Stellungnahme zur geplanten Herstellung der linearen Durchgängigkeit der Ulster

in Unterbreitbach/Räsa in Anlehnung an die europäische Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL)

Grundsätzliches

Bekanntlich bilden Fluss- und Auenlandschaften eine wichtige Einheit. Beide stehen in einer engen und sehr vielfältigen Wechselbeziehung zueinander. Die Auenlandschaften dienen den Flüssen als Ausbreitungsraum für Hochwasser und versorgen sie somit mit Wasser, Sedimenten und z.B. als Schwemmgut herangetragenes neues genetisches Material aus Tieren und Pflanzen. Im Umkehrschluss fungieren die Auenlandschaften als „Reinigungskraft“ für die Flüsse, indem beispielsweise Auenwälder das abgebremste Wasser von Sedimenten „befreien“ sowie Schwemmgut „herauskämmt“.
Diese langzeitige Wechselbeziehung hat somit eine der arten- und strukturreichsten Naturlandschaften der gemäßigten Zonen hervorgebracht, welche zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebens- und Rückzugsraum bietet. Darüber hinaus trägt diese intensive Wechselbeziehung zur Verbesserung des Landschafts- und Ortsbildes urbaner Gebiete bei und sorgt als Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet und -korridor für eine nachhaltige Verbesserung des Klimas.
Ferner gilt es einst baulich durchführte Begradigungen von Fließgewässern wissenschaftlich fundiert wieder aufzuheben, um eine naturnahe bis natürliche Gewässerdynamik wieder herzustellen, die Sohleintiefungen mit einhergehender Entwässerung der Aue und Behinderung der Überflutungen sowie somit eine Erhöhung der Arten- und Strukturvielfalt gewährleisten zu können.
Auf dieser Basis bezieht der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) folgendermaßen Stellung:

Zu den Verfahrensunterlagen

Grundsätzlich begrüßt der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) die Beseitigung von Querbauwerken, um so eine Gewässerdurchgängigkeit gewährleisten zu können. Insbesondere Fische profitieren von der Wiederherstellung solcher Durchgängigkeit.
Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) sieht jedoch die Notwendigkeit länderübergreifend und flächendeckend die ca. 57,00 km lange Ulster die ursprüngliche und in den 60er bis 80er Jahren beseitigte Mäandrierung wiederherstellen bzw. entwickeln zu lassen. Insbesondere die Flussabschnitte zwischen Motzlar und Geisa, Buttlar und Wenigentaft sowie Pferdsdorf und Unterbreizbach bedürfen einer Wiederherherstellung bzw. –entwicklung von Mäandern. Hier gilt es insbesondere die Gestaltungskräfte der Natur zu nutzen, welche aber vollständige Rückbaumaßnahmen von Sohl- und Uferbefestigungen aller Art in und an der Ulster bedürfen.
Diese Entwicklung sorgt für eine Wiederherstellung einer höheren Arten- und Strukturvielfalt, verlangsamt den Wasserabfluss, bietet durch Wiederverlängerung des Flusses eine Erhöhung der Aufnahmekapazität von Wasser und bessere Einbindung in die dazugehörige Auenlandschaft. Daher gilt es auch eine sukzessive Wiederentwicklung von Auenwäldern zu prüfen.
Nur so lassen sich die angedachten Maßnahmen zur Herstellung der linearen Durchgängigkeit der Ulster in Unterbreitbach/Räsa in Anlehnung an die europäische Wasserrahmen-richtlinie (EG-WRRL) nachhaltiger einordnen.

III. Schlussbemerkungen

Bekanntlich gehören Fluss-und Auenlandschaften zu den arten- und strukturreichsten Landschaften und Naturräumen der gemäßigten Zonen. Sie bieten punktuell und flächendeckend Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, bilden Kaltluft- und Frischluftentstehungsgebiete und fungieren als Ventilationsbahnen sowie üben sehr wichtige Funktionen als Hochwasserausbreitungs-, Biotop- und Grünverbundraum aus. Ferner dienen sie als Erholungsraum für die Menschen.
Diese vielfältigen Funktionen erfordern jedoch eine naturnahere bis naturnahe Entwicklung.
Nach Auffassung des AHA empfiehlt der AHA für den Gesamtverlauf der Ulster folgende Aktivitäten zu entfalten:

  • Wissenschaftliche Prüfung, ob die Wiederanbindung bzw. herstellung der Altverläufe der Ulster möglich bzw. sinnvoll erscheinen.
  • Es gilt eine sukzessive Entstehung eines Auenwaldes zu prüfen, um a) das standorttypische Arten- und Strukturspektrum entstehen zu lassen, b) Ungehindertes Wurzelwachstum zu ermöglichen und c) wiesen- und staudenreiche Zwischenzeiträume bieten Insekten sehr viele Nahrung und Unterschlupf.
  • Wissenschaftliche Begleitung der Entwicklung der Fluss- und Auenlandschaft der Ulster von Quelle bis Einmündung in Werra.

