Stellungnahmen zur Schweinehaltungsanlage Cochstedt

Stellungnahmen zum

  • Vorentwurf der 1. Änderung Flächennutzungsplan im Bereich Schweinehaltungsanlage Cochstedt
  • Vorentwurf vorhabenbezogener Bebauungsplan „Schweinehaltungsanlage Cochstedt“

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hat mit großer Sorge die Beschlüsse des Stadtrates der Stadt Hecklingen zur Aufstellung der 1. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Hecklingen, Teilplan Cochstedt, für den Bereich „Schweinehaltungsanlage Cochstedt“ sowie zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Schweinehaltungsanlage Cochstedt“ der Stadt Hecklingen aufgenommen. Die bisher getätigten Angaben, dass die bereits ansässige Hederslebener Zucht & Mastbetriebe GmbH & Co. KG die Stallanlage von vier auf zwei Hektar reduzieren, alte durch moderne Stallanlagen ersetzen sowie die Kapazität im Umfang von 4.000 Tieren beibehalten möchte erscheint wenig glaubhaft. Bereits die angedachte Änderung des Planungsraums von „Fläche für die Landwirtschaft“ zu sonstiges Sondergebiet „gewerbliche Tierhaltung“ lässt die Vermutung aufkommen, dass perspektivisch eine Erweiterung der Anlage vorgesehen ist. Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes eröffnet sich zu mindestens diese Möglichkeit.
Für den AHA stellt sich ohnehin die Frage, inwieweit

Das Statistische Bundesamt gab mit Stand Mai 2019 in der Kurzanalyse folgende Zahlen zum Schweinebestand in Deutschland an, Zitat:

„Zum Stichtag 3. Mai 2019 wurden in Deutschland 25,9 Millionen Schweine gehalten. Damit ist die Zahl der Schweine seit der letzten Erhebung im November 2018 um 2 % oder 532 000 Tiere gesunken. Gegenüber dem Vorjahreswert zum 3. Mai 2018 ist der Bestand um 3,7 % oder 985 000 Tiere zurückgegangen.

Damit setzt sich ein längerer Trend fort. Innerhalb der letzten fünf Jahre sank die Zahl der in Deutschland gehaltenen Schweine um 7,8 % oder 2,2 Millionen Tiere.
Die Zahl der Mastschweine ging besonders stark zurück. Zum Stichtag 3. Mai 2019 wurden 11,3 Millionen Mastschweine in Deutschland gehalten, das waren 4,7 % beziehungsweise 560 000 Tiere weniger als vor einem halben Jahr. Dagegen ist bei den Ferkelbeständen ein leichter Zuwachs um 1,7 % (129 000 Tiere) auf derzeit 7,8 Millionen Tiere zu verzeichnen. Die Zahl der Zuchtsauen sank im gleichen Zeitraum um 1,8 % auf 1,8 Millionen Tiere.

Auch die Zahl der schweinehaltenden Betriebe ist weiter gesunken und lag zum Stichtag 3. Mai 2019 bei 21 600 Einheiten. Im November 2018 gab es noch 3,5 % oder 800 Betriebe.“, Zitat Ende

Das bedeutet bei einer Gesamtbevölkerungszahl in Deutschland im Umfang vom 83,0 Millionen Einwohnern (Stand: Ende des Jahres 2018) 0,31 Schweine pro Einwohner.
Laut Statistischem Bundesamt hat das Land Sachsen-Anhalt einen Gesamtbestand von 1.075.000,2 Millionen Schweinen, davon 239.000,4 Mastschweine und 471.000,5 Ferkeln. Bei einer Einwohnerzahl in Sachsen-Anhalt laut Statistischem Landesamt Sachsen-Anhalt im Umfang von 2 208 321 Menschen (Stand: 31.12.2018) kommen somit ca. 0,49 Schweine pro Einwohner.

Nach Auffassung des AHA existieren in Deutschland bzw. Sachsen-Anhalt umfassende Schweinebestände, welche keiner Steigerung bedürfen.
Dabei besteht nicht nur das Problem einer tierfreundlichen Haltung, sondern auch der Anfall von Gülle.
Laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen fallen bei der Ferkelaufzucht 0,6 m³/pro Tier/Jahr und bei der Schweinemast 1,5 m³/pro Tier/Jahr an. Das bedeutet bei 4.000 Ferkeln ein Gülleaufkommen pro Jahr im Umfang von 2.400 m³. Bei einer Umstellung auf Schweinemast mit ebenfalls 4.000 Tieren ist dann mit einem jährlichen Gülleaufkommen von 6.000 m³ zu rechnen. Das bedeutet eine Erhöhung des jährlichen Gülleaufkommens um 3.600 m³ bzw. 40 %.
Der AHA weist darauf hin, dass laut Umweltbundesamt in Deutschland in der Landwirtschaft nach wie vor Überschüsse an Phosphor im Umfang von 10 kg/ha Landwirtschaftlicher Fläche und bei Stickstoff im Umfang von 20 kg/ha Landwirtschaftlicher Fläche existieren.
Diese Überschüsse lassen sich nur durch Reduzierung der Düngergaben, Verbesserung der Fruchtfolge, Erhöhung der Vielfalt an Ackerkulturen und nicht zuletzt durch die Reduzierung des Ausbringens von Gülle senken.
Ebenso bedenklich zu sehen ist die Erhöhung des jährlichen Transportaufkommens von 390 Fahrten um 181 Fahrten auf 571 Fahrten. Das ist eine Steigerung um 68,30 %.
Somit trägt eine Umsetzung des Vorhabens „Schweinehaltungsanlage Cochstedt“ eher zur Verstärkung der Umweltbelastungen in Luft, Boden und Wasser bei. Das belastet ferner die Wohnlage Cochstedt, stellt aber auch eine Bedrohung der Gewässer sowie des westlich gelegenen ca. 1.400 ha großen Naturschutzgebietes und europäischen Vogelschutzgebietes Hakel mit seiner großen Artenvielfalt an Fauna und Flora dar.
Der AHA plädiert eher dafür zu prüfen, inwieweit der vollständige Rückbau der Stallanlage mit anschließender kompletter baulicher Beräumung, nicht eher zur Schaffung einer sukzessiven Gehölz- und Staudenfläche führen sollte. Neben der
Bedeutung als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten auf ca. 4 ha, trägt das zur Verbesserung des Orts- und Landschaftsbildes bei, befördert den Rückhalt von Wasser sowie dient als Teil eines zu entwickelnden Biotop- und Grünverbundes mit dem Hakel sowie des angrenzenden Nesseltals.

Daraus ist zu schlussfolgern, dass der AHA sowohl dem „Vorentwurf der 1. Änderung Flächennutzungsplan im Bereich Schweinehaltungsanlage Cochstedt“, als auch nicht dem „Vorentwurf vorhabenbezogener Bebauungsplan „Schweinehaltungsanlage Cochstedt“ zustimmen kann.

Der AHA ist bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Möglichkeiten bereit an den geschilderten Alternativmöglichkeiten mitzuwirken. Daher ruft der AHA Interessenten auf daran mitzuarbeiten. Wer Interesse hat in einer möglichen, speziellen ehrenamtlichen AHA-Arbeitsgruppe mitzuwirken wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Ortsgruppe Gatersleben
Schmiedestraße 1

06466 Gatersleben

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 01.09.2019

https://www.stadt-hecklingen.de/bekanntmachungen/index.php#announcement_99492



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