AHA hält verstärkten Schutz der Auenlandschaft zwischen Gera und Zeitz für dringend geboten

Unbenanntes_Panorama1Der gemeinnützige und ehrenamtliche Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) setzt sich bekanntlich sehr intensiv für den Schutz, Erhalt und naturnahe Entwicklung der Weißen Elster, ihrer Fluss- und Auenlandschaften, ihrer Nebengewässer sowie angrenzender Natur- und Kulturlandschaften ein. Dies geschieht in Form von Stellungnahmen, Vorschlägen, Exkursionen sowie Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit.
Im Rahmen dieser räumlich, fachlich-inhaltlich und organisatorisch umfassenden ehrenamtlichen Tätigkeit beabsichtigt der AHA nunmehr auch seine Aktivitäten auf die ca. 30 km lange Weiße Elster zwischen den Städten Gera und Zeitz zu intensivieren.
Dabei bilden der Erhalt, der Schutz und die Entwicklung weiterer Abschnitte zu naturnahen Natur- und Landschaftsräumen, die Erweiterung von Hochwasserräumen, die mögliche Wiederanbindung von Altarmen und eines umwelt- und naturverträglichen Tourismuskonzeptes, die Entwicklung eines breitgefächerten Umweltbildungskonzeptes sowie die Unterstützung des Vorhabens der Ausweisung großer Teile des Gebietes der Weißen Elster ab Gera, über Markkleeberg, Leipzig, den angrenzenden Landkreisen bis nach Halle (Saale) zur Ausweisung zum UNESCO-Weltkulturerbe, die ersten Arbeitshauptschwerpunkte. So lassen sich ökologische, geologische, archäologische, historische, kulturelle, wissenschaftliche, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte umfassender und günstiger ins Verhältnis bringen, um so angemessen zukunftsfähig länderübergreifend eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Perspektivisch erscheint es in dem Zusammenhang sinnvoll zu sein, die Gebiete über Gera, Greiz und Plauen bis ins Erzgebirge nach Tschechien ins Quellgebiet auszuweiten.

Um diese umfassenden Themengebiete umfassend erörtern zu können, dienen seit dem Jahr 2012 Fahrradexkursionen ab Gera entlang der Weißen Elster u.a. über Bad Köstritz und Crossen bis nach Zeitz.