Der ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. bietet gerne seine Erfahrungen und fachlichen Kenntnisse an.

Der Kontakt lautet:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 02.01.2021


Stellungnahme zur Voruntersuchung B 6 OU Bruckdorf

Erläuterungsbericht

Vorbemerkungen

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hält einen umfassenden Schutz und Erhalt sowie eine nachhaltige Entwicklung des Landschafts- und Naturraumes zwischen der Stadt Halle (Saale) und der Gemeinde Kabelsketal für dringend geboten. Aus dem Grund führt der AHA immer wieder Exkursionen durch, erstellt Stellungnahmen und gibt öffentliche Erklärungen dazu ab.
Ferner hat der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) vom Umweltbundesamt im Juni 2019 die Anerkennung der Mitwirkungs- und Klagerechte einer anerkannten Umwelt- und Naturschutzvereinigung erhalten. Die Planer haben es jedoch diese Mitwirkungsrechte verletzt, indem sie den AHA nicht ordnungsgemäß bereits im Verfahren der Voruntersuchung beteiligt haben. Der AHA hat erst auf der Basis von Hinweisen aus der Bevölkerung Kenntnis von dem Verfahren erhalten. Diese Vorgehens- und Verfahrensweise rügt der AHA hiermit.

Zu 1.2 Straßenbauliche Beschreibung
Zu 3.2 Beschreibung der untersuchten Varianten

Laut Planungsunterlagen ist zur geplanten Länge des Straßenbauprojektes folgendes vermerkt, Zitat: „Die Baulänge der geplanten B 6 OU Bruckdorf beträgt je nach untersuchter Variante zwischen 1,725 km und 2,394 km.“, Zitat Ende. Zur geplanten Fahrbahnbreite enthalten die Planungsunterlagen folgende Angaben, Zitat: „Der RQ 11,5+ ist ein einbahnig zweistreifiger Querschnitt mit einer Fahrbahnbreite von 8,50 m“, Zitat Ende.
Das bedeutet rechnerisch eine drohende Flächenneuversiegelung im Umfang von 14.662,50 m² = 1,47 ha bis 20.349,00 m² = 2,03 ha.
Unter dem Punkt „3.2 Beschreibung der untersuchten Varianten“ geht man sogar von einem Flächenverbrauch im Umfang von 5,67 ha bis 7,02 ha aus.
Dabei verweist der AHA auf folgende Angabe des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zur aktuellen täglichen Neuausweisung von Siedlungs- und Verkehrsflächen in der Bundesrepublik Deutschland folgendes an, Zitat: „Täglich werden in Deutschland rund 58 Hektar als Siedlungsflächen und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht einer Flächenneuinanspruchnahme – kurz Flächenverbrauch – von circa 82 Fußballfeldern.“, Zitat Ende
Das ergibt im Jahr einen Flächenverbrauch im Umfang von 21.170 ha. Im Vergleich dazu liegt diese Zahl zwischen der Fläche der Stadt Essen (21.034 ha) und der Stadt Lübeck (21.419 ha).
Diese Zahlen sollten uns zu denken geben und dazu führen, dass wir endlich weg kommen von der autobestimmten Verkehrs- und Planungspoltik.

Zu 2. Begründung des Vorhabens
Zu 3.3.2 Verkehrliche Beurteilung

Für den Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) ist es vollkommen unverständlich, dass man angesichts der deutlich erkennbaren negativen Veränderungen des Klimas, welche sich hier in der Region u.a. in den sehr heißen Sommern der Jahre 2018 und 2019 sowie der darüber hinaus gehenden Wasserdefizite, der sich nicht reduzierenden Beeinträchtigungen für Mensch, Tier und Pflanze sowie der zerstörerischen Gefahren für Klima, Umwelt, Landschaft und Natur, an so einem Verkehrsprojekt festhält. Dabei müssen Verkehrsvermeidung, Nutzung des wahrlich sehr gut ausgebauten Schienennetzes zwischen den Städten Halle (Saale) und Leipzig sowie Flächenentsiegelungen endlich das Rückgrat einer modernen Umwelt- Verkehrs- und Planungspolitik bilden.
Insofern sind bereits diese Planungen als vollkommen unverantwortlich anzusehen.

