „Nienburger Auenwald Mosaik zwischen Dröbelschen Holz und Sprohne mit der B6n sowie der Flugplatz Cochstedt unweit des Hakels zu nennen.
Die Frage stellt sich nun, welche Gutachter und Naturschützer derartige Abholzungen, welche selbst besonders sensible Schutzgebiete nicht verschonen, absegnen und legitimieren?

Im Rahmen seiner zahlreichen Exkursionen und Begehungen stellt der AHA eine besorgniserregende Negativveränderung in den jeweiligen Waldgebieten fest. Dazu zählen das Einbüßen von Arten- sowie Strukturvielfalten sowie die Zunahme von Monostrukturen durch Reih- und Gliednachpflanzungen mit wenigen Gehölzarten. Auf Grund der zunehmend besorgniserregenden Entwicklung fordert der AHA mit Nachdruck die Schutzgebiete aller Art von derartigen Abholzungen zu verschonen, ein nachhaltiges Waldkonzept für das Land Sachsen-Anhalt zu entwickeln, eine arten- und strukturreichere Landwirtschaft zu befördern, Flächenversiegelungen stark herunterzufahren, Biotop- und Grünverbindungen auszuweiten bzw. neu zu ermöglichen sowie insbesondere in den Schutzgebieten eine ausschließlich sukzessive Weiter-, Wieder- und Neuentwicklung zuzulassen.

Der AHA verweist noch einmal mit Nachdruck auf die allseits bekannten Funktionen arten- und strukturreicher Wälder als Lebens- und Rückzugsraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, als sehr wichtiger Bestandteil des Klimaschutzes und der Klimaverbesserung, als Ort der Gesundheit, Naherholung, Wissenschaft. Lehre, Kultur und Bildung sowie der Verbesserung der Wohn- und Lebensqualitäten hinzuweisen. Diese Funktionen zu sichern, besser noch zu optimieren muss sich endlich auch zu einem zentralen Bestandteil der Politik im Land Sachsen-Anhalt entwickeln. Daher ruft der AHA die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt auf, den Umgang mit Umwelt, Natur und Landschaft als eine sehr wichtige Entscheidungsgrundlage für die Abgabe der Stimme zur Landtagswahl am 13.03.2016 zu verwenden.


Initiative „Pro Baum“ fordert Schutz und Erhalt der Parkanlage in der Schopenhauerstraße

Bereits mit großer Abscheu und Ablehnung hat die Initiative „Pro Baum“ die massenhaften Abholzungen von Bäumen und Sträuchern im einstigen Pauluspark durch die aus der Halleschen Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) und der Günter Papenburg AG bestehenden Halleschen Gesellschaft für Wohnen und Stadtentwicklung (HGWS) aufgenommen. Das Vorgehen der HGWS, welches trotz massiver Proteste der Bevölkerung das Freigelände im früheren Komplex des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt für eine Tiefgarage und weitere Wohnbebauung bebauen möchte, hat somit zu umfassenden Verlusten an gewachsenem Grün im Paulusviertel beigetragen. Ferner führen diese Abholzungen nicht nur zu massiven Verlusten von Brutgehölzen, sondern zur Störung von Brutmöglichkeiten im näheren Umfeld. Nach Auffassung der Initiative „Pro Baum“ stellen diese Änderungen das falsche Signal in Sachen Schutz von Umwelt und Natur sowie Sicherung von gesunden Lebens- und Wohnqualitäten dar.
Eine Bebauung der Parkanlage in der Schopenhauerstraße in Angrenzung an den Gebäudekomplex des halleschen Jugendamtes ist eine Fortsetzung der Politik der Vernichtung von Grün im halleschen Paulusviertel und somit auch in der gesamten Stadt Halle (Saale). Offenbar ist bei der HWG noch immer nicht angekommen, dass nicht Zerstörung, sondern Schutz, Erhalt und Mehrung von öffentlichem Grün mit seinen Gehölz- und Wiesenbeständen die Zeichen der Zeit darstellen. Die Initiative „Pro Baum“ fordert nunmehr die Verwaltung der Stadt Halle (Saale) in ihrer Eigenschaft als zuständige untere Naturschutzbehörde auf, sich für den Schutz und Erhalt dieser sehr wertvollen Grünanlage als öffentlichen Park sowie Lebens- und Rückzugsraum von Tier- und Pflanzenarten, Ort der grünen Aufwertung des Paulusviertels und Teils eines offensiven Schutzes von Umwelt und Natur einzusetzen. Nach Auffassung der Initiative „Pro Baum“ sollte sich die HWG verstärkt für die Sanierung bestehender Bausubstanz ins Zeug legen und an die diesbezüglichen positiven Ansätze im Medizinerviertel anknüpfen.


