Stellungnahme zur Genehmigungsplanung zum Vorhaben Talsperre Zeulenroda – Vorsperre Riedelmühle – Sedimentberäumung der Stauwurzel und Errichtung einer Grundschwelle

Zu     1        VERANLASSUNG
Zu     3       EINORDNUNG DES PLANUNGSGEBIETES

Erwartungsgemäß führen Fließgewässer Sedimente mit, welche diese in ihrem Weiterverlauf im Flussbett, aber bei Hochwasser, in ihrer Aue platzieren. Dies ist ein sehr wichtiger Vorgang bei der Entwicklung des Fließgewässers und ihrer Aue sowie der damit eng verbundenen Landschaft, Natur und Umwelt. Infolge der Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit an Querbauwerken und in derartigen Talsperren entziehen diese den Fließgewässern die sehr bedeutsamen Sedimente und führen somit zur empfindlichen Störung der Fließgewässer. Das führt zur Verringerung oder gar Ende des Sedimenttransportes und „Einbaus“ im Flussbett und in der Aue. Somit besteht die akute Gefahr, dass das jeweilige Fließgewässer abgelagerte Sedimente aus der Gewässersohle aufgreift und weitertransportiert und somit eine Gewässereintiefung auslöst. Dadurch kann eine weitere Austrockung des Umlandes erfolgen, da das sich immer mehr eintiefende Fließgewässer zunehmend Wasser aus den angrenzenden Landschaften entzieht. Ferner ist schwieriger oder gar keine ordnungsgemäße sowie ökologisch und hydrologisch dringend notwendige Überflutung und Verteilung des Hochwassers in der Aue möglich. In der Regel nehmen derartig mit Hochwasser aufgefüllte Fließgewässer noch mehr Hochwasser auf und treffen dann verstärkt auf Siedlungsgebiete.
Eine derartige Entwicklung gilt es auszuschließen bzw. ggf. zu beenden.
Andrerseits zeugen Sedimenttransporte von zunehmender Bodenerosion in Folge kultur- und fruchtfolgearmer Landwirtschaft mit verstärkten Monokulturanbau von Humuszehrern und gehölzarmen Agrarlandschaften. Hier sind grundsätzliche Veränderungen erforderlich.

Zu     4       ART UND UMFANG DES GEPLANTEN VORHABENS
Zu     5       BAUDURCHFÜHRUNG UND TECHNOLOGISCHE ANGABEN

Entgegen der Darstellungen ist mit massiven Eingriffen in Fauna und Flora zu rechnen. Bereits ein Ablassen von Wasser kann zu massiven Schädigungen von Fauna und Flora bzw. zu Zerstörungen am gegenwärtigen Bestand führen. Die Zuwegung mit ihren angedachten Bodenversiegelungen und Gehölzrodungen bedeuten weitere massive Eingriffe in Natur, Landschaft und Umwelt. Ggf. gilt es zu prüfen, inwieweit eine umfassende Reduzierung des Sedimentbestandes unter Erhalt und Schutz der gegenwärtig entwickelten Fauna und Flora im und am Gewässer erfolgen kann. Dazu gilt es Verfahren durch Absaugungen zu prüfen. Ferner ist es wichtig darauf einzuwirken, dass eine nachhaltigere Landwirtschaft zu weniger Einträgen von Sedimenten, Nährstoffen und Pestiziden führen. Dafür ist aber eine generell nachhaltigere Herangehensweise erforderlich.
Darüber hinaus ist anzuregen, im Rahmen einer wissenschaftlich fundierten Konzeption die Möglichkeit der Durchleitung der Sedimente durch die Vorsperre Riedelmühle und die Talsperre Zeulenroda zu ermöglichen, um die Weida besser mit Sedimenten versorgen zu können.
Ein korrekter Umgang mit Hochwasser erfordert Ausschluss von Neuversiegelungen, Rückbau von bestehenden Versiegelungen, eine nachhaltigere Landwirtschaft sowie die Zulassung einer strukturell vielfältigeren Agrarlandschaft.

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 03.08.2020

Deckblatt
Inhaltsverzeichnis
Erläuterungsbericht_200401brm
Anl. 1_0101_ÜLP
Anl. 1_0102_ÜLP Staufläche_352_75
Anl. 1_0601_LP_1000
Anl. 1_0602_LP_500
Anl. 1_0603_LP_1000-50
Anl. 3.1.1 Hydraulik – Aufstau
Anl. 3.1.2 Hydraulik – Durchlässigkeit
Anl. 4.1 Baumkataster
Anl. 5.1.1 V170622brm UNB
Anl. 5.1.2 V170803brm OWB
Anl. 5.1.3 V170809brm OWB
Anl. 5.1.6 181022 Stn TLVwA 22.10.2018
Anl. 5.1.7 190906 Stgn TLUBN VS Riedelmühle
Anl. 5.2 Medienauskunft
Anl. 6.1 Grundstücksverzeichnis


Werrarenaturierung zwischen Frankenroda und Falken (Bauabschnitt 2)

Stellungnahme zum Antrag auf Genehmigungsplanung mit integriertem Landschaftspflegerischen Begleitplan Antrag auf Plangenehmigung nach § 68 WHG Werraschleife Frankenroda II Werrarenaturierung zwischen Frankenroda und Falken (Bauabschnitt 2)

Grundsätzliches

Bekanntlich bilden Fluss- und Auenlandschaften eine wichtige Einheit. Beide stehen in einer engen und sehr vielfältigen Wechselbeziehung zueinander. Die Auenlandschaften dienen den Flüssen als Ausbreitungsraum für Hochwasser und versorgen sie somit mit Wasser, Sedimenten und z.B. als Schwemmgut herangetragenes neues genetisches Material aus Tieren und Pflanzen. Im Umkehrschluss fungieren die Auenlandschaften als „Reinigungskraft“ für die Flüsse, indem beispielsweise Auenwälder das abgebremste Wasser von Sedimenten „befreien“ sowie Schwemmgut „herauskämmt“.
Diese langzeitige Wechselbeziehung hat somit eine der arten- und strukturreichsten Naturlandschaften der gemäßigten Zonen hervorgebracht, welche zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebens- und Rückzugsraum bietet. Darüber hinaus trägt diese intensive Wechselbeziehung zur Verbesserung des Landschafts- und Ortsbildes urbaner Gebiete bei und sorgt als Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet und -korridor für eine nachhaltige Verbesserung des Klimas.
Auf dieser Basis bezieht der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) folgendermaßen Stellung:

Zu den Verfahrensunterlagen
Zu 2. Begründung der geplanten Maßnahmen

Im konkreten Fall sind die Maßnahmen nicht angemessen. Es gilt massiv die Möglichkeit der natürlichen Entwicklungsprozesse des Flusses zu befördern. Dazu gehören die Einbindung von Altverläufen des Flusses, Die Entfernung von Querbauwerken sowie Sohl- und Uferbefestigungen, um mit Hilfe von Störsteinen und -hölzern die Mäandrierung zu initiieren bzw. zu befördern. Dazu gehört auch das Belassen von Alt- und Bruchholz im Gewässerverlauf, was zudem die Möglichkeit des Erhaltes bzw. – Schaffung von Nahrungs- und Lebensräumen für verschiedene Tierarten wie zum Beispiel Biber, Eisvogel und Beutelmeise ermöglicht. Ferner bieten Steilufer Brutmöglichkeiten für Uferseeschwalben, Bienenfresser, Eisvögel und Wildinsekten. Die Entfernung von Querbauwerken ist für die generelle Durchlässigkeit der Werra erforderlich. Dazu gehören Fischwanderungen, aber auch der Transport von Sedimenten, was zu mindestens eine weitere Eintiefung des Flusses verhindert, besser noch eine Hebung der Fußsohle ermöglicht. Die angedachten Baumaßnahmen sind da wenig hilfreich, da nur die Natur für stabile und vielfältige Strukturen an Fauna und Flora sowie in der Landschaft sorgen kann. Die angedachten Baumaßnahmen spiegeln nicht die Entwicklungsmöglichkeiten der Werra wider, sondern zeugen von der Umsetzung menschlicher Wunschvorstellungen. Wie bereits erwähnt, können menschliche Aktivitäten maximal durch Rückbaumaßnahmen im Sohl- und Uferbereich sowie in der Werraaue. Dazu gehören die Prüfung und ggf. Umsetzung der Beseitigung der Staustufe in Falken sowie der Umverlegung und des Rückbaus des Landgasthofes und Reiterhofes Probstei Zella.

Nach Auffassung des AHA gilt es Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen Werrarenaturierung zwischen Frankenroda und Falken zusammenfassend folgende Aktivitäten zu entfalten:

Erstellung einer wissenschaftlich fundierten Schutz- und Entwicklungskonzeption für die Werra und ihrer Aue im Raum zwischen Frankenroda und Falken.
Prüfung der sukzessiven Entstehung eines Auenwaldes, um a) das standorttypische Arten- und Strukturspektrum entstehen zu lassen, b) Ungehindertes Wurzelwachstum zu ermöglichen und c) wiesen- und staudenreiche Zwischenzeiträume bieten Insekten sehr viele Nahrung und Unterschlupf.
Wissenschaftliche Begleitung der Entwicklung dieses Teils der gesamten Fluss- und Auenlandschaft der Werra.