Zu 3.1 Beschreibung des Untersuchungsgebietes
Zu 3.2 Beschreibung der untersuchten Varianten

Bereits die hier getätigten Angaben lassen deutlich erkennen, dass die natur- und landschaftsräumlichen Ausgangssituationen eine derartige Bautätigkeit nicht zulässt.
Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) bekräftigt zudem immer wieder u.a. im Rahmen seiner häufigen Exkursionen und Begehungen in den Gebieten seine Auffassung, dass eine naturnahere Entwicklung der Reide dringend geboten ist. Als einen ersten Schritt in die Richtung ist in der Verbesserung der Wasserqualität seit Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu sehen. Zudem hat die Reide durch ihre sich immer weiter entwickelnde Fließgewässerstruktur, hervorgerufen durch im Gewässer vorhandene Holz- und Steinbarrieren, wechselnde Schlamm- und Kiesbereiche, an ökologischer Bedeutung und Vielfalt zugenommen. So beginnt das Fließgewässer verstärkt zu mäandrieren, es entstehen gewässerbegleitende Gehölz- und Krautbestände sowie unterschiedlich schnell strömende Gewässerabschnitte. Mit den schnellfließenden Bereichen ist der lebensnotwendige Eintrag von Sauerstoff verbunden.
Die Reide bildet zudem ein sehr wichtiges Rückgrat für einen sehr wichtigen und ent-wicklungsfähigen Biotop- und Grünverbundraum zwischen dem Naturschutzgebiet Saale-Elster-Luppe-Aue, dem Landschaftsschutzgebiet Dieskauer Park und zum Sagisdorfer Park sowie über die Zuflüsse und Mündungsbereiche zur Kabelske, Diemitzer Graben und zum Hufeisensee. Weitläufiger betrachtet gilt es diesen Biotop- und Grün-verbundraum über die nach Norden abfließende Rieda einschließlich des Parks in Ostrau und des flächenhaften Naturdenkmals bei Werderthau bis zur Fuhneaue zu schützen, zu erhalten sowie sukzessiv räumlich auszuweiten. Hier tragen insbesondere die Stadt Halle (Saale) sowie die Landkreise Saalekreis und Anhalt-Bitterfeld, aber auch die Städte Landsberg und Zörbig sowie die Gemeinden Kabelsketal und Peters-berg eine besondere und große Verantwortung.
In dem Blickfeld betrachtet sieht der AHA nicht nur den Schutz, Erhalt und die behut-same Betreuung bestehender Inseln und Streifen von Gehölzen, Wiesen- und Hoch-staudenflächen sowie Feuchtgebieten als dringend erforderlich an, sondern auch die dringende Notwendigkeit diese räumliche Vernetzung entlang des gesamten Gebietes von Reide und Rieda vorzunehmen.
Daher verfolgt der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) Mit großer Aufmerksamkeit die sich immer heftiger gestaltende Diskussion zur Ortsumfahrung Halle-Bruckdorf. Es ist durchaus verständlich, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des halleschen Stadtteils von dem starken Autoverkehr auf der B 6 genervt sind. Die „Mitteldeutsche Zeitung“ spricht in ihrem Beitrag vom 07.01.2020 von 770 LKW, welche sich an Werktagen durch die Ortslage wälzt. Nur ist es zeitgemäß, auf derartige Fehlentwicklungen in der Verkehrspolitik mit neuen Straßen, wie Ortsumgehungen, zu reagieren? Nach Ansicht des AHA ist das die Fortsetzung und Verstärkung dieser nun schon seit Jahrzehnten zu Recht kritisierten Verkehrspolitik. Auch die angedachte Orts-umfahrung Halle-Bruckdorf vermindert keinen einzigen Verkehrsstrom. Im Gegenteil, es ist mit einer Mehrung des Verkehrsaufkommens zu rechnen. Hier möchte man aber gerne das Prinzip aus den Augen aus dem Sinn anwenden. Lärm, Abgas- und Feinstaubbelastung finden dann eben nicht mehr direkt vor der eigenen Haustür, son-dern paar Meter in bisher unversiegelter Landschaft und Natur statt. Genau das ge-schieht bei Umsetzung des Bau- und Verkehrsvorhabens. Während die offensichtliche Vorzugsvariante nördlich von Halle-Bruckdorf eine Kleingartenanlage und die Aue der Reide zerschneidet und verdächtig nahe an das 7 ha große, nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie geschützte FFH-GEBIET “ENGELWURZWIESE BEI ZWINTSCHÖNA“ (EU-CODE: DE 4538-301, LANDESCODE: FFH0142) heran-rückt, bedeuten alle Varianten mehr oder minder ein massives Zerschneiden der Reide und ihrer Aue. Abgesehen von der Beeinträchtigung des Biotop- und Grünverbundes, greift man so baulich in ein Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet so-wie einer damit verbundenen Ventilationsbahn ein. Hinzu kommt, dass eine Tangierung von Bergbaufolgelandschaft zu erwarten ist.
Insofern ist vorzeitiges Ausscheiden der Nullvariante vollkommen inakzeptabel.