Bei diesen Fahrradexkursionen spielt auch die Aue zwischen Bad Köstritz und Caaschwitz eine sehr große Rolle, wo im Zuge des letzten Hochwassers im Juni 2013 die Weißer Elster kraftvoll ihren ca. 1 km langen Altverlauf zuströmte. Im Rahmen der Fahrradexkursionen seit dem Jahr 2016 erläutern immer wieder Vertreter der Thüringer Landgesellschaft auch die jeweiligen aktuellen Varianten zur Entwicklung der Elsteraue bei Bad Köstritz. Die Mitglieder der jeweiligen Exkursionsgruppen beleuchteten dabei immer wieder die Tatsache, dass das Gebiet Bestandteil des 48 ha großen FFH-Gebietes 134/5038-302 Elsteraue bei Bad Köstritz ist und entsprechend bei allen Überlegungen sein muss. Ferner gilt es zu beachten, dass an und in dem Altverlauf der Weißen Elster FFH-geschützte Tiere wie z.B. die Becherfledermaus, der Laubfrosch, der Eremit und der Hirschkäfer vorkommen. Dabei greifen die anwesenden Mitglieder von AHA immer wieder kritisch Tendenzen zur räumlichen Reduzierung zur Herstellung einer neuen Schlinge der Weißen Elster auf. Sie befürchten, dass die Weiße Elster nicht die alte Länge zurückerhält, sich somit weiter eintieft, nicht ausreichend Raum für sukzessives Auenentwicklungspotential und Hochwasserausbreitungsraum besteht und somit die vollumfänglichen Chancen in Raum und Landschaft weit unter den gegebenen und künftigen Möglichkeiten verbleiben. Ferner verweist der AHA fortgesetzt auf die Notwendigkeit der freien Gestaltung des Flusses, seines Altverlaufes und seiner Aue. Dabei gilt es unbedingt großflächig -insbesondere im Bereich des Altverlaufes der Weißen Elster- die Sukzession von standortgerechten Auenwäldern zuzulassen. Diese dienen zur Entwicklung sehr bedeutsamer Lebens- und Rückzugsräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie um die Kraft des Hochwassers zu mindern und Wasser in dem Zuge aufzunehmen. Im Angesicht massiver Verschotterungen und wasserbaulicher Baumaßnahmen am gegenüberliegenden Ufer sowie des bereits fertiggestellten Brückenbaus wiederholte der AHA seine Mahnung, dass eine bessere Information und Bündelung in den Händen der Thüringer Landgesellschaft mbH erforderlich ist. Darüber hinaus gilt es Änderungen an der baulichen Schaffung vollendeter Tatsachen zu prüfen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass sich entlang der Weißen Elster in dem Bereich mit den Schluchten bei Gera und Bad Köstritz mit Roschützer Wald ein weiteres 164 ha großes FFH-Gebiet mit der Nummer 230/5038-305 befindet.
