Exkursion bekräftigte die Notwendigkeit des Schutzes von Natur und Landschaft zwischen Rieda, Burgstetten und Abatassinenberg

Im Rahmen einer vom Burgstettenverein und Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) organisierten, ca. vierstündigen Exkursion, nahmen am 08.03.2014 die Teilnehmer die Rieda und den Burgstetten in bzw. bei Niemberg, ein Feuchtgebiet südlich von Wurp, die Streuobstwiese an den Westenteichen bei Brachstedt sowie den Abatassinenberg in Augenschein. Die erste Station bildete die Rieda, welche u.a. südlich von Kütten bzw. nordwestlich von Kütten entspringt und nach etwa 25 km westlich von Mösthinsdorf in die Fuhne mündet. Auf dem Weg dahin durchquert das Fließgewässer u.a. 6 Ortschaften, größtenteils ausgeräumte Ackerlandschaft sowie den bedeutsamen Park in Ostrau. Streckenweise säumen Gehölze den Bach und bei Werderthau sogar ein als flächenhaftes Naturdenkmal geschütztes arten- und strukturreiches Gehölz.

In Niemberg stellten die Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer fest, dass die Rieda stark begradigt und ohne Gewässerschonstreifen in der Ortslage ankommt, sie durchfließt und so auch verlässt. Nach Erläuterungen und Darlegungen seitens des AHA, bekräftigten die Anwesenden die Notwendigkeit, dass die Rieda einen beidseitig mindestens 10 m breiten Gewässerschonstreifen benötigt, um sich naturnaher entwickeln zu können. Dazu gehören die sukzessiven Entwicklungsmöglichkeiten gewässerbegleitender Gehölz-, Kraut- und Staudenbestände, die damit verbundene Schaffung der Möglichkeiten von Mäandrierungen und die damit gekoppelte Verhinderung der weiteren Eintiefung des Gewässerbettes. So besteht die Möglichkeit, dass die Rieda sich verstärkt zu einem naturnahen Fließgewässer, arten- und strukturreichen Lebens- und Rückzugsraum mit Funktion eines Biotop- und Grünverbundes entwickeln sollte und zudem besseren Schutz vor Abdrift von Düngemitteln und Pestiziden erhalten kann. Eine derartige Entwicklung sorgt auch für einen nachhaltigen Umgang mit Hochwasser und entspricht den Erfordernissen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, welche bis zum Jahre 2015 umzusetzen ist.

Im Anschluss daran führte der Weg zum 139,5 m hohen Burgstetten, u.a. durch eine vielfältige und schützenswerte Landschaft, welche von Gehölzbereichen, Acker- und Wiesenflächen, Hochstaudenbereichen sowie Trocken- und Halbtrockenrasenflächen geprägt ist.Der Burgstettenverein drückte hier mit klaren und fachkompetenten Worten die große Sorge zu dem noch immer existenten Plan zum Aufschluss eines „Hartsteintagebaues Niemberg-Brachstedt“ aus. Ein Neuaufschluss eines ca. 90 ha großen „Hartsteintagebaues Niemberg-Brachstedt“ führt unweigerlich zu nachteiligen Veränderungen im Grundwasserregime, zur Vernichtung wertvollen Bodens und eines Kaltluftentstehungsgebietes. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass das Landschaftsprogramm des Landes Sachsen-Anhalt sowie der Landschaftsrahmenplan das beplante Gebiet als Vorranggebiet für Landwirtschaft, aber auch für Umwelt- und Naturschutz ausweisen. Jegliche Beeinträchtigungen ökologisch wertvoller Standorte –wie z.B. der Burgstetten- gilt es jedoch zu vermeiden. Dazu zählen der vollständige Erhalt der Gehölz-, Halbtrocken- und Trockenrasenbestände, die Vermeidung der Verlärmung, der Belastung mit Stäuben und Abgasen sowie der Total- bzw. Teilvernichtung von Flächen.

Der geplante Gesteinsabbau zeigt aber noch ein anderes grundsätzliches Problem auf. In Folge der verfehlten Bau- und Verkehrspolitik wird neben den vielfältigen Schädigungen von Natur, Umwelt und Landschaft, ein massiver, rücksichtsloser Verbrauch von Rohstoffen und Bodenschätzen betrieben. Dazu zählen eben nicht nur fossile Brennstoffe, Erze und Kiese, sondern auch Gesteine aller Art. Gegenwärtig ist eine unverantwortliche Gier nach derartigen Rohstoffen zu erkennen, welche beispielsweise in dem massenhaften Straßen-, Autobahn- und Gewässerausbau ihre Ursache haben. Deshalb fordern Burgstettenverein und AHA weiterhin ein sofortiges Umdenken u.a. in der Bau-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik, um einen sparsamen und sorgsamen Umgang mit unseren nicht unendlichen Rohstoff-, Umwelt-, Natur- und Landschaftsressourcen zu erreichen. Das würde auch zum Erhalt des Burgstettens und seines Umfeldes, des Gebietes um den Petersberg sowie der Auenlandschaften der Rieda und des Zörbiger Strengbaches beitragen.