III. Schlussbemerkungen

Bekanntlich gehören Fluss- und Auenlandschaften zu den arten- und strukturreichsten Landschaften und Naturräumen der gemäßigten Zonen. Sie bieten punktuell und flächendeckend Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, bilden Kaltluft- und Frischluftentstehungsgebiete und fungieren als Ventilationsbahnen sowie üben sehr wichtige Funktionen als Hochwasserausbreitungs-, Biotop- und Grünverbundraum aus. Ferner dienen sie als Erholungsraum für die Menschen.
Diese vielfältigen Funktionen erfordern jedoch eine naturnahere bis naturnahe Entwicklung.
Nach Auffassung des AHA empfiehlt der AHA für den Gesamtverlauf der Werra folgende Aktivitäten zu entfalten:

Wissenschaftliche Prüfung, ob die Wiederanbindung der Altverläufe der Werra möglich bzw. sinnvoll erscheinen.
Die begrüßenswerte Entstehung eines Auenwaldes sollte sukzessiv geschehen, um a) das standorttypische Arten- und Strukturspektrum entstehen zu lassen, b) Ungehindertes Wurzelwachstum zu ermöglichen und c) wiesen- und staudenreiche Zwischenzeiträume bieten Insekten sehr viele Nahrung und Unterschlupf.
Wissenschaftliche Begleitung der Entwicklung dieses Teils der Fluss- und Auenlandschaft der Werra.

Der ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. bietet gerne seine Erfahrungen und fachlichen Kenntnisse an.

Der Kontakt lautet:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 29.06.2020

20200313_Werraschleife_FrankenrodaII_Natura2000_EE
P0144_2020_04_21_Bericht Lph34
20200313_UVP_Vorprüfung_Werraschleife Frankenroda II
529-2019 Frankenroda Werraschleife BGE (003)
20200421_Werra_Frank_Anlage_K3_WT_HQ100_PLAN
20200421_Werra_Frank_Anlage_K4_WT_HQ100_Diff
20200422_Anlage-1_WSP_Längsschnitt
20200422_Anlage-2_WSP-Tabelle
20200422_DB-Anlagen_Anlagenverzeichnis 200124~1
20200421_Werra_Frank_Anlage_K1_USG-Vergleich
20200421_Werra_Frank_Anlage_K2_WT_HQ100_IST
20200313_Werraschleife II_AFP
Steckbrief_Werra-Falken_2019
Steckbriefe_Werra-Falken_2018
P004HWS_Eisenach_MKIII_Frankenroda_E3_Bestand
P004HWS_Eisenach_MKIII_Frankenroda_E3_Massnahmen
P144_Frankenroda_BA2_Uebersichtsplan
P144_Frankenroda_TP


AHA hält naturnahere Entwicklung der Auenlandschaften von Weißer Elster, Pleiße und Parthe in Leipzig und Umland für dringend geboten!

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Streitholz – die Pleiße, Blickrichtung Südosten

Bekanntlich hatte am 24.10.2018 der Stadtrat der Stadt Leipzig mehrheitlich den „Forstwirtschaftsplan 2018“ beschlossen. Dieser „Forstwirtschaftsplan 2018“ beruhte auf dem Beschluss des Stadtrates vom 28.10.2015 zur „Forsteinrichtung für den Wald der Stadt Leipzig (FB 3277) für den Planungszeitraum 2014 – 2023“. In der „Erläuterung zum Forsteinrichtungswerk für den Wald der Stadt Leipzig (Forstbetrieb 3277), Planungszeitraum 01.01.2014 bis 31.12.2023“ ist unter Punkt „5.3 Planung – einige Zahlen“ u.a. folgende Planung vorgesehen:

BaumartenZielbestand
Stieleiche (Quercus robur)40 %
Ulmen (Ulmus spec.)5 %
Hainbuche (Carpinus betulus)10 %
Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)20 %
Bergahorn (Acer pseudoplatanus)5 %
Winterlinde (Tilia cordata)10 %
Feldahorn (Acer campestre)5 %
Wildobst5 %

Auf welcher wissenschaftlich fundierten Basis diese artenbezogenen Zielbestandsplanung entstanden ist findet leider keine Erwähnung.
Diese Ziele möchte man zudem vorrangig durch massive forstwirtschaftliche Maßnahmen erreichen, wozu u.a. Mittelwald- und Femelwirtschaft sowie gezielte Aufforstungen gehören.
Man behauptet in der Forstwirtschaftsplanung, dass nur forstwirtschaftliche Maßnahmen zu einer höheren Artenvielfalt führen. Dabei haben genau diese Forstwirtschaftsmaßnahmen selbst in Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten zu massiven Zerstörungen an den Auenwaldstrukturen geführt. Möglichkeiten der Erhaltung und Entwicklung von Waldsaumstreifen, von Wiesen – wie z.B. in der Burgaue – und Streuobstwiesen – wie z.B. am Schlobachshof – etc. blendet man zudem komplett aus. Dabei können gerade diese Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen zur Erhöhung bzw. zum Erhalt einer Vielfalt an Arten und Strukturen beitragen.
Bereits im Blick auf die Forstwirtschaftsplanung 2018 hatte der Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald e. V. (NuKLA) in einem Offenen Brief zur Lage des Auwalds Leipzig im Blick auf die Forstplanung 2018 vom 09.09.2018 wissenschaftlich-fachlich fundiert sowie von Praxis und umfassender Ortskenntnis geprägt, sich für den Erhalt des Schutzgebietscharakters der Leipziger Auenwaldes eingesetzt und sich begründet gegen den nunmehr von Leipzigs Stadtrat am 24.10.2018 beschlossenen „Forstwirtschaftsplan 2018“ gewandt. Neben der umfassenden Begründung des Anliegens bietet der Verein Gesprächs- und Beratungsbereitschaft an, um nachhaltig die Auenlandschaft zu erhalten und zu schützen.
In einer Offenen Stellungnahme Leipziger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Offenen Brief von NuKLA an den Stadtrat zur Forstplanung 2018 vom 18.10.2018, gerichtet an den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig Burkhard Jung, richten sich 11 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung GmbH – UFZ und Universität Leipzig in sehr scharfer Form gegen den obengenannten Offenen Brief von NuKLA. Ihre eigene Argumentation beruht nach eigenen Angaben u.a. auf folgenden sechs wissenschaftlichen Arbeiten, Zitat:

„Exemplarische Forschungsaktivitäten sind:
Punktgenaue Starkbaum- und Biotopbaumkartierung durch den Stadtforst (1998 und 2005/2006, Straßl, Heyde & Hartelt 2006).
Brutvogelkartierung durch das Naturschutzinstitut Leipzig e.V und NABU seit 2009 (Mäkert 2009, 2010, 2013).
Projekt Leipziger Auwaldkran durch die Universität Leipzig (Anfänglich 2001 Mitfinanzierung durch UFZ, seit 2012 Forschungsplattform iDiv, Unterseher et. al 2007).
Begleitforschung zur forstlichen Bewirtschaftung durch das Prof. Hellriegel Institut (2012) auf 26 Untersuchungsflächen zum Vergleich der Prozessschutzflächen, der Mittelwaldflächen und der Femelschläge (Richter et al. 2012).
Begleitforschung zum Projekt Lebendige Luppe mit 60 Dauerversuchsflächen (0,25 ha) (Walddynamik, Totholz, Bodenvegetation, Laufkäfer, Eschentriebsterben) seit 2012 (Scholz et al. 2018).
Regelmäßige Befliegungen zur fernerkundlichen Untersuchung der Artenzusammensetzung, der Kühlungsfunktion und des Eschentriebsterbens durch UFZ, iDiv, Uni Leipzig und FH Anhalt. (z.B. Richter et al. 2016). „, Zitat Ende

