Die Barbarei gegen unsere bauliches Erbe findet kein Ende

Liebe Freunde des Denkmalschutzes, der Bau- und
Industriekultur, der Soziokultur und der nachhaltigen Stadtentwicklung,

die Barbarei gegen unsere bauliches Erbe findet kein Ende, sie läuft ungebremst weiter, und alle übergeordneten Instanzen, kulturellen Thinktanks und die deutsche Öffentlichkeit versagen. Man kann es nicht anders beurteilen. Die letzten noch nicht gesicherten Denkmäler fallen, vor allem im Osten der Republik, und wenn sie aus dem 18. Jahrhundert stammen. Nicht weil die Gelände gebraucht würden, nein! Sondern weil der Bürgermeister den Anblick einer Architektur nicht mehr erträgt, die er selbst hat verfallen lassen. Danach entsteht: NICHTS.

Deutschland zuckt die Schultern. Ein überregionale Aufmerksamkeit gibt es nicht.

Einen besonders krassen Fall müssen wir Ihnen heute vorstellen:

Seit letzter Woche läuft der Abriss eines einmaligen, ausgezeichneten Denkmals der Montanindustrie des 18. Jahrhunderts im Mansfelder Land (Sachsen-Anhalt), dass nebenbei auch einen starken Bezug zu Luthers Vater hatte, der nebenan ebenfalls Eisen schmolz, wenngleich 300 Jahre zuvor. Die NEUE HÜTTE in Wimmelburg von 1788(!).

Die Umstände sind so atemberaubend, dass man es nicht glauben mag:

– Das Ensemble erhielt 2015 einen Denkmalpreis aus der Hand von Kultusminister Stephan Dorgerloh.
– Ein Nachnutzung des Geländes ist nicht geplant, der Bauschutt soll in den Kellergewölben versenkt werden.
– Eine denkmalpflegerische Dokumentation des Bestandes wurde nicht vorgenommen.
– Ein einziger Beamter des Landesamtes hat gegen alle fachlichen Urteile die Genehmigung erteilt.
– Der Abriss wird zu 70% aus Landesmitteln finanziert. „Renaturierung!“ nennen sie das.
– Der Abriss erfolgt, obwohl es ein Kaufangebot gab und Fördermittel für den Erhalt. Aus einem lokalen Facebook-post:

„als dann die Fördermillionen angeboten wurden und jetzt der Investor (ein großer Sozialverband) immer noch an seinem Kaufangebot festhält, kann ich die Gemeinde einfach nicht mehr verstehen! Man sollte dem Investor und damit dem Denkmal doch eine Chance einräumen!“

(Bergrat Plümicke)

Wir sind immer noch geschockt über diese unfassbare Barbarei.

Zugleich aber entschlossen, dieses Zustände in die bundesdeutsche Öffentlichkeit zu bringen. Eine Petition gegen die sinnlose und verlogene Förderung dieser Abrisse mit Mitteln der EU und des Bundes unter schönfärberischen Titeln („Wiederbelebung von Brachflächen“) ist in Arbeit.
Wir brauchen eine Rote Liste der gefährdeten Denkmäler, deutschlandweit, mit täglicher Aktualisierung, um im Vorfeld rechtzeitig aktiv werden zu können.
Eine grundsätzliche, an Beispielen reiche Stellungnahme von uns zur deutschen Abriss-Mentalität und zur Fehlallokation von Fördermitteln finden Sie hier:

Mehr Schande als Fleck? Die Verachtung historischer Bausubstanz und die Ideologie der Moderne in Deutschland

Unten etwas öffentlich zugängliches Material rund um den Sakandalabriss in Sachsen-Anhalt.

Vernetzen Sie sich mit uns auf Facebook.

Es freut sich über Ihre Rückmeldung und grüßt traurig

Dr. Jan Kobel

Noch eine Fundsache zur Hütte: Neue Hütte im Wimmelburger Goldgrund



Kommentare

  • Dienelt

    Lieber Herr Doktor, es war Kupfer und nicht Eisen… Und mal nur noch einen kurzen Einwurf: Unser kleiner Mansfelder und Sangerhäuser Bergbau hat in seiner 800-jährigen Geschichte mehr Silber gefördert wie das gesamte Erzgebirge…


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