Initiative „Pro Baum“ und AHA halten eine naturnahe Entwicklung von Waldgebieten für dringend geboten!

Die Initiative „Pro Baum“ und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) begrüßen alle Aktivitäten der Einheitsgemeinde Stadt Kalbe (Milde) zur Stabilisierung des Klimas und der damit verbundenen positiven Folgen. Dass die Stadt den Ernst der Lage erkannt hat, zeigt nach Ansicht beider Organisationen, der mit 14 Zustimmungen und einer Enthaltung am 21.11.2019 im Stadtrat unter TOP Ö 6 herbeigeführte „Beschluss zur Erklärung des Klimanotstandes“. Ebenfalls Maßnahmen zum Energiesparen und sowie zur Umstellung des Fuhrparkes des kommunalen Bauhofes auf Kraftfahrzeuge mit Hybrid- und Elektroantrieb gehören zu den begrüßenswerten Aktivitäten und Vorhaben.
Mit Sorge betrachten jedoch die Initiative „Pro Baum“ und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) den Umgang mit dem ca. 2 ha großen Kurpark, welcher sich in der Aue der ortsnamenbestimmenden Milde befindet.
Bekanntlich haben Bäume und Sträucher (Gehölze) sehr wichtige Funktionen bei der Versorgung der Atmosphäre mit Sauerstoff, bei der Aufnahme und Verarbeitung von Kohlendioxid, beim Wasserkreislauf und -haushalt, bei der Entstehung von Kalt- und Frischluft sowie als Lebens- und Rückzugsraum von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten. Ferner dienen Gehölze der Erholung sowie der Aufwertung von Siedlungen und Landschaften.
Dabei üben sie diese lebensnotwendigen Funktionen als Einzelgehölze sowie im Verbund in Wäldern, in Gehölzstreifen und -gruppen aus. Der Mensch nutzte bzw. nutzt Wälder u.a. ebenfalls zur Holzgewinnung. Insbesondere der Mensch hat jedoch umfassend Wald- und Gehölzflächen rapide reduziert, indem er Rodungen für die massenhafte Holzgewinnung, zur Gewinnung von Acker-, Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen sowie zum Abbau von Bodenschätzen vornahm bzw. vornimmt.
Daher sehen Initiative „Pro Baum“ und Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) die durchgeführte Fällung von mehr als 100 Eschen sehr kritisch. Alleine auf Grund der zunehmenden Trockenphasen und heißen Sommer haben zu Stresssituationen in Fauna und Flora geführt. Somit sind auch Bäume und Sträucher davon betroffen. Davon profitiert natürlich auch der Bunte Eschenbastkäfer (Leperisinus varius), welcher zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und zur Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae) gehört. In einem ausgewogenen Waldbestand gehören diese Käfer zur Nahrung von Spechten und Spechtmeisen.
Das erfordert daher einen sensiblen Umgang mit dem mehr oder minder als einheitlichen Organismus fungierenden Lebensraum Wald. In ihm spielen auch abgestorbene Bäume eine sehr wichtige Rolle, indem sie als Lebens-, Nahrungs- und Rückzugsraum für zahlreiche Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen dienen und somit eine sehr wichtige ökologische Funktion ausüben.
Daher appellieren Initiative „Pro Baum“ und Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung der Einheitsgemeinde Stadt Kalbe (Milde) eine wissenschaftlich fundierte Schutz- und Entwicklungskonzeption für den zur Mildeaue gehörenden Kurpark erstellen zu lassen. Als Partner können dafür die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Hochschule Anhalt dienen. Ferner regen beide Organisationen an, die wissenschaftlich-konzeptionelle Arbeit auf die Planung einer begrüßenswerten Erweiterung von Gehölzflächen auszudehnen.
Beide Organisationen weisen in dem Zusammenhang darauf hin, dass der voranschreitende Klimawandel mit seiner langwierigen und umfassenden Hitze und Trockenheit sowie vermehrten und verstärkten Auftreten von Orkanen insbesondere im Herbst und Frühjahr auch den Gehölzen zusetzt und somit die Waldstrukturen weiter schwächt. Neben vielen mahnenden Stimmen aus Wissenschaft und Forschung sowie fortschrittlich denkender Forstleute haben daher auch die Initiative „Pro Baum“ und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) seit Jahrzehnten eine naturnahe Entwicklung von arten- und strukturreichen Wäldern angemahnt und darauf abgestimmte Schutzmaßnahmen und Nutzungsformen eingefordert.
Nach Ansicht beider Organisationen ist die gegenwärtige forstwirtschaftliche Nutzung verantwortlich für eine fortschreitende Ausplünderung und Degradierung zu Holzplantagen. Das weitgehende Fehlen von Stoff- und Entwicklungskreisläufen, von arten- und strukturreicher Fauna und Flora mit intakten Nahrungsketten sowie die zunehmend ausbleibenden Niederschläge sehen beide Organisationen als Ursache für die Kalamitäten von Borkenkäferarten.
Stattdessen gilt es naturnahere bis natürliche Entwicklungen der Waldgebiete zu befördern und dabei sukzessiven Aufwuchs zu schützen und zu sichern. Hier tragen Politik, Verwaltungen und Eigentümer die Hauptverantwortung.
Die Sukzessionen dienen nach Ansicht von Initiative „Pro Baum“ und Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) der Entwicklung von arten- und strukturreicher Gehölzbestände, welche sich wesentlich besser den Standortbedingungen anpassen können, als Aufforstungen. Abgesehen davon, dass solche Aufforstungen umfassender Bewässerungsmaßnahmen bedürfen, um eine Chance zum Anwachsen zu erhalten.
Nach Ansicht von Initiative „Pro Baum“ und Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) erfordern der nachhaltige Schutz von Umwelt, Natur. Landschaft und Klima sowie die bereits bestehenden klimatischen Realitäten nicht nur sofortiges ein Umdenken, sondern eine vollkommen andere praktische Herangehensweise. Ziel muss es sein, arten- und strukturreiche Waldgebiete zu entwickeln sowie eine umfassende sukzessive Wiederausdehnung von Wäldern anzugehen. Als ideale Räume bieten sich u.a. die Auen und ausgeräumte Agrarlandschaften an.
Die Initiative „Pro Baum“ und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) sind bereit im Rahmen ihrer gemeinnützigen und ehrenamtlichen Möglichkeiten an der Erstellung von wissenschaftlich fundierten Schutz- und Entwicklungskonzeptionen sowie an deren Umsetzung mitzuwirken.

Aus den obengenannten Gründen heraus rufen Initiative „Pro Baum“ und AHA weiterhin interessierte Personen und Organisationen zur aktiven Mitwirkung auf und sich mit einzubringen. Interessenten können folgendermaßen zur Initiative „Pro Baum“ und zum AHA Kontakt aufnehmen:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Tel.: 0345 – 2002746

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 16.01.2020



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