Ferner behaupten die 11 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Kommunikation folgendes, Zitat:
„Die Abteilung Stadtforsten fördert den gesellschaftlichen Dialog seit Jahren mithilfe der AG Stadtwald und lässt dessen Ergebnisse in die Betriebsplanung einfließen.“, Zitat Ende
Es dürfte jedoch den 11 Damen und Herren nicht entgangen sein, dass NuKLA sich in den vergangenen Jahren intensiv darum bemüht hatte, um in der genannten AG Stadtwald eigene, womöglich andere Sichtweisen einzubringen. In einer fast an Mobbing grenzender Art und Weise lief man dagegen Sturm, so dass sich ein linker Umweltbürgermeister entschloss NuKLA eine Teilnahme an „gesellschaftlichen Dialog“ in der AG Stadtwald zu verwehren. Interessant am Vorabend des 30. Jahrestages der politischen Wende des Herbstes 1989, wo sich doch Offizielle der Stadt Leipzig immer wieder als Zentrum der „friedlichen Revolution“ feiern lassen. Nur hat man zentrale Forderungen dieser Zeit wie Toleranz, Meinungsvielfalt und offene Diskussionen offenbar komplett verdrängt.
Die „Offene Stellungnahme Leipziger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Offenen Brief von NuKLA an den Stadtrat zur Forstplanung“ beinhaltet durchaus nachvollziehbar und richtig: „Das Ziel, die natürliche Auendynamik wiederherzustellen, ist immer noch der Wunsch aller Ökologen und Naturschutzfachleute, die mit dem Leipziger Auwald befasst sind, und wurde bereits in den 90er Jahren Prof. G. Müller gefordert (Müller 1993).“, Zitat Ende
Nur verkennen die Damen und Herren, dass es sich mit „Forsteinrichtung für den Wald der Stadt Leipzig (FB 3277) für den Planungszeitraum 2014 – 2023“ und dem „Forstwirtschaftsplan 2018“ um keine Naturschutzplanung, sondern eine forstlich geprägten Planung handelt. Wie kann man unterstützen, dass Kahlschläge entstehen und Reih und Glied-Aufforstungen naturnaher gewachsene Auenwälder ersetzen? Nimmt man nicht wahr, dass die ersten Mittelwaldabholzungen im NSG Burgaue massiv zur Beförderung des Aufwuchses von lichtliebenden Arten wie Berg- und Spitzahorn geführt haben? Warum bleibt die massive Forderung nach einer mit dem Freistaat Thüringen und dem Land Sachsen-Anhalt abgestimmten naturnaheren Entwicklung der Auenlandschaften entlang der Weißen Elster mit Rückgabe von Altauen an das Flusssystem aus? Dabei hat doch Mitunterzeichner Dipl. Ing. Hans Kasperidus (UFZ, Department Naturschutz) im Rahmen des 5. Leipziger Auensymposiums am 16.04.2011 die Auenfläche mit 4.563 ha beziffert. Weiter führte er aus, dass davon 3.934 ha Altaue sowie 524 ha rezente Aue und 105 ha Fläche Fluss umfassen. Prozentual bedeutet dies, dass 86,22 % zwar morphologisch Aue sind, aber in der Regel durch Deiche abgetrennt, keine Überflutung mehr erfahren sowie nur 13,78 % einer Überflutung zur Verfügung stehen. Hier ist ein entscheidender Ansatz zu sehen, was das öffentlich finanzierte Projekt „Lebendige Luppe“ in der gegenwärtigen Version keinesfalls erfüllen kann. Noch dazu man selbst feststellt, dass fehlende Überflutungen und Rückgang von Grundwasser zur Austrocknung in der Aue führen. Gerade die mehrmonatige Dürre seit April 2018 und die starke Hitze im Sommer 2018, deren vollständigen Auswirkungen und Folgen womöglich erst in den nächsten beiden Jahren sichtbar in Erscheinung treten. Alles Dinge, welche nicht erkennbar in der Forstwirtschaftsplanung der Stadt Leipzig eine entsprechende Rolle spielt. Für den Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) ist es zudem befremdlich, dass man wissenschaftliche Arbeiten gegen bürgerschaftlich Engagierte in Stellung bringt, ohne ihnen unaufgefordert die entsprechenden, garantiert öffentlich finanzierten wissenschaftlichen Arbeiten zur Kenntnisnahme und Wertung zur Verfügung zu stellen. Nur so ist ein ordnungsgemäßer, demokratischer und wissenschaftlich fundierter Disput auf Augenhöhe möglich.

Der Stadtrat hatte im Rahmen seiner Ratsversammlung am Mittwoch, den 11.12.2019 die Vorlage – VI-DS-08226 – „Forstwirtschaftsplan 2019“ eine geänderte Variante beschlossen, welche aber inhaltlich praktisch keine geänderte Zielsetzung und Umsetzung beinhaltet.
Dabei beinhaltet der Forstwirtschaftsplan 2019 zahlreiche unkorrekte, vage und widersprüchliche Darstellungen, welche sich wie folgt darstellen:

Zu 1. Die geschichtliche Entwicklung des Leipziger Stadtwaldes:
Die Behauptung, dass seit ca. 100 Jahren keine natürliche Verjüngung der Stieleiche stattfindet, entspricht nicht den Tatsachen. Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hat in seinen jahrzehntelangen Begehungen und Exkursionen in den Auen von Leipzig und Schkeuditz auf sukzessive Verjüngungen hingewiesen. Die beiden Exkursionen des AHA in der Pleißeaue am 02.11.2019 und in die Burgaue am 23.11.2019 sowie am 13.06.2020 haben das bestätigt. An der Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Stieleiche bestimmte Aufwuchsbedingungen für die Jungbäume benötigt, dazu gehören Halbschatten, keine Bodenverdichtungen bzw. mechanische Einwirkungen sowie ausreichend Feuchtigkeit. Zudem neigt die Stieleiche nicht zu flächendeckenden Jungaufwüchsen wie Spitz-, Berg- und Eschenahorn sowie der Gemeinen Esche. Nur helfen uns die zwangsweiche Errichtung von gepflanzten Forstplantagen nicht weiter, wenn man zum Einem eine Verschlechterung der klimatischen Bedingungen erkennen muss und zum anderen Mahd- und Holzungsarbeiten in den Wegebereichen sowie das Befahren mit schwerer Technik die Jungaufwüchse der Stieleiche beschädigen oder gar zerstören. Abgesehen davon, dass in der Regel Baumschulware Unterschneidungen mit Einkürzungen der Pfahlwurzeln erfahren, welche sich zumeist nicht weiterentwickeln und somit die Wasserversorgung aus tieferen Schichten und die Standsicherheit beeinträchtigen.

Zu 2. Allgemeine Grundsätze der Bewirtschaftung im Leipziger Stadtwald:
Die Verfasser behaupten, dass u.a. „unter Beteiligung der anerkannten Naturschutzverbände“ „eine ständige Kontrolle der forstlichen Bewirtschaftung im Leipziger Stadtwald“ erfolgt. Der vom Umweltbundesamt anerkannte, gemeinnützige und ehrenamtliche Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hat bisher weder die Möglichkeit erhalten ordnungsgemäß und vollständig diese Kontrolle auszuüben. Der Bürgermeister und Beigeordnete für Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig Heiko Rosenthal verweigert dem AHA seit über zehn Jahren schon die Bereitstellung der Schutzverordnungen für die Naturschutzgebiete in der Pleißeaue und in der Burgaue. Auf die am 28.11.2019 per E-Mail an ihn gab es noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung, geschweige eine ordnungsgemäße Beteiligung des AHA an dem Entwurf des Forstwirtschaftsplans 2019 und der Bereitstellung der schon mehrfach erbetenen Verordnungen. Daher steht nach Ansicht des AHA die berechtigte Frage im Raum, nach welchen Gesichtspunkten nimmt Herr Rosenthal und sein Dezernat eine selektive Beteiligung von anerkannten Umweltverbänden, mit welchen Ergebnissen und Konsequenzen vor?
In der Tat zählt die Stieleiche zu den bedeutsamsten Gehölzen der Hartholzaue. Nur müssen alle Rahmenbedingungen stimmen, wie bereits erwähnt nehmen auch die nachhaltigen Veränderungen der hydrologischen Verhältnisse in Folge der Flussbegradigungen, der Verringerungen der Niederschläge sowie das eingeschränkte Vermögen des Einströmens von Hochwasser einen massiven Einfluss auf die Verjüngung und Entwicklung der Stieleiche. Daher fordert der AHA immer wieder eine großflächige, wissenschaftlich-fundierte Schutz- und Entwicklungskonzeption, welche den IST-Zustand erfasst und analysiert, Möglichkeiten der Deichrückverlegungen und Wiederanbindung von Altverläufen der Weißen Elster, der Pleiße und der Parthe sowie ihrer Nebengewässer aufzeigt, Sukzessionsentwicklungen, aber auch die Folgen der bisherigen forstwirtschaftlichen Aktivitäten in den letzten 30 Jahren betrachtet. Dies ist nach Ansicht des AHA bisher nur bruchstückhaft, das Ergebnis schon voranstellend und nicht tiefgründig genug erfolgt.