Im dem Blickwinkel betrachtet, erscheint es sinnvoll zu sein, in die Entwicklungsmaßnahmen Möglichkeiten einer naturnaheren Entwicklung des Gleinabaches einzuplanen. Das Ingenieurbüro für Planung und Umwelt (IPU) hat die Gewässerstrukturklassen des Fließgewässers, welches in den Altverlauf der Weißen Elster mündet, von vollständig und mäßig verändert eingestuft. Hier gilt es Abhilfe zu schaffen, wozu u.a. die Einhaltung von Gewässerschonstreifen von jeweils mindestens 10 m, der Verbleib von Altholz sowie die Ermittlung von Einträgen aus Haushalten, Gewerbe und Landwirtschaft gehören. Ggf. ist das Einbringen von Störsteinen notwendig, um die Mäandrierung zu befördern.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) weist an dieser Stelle darauf hin, dass bei den Fahrradexkursionen seit dem Jahr 2016 immer wieder Vertreter der Thüringer Landgesellschaft aktuelle Pläne darlegten und sich der kritischen Diskussionen stellten. In dem Zusammenhang hofft der AHA, dass diese Praxis auch bei künftigen Fahrradexkursionen entlang der Weißen Elster zwischen den Städten Gera und Zeitz Bestand hat.
Im Gegensatz dazu nahmen u.a. Verantwortliche von Politik und Verwaltung der Stadt Bad Köstritz nicht ein einziges Mal an derartigen Fahrradexkursionen teil. Insofern war es leider bisher nicht möglich auf breiterer Basis über die Planungen des Freistaates Thüringen zu diskutieren.
Die nunmehr vom Stadtrat von Bad Köstritz beschlossene Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss für Maßnahmen im Umgang mit dem Hochwasser und zur Entwicklung der Weißen Elster und ihrer Aue ist ein klarer Ausdruck der fehlenden Sensibilität für Belange des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes und stellt eine unzulässige Überhöhung des Tourismus dar.
Für den AHA ist unverständlich, warum es nicht Räume in dem 48 ha großen FFH-Gebietes 134/5038-302 Elsteraue bei Bad Köstritz geben kann, welche sich unberührter, naturnaher und sukzessiv entwickeln können.
Selbstverständlich ist es auch das gute Recht der Stadt Bad Köstritz Rechtsmittel gegen einen Planfestellungsbeschluss einzulegen, nur sieht der AHA bei weitem nicht die Möglichkeit einer breiten gesellschaftlichen Diskussion als ausgeschöpft an. Die erneuten Gesprächssignale der Thüringer Landgesellschaft sind zu begrüßen, dürfen aber nicht auf die Belange von Politik und Verwaltung der Stadt Bad Köstritz beschränkt bleiben. Es ist nach Ansicht des AHA zu befürchten, dass im Ergebnis dieser separaten Gespräche und Beratungen für den Schutz und Entwicklung von Umwelt, Natur und Landschaft sowie für die Rückgabe umfassender Retentionsflächen schlechtere Rahmenbedingungen herauskommen und damit ebenfalls der Blickwinkel für eine dringend länderübergreifende Lösung verloren geht.
Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hält es nämlich für dringend geboten wieder die ursprünglichen, räumlich weiter gefassten und auf mehr Naturnähe geprägten Planungen der Thüringer Landgesellschaft wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Nur so ist es nach Ansicht des AHA möglich weitgehend die Bedürfnisse des Schutzes und Entwicklung von Umwelt, Natur und Landschaft, der Rückgabe von Retentionsflächen sowie der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen und die Sicherung eines qualitativ angemessenen Tourismus zu ermöglichen.

