Gemeinsame Exkursion zum Tag des Geotops

von Isabell Schneider, Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V.

Am Sonntag, dem 22.9.2019, hatte der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA), zusammen mit dem Förderverein Schmid-Schacht Helbra e.V. zu einer Wanderung auf dem Karl-Hebener-Weg eingeladen. Anlass war der Tag des Geotops.
Der Weg wurde zu Ehren von Karl Hebener benannt und führt zwischen Eisleben und Wimmelburg, an den ehemaligen Otto-Schächten entlang. Karl Hebener (1891-1985) hatte auf der Krughütte bei Eisleben gearbeitet und sich als Hobbynaturforscher vor allem der Vogelwelt verschrieben. Er setzte sich außerdem dafür ein, dass die Abraumhalden wieder bepflanzt werden, brachte Nistkästen an, machte Vogelkundliche Führungen und sicherte somit die Tier- und Pflanzenwelt dieser einzigartigen Region.
Wimmelburg liegt im Tal der Bösen Sieben, mit der Lutherhalde im Goldgrund, wo Martin Luthers Vater als Hüttenmeister zwei Schmelzhütten betrieb.
Nahe Wimmelburg, in ca. 100m Tiefe befindet sich eine Schlotte, die längste Deutschlands mit 2838 m Länge (vermutet werden 5000 m, die aber leider nicht begehbar ist). Schlotten sind natürliche Höhlen in Karstgebirgen, die durch Auswaschung im Anhydrit oder Kalkstein entstehen. Außerdem gibt es im ehemaligen Klosterrest Wimmelburg ein Museum, das durch die interessanten geschichtlichen Abläufe und Wandlungen der Region und der 800-jährigen Geschichte des Mansfelder Kupferschieferbergbaus ein lohnendes Ziel für jeden Besucher ist.
Während der 3,5 stündigen Exkursion konnten wir auf taubem Schiefergestein jede Menge Leben entdecken. So das Kupferblümchen – zart, klein und unscheinbar, aber mit 2 m langen Wurzeln. Ebenso in zahlreicher Schar die Blauflügliche Ödlandschrecke, vom grauen Untergrund kaum zu unterscheiden.
Bei sommerlichen Temperaturen erfuhr die ca. 30 köpfige Gruppe so Manches über unheimliche Zwerge, Diebesorte und den markanten Punkt des Kuckuckbaumes.
Zum Ende der Tour waren sich alle über die Einzigartigkeit und Besonderheit dieser Region einig.
Durch den unermüdlichen Einsatz von Karl Hebener hat sich eine große Vielfalt an Flora und Fauna dort entwickeln können, die unbedingt unser aller Schutz und Weiterführung bedarf.

von Günter Tröge, Förderverein Schmid-Schacht und
Werner Zabel, Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V.