Zu 3. Die Bewirtschaftung der Stadtwaldflächen und nachfolgend:
Schon der Begriff Forstwirtschaftsplanung zeigt nach Meinung des AHA auf, dass es sich hier um eine sehr einseitiger Sichtweise aus der gegenwärtigen forstwirtschaftlichen Praxis handelt. Bestätigung findet das bereits unter 1. Die geschichtliche Entwicklung des Leipziger Stadtwaldes, wo man folgendes behauptet, Zitat: „So findet z. B. seit ca. 100 Jahren in den Leipziger Auenwaldgebieten keine natürliche Verjüngung der Stieleiche mehr statt. Es ist deshalb eine dringende Aufgabe, in naher und ferner Zukunft durch geeignete forstliche Pflegemaßnahmen der Verarmung der Biodiversität entgegenzuwirken, die erhaltene Vielfalt zu sichern und zu fördern.“, Zitat Ende. Diese bisher nicht bewiesene Behauptung hält sich hartnäckig länderübergreifend und hat sich bisher nicht beweisen lassen. Die ersten Massenabholzungsflächen in der Burgaue können da eher als gegenteiliges Beispiel dienen. Ab der 8. Präzisierung des jährlichen forstlichen Wirtschaftsplanes 2019 auf Grund der Prüfung der FFH-Konformität 2018 lässt man auch deutlich erkennen, worum es mehr oder minder in dieser Forstwirtschaftsplanung wirklich geht – um Holzgewinnung. Da hat man auch die Fällung einer der wichtigsten Gerüstgehölze in der Hartholzaue aufgezählt – Stieleiche und Gemeine Esche- Somit stellt sich der Forstwirtschaftsplan nicht nur fachlich-inhaltlich als unausgegoren und stark einseitig forstwirtschaftlich ausgerichtet, sondern auch in sich nicht schlüssig und zudem widersprüchlich dar.
Daher hält es der AHA für viel sinnvoller für die Waldgebiete, insbesondere die besonders geschützten und schützenswerten Teile, eine jährliche „Schutz- und Entwicklungsplanung“ aufzustellen, welche alle Aspekte betrachtet, wobei Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz, Auswirkungen auf das Klima der Region sowie Naherholung die Priorität haben müssen.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) möchte an der Stelle noch einmal deutlich erklären, dass Auen bekanntlich zu den arten- und strukturreichsten Landschaften der gemäßigten Zonen gehören. Sie dienen als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, als Ausbreitungsraum von Hochwasser, der Wassergewinnung, zur Verbesserung des Klimas als Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiet sowie der stressgeplagten Bevölkerung als Erholungsraum.
Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hält es für dringend nötig sich verstärkt für den Schutz und Erhalt von Auenlandschaften einzusetzen. In dem Zusammenhang möchte der AHA seine diesbezüglichen Aktivitäten auch in den Auenlandschaften von Schkeuditz sowie von Leipzig und Umgebung verstärken.
Das Gesamtgebiet ist Bestandteil der Elster-Luppe-Aue, gehört zum ca. 5.900 ha gro-ßen Landschaftsschutzgebiet „Leipziger Auwaldes“ sowie zum Europäischen Vogelschutzgebiet „Leipziger Auwald“, ist Teil des Flora-Fauna-Habitat-Gebietes „Leipziger Auensystem“ und grenzt mit dem Verlauf der Luppe im Nordwesten an die Stadt Sch-keuditz.
Nördlich und Nordöstlich schließt sich das insgesamt 589 ha große Naturschutzgebiet „Luppeaue“ an, wovon der Teil im Stadtgebiet von Leipzig ca. 32 ha umfasst. Ferner folgt in östlicher Richtung das zweiteilige, 270 ha große Naturschutzgebiet „Burgaue“. In südöstlicher Richtung ist zudem als bedeutsames Schutzgebiet das Flächennatur-denkmal „Gundorfer Lache“ zu nennen.
Ein sehr wichtigen Bestandteil dieser sehr wertvollen und als ca. 5.900 ha großes Landschaftsschutzgebiet „Leipziger Auwald“, ca. 4.925 ha großes Europäisches Vogel-schutzgebiet Leipziger Auwald und als ca. 2.825 ha großes Fauna-Flora-Habitat (FFH)- Gebiet Leipziger Auensystem geschützten Natur und Landschaft, stellt die Auenland-schaft im Süden der Stadt Leipzig dar, welche zwischen Weißer Elster und Elsterflutbett im Westen, Pleiße und Mühlpleiße im Osten, der Einmündung der Pleiße in das Els-terflutbett im Norden sowie des Cospudener Sees und seines Umfeldes im Süden ein-gebettet ist. Diese Auenlandschaft besteht zum großen Teil aus naturnahen Laub-mischwäldern, welche sich vorrangig aus Eschen-Eichen-Ulmen-Hartholzauwald und grundfeuchtem Stieleichen-Hainbuchen-Wald, flächendeckenden Übergangsstadien zwischen diesen beiden Waldgesellschaften sowie ansatzweisen Weiden-Erlen-Pappel-Weichholzauengesellschaften zusammensetzt. Als sehr bedeutsame Kernstücke dieses Auengebietes sind im Norden das ca. 66 ha große Naturschutzgebiet (NSG) Elster-Pleiße-Auwald und im Südwesten das ca. 49 ha große NSG Lehmlache zu betrachten.
Ebenso zählt das 277 ha große Naturschutz- und FFH-Gebiet Burgaue im Norden Leipzigs dazu.
Die letzten Hochwasser in den Jahren 2011 und 2013 haben das Gesamtgebiet nachhaltig beeinflusst und verdeutlicht, dass ein anderer Umgang mit Hochwasser dringend erforderlich ist. Dazu zählen Deichrückverlegungen, um so Altauen dem Flusssystem von Weißer Elster und Luppe wieder zur Verfügung zu stellen.
Der ehrenamtliche und gemeinnützige AHA ist jedenfalls bereit im Rahmen seiner Möglichkeiten an der Erstellung einer umfassenden wissenschaftlichen fundierten Prüfung und Erarbeitung einer aktuellen und nachhaltigen Auenschutz-, Hoch- und Grundwasserkonzeption für die gesamte Aue in der Stadt Leipzig mitzuwirken.
Selbstverständlich ist das Thema Hochwasser angesichts der jüngsten Hochwasserer-eignisse in den Jahren 2011 und 2013 sowie der immer weiter dicht an den Ufern von Weißer Elster, Luppe und Nahle stehenden und teilweise stark befestigten Deich auf der Tagesordnung fachlich und räumlich umfassender zu betrachten.
Ebenso kritisch zu begutachten sind die rasant im Freistaat Sachsen zunehmenden Abholzungen, welche bereits an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt beginnen, sich beispielsweise massiv im Naturschutzgebiet Burgaue, welches zudem ebenfalls nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt ist, ausgebreiten und ebenso massiv in den Auenwäldern in Leipzigs Süden ihre Fortsetzung gefunden haben. Im Rahmen zahlreicher Fahrrad- und Fußexkursionen mussten die die Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer immer wieder mit Entsetzen eine flächendeckende Ausweitung der massiven Abholzungen in den Auenwäldern der Elster-Luppe-Pleiße-Parthe-Aue feststellen. In den Städten Schkeuditz und Leipzig schreckt man auch vor Naturschutzgebieten nicht zurück, welche zumeist auch einen Status als europäisches Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie besitzen. Mit diesen verstärkten Abholzungen haben die Verantwortlichen zur weiteren Schädigung bzw. Zerstörung der klassischen Auenwaldstrukturen geführt. Dazu zählt neben den Massenabholzungen auch das Zerfahren des Auenbodens mit schwerer Räumtechnik. Den Abholzungen fielen insbesondere Stieleiche und Gemeine Esche zum Opfer, was eine wirtschaftliche Verwertung vermuten lässt. In Folge der entstandenen Lichtungen finden immer wieder Spitz- und Bergahorn beste Entwicklungsbedingungen vor. Im Gegensatz dazu haben an derartigen Standorten zaghafte sukzessive Verjüngungsversuche der Stieleiche ihr jähes Ende gefunden. Der AHA verweist in dem Zusammenhang mit Nachdruck auf die jahrelangen, bisher erfolglosen Bemühungen dieses rein forstwirtschaftlich geprägte, zerstörerische Vorgehen mit den Verantwortlichen zu beraten, um ein Umdenken zu erwirken. Jedoch bleibt der AHA an dem Thema dran und verbindet diese Feststellung die Aufforderung an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung im Freistaat Sachsen, im Landkreis Nordsachsen sowie in den Städten Leipzig und Schkeuditz nun endlich das konstruktive Gespräch zu suchen. Nur so lassen sich einer echten Demokratie angemessen, fachlich fundierte Lösungen erarbeiten.
Ferner vertritt der AHA weiterhin verstärkt die Forderung, dass endlich ein ökologisch-nachhaltiges Hochwasserkonzept für das Flussgebiet der Weißen Elster entsteht, welches mit den Freistaaten Sachsen und Thüringen sowie dem Land Sachsen-Anhalt abzustimmen ist. Darin sollte nach Auffassung des AHA enthalten sein, generell weitere neue Verbauungen und Versiegelungen -insbesondere in der Aue- auszuschließen und Rückbaumaßnahmen zu prüfen; sich für eine vielfältigere, ökologisch orientierte Landwirtschaft einzusetzen; Fließgewässer von Querbauwerken, Sohl- und Uferbefestigungen zu befreien, zu renaturieren und mindestens eine naturnahe Gewässerentwicklungen mit Uferschonstreifen von mindestens beidseitig 10 m Breite zuzulassen und zu befördern, umfassende Deichrückverlegungen vorzunehmen und somit von den Fließgewässern getrennte Auenwälder – z.B. in der Elster-Pleiße-Aue im Süden Leipzigs und die Burgaue – wieder anzuschließen und somit Überflutungsraum zurückzugeben. Eng damit gekoppelt gilt es intensiv zu prüfen, inwieweit die einst abgeschnittenen und im Rahmen der Umverlegungen und Begradigungen von Weißer Elster und Luppe auch teilweise verschütteten, sehr vielfältigen und struktureichen alten Flussverläufe wiederherzustellen möglich ist. Nach Auffassung des AHA kann dies perspektivisch auch zur vollständigen oder teilweisen Aufhebung und Beseitigung der kanalisierten Fließbereiche von Weißer Elster und Luppe führen.
Mit dem beispielsweise nunmehr umgesetzten Neubau des Nahleauslassbauwerks durch die Stadt Leipzig ist man jedoch den verheerenden Weg des alleinigen wasserbaulich-technischen Umganges mit Hochwasser, welcher eindeutig vorrangig auf den Neu- und Ausbau von Deichen, die Degradierung von Auen zu Poldern und eben den Neubau dieses Nahleauslassbauwerks orientiert, fortzusetzen bzw. zu intensivieren.
Der AHA schlägt im Gegensatz dazu immer wieder alternativ vor, die Einbauten zu beseitigen und die Öffnung des Deiches an der Stelle beizubehalten. Dies wäre der erste Schritt in die richtige Richtung.
Die Stadt Leipzig ist bekanntlich durchgängig von Auenlandschaften mit den obengenannten Eigenschaften geprägt. Insbesondere die Weiße Elster, aber auch ihre Nebengewässer wie ganz besonders Pleiße und Parthe bilden dabei das räumliche, landschaftliche und ökologische Rückgrat.
Im Rahmen seiner ehrenamtlichen Aktivitäten nimmt der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) immer wieder im Rahmen von Exkursionen ebenfalls das Gebiet der Elster-Pleiße-Aue kritisch in den Augenschein.
Dabei fällt auch immer wieder die nach wie vor unvermindert vorhandene Verockerung der im Drei-Linden-Brunnen in Ebersbrunn bei Zwickau entspringenden, einst 115 km langen und in Folge von Bergbaumaßnahmen zwischen Regis-Breitingen und Markkleeberg umgesetzten Begradigungsmaßnahmen um ca. 25 km auf ca. 90 km verkürzten Pleiße mit ihrem Einzugsgebiet von 1.473,6 km² auf. Nach Auffassung des AHA ist insbesondere die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) gefordert hier geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dazu zählt es bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzutragen und neue Forschungsaufträge an die Universitäten, Akademien, Hochschulen und Fachhochschulen Mitteldeutschlands zu vergeben.
Der AHA führt auch immer wieder auch Maßnahmen an, wie Errichtung von u.a. mit Schilf (Phragmites australis) ausgestatteter Pflanzenkläranlagen am Beginn bestehender bzw. womöglich entstehender Zuflüsse sowie der Schaffung von Möglichkeiten der Alternativen zu der massiv ausgebauten, im Sommer 2010 fertiggestellten Schleuse Connewitz. Neben der -trotz vorhandener Fischaufstieganlage- bestehenden Barrierewirkung, führt diese Stauanlage zu einem umfassenden Rückstau. Damit eng verbunden ist eine mögliche Verschlechterung der Wasserqualität -besonders an heißen Sommertagen-, da kein ausreichender Sauerstoffeintrag erfolgen kann. Dabei ist flächendeckender Sauerstoffeintrag notwendig, um der Verockerung entgegenwirken zu können. Im Rahmen der Oxidation von Eisen bei Kontakt zu Wasser zu Eisenhydroxid kommt es zu einer umfassenden Sauerstoffzehrung und Versauerung durch Abgabe eines Protons. Darüber hinaus sorgen Bakterien beim Abbau von Eisensulfid, auch als Pyrit bekannt, zum weiteren Sauerstoffabbau und Bildung von Schwefelsäure. Neben dem fehlenden Sauerstoff im Gewässer beeinträchtigen geringer Lichteintrag und Verklebungen den Wasserpflanzenbestand, was wiederum zu einer Erschwerung der Laichmöglichkeiten für Fische beitragen könnte. Bei Auftreten von Sauerstoffmangel besteht die Möglichkeit, das durch Reduktionen des Eisenhydroxids, die Mikroorganismen sich Sauerstoff zum Leben abspalten, das reduzierte Eisen, wenn es in die Kiemen der Fische gelangt zur Erstickung der Tiere führen kann. Darüber hinaus besteht mit der Versauerung der Böden die vermehrte Gefahr der Freisetzung von Schwermetallen.
Eine Motorisierung von Pleiße hätte in dem Blickfeld zur Folge, dass nicht nur Lärm, Abgase und vermehrte Gefährdungen für den Ruderbootverkehr auftreten, sondern die Aufwirbelungen der durch die Verockerung entstandenen, am Flussboden abgesetzten Verschlammungen aufwirbeln und den Lichteintrag weiter verschlechtern. Abgesehen davon, dass angedachte wasserbauliche Maßnahmen in Pleiße und Floßgraben Lebens- und Bruträume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bedrohen sowie durch mögliche Ufer- und Sohlbefestigung die hydrologische Korrelation zwischen Aue und Fließgewässer erschweren. Das kann zur Folge haben, dass anströmendes Grund- und Schichtwasser sich an den Ufer- und Sohlbefestigungen zurückstaut, was wiederum eine fortschreitende Vernässung des dahinterliegenden Raumes zur Folge hat. Von daher gilt es nur einen Tourismus zuzulassen, welcher sich in die Fluss- und Auenlandschaft von Pleiße und Floßgraben einpasst, als umgekehrt. Von daher gilt es einen motorisierten Bootsverkehr mit einhergehenden Um- und Ausbaumaßnahmen auszuschließen und stattdessen dem umwelt-, landschafts- und naturfreundlicheren Ruderbootverkehr den Raum zu belassen. Der AHA verweist darauf, dass der Floßgraben -auch Batschke genannt- als sehr bedeutsames Brutgebiet des Eisvogels bekannt- von jeglichem Tourismus und allen wasserbaulichen Maßnahmen freizuhalten ist. Zu wasserbaulichen Maßnahmen gehören auch alle Entkrautungsmaßnahmen, was mit dem Verlust von Wasserpflanzen nicht nur zur Zerstörung bzw. Störung von Laich- und Unterschlupfmöglichkeiten für Fische führt, sondern auch zur Reduzierung der Sauerstoffproduktion im Wasser. Bereits der Rückstau in der Pleiße mit der einhergehenden Verringerung der Fließgeschwindigkeit blockiert einen umfassenden Sauerstoffeintrag in den Fluss. Ebenso behindert er die Wechselwirkung zwischen Prall- und Gleithängen, was letztendlich zur naturnaheren bis naturnahen Entstehung von Mäandern führt.
Mit Sorge stellt der AHA immer wieder fest, dass mit zunehmender Intensität Privatpersonen aus dem Auenwald Holz gewinnen und offenbar dabei auch Fällungen vornehmen. Im Interesse eines nachhaltigen Schutzes, Erhaltes und Entwicklung dieser arten- und strukturreichen Auenlandschaft gilt es derartige Aktivitäten unverzüglich zu unterbinden.
Hinsichtlich der Zukunft des Connewitzer Wehrs schlägt der AHA immer wieder vor, Möglichkeiten der Mäandrierungen im Bereich des Pleißemühlgrabens zwischen begradigter Pleiße und Wundtstraße, unter Einbeziehung der Kleingartenanlage Südvorstadt zu prüfen, um dieses Querbauwerk zu erübrigen. Neben der ökologischen Durchlässigkeit, entfiele auch die Unterhaltung des Connewitzer Wehrs. Dies käme einer gewissen Rückentwicklung des infolge der Errichtung des Pleißeflutbettes gleich, welches in Folge des Hochwassers von Weißer Elster und Pleiße entstand, zur Errichtung des 3,6 km langen Elsterflutbettes bis zum Palmgartenwehr sowie zur Verschüttung von Alter Pleiße – auch Kuhstrangwasser genannt – im Jahre 1879 und des Rödel, welcher selbst nach der Unterbrechung durch das Elsterflutbett bis zum Jahre 1926 existierte und im Jahre eine Verfüllung erfuhr.
Ferner gilt es das gesamte Auengebiet der unteren Pleiße wieder als komplettes Überflutungsgebiet zu betrachten, um so dem Fluss ein größeres Überschwemmungsgebiet zurückzugeben und die Weiterentwicklung naturnaherer Auenwälder noch weiter zu befördern.