Der AHA ist auf jeden Fall bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Bedingungen sich fachlich-inhaltlich und konstruktiv einzubringen.
Ferner bekräftigt der AHA sein Anliegen, sich verstärkt für den Schutz, Erhalt und Entwicklung des gesamten Flussgebietes der Weißen Elster von Quelle bis zur Mündung einzusetzen. Dazu zählt selbstverständlich auch der Abschnitt zwischen den Städten Gera und Zeitz.

Ebenfalls möchte der AHA Interessenten gewinnen, welche daran ehrenamtlich in seiner im Aufbau begriffenen Regionalgruppe Gera-Zeitz mitwirken können. Dabei besteht die Möglichkeit, dass sich ehrenamtliche Interessenten unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildung und Beruf einbringen. Wer Interesse hat, wende sich bitte an folgende Kontaktmöglichkeit:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Leipzig und Umland
Otto-Adam-Straße 14

04157 Leipzig

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 06.04.2021



Bäume pflanzen statt abholzen!

Das ist das Motto unter dem die Initiative „Pro Baum“ (IPB) und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) zum zwölften Mal auch am Karfreitag, dem 02.04.2021, aufgerufen hatte, um Bäume auf die Ziegelwiese in Halle (Saale) zu pflanzen. Der Treff war 10.00 Uhr an der Ochsenbrücke zwischen Riveufer und Ziegelwiese in Halle (Saale).
Mit der Aktion möchten beide Organisationen immer wieder ein deutliches Zeichen für ein umfassendes mehr, statt weniger Gehölze setzen, welche eine große ökologische und landschaftsgestaltende Funktion besitzen.
Bäume und Sträucher dienen als Sauerstoffspender, verbessern den Gehalt an Luftfeuchtigkeit, bieten zahlreichen Tieren Lebensraum und Nahrung, filtern Kohlendioxid, Feinstaub, Ruß und Ozonsmog aus der Luft sowie spenden Schatten. Sie tragen somit entscheidend zur Verbesserung des Klimas bei.
Jedoch die Stadt Halle (Saale) geht rechtlich und praktisch einen anderen Weg. Die nunmehrige hallesche Baumschutzsatzung trägt keinesfalls zum angemessenen Schutz und Erhalt von Bäumen und Sträuchern bei. In der Praxis zeigt sich das mangelnde Schutzverständnis u.a. in den Massenfällungen am Saaleufer am Holzplatz/Pulverweiden, zwischen Genzmerbrücke und Karl-Meseberg-Straße, in der Beesener Straße, im und am Gelände des früheren Gesundbrunnenbades, in der Delitzscher Straße, im Gelände des Sitzes der Leopoldina, in der Berliner Straße, in der Otto-Stomps-Straße, Fiete-Schulze-Straße, am Steintor, auf der Peißnitzinsel sowie nicht zuletzt auch auf der Ziegelwiese. Nunmehr sind z.B. weitere Baumbestände in Teilen der Heideallee und des Gimritzer Damms massiv bedroht.
Erst jüngst holzte man u.a. massiv entlang des Gimritzer Dammes bis zur Heideallee ab, um somit ein Festhalten an einer falschen Umwelt- und Verkehrspolitik der Stadt Halle (Saale) zu manifestieren. Gleiches ist hinsichtlich der Massenabholzungen in der Dölauer Heide und der angedachten Abholzungen auf der Rabeninsel anzumerken.
Dieser inakzeptablen und katastrophalen Gehölzschutzpolitik Halles gegenüber Alternativen aufzuzeigen, dient die Aktion „Bäume pflanzen statt abholzen“.
Jedoch führte die wiederholte katastrophale Aufstellung von Buden zwischen den über mehreren Jahren gepflanzten Gehölzen sowie deren Ab- und Aufbau zu umfassenden Schädigungen an einzelnen Gehölzen und Stützpfählen. Entsprechende Anzeigen und Aufforderungen zur Behebung der Schäden an den Veranstalter Stadt Halle (Saale) haben bisher nicht zum Erfolg geführt. Die Initiative „Pro Baum“ (IPB) und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) halten ein derartiges Verhalten für skandalös und fordern endlich Konsequenzen.
Die 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pflanzten bei diesem Arbeitseinsatz eine Stieleiche, eine Gemeine Esche und eine Schwarzpappel.
Sie bekräftigten die Notwendigkeit eines verbesserten Umwelt-, Landschafts- und Naturschutz in der Stadt Halle (Saale), welcher einen besseren Gehölzschutz einbezieht.
Ferner forderten sie die Wilde Saale von jeglicher Bootsbefahrung freizuhalten und alle Beeinträchtigungen dieses bedeutsamen Flussteiles zu unterlassen. Dazu zählen u.a. Abholzungen in den Uferbereichen, Ausbaggerungen von Schlamm, Kies und Sand sowie die Schaffung von Zugangsstellen für Boote.
Ferner fordern sie ein Ende der von Ignoranz geprägten Herangehensweise der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung der Stadt Halle (Saale) und Wahrnehmung eines demokratisch fundierten Umgangs mit der Bevölkerung sowie ihrer Vereine und Initiativen.
Auf jeden Fall waren sich die 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, dass es ganz bestimmt zum Karfreitag, dem 15.04.2022, zum dreizehnten Mal eine Aktion „Bäume pflanzen statt abholzen!“ geben wird.
Wer mehr zu Aktivitäten von Initiative „Pro Baum“ und AHA erfahren möchte, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. (AHA)
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