Hinzu kommen die archäologisch bedeutsamen Stätten beispielsweise im näheren und ferneren Bereich des Burgstetten, welcher zahlreiche Hinweise auf frühe bzw. frühere Besiedlungen aufweist. In dem Zusammenhang gilt es der Vermutung, dass sich im Gebiet des Burgstetten ein Römerlager befand, wissenschaftlich fundiert nachzugehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion unterstützten die Forderungen von Burgstettenverein und AHA, welche die mit Nachdruck geforderte Einstellung sämtlicher Gesteinsabbaupläne beinhaltet. Ferner forderten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion, dass eine weitere Militarisierung des Flugplatzes Halle-Oppin nicht zu akzeptieren ist. Neben der Notwendigkeit einer weiteren und dringend zu entwickelnden Politik des Friedens und Völkerverständigung sowie der damit verbundenen Entmilitarisierung, stellen derartige Aktivitäten eine Verstärkung der Belastungen mit Lärm und Abgasen dar. Die anwesenden Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer sowie auch der AHA bekräftigten die Notwendigkeit, dass ehrenamtliche, unermüdliche, fachlich fundierte Wirken des Burgstettenvereins verstärkt zu unterstützen. Der Burgstettenverein und AHA stellten zudem Überlegungen vor, entklang des Weges vom Burgstettengebiet nach Wurp wieder Obstgehölze zu pflanzen und dazu einen öffentlichen gemeinsamen Arbeitseinsatz durchzuführen. Diesbezügliche Vorbereitungen sollen demnächst beginnen.
Das südlich von Wurp befindliche Feuchtgebiet gilt es nach Auffassung der Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer als arten- und strukturreichen Natur- und Landschaftsraum zu schützen, zu erhalten und weiter zu entwickeln. Ferner gilt es diese schützenswerten Biotope in einen weiter auszuweitenden Biotop- und Grünverbund zwischen Zörbiger Strengbach, Rieda, Fuhne, Petersberg, Götsche und Reide mit einzubinden. Besonders bedroht ist das Feuchtgebiet durch einen noch immer geplanten Aufschluss eines „Hartsteintagebaues Niemberg-Brachstedt“.

Ein wichtiger Punkt der Exkursion bildeten die Streuobstwiesen westlich der Ortslage von Brachstedt. Die zusammen 38.400 m² = ca. 3,8 ha große Streuobstwiese befindet sich am Westenteich -30.160 m² = ca. 3 ha- sowie an der Küttener Straße -8.240 m² = ca. 0,8 ha. Diese wertvolle Streuobstwiese ist besonders von Altbeständen aus Äpfeln, Süßkirschen und Pflaumen geprägt. Ferner beginnt eine sukzessive Besiedlung mit Laubgehölzen. Diese Streuobstwiese ist ökologisch, landschaftlich, kulturell und historisch sehr bedeutsam. Jedoch zeigen sich deutliche Auflösungserscheinungen. Nach Auffassung der Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer gilt es unbedingt Pflegemaßnahmen zum Schutz und Erhalt der Streuobstwiesen zu ergreifen, wozu dringende Schnitt- und Ausholzungsmaßnahmen sowie Nachpflanzungen erforderlich sind. Ferner ist eine Fortsetzung und Ausweitung der im Jahre 1996 vom Landschaftspflegeverband „Östliches Harzvorland“ e.V. durchgeführten Sortenbestimmung notwendig, welche u.a. die Existenz von mindestens 15 Apfelsorten aufzeigte. Der AHA könnte sich bei personeller Unterstützung und in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Saalekreis und der Gemeinde Petersberg vorstellen, seinen Beitrag, im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Möglichkeiten, zum Schutz, Erhalt und Weiterentwicklung der Streuobstwiesen zu leisten.

Den Abschluss bildete der Aufenthalt auf dem 149,4 m hohen Abatassinenberg, welcher von Trocken- und Halbtrockenrasengesellschaften sowie umfassenden Gehölzbeständen geprägt ist. Hier waren sich die Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer einig, dass alles zu unternehmen ist, um die zweithöchste Erhebung im näheren Umfeld des Petersberg –172,8 m hoch- zu schützen, zu erhalten und weiter zu entwickeln. Insgesamt betrachtet, bekräftigten die Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer, dass das nähere und weitere Exkursionsgebiet auf Grund einer sehr großen Bedeutung und damit verbundener umfassenden Schutzbedürftigkeit, eines massiven Einsatzes zum Schutz und Erhalt bedarf. Diesen Wunsch griffen der AHA und sein Mitgliedsverein Burgstetten e.V. auf und möchten Interessierte einladen, daran mitzuwirken. Wer Interesse hat daran ehrenamtlich mitzuarbeiten, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
Fax.: 01805-684 308 363
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Fotos: Christine Fröhlich



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