Das Naturschutzgebiet Forstwerder und das flächenhafte Naturdenkmal Klausberge sind wichtige Bestandteile vom Saaletal in Halles Norden

Es ist morgens gegen 10:00 Uhr am 08.04.2017, als sich Mitglieder des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) auf dem Weg über die Bogenbrücke zum Naturschutzgebiet Forstwerder in Halle-Trotha begeben. Auf dem Forstwerder angekommen, nahmen die Anwesenden die ca. 7 ha großen Aueninsel, welcher Bestandteil des Naturschutzgebietes (NSG) „Forstwerder“ und des FFH-Gebietes „Nordspitze der Peißnitz und Forstwerder in Halle“ ist, in Augenschein und nahmen vorsichtig leichte Ausbesserungsarbeiten an den Absperrungen an früheren Wegen und Trampelpfaden vor.

Das Ziel der Maßnahmen ist die Schaffung eines abgesperrten Bereiches im Nordteil und am Südwestufer des NSG und FFH-Gebietes im Anschluss an das Saalewehr der Saaleaueninsel in Halles Norden, um eine ungestörte naturnahe Entwicklung zu ermöglichen. Ferner dient es der Sicherheit, da die steilen Prallhänge durch Abbrüche immer wieder Veränderungen unterliegen.

Forstwerder (13)
Forstwerder (13)

Jedoch sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, so dass es noch einer Fortsetzung im Jahr 2017 bedarf.

Im Rahmen der Begehung der Saaleinsel mussten die anwesenden AHA-Mitglieder feststellen, dass man am Westrand des Forstwerders Ringelungen an 3 Gemeinen Eschen und 21 jungen Feldulmen vorgenommen hat. Somit sind diese auentypischen und sehr schützenswerten Bäume zum Absterben verurteilt. Der AHA hat sich bereits gegen jegliche Ringelung von Bäumen ausgesprochen und fordert nunmehr mit Nachdruck auf diese Maßnahmen endlich komplett einzustellen. Ferner gilt es die unverantwortlichen Eingriffe in dem Schutzgebiet nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH) – Richtlinie und Naturschutzgebiet zu ahnden.

Ferner betrachteten die anwesenden Mitglieder des AHA erneut die in Halle-Trotha, nordöstlich des Naturschutzgebietes „Forstwerder“ stattfindenden umfassenden Bauarbeiten auf der Schleuseninsel zwischen Mühlgraben und Schleusengraben und am Ufer des Mühlgrabens. Dabei mussten die anwesenden Mitglieder des AHA außerdem feststellen, dass umfassende Erdaufschüttungen eine vermutlich mehrere hundert Jahre alte Stieleiche am Ufer des Mühlgraben bedrohen.

Diese Arbeiten haben offenbar das Ziel umfassende Uferbefestigungsarbeiten mit Porphyrsteinen vorzunehmen.

Für den AHA ist das eine ungeheuerliche und unverantwortliche Vernichtungsaktion an Umwelt, Natur und Landschaft. Die Arbeiten, welche mitten im Beginn der Brutzeit stattfinden, haben bereits zu massiven Beeinträchtigungen an und im Mühlgraben, an den Auenwaldresten und Streuobstbeständen auf der Schleuseninsel sowie zur Zerstörung bekannter Brutstätten des Eisvogels geführt.

Es ist nicht erkennbar, dass die Stadt Halle (Saale) als zuständige untere Naturschutzbehörde diesem Frevel Einhalt gebietet.

Daher fordert der AHA die Stadt Halle (Saale) erneut mit Nachdruck auf diese Arbeiten zu stoppen, die Verantwortlichen zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. An die Staatsanwalt Halle ergeht hiermit wiederholt der dringende Appell die strafrechtliche Relevanz zu prüfen.
Ziel muss es auch sein, künftig derartige Aktivitäten erst gar nicht zuzulassen bzw. zu ermöglichen !

Ein weiteres Beispiel für Frevel an Natur und Landschaft lieferten die Folgen der Massenabholzungen im Saaleuferbereich des flächenhaften Naturdenkmals Klausberge, welches eine Größe von ca. 4,9 ha aufweist, sich zwischen 15 bis 20 m über dem Niveau der Saale befindet sowie vom Oberen Halleschen Porphyr geprägt ist. Dabei waren sich die AHA-Mitglieder einig, dass die Trocken- und Halbtrockenrasengesellschaften, durch sukzessiv entstandene Wald- und Gehölzstrukturen zu den ökologisch und landschaftlich bedeutsamsten Standorten im Stadtgebiet von Halle (Saale) gehören und eines nachhaltigen Schutzes bedürfen.