Tel.: 0345 200 27 46
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 02.04.2021

Fotos: AHA


AHA fordert verstärkt den Schutz der Auenlandschaft in Gera in die Stadtplanung einzubinden!

Der gemeinnützige und ehrenamtliche Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) setzt sich bekanntlich sehr intensiv für den Schutz, Erhalt und naturnahe Entwicklung der Weißen Elster, ihrer Fluss- und Auenlandschaften, ihrer Nebengewässer sowie angrenzender Natur- und Kulturlandschaften ein. Dies geschieht in Form von Stellungnahmen, Vorschlägen, Exkursionen sowie Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit.
Im Rahmen dieser räumlich, fachlich-inhaltlich und organisatorisch umfassenden ehrenamtlichen Tätigkeit beabsichtigt der AHA nunmehr auch seine Aktivitäten auf die ca. 30 km lange Weiße Elster zwischen den Städten Gera und Zeitz zu intensivieren.
Dabei bilden der Erhalt, der Schutz und die Entwicklung weiterer Abschnitte zu naturnahen Natur- und Landschaftsräumen, die Erweiterung von Hochwasserräumen, die mögliche Wiederanbindung von Altarmen und eines umwelt- und naturverträglichen Tourismuskonzeptes, die Entwicklung eines breitgefächerten Umweltbildungskonzeptes sowie die Unterstützung des Vorhabens der Ausweisung großer Teile des Gebietes der Weißen Elster ab Gera, über Markkleeberg, Leipzig, den angrenzenden Landkreisen bis nach Halle (Saale) zur Ausweisung zum UNESCO-Weltkulturerbe, die ersten Arbeitshauptschwerpunkte. So lassen sich ökologische, geologische, archäologische, historische, kulturelle, wissenschaftliche, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte umfassender und günstiger ins Verhältnis bringen, um so angemessen zukunftsfähig länderübergreifend eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Perspektivisch erscheint es in dem Zusammenhang sinnvoll zu sein, die Gebiete über Gera, Greiz und Plauen bis ins Erzgebirge nach Tschechien ins Quellgebiet auszuweiten.
Dazu ist es jedoch notwendig, dass die Stadt Gera diesen dringenden Schutzanspruch verstärkter in die eigene Stadtplanung aufnimmt.
Im Rahmen zahlreicher Exkursionen – letztmalig am 12.12.2021 – thematisierten die Teilnehmenden u.a. auch immer wieder die Entwicklung im Bereich der früheren Industriebrache zwischen Mühlgraben, Stadtbahnbrücke und Leibnitzstraße.
So drückten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion am 12.12.2021 ihr sehr großes Unverständnis zum Vorhaben der Schuster Haus GmbH aus, auf dem Gelände Einfamilienhäuser zu errichten. Noch dazu offensichtlich größere Bäume der Säge zum Opfer fielen.
Laut Stadtverwaltung Gera hatte die Stadt mit Stand vom 30.09.2020 eine Einwohnerzahl von 93 833 Personen. Mit Stand vom 31.12.2018 waren es noch 95.474 Einwohnerinnen und Einwohner. Das bedeutet für diesen Zeitraum einen Rückgang von 1.641 Einwohnerinnen und Einwohnern. Zudem weist die „Sozialstatistik Leben in der Stadt Gera in Zahlen, Stand: 10. Februar 2017“ unter den Punkten 3.1/3.1.1. für das Jahr 2015 einen Wohnungsleerstand von 8.480 in Gebäuden mit Wohnungen aus. Wenn man den Bestand von 60.862 Wohnungen für Wohnzwecke zu Grunde legt, besteht somit ein Leerstand von 13,9%. Neben der Tatsache, dass u.a. soziale Verbesserungen dringend geboten sind, um die Abwanderungen zu mindestens zu stoppen, gilt es zuerst den hohen Wohnungsleerstand zu beseitigen, ehe man erneut Flächenverbrauch für neue Einfamilienhäuser zulässt. Das verlangen ökologische, klimatische und hydrologische Erkenntnisse, Vernunft und Erfordernisse.
Der AHA regt daher an, die ca. 9 ha große Fläche massiv zu entsiegeln, bis zum naturgewachsenen Boden zu beräumen und eine Sukzession zu ermöglichen. Darüber hinaus gilt es die Fläche der Weißen Elster als Retentionsraum zurückzugeben. Dieser Bereich kann sich so nicht nur als Lebens- und Rückzugsraum von Tieren und Pflanzen und Teil eines größeren Grün- und Biotopverbundes entwickeln, sondern zum verbesserten Eintrag von Sauerstoff, Luftfeuchtigkeit sowie Kalt- und Frischluft und somit zur Verbesserung des Stadtklimas und der Lebens- und Wohnqualität der Menschen beitragen. Ferner führen derartige Grünbereiche zur Auflockerung und Verbesserung des zumeist stark versiegelten Stadtbildes.
