AHA fordert Erhalt eines unverbauten Wilden Grabens

Bereits mit einer, bisher vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) unbeantworteten „Stellungnahme zum Anhörungsverfahren im Planfeststellungsverfahren für das Vorhaben „Gewässerinstandsetzung Wilder Graben km 3+417,0 bis 0+000,0 entlang der Stadtstrecke Lutherstadt Eisleben“ vom 23.05.2011 hat der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) gefordert eine naturnahe Entwicklung des Wilden Grabens zuzulassen. Nur so können Fließgewässer als Lebens- und Rückzugsraum von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten und als Biotopverbundraum fungieren, zur umfassenden Abführung von Grund-, Schicht- und Hochwasser sowie zu einem vielfältigen Stadt- und Landschaftsbild beitragen. Ein Fließgewässer, auch wenn es künstlich angelegt wurde, sollte die Möglichkeit und den Raum haben bzw. erhalten sich mindestens naturnah entwickeln zu können. Dazu benötigen sie ein entsprechend umfassendes räumliches Umfeld. Insbesondere zählen die Mindestgewässerschonstreifen von jeweils 10 m dazu. Zum anderen gilt es alle Einleitungen von ungereinigten Ab- und Niederschlagswasser zu unterbinden.

Darüber hinaus zeichnen sich naturnahe Fließgewässer durch Mäandrierungen, Schnell- und Langsamfließstrecken sowie einer vielfältigen standortgerechten Ufervegetation aus. Fließgewässer bilden bekanntlich wichtige Lebens- und Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten sowie haben eine sehr wichtige Funktion im Biotop- und Grünverbund. Die Gewässersohle sollte reich strukturiert sein. Steine, Gehölze und Erdnischen sorgen für unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten mit einhergehenden Sauerstoffanreicherungen, befördern die Mäandrierungen und bieten Organismen aller Art Lebens- und Rückzugsraum. Daher sind alle Ufer- und Sohlbefestigungen außerhalb von unmittelbaren und notwendigen Querungsbauwerken zu entfernen. Das auf einer Länge von ca. 3,4 km geplante sowie einst mit 1,3 Millionen Euro veranschlagte, nunmehr mit 1,5 Millionen Euro bezifferte und aus Steuermitteln zu finanzierende Bauvorhaben, bewirkt jedoch die Errichtung eines ökologisch öden und naturfernen Fließgewässers. Die Ursachen der rasant ansteigenden Hochwasser nach Niederschlägen in Folge der zunehmenden Flächenversiegelungen und verfestigter Ackerbodenstrukturen in der zumeist ausgeräumten Landschaft mit einhergehender Bodenerosion und Eintrag von Nähr- und Schadstoffen bleiben vollkommen unberührt. Selbst der gesetzlich fixierten Umsetzung der Gewässerschonstreifen möchte man sich entziehen.

Somit kann man der sogenannten „Gewässerinstandsetzung Wilder Graben“ nur mit Ablehnung gegenüberstehen, da keine Ursachen der örtlichen Umweltprobleme erfolgt, aber stattdessen ein unhaltbarer naturferner Zustand eines Fließgewässers verstetigt werden soll. Selbst die vorhandenen Ansätze einer naturnahen Entwicklung beabsichtigt man baulich zu unterbinden, statt diese mit Raum, Störhölzern und Störsteinen eher zu unterstützen. Zudem fehlen sämtliche städteplanerischen Ansätze der Lutherstadt Eisleben der weiteren Flächenversiegelung entgegenzuwirken. Ebenso Maßnahmen zu prüfen, zu beraten und zu ergreifen schrittweise Anlagen aller Art aus den Retentionsflächen zu entfernen. Das bedarf jedoch einer rechtzeitigen und umfassenden Beratung mit der Bevölkerung. Insbesondere bei Kleingartenanlagen ist das dringend vonnöten. Hier sind viele Möglichkeiten vorhanden, von kompletter Umverlegung bis hin zur schrittweisen Aufgabe von verlassenen Parzellen und Nicht-Neuverpachtung mit Senkung der Gesamtpacht des Kleingartenvereins im Umfang der Verringerung der Mitglieder mit Gärten.