Auf Antrag der Grünen Liga Sachsen e.V., in enger Zusammenarbeit mit NuKLA, hat der 4. Senat des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts, Aktenzeichen 4 B 126/19 am 09.06.2020 nunmehr folgenden Beschluss gefasst, Zitat:

„Der Beschluss des Verwaltungsgerichts Leipzig vom 9. April 2019 – 1 L 1315/18 – wird geändert.
Der Antragsgegnerin wird im Wege der einstweiligen Anordnung aufgegeben, es zu unterlassen, den Forstwirtschaftsplan 2018 zu vollziehen soweit dieser Sanitärhiebe, Femelhiebe/Femelungen, Schirmhiebe und Altdurchforstungen innerhalb des FFH-Gebiets „Leipziger Auensystem“ und des Vogelschutzgebiets „Leipziger Auwald“ vorsieht, bevor eine Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung unter Beteiligung des Antragstellers durchgeführt wurde. Ausgenommen hiervon sind die im Forstwirtschaftsplan 2018 in den Forstabteilungen 205, 206, 216, 217 und 218 des Reviers Connewitz vorgesehenen Sanitärhiebe im Umfang von jeweils 60 m beidseits der Wundtstraße (Bundesstraße B2) sowie im Umfang von 30 m östlich der Straße Neue Linie.
Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen.“, Zitat Ende