AHA fordert mehr Schutz für Klausberge

Eingebettet in die Saaleaue und unweit vom Naturschutzgebiet und Schutzgebiet nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH) – Richtlinie Forstwerder in Halle-Trotha entfernt befindet sich das flächenhafte Naturdenkmal (FND) Klausberge.
Diese ca. 4,9 ha große, zwischen 15 bis 20 m über dem Niveau der Saale liegende und vom Oberen Halleschen Porphyr geprägten Klausberge, gehören zu den ökologisch und landschaftlich bedeutsamsten Standorten im Stadtgebiet von Halle (Saale). Das einst von Einsiedlern, den Klausnern, besiedelte Gebiet, welche hier ein kleines Kloster betrieben, zeichnet sich durch Trocken- und Halbtrockenrasengesellschaften, durch sukzessiv entstandene Wald- und Gehölzstrukturen sowie einst vom Halleschen Verschönerungsverein Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzte Fliederbestände aus. Sie dienen somit zum einem als sehr wichtiger Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie zum anderen als Erholungsraum für die Bevölkerung. Bereits der große Lyriker Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff, welcher sich in den Jahren 1805, 1840/41 und 1855 in Halle aufhielt, liebte diesen Ort. Seine Empfindungen sind in einem 1897 an der heutigen Eichendorffbank errichtetem Obelisk festgehalten.

Im Zusammenhang mit der ökologischen, landschaftlichen, historischen und lyrischen Bedeutung der Klausberge seien zudem die durch Verwitterungsprozesse und Sickerwasserwirkung entlang von Gesteinsklüften entstandene Jahnhöhle erwähnt, wo sich der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn in den Jahren 1796 bis 1799 vor dem Zorn einiger konservativer Studentenverbindungen versteckt hielt. Ferner sind am Fuße der Klausberge noch die Reste des Weges der Treidler erkennbar, welche noch bis zur vorletzten Jahrhundertwende Lastkähne flussaufwärts zogen.
Alles im allem schlossen sich die Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer, den immer wieder formulierten Auffassungen des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) und der Initiative „Pro Baum“ an, dass das im Jahre 1995 zum flächenhaften Naturdenkmal erklärte Felsengebiet, ganz dringend eines besonderen Schutzes bedarf. Das bedeutet nach Meinung beider Organisationen, u.a. die Umsetzung einer ordnungsgemäßen Ausschilderung, Verhinderung des Betretens der Felsenhänge sowie ganz besonders die Unterbindung des Missbrauches des Plateaus im Nordteil des Felsenmassivs für Spontanpartys und für größere und kleinere Feuerstellen. Hierzu sind zudem entsprechende Kontrollen dringend nötig. Ebenso beinhalten die Überlegungen von AHA und Initiative „Pro Baum“ einen Naturerkenntnispfad einzurichten, welcher sich in einem wiederzubelebenden Saalenaturerkenntnispfad, einfügen ließe.

Mit großer Sorge sind ferner die gegenwärtigen massiven Abholzungen im Süden und entlang des Weges im Westteil des flächenhaften Naturdenkmals Klausberge zu sehen. Weitgehend wahllos fielen umfassende Teile von entwickelten Hang- und Auenwaldbereichen sowie dazugehöriger Übergangsbereiche der Säge zum Opfer. Dabei verschonte man weder Nistbäume, Überwinterungs- und Schlafplätze von Vögeln, Kleinsäugern, Insekten und Spinnen. Auf, von der Stadt Halle (Saale) aufgestellten Tafeln, rechtfertigte man diese massiven Eingriffe mit dem Erhalt und Schutz von Halb- und Trockenrasengesellschaften sowie der Schaffung von Sichtachsen u.a. zur Burg Giebichenstein, zur Petruskirche und zum Ochsenberg.