In Sachen des Umgangs mit Hochwasser fehlen neben der obengenannten Beseitigung bzw. zumindestens Einschränkung der Ursachen, sämtliche ernsthaften Prüfungen von Varianten der Deichrückverlegungen, um dem Wilden Graben mehr Überflutungs- und naturnahen Entwicklungsraum zu geben. Stattdessen setzt man nur auf rein wasserbauliche Maßnahmen mit ihren naturschädigenden Auswirkungen. Somit steht die Forderung, dass es einer tiefgründigen Gesamtplanung in dem Raum bedarf, an der von Anfang an alle Verantwortlichen, Betroffenen und Interessenten zu beteiligen sind. Der nunmehr angeführte Grund, dass abbrechende Ufer und der damit verbundene Eintrag von Schwebstoffen in den Süßen See zu verhindern, ist Ausdruck von Ignoranz der Funktion von naturnahen und naturnaheren Fließgewässern. Abgesehen davon, dass die Verhinderung des Eintrags von Schwebstoffen in den Süßen See nicht möglich ist, führt eine Ufer- und Sohlbefestigung zur Erhöhung der Hochwassergefahr, da sich derartig kanalisierte Fließgewässer die Wasserkraft nicht an einer für Fließgewässer typischen Mäandrierung abarbeiten kann. Darüber hinaus kann ein derartig ausgebautes Fließgewässer seine Entwässerungsfunktion durch die Aufnahme und Abführung von Grund- und Schichtwasser nicht im vollen Umfang oder gar nicht mehr erfüllen. Stattdessen staut sich das Grund- und Schichtwasser an den Befestigungen zurück und sucht neue Wege, welche zum Beispiel in Kellern von Wohnhäusern ihr Ende finden können. Angesichts der steigenden Grundwasserstände ist somit eher mit einer Zunahme, als einer Abnahme derartige Probleme zu rechnen. Somit verkommen die Versprechungen des Landes Sachsen-Anhalt einen ordnungsgemäßen Umgang mit dem steigenden Grundwasser zu suchen und zu finden zu bloßen ippenbekenntnissen, da naturgemäß nur unverbaute, naturnahe Fließgewässer zu einer Entspannung der Situation beitragen und dienen können. Spätestens mit dem Inkrafttreten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) am 22.12.2000 mit einer Umsetzung in einem Zeitraum von 15 Jahren sollte eine ökologisch orientierte Herangehensweise an Fließgewässer jeglicher Art erfolgen. So ist beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unter der Rubrik WRRL folgendes zu entnehmen:

Die eigentlichen, verbindlichen Umweltziele sind in Artikel 4 festgelegt, der zentralen Vorschrift der Richtlinie. Bei oberirdischen Gewässern gelten folgende Ziele:

  • Guter ökologischer und chemischer Zustand in 15 Jahren
  • Gutes ökologisches Potenzial und guter chemischer Zustand bei erheblich veränderten oder künstlichen Gewässern in 15 Jahren
  • Verschlechterungsverbot

Darüber hinaus sind die Ursachen von Gewässerbeeinträchtigungen massiv anzugehen. Dazu zählt der Stopp bzw. gar Rückbau der erheblichen Bodenversiegelungen – laut Umweltbundesamt und Statistischem Bundesamt in Deutschland täglich ca. 80 ha = im Jahr in etwa die Fläche der Stadt München-; verbaute potentielle bzw. einst vorhandene Retentionsflächen, geringe oder kaum vorhandene Gewässerschonstreifen, fehlende Vielfalt in der Fruchtfolge mit Wechsel von Humusmehrern und Humuszehrern, massive Einträge von Düngemitteln und Pestiziden, Einleitung von Abwässern sowie Fehlen von Flurgehölzen. Insbesondere das Fehlen einer vielfältigen Fruchtfolge und das Fehlen von Flurgehölzen und Gewässerschonstreifen führen zum ungehinderten Eintrag von Bodensedimenten, Nähr- und Schadstoffen.