Abschließendes

Der AHA hält es für dringend erforderlich sich verstärkt für den Schutz, den Erhalt und für eine zu mindestens naturnahe Entwicklung der Auenlandschaft von Reide und Rieda, ihrer Nebengewässer und Auen sowie im Biotop- und Grünverbund zwischen der Saale-Elster-Luppe-Aue sowie der Fuhneaue einzusetzen. Dazu ist es aber erforderlich nicht nur weitere Zerschneidungen und Flächenversiegelungen auszuschließen, sondern Rückbaumaßnahmen vorzunehmen. Darüber hinaus es einen verstärkten Eintrag von Feinstaub, Lärm und Abgasen in Wohngebieten sowie Natur- und Landschaftsräumen nicht zuzulassen, besonders wenn man bedenkt, dass die Reideaue zu den Kaltluftentstehungsgebieten und Kaltluftbahnen gehört.
Aus diesem Grund sind Planungen für eine Ortsumgehung B6 in Halle-Bruckdorf und in der Gemeinde Kabelsketal auszuschließen.
Der AHA ist bereit sich im Rahmen seiner ehrenamtliche Tätigkeit für den Schutz, den Erhalt und für eine zu mindestens naturnahe Entwicklung der Auenlandschaft von Reide und Rieda, ihrer Nebengewässer und Auen sowie im Biotop- und Grünverbund zwischen der Saale-Elster-Luppe-Aue sowie der Fuhneaue einzubringen.

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

Tel.: 0345 200 27 46
E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 14.12.2020

Vorwort-Erweiterung-Variantenuntersuchung-OU-Bruckdorf-1
1-Erlaeuterungsbericht-Voruntersuchung-OU-Bruckdorf
2-Uebersichtskarte-OU-Bruckdorf-1
2a-UEbersichtslageplan-Varianten-1-5-OU-Bruckdorf-1
2b-Uebersichtslageplan-Varianten-0-und-4-OU-Bruckdorf
3a-Lageplan-Variante-1-OU-Bruckdorf
3b-Lageplan-Variante-2-OU-Bruckdorf
3c-Lageplan-Variante-12-OU-Bruckdorf
3d-Lageplan-Variante-3-OU-Bruckdorf
3f-Lageplan-Variante-5-OU-Bruckdorf
4-Hoehenplaene-OU-Bruckdorf
6-Umweltvertraeglichkeitsstudie-OU-Bruckdorf
6b-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Tiere-Pflanzen-biologische-Vielfalt-OU-Bruckdorf
6c-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Raumwiderstandskarte-OU-Bruckdorf_01
6d-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Varianten-1-3-Mensch-OU-Bruckdorf
6e-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Varianten-2-31-Mensch-OU-Bruckdorf
6f-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Varianten-12-5-Mensch-OU-Bruckdorf_01
6g-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Flora-Fauna-Varianten-1-3-OU-Bruckdorf
6j-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-1-3-OU-Bruckdorf
6j-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-1-3-OU-Bruckdorf-1-1
6j-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-1-3-OU-Bruckdorf-2
6j-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-1-3-OU-Bruckdorf-3
6j-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-1-3-OU-Bruckdorf-4
6k-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-2-31-OU-Bruckdorf
6k-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-2-31-OU-Bruckdorf-2
6k-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-2-31-OU-Bruckdorf-3
6l-Umweltvertraeglichkeitsstudie-Bestand-Auswirkungen-Boden-Wasser-Varianten-12-5-OU-Bruckdorf
7-Artenschutzbeitrag-OU-Bruckdorf
8-FFH-Vertraeglichkeitspruefung-OU-Bruckdorf
9-Faunistische-Sonderuntersuchung-OU-Bruckdorf-1
9-Faunistische-Sonderuntersuchung-OU-Bruckdorf-2
10-Verkehrsuntersuchung-OU-Bruckdorf
11-Nachweis-Verkehrsqualitaet-HBS-OU-Bruckdorf
12-Mikro-Verkehrssimulation-Var-5-OU-Bruckdorf