Nur haben sich offenbar diese Planer nicht eindeutig und gründlich mit der Entwicklung und Zusammensetzung der Landschaft und Natur sowie mit den generellen Standortbedingungen auseinandergesetzt. Der Großteil der abgeholzten Flächen ist durch massive Bodenaufträge gekennzeichnet, welche sich über die Jahrzehnte entwickelt haben, im Überflutungsbereich der Saale mit Auenlehm versetzt haben und somit sich sehr nährstoffreich darstellen. Darüber hinaus haben die humosen, teilweise auenlehmhaften Böden ein umfassendes Wasserspeichervermögen. Somit bieten sie die ideale Basis für verschiedene, arten- und strukturreiche Waldgesellschaften, aber keinesfalls für Halbtrocken- und Trockenrasengesellschaften. Diese gedeihen eher auf blanken Felsen mit geringen, nährstoffärmeren Bodengesellschaften, welche auch in den Klausbergen weiter oben vorkommen und nicht in den erst einmal abgeholzten Wald- bzw. Gehölzflächen. Darüber hinaus dienen diese Hang- und Schluchtwälder als Puffer für herabstürzende größere und kleinere Steine, welche sich in Folge von Verwitterung vom Felsen lösen.
Ebenfalls hält die Begründung, Schaffung von Sichtachsen u.a. zur Burg Giebichenstein, zur Petruskirche und zum Ochsenberg einer näheren Betrachtung nicht Stand, da diese auch vorher ausreichend bestanden hat.

Während man im gewissen Umfang Verbesserungen an den Absperrungen bzw. Geländern sowie Ausbesserungen an Wegen und Treppen noch nachvollziehen kann, rufen die massiven Ab- und Ausholzungen kein bzw. kaum Verständnis hervor. Wer Eschen und Ahorn, neben der seit dem 17. Jahrhundert in Europa angepflanzten und aus dem atlantischen Nordamerika stammenden Robinie, als nicht heimisch bezeichnet, lässt mangelnde Fach- und Sachkompetenz erkennen und Schlimmes für den stabilen und sehr vielfältigen Gehölzbestand erahnen. Zudem vernichteten die Abholzungen standortgerechte Bestände z.B. von Stieleiche, Gemeiner Esche, Feld- und Flatterulme, Feldahorn und Weichselkirsche. Gegenwärtig kann man erkennen, dass sich die Waldbestände dort sukzessiv oder als Stockausschläge wiederherstellen möchten, wo die Erde noch verblieben ist.
Somit sollten maximal zum Schutz und Erhalt der Trocken- und Halbtrockenrasengesellschaften konzipierte Maßnahmen Umsetzung finden. Dazu zählen stark begrenzte Ausholzungs- und Mahdarbeiten genauso, wie das Unterbinden des Betretens der Hänge.
Ansonsten sind jegliche Ab- und Ausholzungsarbeiten an den Gehölzbeständen sowie Abtragungen von jahrzehntelangen gewachsenen Bodens am Fuße der Klausberge sofort zu stoppen.

Im Ergebnis derartiger Betrachtungen erscheint es immer wichtiger und notwendiger festzustellen, dass das FND Klausberge ebenso wie das unweit nach Nordosten sich anschließende NSG und FFH-Gebiet Forstwerder dringend eines besseren Schutzes bedürfen, was auch u.a. auf die anderen Teile der halleschen Saaleaue zutrifft. Von daher fordern AHA und Initiative „Pro Baum“ die zuständigen Behörden auf, endlich und unverzüglich zu handeln und somit dem Schutz, Erhalt und darauf abgestimmten Entwicklung von Natur, Umwelt und Landschaft auf wissenschaftlich – fachlicher Basis mehr Augenmerk und Sorgfalt zu widmen sowie damit ihrem gesellschaftlichen und rechtlichen Auftrag nachzukommen. Zudem ergeht der Aufruf von AHA und Initiative „Pro Baum“ an die interessierte Bevölkerung, sich ebenfalls für den Schutz und Erhalt der Klausberge und dem Forstwerder einzusetzen.

Wer Interesse hat ehrenamtlich in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von AHA und Initiative „Pro Baum“ mitzuwirken, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
Fax.: 01805-684 308 363
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Oder über das Kontaktformular unter Kontakt

Fotos Andreas Liste


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