Stellungnahme zur Ertüchtigung der Hochwasserschutzanlage Ringleben

Stellungnahme zur Ertüchtigung der Hochwasserschutzanlage Ringleben
Abschnitt 1 – Rechter Mahlgeradeich, km 0+000 bis 0+250

Zu 2 Notwendigkeit des Vorhabens
Zu 3.1 Lage des Vorhabens
Zu 3.4 Hydraulische Berechnungen und Kennwerte, Überflutungssituation

Es ist vollkommen unverständlich den Gesamtraum der Gera zwischen der Landeshauptstadt Erfurt und der Einmündung in die Unstrut diese Eindeichung des Flusses beibehalten zu wollen. Dabei gilt es als allgemeines Wissensgut, dass Fließgewässer unbedingt die Altauen als Hochwasser- und Entwicklungsraum zurückerhalten müssen. Neben der Verringerung von Flächenversiegelungen und einer verbesserten, arten- und strukturreichen Landwirtschaft, welche u.a. wasserdurchlässigere Böden schafft, ist somit mit einer Verringerung der Höhe einer möglichen Hochwasserwelle zu rechnen. Dieses angedachte Vorhaben hält an der bisherigen Deichführung fest, was dem eindeutig widerspricht.

Zu 4.1.1 Bestehende Gefährdungssituation und Planungsansatz

Nach Auffassung des Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) rührt dieses Hochwassereeignis und deren Folgen vor Ort sehr stark daher, dass dem Fluss natürliche Retenstionsflächen fehlen. Ebenso führt das unnatürlich begradigte Abflussregime zu weiteren Eintiefung, welche zu Hochwasserzeiten immer mehr Wasser aufnimmt und nichts an seine Aue abgibt. Bis zu einem bestimmten füllt sich der stark eingedeichte Raum mit dem nachschiebenen Wasser auf und kann so zu massiven Überflütungen im Unterlauf führen. In der Altaue kommt dabei zumeist hauptsächlich Qualmwasser an. In Trockenjahren –wie 2018 und 2019- entzieht der Fluss aus der Aue umfassend Wasser. Das führt u.a. zu Austrocknungen von Böden, Feuchtgebieten und offenen Gewässern.

Zu 4.1.2 Zustand der vorhandenen Hochwasserschutzanlage
Zu 5 Art und Umfang des Vorhabens
Zu 7 Auswirkungen des Vorhabens

Im Planungsraum haben sich standortgerechte Gehölz-, Stauden- und Wiesenflächen entwickelt, welche als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tierarten gilt. Am 24.05.2020 stellten wir fest, dass sich in einer Baumhöhle einer Gemeinen Esche ein Brutplatz eines Grünspechtes befindet. Nach Ansicht des Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) gilt es unbedingt diese naturnahe Entwicklung nicht nur zu erhalten, sondern Räume der Weiterentwicklung zu ermöglichen. Alternativ erscheint es im Rahmen einer flächendeckenden Rückverlegung der Deiche zwischen Ringleben u.a. nach Nordwesten sowie nördlich von Ringleben bis zur Einmündung in die Unstrut sowie nach Osten in Richtung Haßleben derartige Maßnahmen vorzunehmen. Dabei gilt es aber auch Flächenversiegelungen, Rückbaumaßnahmen und bauliche Verlagerungen zu prüfen und ggf. auch umzusetzen.
Die vorliegenden Planungen sind vollkommen ungeeignet im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie der EU, im Interesse einer Zulassung einer naturnaheren Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften und der damit verbundenen Ermöglichung der Stärkung der Aufgabe als Lebens- und Rückzugsraum für Fauna und Flora sowie der Stärkung und Ausweitung der Aufgabe als Biotop- und Grünverbundraum in dem Teil des Freistaates Thüringen, wirksam zu sein.
Mit den angedachten Arbeiten besteht die Gefahr der starken Störung bis Vernichtung eines sukzessiven Auenwaldes mit seinen sich entwickelnden Schichten.

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 24.05.2020



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