Mit Entsetzen stellten zudem die anwesenden AHA-Mitglieder die Einrichtung und Nutzung einer großen Festmeile am Saaleufer im südlichen Anschluss an die Klausberge fest. Angesichts der voranschreitenden flächendeckenden Vernichtung von großen Teilen an natürlicher Umwelt durch Massenabholzungen und umfassenden Neuversiegelungen mit Beton und Asphalt stellen derartige Veranstaltungen eine zunehmende Belastung für Umwelt, Natur und Landschaft dar. Insbesondere weist der AHA darauf hin, dass die Saaleaue zwischen den Naturschutzgebieten „Nordspitze Peißnitz“ und ”Forstwerder“ wieder verstärkt naturnaher zu entwickeln gilt. Dieses einst weitgehend unverbaute Saaleufer steht in enger Korrelation mit dem Naturschutzgebieten „Nordspitze Peißnitz“ und ”Forstwerder“, welche zusammen mit dem geschützten Landschaftsbestandteil Amselgrund und Kreuzer Teichen, dem geschützten Landschaftsbestandteil Amtsgarten und dem flächenhaften Naturdenkmal Klausberge das FFH-Gebiet „Nordspitze der Peißnitz und Forstwerder in Halle“ ergeben, gehört zu den wichtigsten Biotop- und Grünverbundräumen im halleschen Saaletal.
Ferner verfolgt der AHA mit sehr großer Sorge die aktuellen Ausbauplanungen im ca. 9 ha großen Bergzoo Halle und in seinem unmittelbaren Umfeld. Für den AHA ist es unverständlich im Bereich der Ecke Seebener Straße und Emil-Eichhorn-Straße ein Parkhaus zu errichten. Neben der mit 6,5 Millionen Euro Steuergeldern bezuschussten Zerstörung des weitgehend offenen Übergangs zwischen Seebener Straße und Saaleaue, sieht der AHA den Baumbestand in dem Bereich in ernsthafter Gefahr. Ferner erscheint es unverständlich, da es eine sehr gute Anbindung mit der Straßenbahn gibt. Der AHA regt eher an, die Eintrittskarten künftig auch als Fahrkarten für den Mitteldeutschen Verkehrsverbund nutzen zu können. Somit betonen der Mitteldeutsche Verkehrsverbund sowie die Verantwortlichen von Stadt Halle (Saale), Stadtwerke Halle und Bergzoo Halle ihren Wunsch auf Stärkung und Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs bzw. Offentlichen Schienennahverkehrs. Ferner wäre die Aufstellung von robusten Fahrradaufstellern auf Teilen des gegenwärtigen Parkplatzes an der Ecke Seebener Straße/Emil-Eichhorn-Straße denkbar.
Das eigentliche Gelände des Bergzoos ist von umfassenden Gehölzbeständen geprägt. Die über die Medien verbreiteten Pläne, welche mit insgesamt 16 Millionen Euro Steuergelder bezuschusst werden sollen, lassen die Befürchtung zu, dass massive Abholzungen von Gehölzen erfolgen sollen. Insbesondere der Gehölzbestand im Hangbereich des Zooeingangs in der Seebener Straße scheint besonders stark bedroht zu sein.

Daher fordert der AHA –in Übereinstimmung mit der Initiative „Pro Baum“- endlich Umgestaltungspläne zu entwickeln, welche keine weiteren und zusätzlichen Belastungen für Umwelt, Natur und Landschaft darstellen. Ferner sind Transparenz und eine demokratische, öffentliche Beteiligung der Bevölkerung sowie ihrer Vereine und Initiativen dringend geboten.

Der Schutz von Umwelt, Natur und Umwelt erfordert ein verstärktes bürgerschaftliches Engagement, um dem verantwortungslosen Handeln der Verantwortlichen der Stadt Halle (Saale) Einhalt zu gebieten sowie eigene Vorschläge einbringen zu können und somit eine echte Demokratie zu leben.

Wer Interesse hat daran mitzuwirken, kann sich ehrenamtlich in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von AHA und Initiative „Pro Baum“ zum Forstwerder und Klausbergen einbringen und wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
Fax.: 01805-684 308 363
E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Internet: https://www.aha-halle.de

Fotos Andreas Liste

Fotos Dietmar Hörner



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