Alles das gilt es unverzüglich anzugehen und nicht mit umfassenden finanziellem und technischem Aufwand die Fließgewässer den menschlich geschaffenen Missständen massiv baulich anzupassen.
Neben der unzureichenden Sensibilität im Umgang mit Fließgewässern aller Art und der rein wasserbaulichen Lösung der vielerorts vorhandenen Probleme, fehlt eine ordnungsgemäße Analyse der biologischen und der physikalisch-chemischen Gewässergüte sowie vorhandener Biotoptypen mit Fauna und Flora. Es gilt unbedingt den Fließgewässern zumindestens die Möglichkeit einer naturnahen Entwicklung zu geben. Das erfordert aber die Beendigung des Eintrags von Abwässern und Schadstoffen sowie den Erhalt bzw. die Ausweitung entsprechender Entwicklungsräume. Dazu trägt schon die Umsetzung der gesetzlichen Gewässerschonstreifen von beidseitig mindestens 10 m bei. Die Basis sollte eine umfassende fachlich-inhaltliche Analyse sowie die Umsetzung rechtlicher Rahmen, wie der WRRL, sein. Bis zum Jahr 2015 sind die Bestimmungen der WRRL umzusetzen. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) setzt stattdessen ohne Untersuchung ernsthafter Alternativen, welche mit Verantwortlichen, Betroffenen und Interessenten von Anfang an zu beraten und zu planen sind, auf eine reine wasserbauliche Herangehensweise, welche zudem dem Steuerzahler mit ca. 1,5 Millionen Euro tragen soll. Diese Gelder wären in der Schaffung von Gewässerschonstreifen, Beseitigung von Versiegelungen an und in Fließgewässern sowie komplexen Deichrückverlegungen sinnvoller und besser aufgehoben.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) ist im Rahmen seiner ehrenamtlichen Möglichkeiten an der Mitwirkung an einer natur- und umweltverträglichen Konzipierung für den Wilden Graben dringend interessiert. Darüber hinaus möchte sich der ehrenamtliche und gemeinnützige AHA auch für den Schutz und Erhalt von Fließ- und Standgewässer in und um Eisleben einsetzen, wozu u.a. das Einzugsgebiet der Bösen Sieben, des Süßen und des zögerlich wieder entstehenden Salzigen Sees mit seinen Zu- und Durchflüssen von Zellgrundbach und Weida sowie das angrenzende Einzugsgebiet der Salza gehören. Wer Interesse hat an einer ehrenamtlichen AHA-Gruppe in Eisleben und Umland mitzuwirken, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de
Tel.: 0345 – 2002746


Arbeitseinsatz auf der Peißnitz vom 20.07.2013

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Bei unseren Arbeitseinsatz haben wir das Bummihaus auf der Peißnitz komplett leer geräumt und entrümpelt. Viel war nach dem Hochwasser nicht mehr zu gebrauchen. So mussten wir fast alle Brut- und Nistkästen entsorgen. Am Ende hatten wir einen ganzen Container voll mit Müll. Vielen Dank an alle Beteiligten und vor allem an Mariko M., die uns tatkräftig unterstützt hat.

P.S: Wir sind noch auf der Suche nach tatkräftiger Unterstützung um das Bummihäuschen wieder aufzubauen. Vor allem hat das Dach stark gelitten und muss dringend erneuert werden. Bei Interesse bitte eine Mail an aha_halle@yahoo.de


AHA fordert weiterhin umweltverträgliche Nutzung der Neuseen- und Auenlandschaft in den Städten Leipzig und Markkleeberg

Nach Auffassung des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hat der Beschluss des Sächsischen Landtages zur Änderung des Sächsischen Wassergesetzes die rechtliche Grundlage für eine massive Motorisierung der Fließ- und Standgewässer im Freistaat Sachsen geschaffen. Diese Entscheidung des Landtages zeugt von einer ökologischen Instinktlosigkeit der gegenwärtig in Sachsen regierenden Koalition aus CDU und FDP unter Führung des Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich. Darüber hinaus zeugt die Ignoranz gegenüber den vom Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald e.V. (NuKLA) gesammelten und beigebrachten 11.231 Bürgerunterschriften, welche sich für eine umwelt- und naturverträgliche Nutzung der 4 Seen sowie der Fließgewässer im Raum Leipzig und Markkleeberg ausgesprochen hatten und sich somit gegen diese verheerende Änderung des Sächsischen Wassergesetzes gewandt hatten, von einem latent vorhandenen falschen Demokratieverständnis und einer damit eng verbundenen Missachtung des Willens von sehr zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern. Einen derartig unmöglichen Umgang mit der Demokratie bewies Ministerpräsident Tillich erst jüngst mit seiner Presseerklärung vom 06.06.2013 mit dem Wunsch zur weiteren Einschränkung der Beteiligungsrechte der Bürgerinnen und Bürger in Sachen Hochwasserschutz, ohne auf die eigentlichen Ursachen solcher Hochwasser einzugehen.