Wie ebenfalls den umfassenden Ausführungen unter den Randnummern 45-73 dieser einstweilige Anordnung zu entnehmen ist, stellt der Beschluss des 4. Senats des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 09.06.2020 zwar keine Entscheidung in der Hauptsache dar, stärkt aber erst einmal grundsätzlich die Mitwirkungsrechte von anerkannten Umweltverbänden bei forstwirtschaftlichen Planungen und Maßnahmen in FFH-Gebieten und EU-Vogelschutzgebieten in der Stadt Leipzig.
Der vom Umweltbundesamt anerkannte Umwelt- und Naturschutzverein AHA fordert nunmehr die Stadt Leipzig auf, die jüngsten Forstwirtschaftspläne unverzüglich zur ordnungsgemäßen und vollständigen Beteiligung vorzulegen.
In dem Zusammenhang weist der AHA darauf hin, dass der unter Randnummer 74 vom 4. Senat des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts erklärte Verzicht auf Androhung eines Ordnungsgeldes auf folgendem Vertrauen beruht, Zitat: „da nicht zu befürchten und nicht erkennbar ist, die Antragsgegnerin werde der einstweiligen Anordnung zuwider die untersagten forstwirtschaftlichen Maßnahmen vor der Durchführung einer FFH-Verträglichkeitsprüfung ergreifen.“, Zitat Ende
Der AHA warnt die Stadt Leipzig davor dieses vom 4. Senat des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts gegebene Vertrauen zu missbrauchen.

Darüber hinaus ruft der AHA zur aktiven Mitwirkung interessierter Bürgerinnen und Bürger in den Städten Leipzig, Markkleeberg und Schkeuditz auf, sich mit einzubringen. Wer sich ebenfalls für einen nachhaltigen Schutz und Erhalt sowie einer naturnahen Entwicklung der Auenlandschaften an Weißer Elster, Luppe, Nahle, Pleiße und Parthe einsetzen möchte, wende sich bitte an folgenden Kontakt:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Leipzig und Umland
Otto-Adam-Straße 14

04157 Leipzig

E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 20.06.2020


AHA fordert verstärkt Ende des Bootsverkehrs aller Art und von Wasserbaumaßnahmen im Floßgraben in Leipzig

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA)bekräftigt nun seit mehreren Jahren, dass der Floßgraben – auch Batschke genannt – als sehr bedeutsames Brutgebiet des Eisvogels bekannt, von jeglichem Tourismus und allen wasserbaulichen Maßnahmen freizuhalten ist. Zu wasserbaulichen Maßnahmen gehören auch alle Entkrautungsmaßnahmen, was mit dem Verlust von Wasserpflanzen nicht nur zur Zerstörung bzw. Störung von Laich- und Unterschlupfmöglichkeiten für Fische führt, sondern auch zur Reduzierung der Sauerstoffproduktion im Wasser. Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) gab dazu u.a. mit Datum vom 01.10.2015 folgende Stellungnahme ab, Zitat:

„Neue Stellungnahme zu rechtlichen Bewertungen der Situation am Floßgraben in bezug auf Eisvogelbrutvorkommen sowie zum ornithologischen Fachbeitrag von Dr. Bert Meister

I. Zu Rechtlicher Bewertung der Situation am Floßgraben in der Stadt Leipzig in bezug auf Eisvogel-Brutvorkommen

Vom Grundsatz liefert diese rechtliche Bewertung klar den Beleg, dass die von der Stadt Leipzig angedachte wassertouristische Nutzung so nicht zum Tragen kommen kann. Im Einzelnen sei zu folgenden Punkten noch angeführt:

Zu Störungsverbot nach § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG:

Auf Grund des engen Nacheinanders der jeweiligen Abfolgen von Fortpflanzung, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten ist von einer ganzjährigen sensiblen Zeit auszugehen.
Wieso nur die Störungen erfasst sein sollen, welche zugleich Gesichtspunkte nach § 44 Absatz 1 Nummer 1 oder 3 BNatSchG erfüllen, bleibt nicht nachvollziehbar. Ebenso ist der Populationsbezug nicht erkennbar.
Dagegen greifen als Schutzgrundlage nachfolgende Regelungen, insbesondere auch für den Eisvogel, welcher zu den Tieren gemäß Anhang I gehört, Zitat:

RICHTLINIE 2009/147/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
vom 30. November 2009
über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten

(8) Schutz, Pflege oder Wiederherstellung einer ausreichenden Vielfalt und einer ausreichenden Flächengröße der Lebensräume ist für die Erhaltung aller Vogelarten unentbehrlich. Für einige Vogelarten sollten besondere Maßnahmen zur Erhaltung ihres Lebensraums getroffen werden, um Fortbestand und Fortpflanzung dieser Arten in ihrem Verbreitungsgebiet zu gewährleisten. Diese Maßnahmen sollten auch die Zugvogelarten berücksichtigen und im Hinblick auf die Schaffung eines zusammenhängenden Netzes koordiniert werden.

Artikel 3

(1) Die Mitgliedstaaten treffen unter Berücksichtigung der in Artikel 2 genannten Erfordernisse die erforderlichen Maßnahmen, um für alle unter Artikel 1 fallenden Vogelarten eine ausreichende Vielfalt und eine ausreichende Flächengröße der Lebensräume zu erhalten oder wieder herzustellen. (2) Zur Erhaltung und Wiederherstellung der Lebensstätten und Lebensräume gehören insbesondere folgende Maßnahmen: a) Einrichtung von Schutzgebieten; b) Pflege und ökologisch richtige Gestaltung der Lebensräume in und außerhalb von Schutzgebieten; c) Wiederherstellung zerstörter Lebensstätten; d) Neuschaffung von Lebensstätten.

Artikel 4

(1) Auf die in Anhang I aufgeführten Arten sind besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Lebensräume anzuwenden, um ihr Überleben und ihre Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen. In diesem Zusammenhang sind zu berücksichtigen: a) vom Aussterben bedrohte Arten; b) gegen bestimmte Veränderungen ihrer Lebensräume empfindliche Arten; c) Arten, die wegen ihres geringen Bestands oder ihrer beschränkten örtlichen Verbreitung als selten gelten; d) andere Arten, die aufgrund des spezifischen Charakters ihres Lebensraums einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.

(4) Die Mitgliedstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um die Verschmutzung oder Beeinträchtigung der Lebensräume sowie die Belästigung der Vögel, sofern sich diese auf die Zielsetzungen dieses Artikels erheblich auswirken, in den Absätzen 1 und 2 genannten Schutzgebieten zu vermeiden. Die Mitgliedstaaten bemühen sich ferner, auch außerhalb dieser Schutzgebiete die Verschmutzung oder Beeinträchtigung der Lebensräume zu vermeiden.

Artikel 9

(1) Die Mitgliedstaaten können, sofern es keine andere zufriedenstellende Lösung gibt, aus den nachstehenden Gründen von den Artikeln 5 bis 8 abweichen:
a) – im Interesse der Gesundheit und der öffentlichen Sicherheit, – im Interesse der Sicherheit der Luftfahrt, – zur Abwendung erheblicher Schäden an Kulturen, Viehbeständen, Wäldern, Fischereigebieten und Gewässern, – zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt;
b) zu Forschungs- und Unterrichtszwecken, zur Aufstockung der Bestände, zur Wiederansiedlung und zur Aufzucht im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen;
c) um unter streng überwachten Bedingungen selektiv den Fang, die Haltung oder jede andere vernünftige Nutzung bestimmter Vogelarten in geringen Mengen zu ermöglichen. „, Zitat Ende

Darüber hinaus führt nachfolgende Richtlinie nachfolgende grundsätzliche Kriterien an, Zitat:

RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992
zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen

Hauptziel dieser Richtlinie ist es, die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu fördern, wobei jedoch die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und regionalen Anforderungen berücksichtigt werden sollen. Diese Richtlinie leistet somit einen Beitrag zu dem allgemeinen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt kann in bestimmten Fällen die Fortführung oder auch die Förderung bestimmter Tätigkeiten des Menschen erfordern.

Alle ausgewiesenen Gebiete sind in das zusammenhängende europäische ökologische Netz einzugliedern, und zwar einschließlich der nach der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (1) derzeit oder künftig als besondere Schutzgebiete ausgewiesenen Gebiet“, Zitat Ende
Somit ist ebenfalls europäisches Recht anzuwenden.

Zu Lebensstättenschutz nach § 44 Abs. 1 N3 BNatSchG:

Bekanntlich reagiert der Eisvogel sehr empfindlich bereits auf jede kleinere Veränderung seines Lebensumfeldes. Dazu zählen u.a. neben Veränderungen am Gewässer, Ufer und Vegetation jede andere Form menschlicher Störungen, wozu jedwede „Blockade“ gehört. Von daher ist die Einschätzung im Gutachten falsch.

