Der AHA betrachtet mit sehr großer Sorge Umbau der Schweinehaltungsanlage im Süden Cochstedts

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hat mit großer Sorge die Beschlüsse des Stadtrates der Stadt Hecklingen zur Aufstellung der 1. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Hecklingen, Teilplan Cochstedt, für den Bereich „Schweinehaltungsanlage Cochstedt“ sowie zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Schweinehaltungsanlage Cochstedt“ der Stadt Hecklingen aufgenommen. Die bisher getätigten Angaben, dass die bereits ansässige Hederslebener Zucht & Mastbetriebe GmbH & Co. KG die Stallanlage von vier auf zwei Hektar reduzieren, alte durch moderne Stallanlagen ersetzen sowie die Kapazität im Umfang von 4.000 Tieren beibehalten möchte erscheint wenig glaubhaft. Bereits die angedachte Änderung des Planungsraums von „Fläche für die Landwirtschaft“ zu sonstiges Sondergebiet „gewerbliche Tierhaltung“ lässt die Vermutung aufkommen, dass perspektivisch eine Erweiterung der Anlage vorgesehen ist. Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes eröffnet sich zu mindestens diese Möglichkeit.

Das Statistische Bundesamt gab mit Stand November 2016 in der Kurzanalyse folgende Zahlen zum Schweinebestand in Deutschland an, Zitat:

„Schweinebestand leicht gestiegen, deutlich mehr Mastschweine Zum Stichtag 3. November 2016 wurden in Deutschland rund 27,4 Millionen Schweine gehalten. Nach endgültigen Ergebnissen der halbjährlich durchgeführten Viehbestandserhebung ist der Bestand gegenüber Mai 2016 leicht um 0,8 % oder rund 229 700 Tiere gestiegen.
Damit ist der seit November 2014 andauernde Rückgang der Schweinebestände vorerst gestoppt.
Der leichte Anstieg des Schweinebestandes ist auf den starken Zuwachs von 4,2 % bei den Mastschweinen zurückzuführen. Der Bestand an Mastschweinen nahm im letzten halben Jahr von rund 11,8 Millionen auf 12,3 Millionen Tiere (+ 488 400) zu. Dabei entfielen gut 36 % dieses Zuwachses (177 800 Tiere) auf Mastschweine mit 110 Kilogramm oder mehr Lebendgewicht.“, Zitat Ende

Das bedeutet bei einer Gesamtbevölkerungszahl in Deutschland im Umfang vom 82,2 Millionen Einwohnern 3 Einwohner pro Schwein.

Laut Statistischem Bundesamt hat das Land Sachsen-Anhalt einen Gesamtbestand von 1.177.000,6 Millionen Schweinen, davon 293.000,3 Zuchtschweine und 531.000,6 Ferkeln. Bei einer Einwohnerzahl in Sachsen-Anhalt im Umfang von 2,2 Millionen Menschen kommen somit ca. 1,8 Einwohner pro Schwein. Nach Auffassung des AHA existieren in Deutschland bzw. Sachsen-Anhalt umfassende Schweinebestände, welche keiner Steigerung bedürfen.

Dabei besteht nicht nur das Problem einer tierfreundlichen Haltung, sondern auch der Anfall von Gülle.

Laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen fallen bei der Ferkelaufzucht 0,6 m³/pro Tier/Jahr und bei der Schweinemast 1,5 m³/pro Tier/Jahr an. Das bedeutet bei 4.000 Ferkeln ein Gülleaufkommen pro Jahr im Umfang von 2.400 m³. Bei einer Umstellung auf Schweinemast mit ebenfalls 4.000 Tieren ist dann mit einem jährlichen Gülleaufkommen von 6.000 m³ zu rechnen. Daraus errechnet sich eine Erhöhung des jährlichen Gülleaufkommens um 2.000 m³ bzw. 50 %.

Der AHA weist darauf hin, dass laut Umweltbundesamt in Deutschland in der Landwirtschaft nach wie vor Überschüsse an Phosphor im Umfang von 10 kg/ha Landwirtschaftlicher Fläche und bei Stickstoff im Umfang von 20 kg/ha Landwirtschaftlicher Fläche existieren.
Diese Überschüsse lassen sich nur durch Reduzierung der Düngergaben, Verbesserung der Fruchtfolge, Erhöhung der Vielfalt an Ackerkulturen und nicht zuletzt durch die Reduzierung des Ausbringens von Gülle senken.

Somit trägt eine Umsetzung des Vorhabens „Schweinehaltungsanlage Cochstedt“ eher zur Verstärkung der Umweltbelastungen in Luft, Boden und Wasser bei. Das belastet ferner die Wohnlage Cochstedt, stellt aber auch eine Bedrohung der Gewässer sowie des westlich gelegenen ca. 1.400 ha großen Naturschutzgebietes und europäischen Vogelschutzgebietes Hakel mit seiner großen Artenvielfalt an Fauna und Flora dar.

Der AHA plädiert eher dafür zu prüfen, inwieweit der vollständige Rückbau der Stallanlage mit anschließender kompletter baulicher Beräumung, nicht eher zur Schaffung einer sukzessiven Gehölz- und Staudenfläche führen sollte. Neben der Bedeutung als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten auf ca. 4 ha, trägt das zur Verbesserung des Orts- und Landschaftsbildes bei, befördert den Rückhalt von Wasser sowie dient als Teil eines zu entwickelnden Biotop- und Grünverbundes mit dem Hakel sowie des angrenzenden Nesseltals.
Der AHA ist bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Möglichkeiten bereit daran mitzuwirken. Daher ruft der AHA Interessenten auf daran mitzuarbeiten.

Wer Interesse hat in einer möglichen, speziellen ehrenamtlichen AHA-Arbeitsgruppe mitzuwirken wende sich bitte an folgende Kontaktmöglichkeiten:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Ortsgruppe Gatersleben
Schmiedestraße 1
06466 Gatersleben
E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Internet: https://www.aha-halle.de



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