Nach Ansicht des AHA scheint es ratsam zu sein, im Rahmen einer Gesamtentwicklung der Weißen Elster und ihrer Aue ebenfalls für den Mühlgraben ein wissenschaftlich fundierte Schutz- und Entwicklungskonzeption zu entwickeln, welche dem Schutz und der Entwicklung von Natur, Landschaft und Umwelt, der Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität, von Stadtbild und -klima sowie der Entwicklung von bestehenden bzw. weiterer Biotop- und Grünverbundachsen und -räumen dienen.
Dabei spannt sich der Bogen von der dringenden Notwendigkeit der Weißen Elster und ihrer Nebengewässer notwendigen Überflutungsraum zurückzugeben, dies mit Gesichtspunkten des Landschafts- und Naturschutzes zu koppeln, über bauliche Realitäten – insbesondere in der Stadt Gera -, Berücksichtigung von Befindlichkeiten u.a. von Anwohnern, Eigentümern, Pächtern, Land- und Forstwirten bis hin zur dringenden Notwendigkeit eines koordinierten Handelns mit Tschechien sowie den drei betroffenen Ländern in der Bundesrepublik Deutschland. Innerhalb der Stadt Gera gibt es u.a. im Einmündungsbereich des Mühlgrabens durchaus recht interessante Gedanken in Richtung Rückgabe von Aue an die Weiße Elster, was unweigerlich mit der Erweiterung von Überflutungsraum einhergeht. Der AHA wiederholte seinen Vorschlag unbedingt weitere Überlegungen zu starten, um im Stadtgebiet von Gera weitere Altauen der Weißen Elster zurückzugeben.
Dazu gehört nach Ansicht des AHA ebenfalls zu prüfen, inwieweit eine Rückgabe bzw. Wiederanbindung der Altaue im Bereich der Fasaneninsel an die aktive Aue der Weißen Elster möglich ist. Das erfordert u.a. Rückbau von Bauresten, Versiegelungen und bestehenden standortfremden Bodenaufschüttungen. Bereits der Satzungsbeschluss vom 07.11.2008 zum Vorhabenbezogenen Bebauungsplan VB/01 „SB Möbel-Boss“ geschah mit der Kenntnis, dass das ca. 12.000 m² = 12 ha große Plangebiet sich im Überflutungsgebiet befindet. Ähnlich ist es garantiert mit anderen Bebauungen in dem Gebiet zu sehen, welche nach wie vor einer kritischen Betrachtung bedürfen.
Nunmehr schafft man offensichtlich im Bereich der früheren Industriebrache zwischen Mühlgraben, Stadtbahnbrücke und Leibnitzstraße vollendete Tatsachen. Der Einsatz der Bautechnik dient garantiert nicht zur Wiederherstellung von unversiegelten Flächen in der Aue der Weißen Elster und der einhergehenden sukzessiven Entwicklung eines Auenwaldes, von Stauden- und Wiesenflächen.
Leider haben bisher die Fraktionen des Stadtrates der Stadt Gera, der Oberbürgermeister und seine Verwaltung beharrlich zu den Vorschlägen der vom Umweltbundesamt gemäß § 3 Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz anerkannten Umwelt- und Naturschutzvereinigung Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) geschwiegen. Ein vollkommen inakzeptables und undemokratisches Verhalten. Offensichtlich betrachtet man kritisches bürgerschaftliches Engagement als störend und lästig.
Hier hält der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) ein sofortiges Umdenken und konstruktives Herangehen für dringend geboten.
In dem Zusammenhang bekräftigt der AHA wiederholt und mit Nachdruck seinen Wunsch und Bereitschaft sich im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Möglichkeiten verstärkt für den Schutz, Erhalt und Entwicklung des gesamten Flussgebietes der Weißen Elster von Quelle bis zur Mündung einzusetzen. Dazu zählen selbstverständlich auch das Stadtgebiet Gera sowie der Abschnitt zwischen den Städten Gera und Zeitz. Daher hat die Mitgliederversammlung des AHA vom 07.12.2020 beschlossen eine länderübergreifende Regionalgruppe Gera-Zeitz zu bilden. In dieser AHA-Gruppe können sich ehrenamtliche Interessenten unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildung und Beruf einbringen. Wer Interesse hat, wende sich bitte an folgende Kontaktmöglichkeit:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Leipzig und Umland

