Stellungnahme zum Vorentwurf Bebauungsplan 158 „Freizeit- und Erholungsraum Hufeisensee“

Zu A.1:

Der im Osten der Stadt Halle (Saale), unweit des Flusses Reide gelegene, ca. 70 ha große Hufeisensee nimmt regional gesehen eine sehr bedeutende Rolle ein. Einst als Kohletagebau begonnen und später für den Abbau von Kies genutzt, beschäftigt seit Jahrzehnten die Verantwortlichen die Frage der künftigen Nutzung. Bis zum heutigen Zeitpunkt liegt noch immer keine Konzeption vor, welche den vielfältigen Interessen an dem mit ca. 6,6 Millionen m³ gefüllten See gerecht wird. Weder die Verantwortungsträger zu DDR-Zeiten, noch der frühere Eigentümer, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), noch der gegenwärtige Eigentümer Stadt Halle (Saale) haben diese notwendige Grundlage für eine ordnungsgemäße Zukunft zu Wege gebracht.
Anstatt nunmehr eine alle Interessen abgewogenes Nutzungs- und Entwicklungskonzeption zu erstellen, liegt nunmehr ein sehr stark auf Umnutzung auf sogenannten „Freizeit- und Sportraum“ orientierter Vorentwurf des Bebauungsplan vor.

Zu A.2.:

Die angedachte Planungsverfahren vermittelt klar und deutlich den Eindruck die künftige Entwicklung dem angedachten Golfplatz unterzuordnen. Eine umfassende wissenschaftliche Bearbeitung des Hufeisensees, welches die vielfältigen Interessen und Notwendigkeiten wie Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz, Forst- und Landwirtschaft, Tourismus, Naherholung und Sport sowie als weitere Wohnumgebung der Menschen liegt zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vor.
Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. legte am 11.06.2001 einen „Rahmenplan zur Erstellung einer Nutzungs- und Entwicklungskonzeption für den Hufeisensee in Halle (Saale)“ vor, welche die Martin-Luther-Universität Halle – Wittenberg sowie die damalige Oberbürgermeisterin und der damalige Beigeordnete für Planen und Umwelt der Stadt Halle (Saale) gleichermaßen erhalten haben.

Zu 4.2. und 4.3:

Die Errichtung einer Golfanlage gehört nicht zu den zwingenden Pflichtaufgaben der Stadt Halle (Saale). Nach den getätigten Ausführungen beabsichtigt man nun die gesamte Flächennutzungs- und Bebauungsplanung diesem Vorhaben unterzuordnen. Golfsport gehört nicht zu den Sportarten, welche a) dem allgemeinen Interesse entspricht und b) schon dann keine Ausgabe öffentlicher Mittel rechtfertigt, wenn massive Kürzungen im sozialen Bereich und der innerstädtischen Entwicklung dem gegenüberstehen. Ebenso erfolgt ungerechtfertigterweise eine Überhöhung dieser partikularinteressierten Sportart Golf gegenüber dem eindeutig dem öffentlichen Interesse unterliegendem Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz.

Zu 5.3.:

Die dort getätigten Angaben zu den getätigten Untersuchungen und derer Ergebnisse sind keinesfalls detailliert dargestellt worden. Dies ist aber notwendig, um die Gefahr, welche von der Deponie ausgeht aufzuzeigen, zu werten und zu wichten. Die lapidaren Darlegungen, dass Bodenmodellierungen nur durch Bodenaufträge möglich sind reichen dazu nicht aus, weil dabei veränderte Bodendrücke und angedachte Baumaßnahmen und deren Folgen damit keinesfalls ausreichend Würdigung finden.

Zu 6.1.:

Ein städtebauliches Zielkonzept ohne Berücksichtigung des Umwelt-, Landschafts- und Naturschutzes sowie der Land- und Forstwirtschaft blenden die entsprechenden Verantwortungen der Stadt Halle (Saale) unzulässigerweise aus und haben somit einen unvollständigen Charakter.
Nach Angaben der Planungen sind vorgesehen wertvolle Schilf- und Saumstreifen im West und Nordbereich zu zerstören, was zu massiven Zerstörungen von Lebens- und Rückzugsräumen zahlreicher tier- und Pflanzenarten führt. Der Hufeisensee ist ganz jährig z.B. ein wichtiger Lebens- und Rückzugsraum von zahlreichen Vogelarten dar.