Stellungnahme zur Planergänzungsverfahren zur Mineralstoffdeponie (MSD) Profen-Nord

I. Grundsätzliches

Die Entwicklung des Abfall- und Müllaufkommens im Land Sachsen-Anhalt, trotz leichter Rückgänge im Jahr 2018, sind besorgniserregend. Ebenso der Umgang damit. Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt weist dazu unter folgendem Link diese Angaben für den Zeitraum zwischen den Jahren 2006 und 2016 aus:

https://statistik.sachsen-anhalt.de/themen/bautaetigkeit-und-wohnen-umwelt/umwelt/tabellen-umwelt/#c170534

Dementsprechend haben sich auch in den vergangenen Jahren die Entsorgungsanlagen entwickelt, welche kontinuierlich seit dem Jahr 41 Deponien umfassen.

Diese Angaben lassen durchaus eine gewisse Stagnation von Abfallaufkommen im Land Sachsen-Anhalt erkennen. Während die chemisch/physikalischen und biologischen Behandlungen stagnieren, schwankt die thermische Behandlung auf hohen Niveau. Daraus ergeben sich nicht nur die Fragen des Abfallaufkommens, sondern auch das Thema der Abfallverwertung. Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hält daher eine weitere Senkung des Abfallaufkommens sowie eine noch bessere Aufbereitung von Abfällen zur Wiederverwertung für dringend geboten.
Dazu gehört auch folgerichtig einer Errichtung und Betrieb einer Mineralstoffdeponie (MSD) Profen-Nord die Zustimmung zu verweigern.

Das durchaus vom Braunkohletagebau und Kiesabbau geprägte Gebiet zwischen Fluss- und Auensystem zwischen Saale und Weißer Elster, welches u.a. das Fluss- und Auensystem der Rippach sowie von Grünebach und Zörbicke etc. umfasst birgt ein umfassendes Potential an Entwicklung eines Biotop- und Grünverbundes beinhaltet. Der Ausstieg aus dem Abbau von Braunkohle in dem genannten bildet dafür eine neue und flächendeckende Chance. Die Errichtung und der Betrieb einer Mineralstoffdeponie (MSD) Profen-Nord erschwert bzw. behindert durch Flächenverbrauch, Ablagerung von nicht gefährdungsfreien Mineralien und potentieller Gefahr für Grund-, Schicht- und Schichtwasser eine derartig notwendige Entwicklung im Interesse des Schutzes, Erhaltes und der Verbesserung von Umwelt, Natur, Landschaft und Klima.

II. Konkretes aus den Unterlagen „Voraussichtlich beizubringende Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung (Scopingunterlage)“
Zu 1.1. Einführungen
Zu 5.2.2.1 Errichtungs- und Betriebsphase

Die Angaben zeugen davon, dass man offenbar nicht bestrebt ist die Ursachen der Probleme anzugehen. Dazu zählt die zunehmende Vermeidung von Abfällen, welche im konkreten Fall u.a. in der Zunahme von zerschneidenden und verdichtenden Verkehrstrassenbau sowie die Reste der thermischen Verwertung von Abfällen gehören. Entsprechende Warnungen und Hinweise haben die Verantwortlichen und Politik immer wieder massiv ignoriert. Ebenso bestehen noch massive Reserven in der Aufbereitung und Wiederverwendung der Rohstoffe im Abfall. Die angedachte Errichtung eines Deponiekörpers mit folgenden Parametern, Zitate:
Gesamtablagerungskapazität von 5 Mio. m³ bzw. 7,5 Mio. t mit einer Laufzeit von 30 Jahren“, Zitat Ende
Der Deponieneubau mitsamt seinen Nebenanlagen beansprucht insgesamt eine Fläche von ca. 45,2 ha. Im Zuge der Errichtung wird ein Eingangs- und Betriebsbereich mit einer Flächengröße von ca. 1,6 ha angelegt. Der entstehende Deponiekörper nimmt dabei eine Fläche von 31,5 ha.“, Zitat Ende
Neben einer naturfernen Nutzung von Böden ist davon auszugehen, dass Bodensetzungen erst in 70 bis 100 Jahren ihren weitgehenden Abschluss finden können. In dem Blickfeld betrachtet eine „Gesamtablagerungskapazität von 5 Mio. m³ bzw. 7,5 Mio. t mit einer Laufzeit von 30 Jahren“ zu planen, erscheint sehr gefährlich und kann massive Beeinträchtigungen von Umwelt, Natur, Klima und Landschaft erwarten, indem massive, großflächige und tiefe Bodensetzungen stattfinden und u.a. Grundwasser in den Deponiekörper eindringen kann. Jede Verstärkung des Untergrundes verstärkt den Druck auf Boden in der Bergbaufolge.