Otto-Adam-Straße 14

04157 Leipzig

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 02.04.2021

Fotos: AHA


Stellungnahme zum Antrag des Vorhabens: Loquitz, Unterloquitz-Probstzella 72017‐027 ‐ Ökologische Durchgängigkeit

Stellungnahme zum Antrag des Vorhabens: Loquitz, Unterloquitz-Probstzella72017‐027 ‐ Ökologische Durchgängigkeit
Erläuterungsbericht Genehmigungsplanung LO 16 Sohlstufe Oberloquitz, Ersatzneubau Raugerinne mit Beckenstruktur

I. Grundsätzliches

Bekanntlich bilden Fluss- und Auenlandschaften eine wichtige Einheit. Beide stehen in einer engen und sehr vielfältigen Wechselbeziehung zueinander. Die Auenlandschaften dienen den Flüssen als Ausbreitungsraum für Hochwasser und versorgen sie somit mit Wasser, Sedimenten und z.B. als Schwemmgut herangetragenes neues genetisches Material aus Tieren und Pflanzen. Im Umkehrschluss fungieren die Auenlandschaften als „Reinigungskraft“ für die Flüsse, indem beispielsweise Auenwälder das abgebremste Wasser von Sedimenten „befreien“ sowie Schwemmgut „herauskämmt“.
Diese langzeitige Wechselbeziehung hat somit eine der arten- und strukturreichsten Naturlandschaften der gemäßigten Zonen hervorgebracht, welche zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebens- und Rückzugsraum bietet. Darüber hinaus trägt diese intensive Wechselbeziehung zur Verbesserung des Landschafts- und Ortsbildes urbaner Gebiete bei und sorgt als Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet und -korridor für eine nachhaltige Verbesserung des Klimas.
Dazu gehört aber auch, dass naturnahe bis natürliche Gewässerstrukturen erhalten und geschützt bleiben und dort wo sie verlorengegangen sind, wieder möglich sein können. Dazu gehören neben der Prüfung des Wiederanschlusses von Altverläufen die Beseitigung von Sohl- und Uferbefestigungen, die Freihaltung von Neuverbauungen und die Beseitigung von bestehenden Verbauungen.
Auf dieser Basis bezieht der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) folgendermaßen Stellung:

II. Zu den Verfahrensunterlagen

Nach Ansicht des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) fehlen massiv Angaben zur Entwicklung der Fluss- und Auenlandschaft der Loquitz. Offensichtlich zeugen die vorhandenen Schwellen auch von einer umfassenden Begradigung des Flusses. Davon sind vermutlich insbesondere die Flussverläufe in den Ortslagen betroffen. Ohne eine entsprechende Feststellung und Würdigung lässt sich keine nachhaltige wissenschaftlich fundierte Schutz- und Entwicklungskonzeption für die Fluss- und Auenlandschaft der Loquitz erarbeiten. Nur so lassen konkrete Maßnahmen ableiten.
Die aktuell vorliegenden Unterlagen sind zu stark von wasserbaulichen Eingriffen in das Flusssystem geprägt. Möglichkeiten der Anbindung an alte bzw. temporäre Flussverläufe fehlen unbegründet vollständig. Ebenso eine weitgehende Betrachtung des Rückbaus von Bauten und Flächenversiegelungen im Fluss- und Auensystem der Loquitz. Somit findet unzulässiger Weise eine vorzeitige Einengung des Blickwinkels statt, da eine Rückgabe von Auen an den Fluss nicht nur wieder mehr Ausbreitung von Hochwasser, sondern auch Rückgabe von Entwicklungsmöglichkeiten von Fließverhalten und –raum sowie für Fauna und Flora bedeutet.
Selbstverständlich ist eine Beseitigung von Barrieren im Flussbett vollumfänglich zu begrüßen, dies muss aber unter Berücksichtigung des Raumes und Möglichkeiten der Fluss- und Auenlandschaft der Loquitz erfolgen.

III. Schlussbemerkungen

Die 33,7 km lange Loquitz mit ihrem 364,3 km² Einzugsgebiet ist ein länderübergreifender Fluss, welcher die Freistaaten Bayern und Thüringen durchfließt und letztendlich in die Saale mündet, besitzt ein sehr bedeutsames Potenzial als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie eines länderübergreifenden Biotop- und Grünverbundes. Dazu muss der Fluss in der Tat barrierefrei sein. Ferner gilt es aber auch Auenflächen nicht nur von Verbauungen und Versiegelungen freizuhalten, sondern auch umfassend zurückzubauen. Das trifft ebenfalls für Ufer- und Sohlbefestigungen sowie künstlich eingebaute Schwellen zu.
Um jedoch eine gesamträumliche Betrachtung zum Schutz, zur Entwicklung und zur Betreuung der Loquitz zu erhalten, bedarf es einer länderübergreifenden wissenschaftlich fundierten Schutz- und Entwicklungskonzeption, welche u.a. diese Gesichtspunkte betrachten muss.
Grundsätzlich ist das geplante Vorhaben zur Beseitigung der Schwelle zu begrüßen, jedoch fehlen Angaben zur historischen Entwicklung von Fluss und Aue, um hier Entwicklungsmöglichkeiten zu untersuchen. Die angedachten Maßnahmen sind dagegen zu wasserbaulich geprägt und führen zu massiven Eingriffen in Sohl- und Uferbereichen mit ihrer Fauna und Flora.
Daher bedarf das Planungsvorhaben einer umfassenden Überarbeitung.