Neben der massiven Störung des natur- und umweltverträglichen Wassertourismus in Form von Bedrängung der Paddler und Ruderer, ist mit der Erteilung des generellen Freibriefes mit der Zunahme von Verlärmung und Luftverschmutzung zu rechnen. Zudem sieht der AHA die Gefahr in einem motorbootgerechten Ausbau der Infrastruktur, welche sich u.a. in vermehrten Baumaßnahmen wie Fließgewässerbegradigungen, Uferbefestigungen und der Errichtung von großen Steganlagen manifestieren könnten. Ganz besonders bedroht ist der ökologisch bedeutsame Floßgraben durch verstärkten Wellenschlag und nachfolgendem Ausbau zum bloßen Bootskanal. Ebenso ist nunmehr auch mit weiteren Ausbaumaßnahmen in Bereich der Neuseenlandschaft zu rechnen, welche zu Störungen bis Zerstörungen einer bereits sehr arten- und strukturreichen Natur und Landschaft in der Bergbaufolgelandschaft, aber auch in der umgebenden ökologisch sehr bedeutsamen Auenlandschaft führt. Der AHA hält es aber eher für bedeutsamer und wichtiger die einstige Auenlandschaft, welche sich nun sich vielerorts als sukzessive Bergbaufolgelandschaft entwickelt, über Biotop- und Grünverbundräumen mit den bestehenden Auenlandschaften an Weißer Elster und Pleiße sowie deren Nebengewässer vernetzt. Dies dient nicht nur zum Schutz, Erhalt und Entwicklung arten- und strukturreicher Natur- und Landschaftsräume, sondern bietet Gelegenheit zur Entwicklung eines natur-, landschafts- und umweltverträglichen Tourismus. Nach Vorstellung des AHA ließe sich diese räumliche und ökologische Vernetzung auch mit Maßnahmen der Umweltbildung und Informationen zur Archäologie, Geologie sowie Heimat- und Bergbaugeschichte verbinden.
In der Neuseenlandschaft, welche sich u.a. in den Gemarkungen der Städte Leipzig und Markkleeberg befinden, bedeutet die Novellierung des Sächsischen Wassergesetzes nun, dass die gegenwärtigen Einschränkungen und Verbote in Sachen Motorbootverkehr nunmehr der Vergangenheit angehören. Damit ist eine echte Beeinträchtigung des touristischen Wertes des Gebietes verbunden bzw. zu befürchten. Darüber hinaus hat eine Umsetzung der automatischen Schiffbarkeit per Gesetz zur Folge, dass nach den ursprünglichen massiven bergbaulichen Eingriffen in die Siedlungsstruktur, in die natürliche Umwelt und in das Landschaftsbild, zu erneuten umfassenden, durch nichts zu rechtfertigten neuen Beeinträchtigungen von Lebens-, Erholungs- und Wohnraum der Menschen, in Natur, Landschaft und Umwelt führen.

Im Interesse einer sauberen Umwelt, Landschaft und Natur sowie eines umwelt- und naturverträglichen Tourismus fordert der AHA nunmehr die Bevölkerung zum Widerstand gegen diese nunmehr durch den Landtag verabschiedete Änderung des Wassergesetzes sowie des zunehmenden massiv voranschreitenden Demokratieabbaus auf, welcher sich im konkreten Fall in einer totalen Ignoranz von 11.231 Bürgerunterschriften gegen diese Gesetzesnovellierung artikuliert.

Erst das jüngste Junihochwasser 2013 hatte klar verdeutlicht, dass nur ein sorgsamer Umgang mit Umwelt, Natur und Landschaft und eine damit gekoppelte Qualität als Lebens-, Erholungs- und Wohnraum der Menschen die Lösung sein kann und dazu u.a. nur ein nachhaltiger, natur-, landschafts- und unweltverträglicher Tourismus auf dem Land, im Wasser und in der Luft passt.
Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hält es der AHA für dringend notwendig sich entsprechend fachlich-inhaltlich und personell-strukturell zu organisieren.
Wer sich somit generell ehrenamtlich für einen nachhaltigen Schutz und Erhalt sowie einer naturnahen Entwicklung der Auenlandschaften an Weißer Elster, Luppe, Nahle, Pleiße und Parthe sowie der Neuseenlandschaft einsetzen möchte, wende sich bitte an folgenden Kontakt:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V.
Regionalgruppe Leipzig und Umland
Otto-Adam-Straße 14
04157 Leipzig
Tel.: 0176/84001924
Fax.:01805-684 308 363
E-Mail: aha_halle@yahoo.de