Zum Tag des Geotops 2019 hatte der Förderverein Schmid-Schacht und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. am Sonntag, dem 22.09.2019, zur geologisch-bergbauhistorisch-zoologischen und botanischen Wanderung von Eisleben nach Wimmelburg eingelagen.
Der Einladung folgten über 30 Teilnehmer aus der Lutherstadt Eisleben und deren Umgebung, aus Halle (Saale) und dem Harz. Über den Karl-Hebener-Weg führte der Weg zu den ehemaligen Otto-Schächten, bei herrlichen Spätsommerwetter am letzten Tag des kalendarischen Sommers. Auf den Halden der Schächte erfolgte ein reger Gedankenaustausch zur Bergbauhistorie und der Geologie des Gebietes.
Man hat von den Halden einen fantastischen Blick in den Mansfelder Grund, auf die Haldenlandschaft westlich von Wimmelburg, auf die Halde der ehemalige Krughütte und auch die Überreste des Bergbaus, wie die Seilbahn für den Erztransport und die verwahrten Schächte gab es zu sehen. An der Oberfläche nicht sichtbar aber immer noch sehr wichtig für die Entwässerung der Mansfelder Mulde ist der in der Tiefen befindliche Schlüsselstollen, welcher bei Friedeburg in die Saale mündet.
Westlich von den Otto Schächten befindet sich die leider nicht für die Öffentlichkeit zugängliche, von der Verwahrung bedrohte größte Schlotte (Anhydrit/Gipshohlraum) Deutschlands, welche durch Subrosion (Auswaschung/Gesteinslösung) entstanden ist. Fortfolgend erläuterte Wolfgang Brandt,Vorsitzender des Kultur und Heimatvereins Wimmelburg, die Geschichte des ehemaligen Benediktinerklosters Wimmelburg.
Unterhalb der Otto-Schächter Halden schlängelt sich das Bachbett des Saugrundbaches, welcher schon seit langer Zeit trocken gefallen ist und nur bei stärkeren Regenfällen Wasser führt, das dann überwiegend über den Wolferöder Graben in den Saugrundbach fließt. Aber auch dieser war am Tag des Geotops gänzlich trocken gefallen. An beiden Bächen hat der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder jeweils im April der Jahre 2018 und 2019 im Rahmen von Arbeitseinsätzen den Riesenbärenklau beseitigt.
Südlich vom Karl-Hebener-Weg befindet sich die durch Karl Hebener und Unterstützer 1937 erfolgte Bepflanzung der Halden, welche im Laufe der Zeit ein Wald wurde, der viele Arten von Bäumen und anderen Pflanzen beherbergt. Auch hier hat die Trockenheit der letzten zwei Jahre Spuren hinterlassen, aber die Pflanzen überstehen solche Zeiten wesentlich besser als reine Monokulturen.
Die Teilnehmer konnten auf den Halden eine große Population der Blauflügeligen Ödlandschrecke und das nach der Trockenheit 2018 wieder stabilisierte Vorkommen des Kupferblümchens (Frühlingsmiere) sowie abgeblühte Exemplare der Braunroten Stendelwurz, eine Orchidee, bewundern.
Der Weg führte dann weiter zum Tunnel der Halle-Kasseler Eisenbahn in Richtung Wolferode.
Mit Blick zum Sportplatz Wolferode konnte man das Geotop des ehemaligen Gipssteinbruches am Hirtenberg sehen, eine der wenigen Stellen an denen der Hauptanhydrit an der Oberfläche zu Tage tritt und verkarstet.
Der Weg führte dann auf der Südseite der Eisenbahnlinie bergauf Richtung Hünekessel. Vorher konnte man jedoch noch einen schönen Ausblick auf die Halde des Wassermannschachtes, auf Wimmelburg und den Mansfelder Grund genießen.
Am Geotop Hünekessel angekommen konnte man diesen aufgrund des Bewuchses mit Bäumen und Strüchern in seiner Dimension eigentlich kaum erkennen. Er ist das Ergebnis der Auslaugung der unteren Schichten (Anhydrit/Gips) und der dadurch entstandenen Hohlräume, welche instabil wurden und danach einfielen. Solche Ereignisse waren in der Vergangenheit oft die Ursache für Märchen und Sagen. Und aus diesem Grund wurde nach historischen Vorbild die Sage vom „Zwerg in der Hüneburg“ vorgetragen.
Der Weg führte dann weiter zum höchsten Punkt der Lutherstadt Eisleben in dessen unmittelbarer Nähe der Kuckucksbaum steht. Von dort ging es bergab Richtung Lutherstadt Eisleben mit einem schönen Blick in Richtung Süßer See und auf die „Pyramiden der Mansfelder Mulde“, die Halden vom Fortschritt-, Ernst-Thälmann- und Otto-Brosowski-Schacht.
Nach dreieinhalb Stunden war das Ziel erreicht. Eine interessante Wanderung, anlässlich der Tages des Geotops war zu Ende. In Abstimmung mit dem Landesamt für Geologie und Bergwesen könnte sich daraus eine Tradition entwickeln.

Fotos: Werner Zabel, K. Aschermann, Isabell Schneider

 



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