Zu 3.2 Vorhabenbeschreibung
Zu 4. Kurzbeschreibung des Anlagenstandortes und der Umgebung
Zu 5.2.2.1 Errichtungs- und Betriebsphase
Zu 7.3.3 Schutzgut Wasser

  • Unter diesem Punkt fehlen die aktuellen und allumfassenden Angaben zu den Stoffen, welche man plant einlagern zu wollen.

  • Zitat: „Die Flutung des Domsener Sees wird nach aktueller Planung im Zeitraum 2038-2052 erfolgen. Dann wird der geplante Endwasserspiegel von + 132 m NHN erreicht.“, Zitat Ende. Genaue Angaben zur Höhe der Anlage des Deponiefusses fehlen. Dafür sind unter Punkt 4. „Kurzbeschreibung des Anlagenstandortes und der Umgebung“ folgende wenig aussagefähige Angaben enthalten, Zitat: „In den östlich gelegenen, wieder nutzbar gemachten Flächen wurde die ursprüngliche Höhenlage von 160 m NHN weitgehend erreicht. Nördlich an das Areal der Mineralstoffdeponie schließt sich die so genannte Quarzitkippe Domsen an, welche sich auf einem Niveau von +145 bis +150 m NHN befindet.“, Zitat Ende Daraus keinen Kontakt mit Grund- und Schichtwasser zu vermuten ist nicht nachvollziehbar. Noch dazu sich neue Grund- und Schichtwasserleiter entwickeln, welche niedriger, auf früherem Niveau, aber eben auch empfindlich höher liegen können. Hier Prognosen zu entwickeln ist aus heutiger Sicht nicht belastbar möglich. Man geht unter Punkt 7.3.3 Schutzgut Wasser von folgendem aus, Zitat „Aktuell liegen die Grundwasserstände im Bereich von bis ca. + 120 m NHN. Mit Abschluss des Grundwasserwiederanstieges ist ein Grundwasserstand im Bereich von der Deponiefläche von +133/+139 m ü. NHN zu erwarten (ca. 17 m bis 26 m Flurabstand zur Deponiebasisabdichtung).“, Zitat. Das sind Mutmaßungen und können aus obengenannten Gründen keine belastbaren Angaben darstellen. Ferner besteht die Gefahr, dass belastetes Wasser über den Grünebach Weiterleitung und Verbreitung findet. Der Grünebach mündet bei Kleingöhren in die Rippach und diese mündet in Dehlitz in die Saale.

  • Unter „Anlagenbezogener Verkehr“ ist ein „ein Verkehrsaufkommen von 2 bis 3 LKW/h“ angegeben, bei durchschnittlich 173,33 Stunden im Monat bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden Woche sind somit 346,66 bis 519,99 LKW/ im Monat bzw. bei 2.079,96 Arbeitsstunden im Jahr sind das somit 4.159,92 bis 6.239,88 LKW im Jahr. Bei einer geplanten Laufzeit von 30 Jahren sind das dann 124.797,60 bis 187.196,40 LKWs in 30 Jahren. Neben einem bisher nicht bezifferten angedachten Flächenverbrauch für Zufahrtsstraßen, führt das zu massiven Belastungen durch Abgase, Feinstaub und Lärm. Neben den möglichen Wasser- und Staubbelastungen ausgehend von der Deponie ist somit von massiven Belastungen von Umwelt, Landschaft, Natur und Klima auszugehen.