Zu Zusammenfassung:

Die Zusammenfassung berücksichtigt, neben der besonderen Schutzwürdigkeit des Eisvogels nach europäischem und nationalem Recht, zu wenig die damit verbundenen Schutzmaßnahmen.
Ebenso wäre eine Anknüpfung an das europäische Wasserrecht erforderlich gewesen, um auf die Komplexität der Angelegenheit hinzuweisen. Dies sei nachfolgend zitiert:

RICHTLINIE 2000/60/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
UND DES RATES vom 23. Oktober 2000
zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik

(19) Ziele der vorliegenden Richtlinie sind die Erhaltung und die Verbesserung der aquatischen Umwelt in der Gemeinschaft, wobei der Schwerpunkt auf der Güte der betreffenden Gewässer liegt. Die mengenmäßige Überwachung spielt bei dem Versuch, eine angemessene Wassergüte zu gewährleisten, eine zusätzliche Rolle, so dass im Hinblick auf das Ziel einer angemessenen Güte auch Maßnahmen in Bezug auf die Wassermenge erlassen werden sollten.

Artikel 1

Ziel

Ziel dieser Richtlinie ist die Schaffung eines Ordnungsrahmens für den Schutz der Binnenoberflächengewässer, der Übergangsgewässer, der Küstengewässer und des Grundwassers zwecks

a) Vermeidung einer weiteren Verschlechterung sowie Schutz und Verbesserung des Zustands der aquatischen Ökosysteme und der direkt von ihnen abhängenden Landökosysteme und Feuchtgebiete im Hinblick auf deren Wasserhaushalt,

Artikel 4

Umweltziele

(1) In Bezug auf die Umsetzung der in den Bewirtschaftungsplänen für die Einzugsgebiete festgelegten Maßnahmenprogramme gilt folgendes:

a) bei Oberflächengewässern:

i) die Mitgliedstaaten führen, vorbehaltlich der Anwendung der Absätze 6 und 7 und unbeschadet des Absatzes 8, die notwendigen Maßnahmen durch, um eine Verschlechterung des Zustands aller Oberflächenwasserkörper zu verhindern; ii) die Mitgliedstaaten schützen, verbessern und sanieren alle Oberflächenwasserkörper, vorbehaltlich der Anwendung der Ziffer iii betreffend künstliche und erheblich veränderte Wasserkörper, mit dem Ziel, spätestens 15 Jahre nach Inkrafttreten dieser Richtlinie gemäß den Bestimmungen des Anhangs V, vorbehaltlich etwaiger Verlängerungen gemäß Absatz 4 sowie der Anwendung der Absätze 5, 6 und 7 und unbeschadet des Absatzes 8 einen guten Zustand der Oberflächengewässer zu erreichen;….“, Zitat Ende

Die weitere Beeinträchtigung des Fließgewässers Floßgraben durch die Aufwirbelung von Schwebstoffen in Folge der motorisierten Bootsnutzung gehört neben Lärm und Abgasbeeinträchtigungen ebenso zum akuten Gefährdungspotential für den Eisvogel.
Ferner ist davon auszugehen, dass selbst eine muskelkraftbetriebene Bootsnutzung zu einer massiven Störung des Brutgebietes des Eisvogels beiträgt. Dies geschieht durch die starke Nähe zu den Ufern mit den dort befindlichen Bruthöhlen und Jagdansitzen.
Somit treffen sich an der Stelle u.a. naturschutz- und wasserrechtliche Gesichtspunkte, was aber im dem Rechtsgutachten vollkommen unberücksichtigt bleibt.

II. Zu Fachbeitrag zur Erhaltung der Eisvogelpopulation im Leipziger Auwald von Herrn Dr. Bert Meister

Der fachlich sehr interessante und sehr fundierte Fachbeitrag geht leider nicht auf die Einschätzung der Schutzwürdigkeit der Eisvogelpopulation im Floßgraben ein, deren Vernichtung nach den unter I. genannten Gesichtspunkten schon unzulässig ist.
Darüber hinaus kann es auch fachlich gesehen nicht das Ziel sein, die Lebensräume des Eisvogels einzuschränken. Ziel muss es eher sein, nicht nur die Lebensräume auszuweiten, sondern weiter zu vernetzen. Dazu zählen unbedingt folgende Maßnahmen, nach eingehender wissenschaftlich fundierter ökologischer, städte- und landschaftsplanerischer und hydrologischer Untersuchungen:

  • Wiederbelebung mit nachfolgender bzw. gleichzeitiger naturnaher bzw. natürlicher Entwicklung der Altarme von Weißer Elster/Luppe
  • Entsiegelung von Uferzonen und Gewässersohlen
  • Zulassung und Beförderung einer zumindestens naturnahen Entwicklung von Weißer Elster/Luppe/Nahle, Pleiße und Parthe
  • Belassen von überhängenden Gehölzen, welche u.a. als Deckung bzw. Ansitz für den Eisvogel dienen können.
  • Ergreifung von nachhaltigen Maßnahmen gegen die voranschreitende Verockerung der Pleiße
  • Unterlassung sämtlichen Bootsverkehrs, um die Brut und Jagd des Eisvogels nicht zu behindern. Dazu zählt auch, dass die Nahrungsfische sich ungehindert entwickeln können
  • Beachtung der Suchzeiten der Jungvögel in der Zeit von Juli bis Mitte Oktober nach geeigneten Lebensräumen.
  • Intensive, umfassende und rechtzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit in alle Phasen der Maßnahmen

Alle Maßnahmen erhöhen ihre Effektivität und räumliche Wirksamkeit, wenn sie länderübergreifend, flächendeckend erfolgen sowie mit Maßnahmen zur direkten Wiederanbindung von gegenwärtigen ausgedeichten Auenlandschaften an das Hochwasserregime der Fließgewässer einhergehen.

III. Fazit

Die beiden Gutachten an sich bieten schon ausreichend genug Ansätze zum Verbot des Umbaus und einer Intensivierung der Nutzung der wassertouristischen Nutzung. Eine weitere Betrachtung der Angelegenheit kann nur eine vollständige Überarbeitung des wassertouristischen Konzeptes zur Folge haben, welches sich dem Schutz von Umwelt, Natur und Landschaft sowie des sehr wichtigen Lebensgutes Wasser unterordnen muss. Nur eine entsprechende wassertouristische Nutzung kann zum Erhalt und Weiterentwicklung unserer natürlichen und landschaftlichen Ressourcen sowie einer eng damit verbundenen nachhaltigen, echten Erholung des Menschen beitragen.

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 01.10.2015 “

Zitat Ende

Nunmehr ist davon auszugehen, dass der streng geschützte Biber verstärkt Einzug hält in der Auenlandschaft der Städte Markkleeberg und Leipzig. Dazu zählt auch der Floßgraben in Leipzig. Nach Ansicht des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) ist vollkommen unerheblich, ob der Biber vorrangig nachtaktiv ist – die geringe Breite des Floßgrabens führt garantiert zu Konflikten mit wassertouristischen Nutzungen und wasserbaulichen Maßnahmen. Abgesehen davon, dass Biber durchaus sehr tagaktiv sein kann.
Im Interesse des Schutzes und Erhaltes der Lebensräume von Eisvogel und Biber sowie des Gesamtraumes der Auenlandschaften von Weißer Elster, Pleiße und Parthe fordert der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) daher erneut und mit Nachdruck das Ende aller Formen der wassertouristischen Nutzungen und wasserbaulichen Aktivitäten im Floßgraben in Leipzig.
Der AHA möchte seine Positionen zum Schutz, Erhalt und Entwicklung der Auen im Stadtgebiet von Leipzig auch in Form von nachfolgenden Exkursionen vor Ort darlegen:

Samstag, den 07.11.2020, um 10.00 Uhr
Herbstexkursion in die Pleiße-Elster-Aue in der Stadt Leipzig
Treff: Haltestelle „Koburger Brücke“ in Leipzig-Connewitz
Dauer: ca. 3,5 Stunden

Samstag, den 28.11.2020, um 10.00 Uhr
Herbstexkursion zur Burgaue in der Stadt Leipzig
Treffpunkt: Haus „Auensee“ in Leipzig-Wahren
Dauer: ca. 3,5 Stunden

Der AHA ist auf jeden Fall bereit sich im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Möglichkeiten beim Schutz, Erhalt und Entwicklung der Auenlandschaften von Weißer Elster, Pleiße und Parthe einzubringen. Interessenten können folgendermaßen zum AHA Kontakt aufnehmen:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Leipzig und Umland
Otto-Adam-Straße 14

04157 Leipzig

E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 20.06.2020


Stellungnahme zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Oberflächenwasserkörper Leine

Stellungnahme zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Oberflächenwasserkörper Leine
Initiierung eigendynamischer Entwicklung in den Abschnitten 4 – 7, 9, 12 und 13 – Genehmigungsplanung – (Az. 5070-52-4541/19-1)