Zu 6.2. und 6.3.:

Eine Unterordnung des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes unter die Belange des sogenannten „Freizeit- und Sportraum“ stellt eine Verschlechterung der Entwicklung des Hufeisensees in den letzten Jahrzehnten sowie eine ungerechtfertigte Überbewertung von Freizeit und Sport dar.
Die gegenwärtige sukzessive Entwicklung der bestehenden Gehölz- und Röhrichtbestände gilt es nicht nur zu sichern, sondern weiter zu entwickeln. In dem Blickfeld betrachtet sind Gehölzpflanzungen nicht notwendig, da sich durch die Sukzession arten- und standortgerechte Pflanzenbestände entwickeln können. Ebenfalls sind die vereinzelt vorhandenen Kleingewässer als Lebensraum zahlreicher Amphibien- und Insektenarten zu sichern. Um sich einen genauen Überblick zur Schutzwürdigkeit zu verschaffen sind umfassende Erfassungen an Fauna und Flora dringend erforderlich. Diese Erfassungen sollten mindestens eine vollständige Vegetationsphase umfassen. In dem Zusammenhang erscheint eine Erfassung bestehender und die Entwicklung potentieller Biotop- und Grünverbindungen dringend vonnöten. Insbesondere der Biotop- und Grünverbund zur Reideaue nimmt hier eine herausragende Rolle ein. Dieser Biotop- und Grünverbund zur Reideaue bedarf sogar noch einer entsprechenden räumlichen Ausweitung bzw. Erweiterung.
In den Unterlagen fehlen zudem Überlegungen und Maßnahmen zum Schutz und Erhalt von Kaltluftentstehungs- und –ventilationsbahnen.
Anhand der Kartierungen sowie deren Sichtung und Wertungen besteht die Möglichkeit unter so gering wie möglichen Beeinträchtigungen für Natur, Umwelt und Landschaft Badestrände auszuweisen. Jedoch sind ebenfalls im Vorfeld Untersuchungen zur Wasserqualität, Wasserströmungen sowie eng damit verbundene Einflussnahmen seitens der Deponie erforderlich. Darüber hinaus ist die Nutzung von Motorbooten über das gegenwärtige Maß hinaus komplett auszuschließen.
Die Ausweisung eines Rundweges im unversiegeltem Zustand gekoppelt mit einem Naturerkenntnispfad wird durchaus begrüßt. Diese Wege sind aber gegenüber Kfz.-Verkehr zu sperren. Die Schaffung von weiteren Stellplätzen im Hufeisenseebereich gilt es angesichts der guten Anbindungen mit ÖPNV sowie wegen für Fußgänger und Radfahrer auszuschließen. Bestehende Stellplätze sind dafür ausreichend.
Eine Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes Hufeisensee erscheint jetzt schon dringend geboten zu sein.
Der Golfplatz als Ganzes gilt es in Zweifel zu stellen. Erstens erscheint die Errichtung auf dem einstigen Deponiegelände ungeeignet zu sein und Zweitens sollte sich die Stadt Halle (Saale) auf die Förderung von Breitensportarten konzentrieren. Hinsichtlich der einstigen Deponie kann gegenwärtig Niemand explizit das tatsächliche Gefährdungspotenzial darlegen, welches von ihr ausgeht. Mit der Abdeckung des Geländes ist die Gefahr keinesfalls gebannt. Ggf. ist perspektivisch davon auszugehen das gesamte Deponiegelände komplett zu beräumen. Schon die Tatsache, dass der ungetrennte Müll und Schutt im unteren Bereich von Wasser durchströmt ist, welches ungehindert mit dem Wasser des Hufeisensees und dem Grundwasser korreliert.
Zudem sollte die Stadt Halle (Saale) im Rahmen der gegenwärtigen Haushaltssituation mehr am Interesse der Allgemeinheit orientieren. Golfsport gehört definitiv nicht dazu.
Zudem ist nicht erkennbar, wer die Verantwortung für den Golfplatz und wer die Kosten des Ganzen trägt. Ferner scheint nicht geregelt zu sein, wer bei Aufgabe der Golfanlage für den Rückbau baulicher Anlagen verantwortlich ist.
Der gegenwärtige Zustand des einstigen Golfplatz stellt sich zudem eindeutig als § 30-Biotop dar. Vielfältige Gehölz- und Röhrichtbestände sowie ausgedehnte nitrophile Stauden und Wiesenbestände bilden einen sich immer weiter entwickelnden Natur- und Landschaftsraum, den es nunmehr vielfältig und umfassend zu kartieren und auch zu erhalten gilt.