AHA fordert endlich alle Planungen zum Saale-Elbe-Kanal endgültig zu stoppen

Die Errichtung eines sogenannten Schleusenkanals Tornitz, was eine klare Ausbaumaßnahme der Saale darstellt, ist nach der Auffassung des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) ein weiterer erschreckender Ausdruck der Ignoranz der klaren Fakten und Tatsachen in Sachen Ökonomie, Ökologie und Klimaschutz.
Der angedachte ca. 7,5 km lange sogenannte Schleusenkanal Tornitz soll eine garantierte Tiefe von 3,00 m haben, während die Elbe nur eine garantierte Tiefe von 1,40 m aufweist. Somit ist der nachfolgende Ausbau der Elbe vorprogrammiert, da ansonsten die 1.000 bis 1.350 Tonnen-Schiffe diesen Fluss nicht befahren können. So hat laut Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg in den Jahren 1990 bis 2007 die Elbe durchschnittlich nur an 111 Tagen die erforderliche Fahrrinnentiefe von 2,50 m erreicht. In den Jahren zwischen 1997 und 2012 waren zwischen Saalemündung und Magdeburg 135 Tage und zwischen Tschechischer Republik und Saalemündung waren nur 125 Tage zu verzeichnen. Darüber hinaus wäre auch die Saale zwischen Halle (Saale) und Calbe (Saale) für Begegnungen zu schmal, so dass zumindestens in gewissen Abständen Ausweichstellen und am halleschen Hafen eine Wendestelle zu bauen sind. Außerdem baut in der Bundesrepublik keiner mehr 1.000 und 1.350 t-Schiffe, sondern stattdessen 2.500 t-Schiffe, welche eine garantierte ganzjährige Tiefe von 3,00-4,00 m benötigen.
Darüber hinaus gibt es auch ein hydrologisches Problem. Zwar nimmt die Saale mit einem mittleren Abfluss von 115 m³/s zusammen mit der Havel Platz 2 hinter der Moldau als wasserreichster Nebenfluss ein, jedoch durchquert sie ein umfassendes Gebiet im Regenschatten des Harzes. Dieses Gebiet ist von einer durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge in Höhe von 450 mm gekennzeichnet. Klimaprognosen für den mitteldeutschen Raum lassen eine weitere Verringerung der Niederschlagsmengen auf ca. 300 mm erwarten. Somit ist es als problematisch zu sehen, wie die Saale den eigentlichen Lauf und einen ca. 7 km langen und ca. 3 m tiefen Kanal zusätzlich mit Wasser speisen soll.
Des weiteren gehen weiterhin wertvoller Ackerboden verloren. Schon jetzt sind von 33.000 Hektar großen Acker-Wirtschaftsflächen des früheren Landkreises Schönebeck 9.000 Hektar „bergbaurechtlich“ verkauft. Ein Saale-Elbe-Kanal trägt zur Verschärfung dieser Situation bei.
Daran ändert, nach Auffassung des AHA, auch eine vom Schönebecker Diplom-Ingenieur Christian Jung ins Gespräch gebrachte Abkürzung über die Kiesseen zwischen Calbe (Saale) und Barby (Elbe) nichts. Hier besteht sogar noch die Gefahr, dass die Kiesseen durch Eintrag von Auenschlick und Nährstoffen zusehend an Wasserqualität verlieren und verlanden könnten. Dem müsste man mit umfassenden und sehr kostenintensiven Ausbaggerungen begegnen. Auf Grund der Tatsache, dass Saaleschlamm noch immer sehr stark schwermetallbelastet ist, wäre dieser als Sondermüll zu behandeln und könnte nicht einfach im offenen Gelände gelagert oder gar auf Flächen aller Art ausgebracht werden.
Und das Ganze soll ja dann bis zu 150 Millionen Euro kosten. Nur immer wieder neue Gutachten und deren Auswertung erhöhen nur noch die Kosten, so dass man bestimmt bald von mehr als 200 Millionen Euro Kosten sprechen muss.