Der ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. bietet gerne seine Erfahrungen und fachlichen Kenntnisse an.

Der Kontakt lautet:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender


Eine Fahrradexkursion zum FFH-Gebiet Gipskarstlandschaft Pölsfeld und entlang der Gonna

Mitglieder des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) führten am 27.03.2021, unter fachkundiger Begleitung, eine Fahrradexkursion durch. Treffpunkt war der Bahnhof Riestedt.
Es ist eine Region des ehemaligen Kupfererz- und Braunkohle-Bergbaus. Die Landschaft ist geprägt durch eine Vielzahl von Kleinsthalden und Halden.
Sie sind die Relikte aus einer Zeit, in der oberflächennah Kupferschiefer und Braunkohle abgebaut wurde. Im Zentrum einer Kleinsthalde befand sich der Zugang zum Schacht. Heute sind sie durch eine jahrhundertealte Vegetation nur noch als Hügel sichtbar. Selbst die größeren bewachsenen Halden, lassen ihren Ursprung nur erahnen. Die Schlackenhalden, als Relikte der Erzverhüttung, sind in ihrem Ursprung zu erkennen.
Unser erster Besichtigungspunkt war der Damm und der Eingang eines Pferdebahn-Stollens. Der Transport der Braunkohle vom Riestedt-Emsloher Kohlenwerk zum Bahnhof Riestedt erfolgte über eine unterirdische Pferdebahn. Es handelt sich um ein bedeutendes industrielles Baudenkmal des 19. Jahrhunderts. Unweit des Riedstädter Bahnhofes befand sich ein im 12. Jahrhundert erbautes Augustiner-Chorherrenstift. Eine Erinnerungsplatte, von den verschiedensten Flechten besiedelt, erinnert daran. Es ging vorbei an einer alten Schäferei Richtung Emseloh. Zeuge des Bergbaus ist hier der teilweise verlandete Rohrgraben mit seiner Einmündung in den Riedstädter Bach. Den hohen Eisengehalt einer in den Riedstädter Römer fließenden Quelle, kann man an der rostigen Farbe des umliegenden Gesteins erkennen. Riestedt war wegen dieser eisenhaltigen Mineralquellen einst Kurort. Von Riestedt aus ging es bergauf Richtung Annarode verbunden mit einem weiten Blick über die ehemalige Bergbaulandschaft. Wir bogen in das NSG Gipskarstlandschaft Pölsfeld ein. Bei einer im Wald verborgene Anhöhe, umgeben von einem Wallgraben vermutet man, dass es sich um eine ehemalige Schlossanlage mit einem Schlossgraben handelt. Hier entdeckten wir die ersten Frühlingsboten Scharbockskraut, Echtes Lungenkraut und Buschwindröschen. In Pölsfeld ist das ehemalige Oberförstereigehöft aus dem 17. Jahrhundert dem Verfall preisgegeben. Auf unserem weiteren Weg fuhren wir über eine von Vegetation bedeckte Halde, um uns einen ehemaligen Steinbruch anzusehen. Bei unserer Weiterfahrt entlang der Gonna, entdeckten wir die Einmündung des Gonnaschachtgrabens in die Gonna. Auch das Gebäude der Kupferhütte, mit seinem Stufengiebeln und spätgotischen Fenstern hinterließ einen sehr baufälligen Eindruck. Zeugnisse der Industrialisierung Mitteldeutschlands in so einem Zustand zu sehen, sind alarmierend. Der Erhalt und die Wahrnehmung dieser Denkmale, um Geschichte für kommende Generationen erlebbar zu gestalten, sollte eine gesellschaftliche Verantwortung sein. Unsere Exkursion endete in Sangerhausen.
Es war eine Exkursion durch die Geschichte es Bergbaus in dieser Region und es werden weitere folgen.

Text und Fotos: Sabine Schauer


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