Zu 8.:

Die Auswirkungen der Planungen auf Landschaft, Umwelt und Natur sind eben gegenwärtig nicht voll umfänglich absehbar. Es fehlen nachweislich wissenschaftlich-fachliche Dokumente, welche sich ordnungsgemäße langjährige Kartierungen nennen können. Einzigst die kontinuierlichen ornithologischen Erfassungen und Kartierungen geben Auskunft zu Entwicklung und Bestand der Avifauna und ihrer unmittelbaren Brut- und Lebensräume. Andere Erfassungen weisen nicht die erforderliche Langzeitigkeit aus.
Darüber hinaus sei darauf hingewiesen, dass der Hufeisensee eine Bergbaufolgelandschaft ist, wo bestimmte Entwicklungsprozesse –wie Bodensetzungen und Einpegelungen von Wasserströmungen- noch lange nicht abgeschlossen sind. Man spricht von Entwicklungszeiträumen von 100 Jahren, so dass der Hufeisensee sich noch mitten in dem Entwicklungsprozess befindet. Die tragischen Ereignisse am Concordiasee in Nachterstedt –„Investor“ war auch da der frühere hallesche Wirtschaftsdezernent Norbert Labuschke- sollten hier Mahnung genug sein.
Daher fordert der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. erneut die unverzügliche Erstellung einer Nutzungs- und Entwicklungskonzeption für den Hufeisensee in Halle (Saale). Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. legte dazu am 11.06.2001 einen „Rahmenplan zur Erstellung einer Nutzungs- und Entwicklungskonzeption für den Hufeisensee in Halle (Saale)“ vor, welcher der Stellungnahme beiliegt.
Die gegenwärtigen Planungen sieht der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. als wissenschaftlich-fachlich nicht ausgereift, zu stark auf eine sehr bedenkliche Golfanlage orientiert sowie somit nicht allen Erfordernissen und Bedürfnissen des Landschaftsraumes Hufeisensee gerecht werdend an.
Somit ist das Vorhaben strikt abzulehnen.



Kommentare

  • Razor

    Objektiv betrachtet ist diese Stellungnahme nicht mehr als ein Lacher – voreingenommene, teilweise an den Haaren herbei gezogene Argumente, die nur ein einziges Ziel haben – den Golfplatzbau zu torpedieren.

    Wer besser recherchieren könnte bzw. würde und wollte, wüsste, dass es naturschutzmäßig eigentlich nichts besseres für den See gäbe, als einen Golfplatz. Und man scheint zu vergessen, dass lediglich ein alter Acker und eine Müllkippe umgewandelt werden. Der See liegt eigentlich nur neben an und wird praktisch nicht tangiert. Ein Golfplatz ist in aller Regel Idylle pur – mit Biotopen, Wasser und vielen Bäumen. Das ist nix mit Lärm oder Krach! Und Tiere besiedeln innerhalb kurzer Zeit jeden Golfplatz! Einfach mal googlen …

    Als Anlieger würde ich jederzeit den Golfplatz einem Acker vorziehen!

    Das war mein Senf dazu!

    • Andreas Liste

      Leider haben Sie sich nur anonym und ohne einen einzigen Fach- und Sachbezug geäußert. Offenbar ist es Ihnen entgangen, dass es sich um eine Planung für den gesamten Hufeisensee geht. Daher erscheint es sinnvoll zu sein, bevor man seinen Senf dazu gibt, sich umfassend mit dem Planungsvorhaben zu befassen. Außerdem sollten sie so viel Mut besitzen und Ihren Namen klar benennen. Das würde den Disput an Wert heben. Ihre Ausführungen sind jedenfalls substanzlos und fachlich vollkommen wertlos.

      Andreas Liste
      Vorsitzender des AHA

  • Razor

    Dass es um die Planung des gesamten Hufeisensees geht, findet bei ihrer Stellungnahme aber kaum Berücksichtigung – es wird augenscheinlich hauptsächlich der Golfplatz ins Visier genommen, der am Ende wohl am Wenigsten in die Natur eingreift. Im Gegenteil – lediglich ein ansonsten vermutlich mit Chemie betankter Acker und eine ehemalige Müllkippe werden transformiert und es wird alles grüner mit Bäumen und Sträuchern. Welch ein Drama!

