Grundsätze im Umgang mit Hartholzauenwäldern

An:

Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Vorstand & Direktorin
Frau Brigitte Mang
Ernst-Zindel-Straße 08
06847 Dessau-Roßlau

Sehr geehrte Frau Mang,
wie am 12.07.2017 abgesprochen, erhalten Sie nachfolgend von uns formulierte „Grundsätze im Umgang mit Hartholzauenwäldern“ sowie Grobkonzeptionelle Überlegungen zum Park am Sieglitzer Berg und zur Nutzung der wiederentstehenden Solitude vom 05.05.2008, den Antrag auf Erweiterung des NSG „Untere Mulde“ und Vogelschutzgebietsneuausweisungen vom 04.11.2008 und den Rahmenplan zur Erstellung einer Schutz- und Entwicklungskonzeption für den Großen Busch, Stadt Coswig (Anhalt) im Landkreis Wittenberg vom 02.08.2010.
Wir bitten um Kenntnisnahme und dringende Beachtung.
Grundsätze im Umgang mit Hartholzauenwäldern
Aus naturschutzfachlicher Sicht handelt es sich um sehr sensible und wertvolle Waldökosysteme, die eine große Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen beherbergen. Hartholzauenwälder sind inzwischen – aufgrund der großflächigen Zerstörung dieser Auwaldökosysteme im europäischen Maßstab – auf der roten Liste der geschützten Biotope zu finden. Deshalb ist aus unserer Sicht im Falle dieser Auwaldökosysteme die Einstellung der forstwirtschaftlichen Nutzung dringend geboten, damit sie sich – frei von anthropogener Einflussnahme – zu Naturwaldreservaten weiterentwickeln können. Wir möchten dies wie folgt begründen:

  • Der Einsatz des Harvesters (Holzvollernter) wird als alternativlos angesehen, obwohl wissenschaftliche Studien vorliegen, welche die enorme Schadwirkung dieser Erntetechnik auf die Waldböden und die im Arbeitsbereich dieser Maschine stehenden Bäume (Verletzungen durch Schlagwirkung) belegen.
  • Es wird zu wenig Rücksicht auf störungsempfindliche Tierarten genommen, wie z.B. Rotmilan u.a. Tierarten.
  • Für die Bewohner der Baumkronen wie Habicht, Wespenbussard, Mäusebussard, Stammbewohner wie unsere heimischen Spechtarten, Höhlenbrüter wie Hohltaube, Waldkauz, Meisen und Schnäpper sind ältere Baumbestände von großer Bedeutung.
  • Von 86 vom Aussterben bedrohten Vogelarten sind allein für 24 alte Wälder unverzichtbar.
  • Etwa 37 Tierarten sind als „Nachmieter“ auf Spechthöhlen angewiesen.
  • Für die Glieder der Waldlebensgemeinschaft, die alte, starke, beschädigte, absterbende oder tote Bäume benötigen (z.B. Hirschkäfer u. Eichenbock), ist zu befürchten, dass ihre Ansprüche nicht hinreichend berücksichtigt werden.
  • Da es in Mitteleuropa kaum noch Urwälder gibt, sollten aus unserer Sicht die möglichst naturnah zusammengesetzten Auwälder als Naturwaldreservate ihrer eigenen Entwicklung überlassen werden.
  • Denn Naturnähe, Strukturreichtum, Diversität, und Reife sehen wir als wichtige Voraussetzungen für die Sicherung der vielfältigen Funktionen der Auwälder, wie Boden/Klima/Wasserspeicherung und für die Arterhaltung.

Für eine Antwort Ihrerseits wären wir sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Liste
Vorsitzender

Anhang:



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