  • Die nachfolgend zitierte Beschreibung „2. Waldrodung und Erstaufforstung Im Rahmen des Vorhabens ist die Rodung von 11,01 ha Wald erforderlich. Als Kompensation ist eine Ersatzaufforstung im Umfang von 22,03 ha vorgesehen.“, Zitat Ende, zeugt davon, dass man sich über die Notwendigkeit des Erhaltes von Wäldern nicht vollumfänglich und nachhaltig Gedanken macht. Sie dienen nicht nur als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sondern fungieren als Produzent von Sauerstoff und Frischluft sowie sorgen für Speicherung von Kohlendioxid. In der Regel sind sukzessive Waldgebiete und Gehölzgebiete entstanden bzw. in Entwicklung, welche wegen ihrer grundsätzlichen Standortgerechtigkeit in einer weitgehend gehölzarmen Landschaft einen besonderen Wert haben. Waldanpflanzungen können hier keinen Ersatz darstellen, noch dazu der Bergbau umfassend Bodenstrukturen und hydrologische Verhältnisse stark beeinträchtigt bis zerstört hat.

III. Abschließendes

Auf der Basis der vorliegenden Unterlagen zur Planung und der Betrachtung der örtlichen Situation mit massiven überregionalen Wirkungen im Land Sachsen-Anhalt und im Freistaat Sachsen sowie möglicherweise darüber hinaus ist das Vorhaben ablehnend zu betrachten.

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 29.11.2020


Stellungnahme zum Antrag auf Planfeststellung gemäß § 35 Abs. 2 Kreislaufwirtschaftsgesetz für die Errichtung einer Deponie der Deponieklasse 0 in der Gemeinde Mansfeld, Freiesleben-Schacht

Bearbeiter: Werner Zabel

1. Ausgangslage:

Das Plangebiet auf dem Gelände des ehemaligen Freiesleben-Schachtes befindet sich südlich der Ortslage Großörner, östlich der Stadt Mansfeld und nördlich der Ortslage Klostermansfeld. An der nordwestlichen und nördlichen Grenze verläuft der Fuchsbach und parallel nördlich davon die Wipper. Die B 180 begrenzt den Standort im Westen und Südwesten. Im Süden befindet sich vorrangig bewirtschaftetes Ackerland, sowie eine Wohnbebauung. Die Hauptzufahrtsstraße befindet sich im Süden und erreicht das Objekt etwa in Höhe des Freiesleben-Schachtes II.

Auf einer Fläche von 18,4 ha wurde zwischen 1866 (Beginn der Abteufarbeiten) und 1927 eine 47 m hohe Flach-und Sattelhalde aufgekippt. Das Haldenvolumen betrug ca. 3,02 Mio m³. Seit Mitte der 1980er Jahre wird die Halde für die Sekundärrohstoffwinnung genutzt und zurückgebaut. Dieser Abbauprozess dauert an.

Die Martin Wurzel HTS Baugesellschaft hat eine Plangenehmigung für die Errichtung und den Betrieb einer Deponie für Inertabfälle der Deponieklasse 0 beantragt.
Die Deponie soll eine Fläche von 10,4 ha einnehmen. Das Volumen des Deponiekörpers wird mit 1.830.000 m³ angegeben. Über einen Zeitraum von 25 Jahren sollen ca. 2.900.000 Tonnen Inertabfälle eingelagert werden. Das heißt die abgebaute Halde soll mit Abfällen wieder aufgebaut werden. Der Standort der Freiesleben-Schächte liegt in einer geologischen Schwächezone und ist subrosiv und tektonisch beeinflusst. Der westliche Haldenfuß reicht bis unmittelbar an den Fuchsbach heran, welcher unweit der Wipper verläuft und in der Ortslage Großörner in die Wipper mündet. So ist z.B. ein Schwermetallaustrag in Verbindung mit Niederschlags-und Sickerwässern aus der Halde in die Vorfluter gut möglich. Im Falle einer Genehmigung einer Deponie ist dieser Vorgang für die eingelagerten Stoffe möglich.

2. Bedarfsfeststellung:

Die Anzahl von Deponien ist in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren rückläufig.
Für das Land Sachsen-Anhalt formulierte am 23.11.2016 im Landtag die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Prof. Dr. Claudia Dalbert, Zitat: „Leitendes Ziel der Kreislaufwirtschaft im Allgemeinen und speziell der Abfallwirtschaftsplanung ist die Umsetzung der Abfallhierarchie. Das heißt die Vermeidung und die Nutzung alternativer Verwertungswege stehen im Vorrang zur finalen Beseitigung von Abfällen auf Deponien. Für Deponien der Klasse 0 sehen wir in Sachsen-Anhalt keinen weiteren Bedarf. Mittelfristig, muss ich sagen, sehe ich überhaupt keinen Bedarf für Deponien der Klasse 0, weil es sich um Material handelt, das man verwerten kann, indem man es aufträgt oder indem man es recycelt. Im Augenblick brauchen wir noch Deponien der Klasse 0.Wir brauchen nach unserer Einschätzung aber keine neuen Deponien der Klasse 0. Mittelfristig denke ich, ist das eine Deponieklasse, von der man sich verabschieden sollte.“, Zitat Ende.