Dabei sind alle diese Tatsachen nun schon oft genug begutachtet worden und somit umfassend und ausreichend bekannt. Sie lassen wenig umweltverträgliches an der Form des Ausbaus und der Saaleschifffahrt erkennen. Außerdem haben z.B. der hallesche Wirtschaftsprofessor Zabel im Jahre 2008 und die jüngste Studie vom Bundesverkehrsministerium im Auftrag gegebene Studie der Planco Consulting GmbH nachgewiesen, dass ein Saaleseitenkanal wirtschaftlich betrachtet, vollkommen überflüssig erscheint. Bereits die Prognosen der Planco-Studie von 230.000 bis 560.000 Tonnen Transportgut im Jahr erscheinen, angesichts der bisherigen Flaute im Schifffahrtsverkehr auf Elbe und Saale, sehr hoch gegriffen. Wenn selbst, die offenbar mit der heißen Nadel gestrickte Studie der vom Verkehrsministerium Sachsen-Anhalts beauftragten Dresdner Firma LUB Consulting mit utopischen 1,5 Millionen Tonnen jährlich zum Tragen kämen, ergäbe dies (Zabel 2008) immer noch eine Subventionshöhe von 18,18 Euro/t. Das entspreche bei 1,5 Millionen Tonnen im Jahr eine jährliche Subvention in Höhe von 28.200.000 Euro an Steuergeldern.
Somit ist weiterhin weder eine ökonomische, noch eine ökologische Basis für ein derartiges Vorhaben gegeben.

Derweil hat die Deutsche Bahn auf der Strecke Halle-Magdeburg nur eine Transportauslastung von 30 %. U.a. auf Grund derartiger Mangelbelastungen haben bei der Deutschen Bahn seit dem Beginn der Bahnreform im Jahre 1994 bundesweit ca. 160.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren.

Der AHA hält es weiterhin für dringend geboten die Schiffe dem Fluss anzupassen und nicht umgekehrt. Zudem gilt es die wertvolle, arten- und strukturreiche Natur und Landschaft für eine umwelt- und naturverträgliche Landwirtschaft sowie einen gleichgearteten Tourismus zu nutzen, um hier ernsthaft gefährdete Arbeitsplätze zu sichern.

Daher hält es der AHA für dringend geboten das Vorhaben Saale-Elbe-Kanal nun endlich sowie endgültig zu stoppen und nicht weiter unnütz Steuermittel und personelle Ressourcen dafür einzusetzen.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) sieht es daher nur folgerichtig, wenn der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer erste Schritte hin zum Stopp des Vorhabens Saaleseitenkanal tut. Ferner wäre es dringend erforderlich, dass sich Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung mit einer Änderung des Bundesverkehrswegeplans endgültig von den Planungen für den ökologisch unverträglichen und ökonomisch unsinnigen Saaleseitenkanal verabschieden und in dem Zusammenhang auch einer weiteren diesbezüglichen Verschwendung von Steuermitteln einen Riegel vorschiebt.
Nunmehr führt der AHA diesbezüglich eine ca. fünfstündige Fahrradexkursion zum Mündungsgebiet der Saale in die Elbe durch. Als Route ist folgende ca. 25 km lange Strecke vorgesehen: Schönebeck (Elbe) → Gnadau → Calbe (Saale) mit Standort für geplanten Kanalbeginn → Tornitz → Barby (Elbe) am Elbe-Saale-Camp unweit der Fähre
Die Fahrradexkursion beginnt um 08:00 Uhr am Salzblumenplatz in Schönebeck (Elbe)

Nach einer Besichtigung der Einmündung der Saale in die Elbe besteht die Möglichkeit beim Aufbau des Elbe-Saale-Camps zu helfen.
Im Rahmen der Fahrradexkursion möchte der AHA vor Ort auf die Problematik Saaleseitenkanal und der Gefahr eines Ausbaus der Elbe hinweisen. Inhaltlich ist ferner vorgesehen auf Fragen des Hochwassers und Anstieg des Grundwassers einzugehen.
In dem Zusammenhang beabsichtigt der AHA auf Möglichkeiten der Mitwirkung ehrenamtlich Interessierter im Rahmen einer angedachten AHA-Gruppe Elbe-Saale-Winkel hinzuweisen.




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