    Viel eher sollte der Fokus auf die geplante Wassersportnutzung gelegt werden, denn hier ist wohl der meiste Krach und Störungen für die Natur zu erwarten. Und bis auf einen Badebereich sollten das Ufer, Schilfgürtel und der gesamte See gänzlich unberührt bleiben und sogar noch stärker geschützt werden. Da bin ich voll und ganz auf Eurer Seite. Aber mit dem Golfplatz täuscht ihr Euch gewaltig. Schaut doch mal, was z.B. der GC Fleesensee naturschutzmäßig alles auf die Beine gestellt hat. Da macht ihr Augen. Naturschützer und Golfplatzbetreiber sind dort praktisch die besten Freunde und gemeinsam aktiv.

    • Andreas Liste

      Sie irren sich da. Daher wird ja auf den Rahmenplan verwiesen. Hier fordern wir erst einmal eine ordnungsgemäße wissenschaftliche Bearbeitung ein. Ein derartiges Deponiegelände für einen Golfplatz mit Bauten zusätzlichen Anfahrtswegen und Parkplätzen zu nutzen ist schlicht und ergreifend unverantwortlich. Abgesehen davon, dass sich das Gelände schrittweise dem Standort gerecht entwickelt.
      Wir sehen die mögliche Wassersport und -tourismusentwicklung mit großer Sorge.
      Abschließend noch ein Hinweis: Eigentlich antworten wir nicht auf anonyme Texte. Es wäre schön, wenn Sie mal ihre Identität preisgeben könnten. Das kann man bei so einer Diskussion schon erwarten.

  • Ralle

    Als alter Kanenaer möchte ich hierzu auch noch ein bischen „Mittelscharfen“ dazu geben. Das es um solch ein Projekt heftige Kontroversen gibt ist klar. Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich die Stadt die Sache zu einfach macht. Da Jahrzehnte lang geschundene Gebiet am Hufeisensee ist mir bestens bekannt. Wenn ich die Vorplanungsehe frage ich mich, ob dem Investor bekannt ist, dass sich am Südufer des Sees Altbergbau in Form von verfüllten Stollen befindet, die zu DDR-Zeiten mit Kaolin verschlemmt wurden. Wer will die Garantie übernehmen, dass alle Hohlräume verfüllt sind? Mir allein sind 4 Erdfälle bekannt. Einer davon NACH der Verfüllung. Darin war der Hund meines Nachbarn tagelang verschwunden. Die Stollen verlaufen vom Südufer unter dem Sportplatz, so dass deshalb zu DDR- Zeiten die Turnhalle abgerissen werden musste. In der Straße zum Planetarium verschwand früher auch der Keller eines Einfamilienhauses. Außerdem befindet auf dem Gelände der ehem. Lehrwerkstatt 3 Feuerlöschteiche, die mit Müll verfüllt und abgedeckt wurden. Was sich in der Großdeponie für ein Cocktail befindet, kann ich nur ahnen. Wir wurden als Kinder sogar von Arbeitern mit Schutzmasken vertrieben, die Säcke mit aufgedruckten Totenkopfsymbol in den Deponiesee schmissen. Dort haben jahrzehnte lang alle Giftschleudern ihren Müll entsorgt. Es wurde ja nach der Wende alles professionell abgedeckt aber Grundwasser kommt nicht von oben. Die Stelle, wo der Mist in den Hufi läuft ist heute noch aktiv. Es ist nur zu wünschen, dass eine vernünftige Lösung gefunden wird und die Natur nicht wieder auf der Strecke bleibt, um auch künftigen Generation so nah am Stadtzentrum gefahrlose Erholung zu ermöglichen.

    • Andreas Liste

      Dem gibt es von der Sache nichts hinzuzufügen. Der sogenannte Investor für den Golfplatz müsste es eigentlich wissen. Immerhin war Norbert Labuschke mal Wirtschaftsdezernent der Stadt Halle (Saale).

  • Ralle

    Übrigens, wer im Stadtrat abschwächend von Hausmülldeponie in Kanena redet, sollte mal die Fotos im Umweltkalender 2013 aufrufen. Ich möchte mal wissen, wer solche Mengen 200 Liter-Fässer im Hausmüll entsorgt.


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