Zu 4 Art und Umfang des Vorhabens

Vom Grundsatz her ist das Vorhaben zu begrüßen, jedoch gilt es dringend und vorrangig zu prüfen, noch mehr bauliche Einschränkungen aus dem Bereich des Flusses und seiner Aue zu entfernen bzw. umzuverlegen. Dazu zählen neben Leitungssystemen u.a. auch der asphaltierte Leine-Heide-Radfernweg sowie die Kläranlage in der Unteren Aue. So besteht die Möglichkeit dem Fluss nicht nur mehr Überflutungsraum, sondern auch mehr Entwicklungsraum zurückzugeben.
Vorrang müssen zudem der Schutz, Erhalt und eine naturnahere Entwicklung des Fließgewässers sein. Dazu gehört, dass sich bauliche Eingriffe auf die Beseitigung von Bauten im Sohl- und Uferbereichen sowie von Altlasten und Versiegelungen in der Aue beschränken. Damit lassen sich bei Beseitigungen von Bodenversiegelungen und Umverlegungen von Versorgungsleitungen in der Aue die Schaffung von temporären Feuchtsenken verbinden.
Nach Ansicht des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. lassen die Planungsunterlagen viel zu wenig Einbindung bestehender Altverläufe sowie die Eigendynamik bei der Schaffung von Prall- und Gleithängen erkennen. Dazu ist die Verlegung von Versorgungsleitungen vollkommen korrekt. Nur eine baulich weitgehend freigeräumte Aue lässt eine naturnahe Entwicklung zu. Eine flächendeckende Erfassung von Fauna und Flora liegt leider nicht vor, um die hydrologische, faunistische und floristische Schutzwürdigkeit vollumfänglich darstellen zu können. Dies ist ebenfalls bedeutsam, um einen möglichen Wiederanschluss von Altverläufen prüfen zu können.
Die angedachten Umverlegungen des Flusslaufes stellen einen massiven baulichen Eingriff in die Auen- und Flusslandschaft dar. Bauliche Maßnahmen, welche den obengenannten Rahmen überschreiten sind keinesfalls erforderlich. In den Gewässerlauf eingebrachte Störhölzer und -steine können den Mäandrierungsprozess vorantreiben. Dabei lässt sich durchaus Richtung und Stärke sehr gut bestimmen. Dies hängt natürlich auch sehr stark von Wassermenge und Fließgeschwindigkeit ab. Dazu sind weder wasserbauliche Umverlegungen, Gehölzfällungen oder Uferabflachungen erforderlich. Eine eng damit verbundene wissenschaftliche Begleitung der Entwicklungsprozesse ermöglicht die Schaffung einer besseren Basis für eine breite Umweltbildung. Touristische Aspekte dürfen nicht zur Beeinflussung von Entwicklungsprozessen – z.B. Uferabflachungen – führen. Mit der Mäandrierung einhergehend ist davon auszugehen, dass keine weitere Eintiefung des Fließgewässers erfolgt. Insofern ist ebenfalls die Einrichtung eines „Steinriegels als Initial zur mittelfristigen Sohlenaufschotterung“ durchaus zu begrüßen.
Hinsichtlich der Entwicklung eines gewässerbegleitenden Gehölz-, Wiesen- und Staudensaumen ist auf eine sukzessive Entwicklung zu setzen. So kann ein mäandrierendes Fließgewässers selbst die Standorte bestimmen. Ferner ist davon auszugehen, dass nur so weitgehend standortgerechte Bestände an Flora, aber auch an Fauna entstehen bzw. sich weiterentwickeln sowie sich so eine Arten- und Strukturreichtum erhalten bzw. weiterentwickeln kann. Dies erfordert einen mindestens beidseitig 10 m breiten Gewässerschutzstreifen zu sichern. Darüber hinaus gilt es in dem Planungsraum eine Umwandlung des intensiv genutzten Ackerlandes in extensive Wiesen- und Staudenflächen zu ermöglichen. Eine Entwicklung eines flächendeckenden Auenwaldsystems führt neben der Wiederausweitung von Retentionsflächen zur Brechung von Hochwasserwellen im Umfang und Wucht sowie zur Erhöhung der Arten- und Strukturvielfalt in der Leineaue.
Bestehende oder sich wieder entwickelnde Wiesenflächen sind parzelliert und in unregelmäßigen Abständen einer Mahd zu unterziehen. Dazu erfolgt die Mahd abwechselnd zweimal, einmal oder gar nicht im Jahr. So besteht die Möglichkeit der Entwicklung von vielfältigen arten- und strukturreicher Wiesengesellschaften, da eine Blüte und Aussamung aller Pflanzen möglich ist. Andere Mahdformen befördern zumeist Pflanzen, welche sich über Wurzelaustrieb zudem schnell und stark vegetativ verbreiten können. Zudem befördert und schützen parzellierte und unregelmäßige Mahden Bodenbrüter und Säugetiere wie den Feldhasen und das Reh, welche diese Gebiete nach der Setzzeit für ihre Jungen als Deckung nutzen. Zudem bestehen mit längeren Blühzeiten bessere Nahrungsangebote für Insekten und Spinnen.

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 09.06.2020

Strukturmaßnahmen_Leine_TLUBN_Genehmigungsplanung
G218 Erläuterungsbericht_Planänderung 191118


Stellungnahme zur Ertüchtigung der Hochwasserschutzanlage Ringleben

Stellungnahme zur Ertüchtigung der Hochwasserschutzanlage Ringleben
Abschnitt 1 – Rechter Mahlgeradeich, km 0+000 bis 0+250

Zu 2 Notwendigkeit des Vorhabens
Zu 3.1 Lage des Vorhabens
Zu 3.4 Hydraulische Berechnungen und Kennwerte, Überflutungssituation

Es ist vollkommen unverständlich den Gesamtraum der Gera zwischen der Landeshauptstadt Erfurt und der Einmündung in die Unstrut diese Eindeichung des Flusses beibehalten zu wollen. Dabei gilt es als allgemeines Wissensgut, dass Fließgewässer unbedingt die Altauen als Hochwasser- und Entwicklungsraum zurückerhalten müssen. Neben der Verringerung von Flächenversiegelungen und einer verbesserten, arten- und strukturreichen Landwirtschaft, welche u.a. wasserdurchlässigere Böden schafft, ist somit mit einer Verringerung der Höhe einer möglichen Hochwasserwelle zu rechnen. Dieses angedachte Vorhaben hält an der bisherigen Deichführung fest, was dem eindeutig widerspricht.

Zu 4.1.1 Bestehende Gefährdungssituation und Planungsansatz

Nach Auffassung des Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) rührt dieses Hochwassereeignis und deren Folgen vor Ort sehr stark daher, dass dem Fluss natürliche Retenstionsflächen fehlen. Ebenso führt das unnatürlich begradigte Abflussregime zu weiteren Eintiefung, welche zu Hochwasserzeiten immer mehr Wasser aufnimmt und nichts an seine Aue abgibt. Bis zu einem bestimmten füllt sich der stark eingedeichte Raum mit dem nachschiebenen Wasser auf und kann so zu massiven Überflütungen im Unterlauf führen. In der Altaue kommt dabei zumeist hauptsächlich Qualmwasser an. In Trockenjahren –wie 2018 und 2019- entzieht der Fluss aus der Aue umfassend Wasser. Das führt u.a. zu Austrocknungen von Böden, Feuchtgebieten und offenen Gewässern.

Zu 4.1.2 Zustand der vorhandenen Hochwasserschutzanlage
Zu 5 Art und Umfang des Vorhabens
Zu 7 Auswirkungen des Vorhabens

Im Planungsraum haben sich standortgerechte Gehölz-, Stauden- und Wiesenflächen entwickelt, welche als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tierarten gilt. Am 24.05.2020 stellten wir fest, dass sich in einer Baumhöhle einer Gemeinen Esche ein Brutplatz eines Grünspechtes befindet. Nach Ansicht des Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) gilt es unbedingt diese naturnahe Entwicklung nicht nur zu erhalten, sondern Räume der Weiterentwicklung zu ermöglichen. Alternativ erscheint es im Rahmen einer flächendeckenden Rückverlegung der Deiche zwischen Ringleben u.a. nach Nordwesten sowie nördlich von Ringleben bis zur Einmündung in die Unstrut sowie nach Osten in Richtung Haßleben derartige Maßnahmen vorzunehmen. Dabei gilt es aber auch Flächenversiegelungen, Rückbaumaßnahmen und bauliche Verlagerungen zu prüfen und ggf. auch umzusetzen.
Die vorliegenden Planungen sind vollkommen ungeeignet im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie der EU, im Interesse einer Zulassung einer naturnaheren Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften und der damit verbundenen Ermöglichung der Stärkung der Aufgabe als Lebens- und Rückzugsraum für Fauna und Flora sowie der Stärkung und Ausweitung der Aufgabe als Biotop- und Grünverbundraum in dem Teil des Freistaates Thüringen, wirksam zu sein.
Mit den angedachten Arbeiten besteht die Gefahr der starken Störung bis Vernichtung eines sukzessiven Auenwaldes mit seinen sich entwickelnden Schichten.

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 24.05.2020


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