In der Planrechtfertigung zum Antrag auf Planfeststellung einer Deponie der Deponieklasse 0 in der Gemeinde Mansfeld, Freiesleben-Schacht kommt der Auftragnehmer BIANCON zu Schlüssen, welche zum Teil das Gegenteil der Ausführungen der Ministerin und des Abfallwirtschaftsplanes für das Land Sachsen-Anhalt (Fortschreibung 2017)

Dabei geht es um die Begründung des Bedarfes von Deponieraum für mineralische Abfälle.

Es wird u.a. festgestellt:

  • Spätestens ab 2021 stehen nur noch vernachlässigbare Kapazitäten zur Verwertung mineralischer Abfälle auf Altdeponien zur Verfügung -6.1.
  • Völlig unverständlich ist für die Menschen der Region Nr. 7.17. Nach 100 jähriger wirtschaftlicher Nutzung des Bodens an der Stelle des Vorhabens, kann mit einer Halde die Industriegeschichte im Landschaftsbild erhalten werden.“

Anmerkung:

Ja, der Kupferschieferabbau hat die Menschen der Region ernährt und die Deponie?

  • Die Mineralabfallstudie 2015 zeigt, dass das bestehende DK I Deponievolumen im Land Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2025 nicht ausreichen wird.- Nr.8
  • Sollte die Deponie Freiesleben nicht errichtet werden, treten spätesten 2023 massive Probleme für die Beseitigung mineralischer Abfälle im Süden Sachsen-Anhalts auf, die sich zu starken Restriktionen für die Bauwirtschaft entwickeln können. Nr. 8
  • Im Fazit unter Pkt. 9 ist zu lesen „Die Errichtung einer Deponie der Deponieklasse 0 am Standort Mansfeld ist aus Gründen der Entsorgungssicherheit und Nachhaltigkeit dringend geboten.“

Bewertung: Es muss festgestellt werden, dass der Antragsteller nicht nachweisen konnte, dass die Deponie notwendig ist.
Darüber hinaus wird unterstellt, dass es nach einer Genehmigung wohl zu einem Antrag auf Genehmigung der Deponieklasse DK I oder höher kommen wird. Die bisherige Antragsstrategie beweist eine Salamitaktik nach der scheibchenweise die Ziele erreicht werden sollen.
Der Antragsteller hat wohl die Absicht die Preisunterschiede am Markt zu nutzen, um im sowieso verseuchten Mansfelder Land noch mehr Abfall zu lagern. Darüber hinaus würde sich eine Sogwirkung für Abfälle aus weit entfernten Regionen und internationalen Gebieten ergeben.

Es wird ein Szenario der zwingenden Notwendigkeit dieser Deponie gezeichnet.

3. Abstände, Schutz der Bevölkerung:

Entsprechend der Deponieverordnung. Anhang 1.Nr.1.1.ist eine notwendige Voraussetzung für die Eignung des Standortes einer Deponie, dass das Wohl der Allgemeinheit nach § 15 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes nicht beeinträchtigt wird.
In unmittelbarer Nähe zur Deponiegrenze befinden sich Bereiche der Wohnbebauung und sehr sensible Bereiche des täglichen Lebens teilweise mit nur 50 m Abstand. Es wird darauf verwiesen dass die zurzeit noch bestehenden Resthalden zum Deponiestandort gehören. Ob die Resthalde bestehen bleibt, ist genau wie der Status als Denkmal strittig. Besonders auf Luftbildern ist die Nähe zur schon gegenwärtig genehmigten Deponie gut zu beurteilen. Die schon zurzeit aktive Hochhalde ragt über diese Resthalden hinaus und der Wind verweht deren Bestandteile.
Im direkten Umfeld der Deponie liegen:

1. die Kindertagesstätte
2. die Wohnbebauung von Großörner
3. die Gartenanlage „Wipperzeche“
4. der Sportplatz
5. Wohnbebauung und landwirtschaftliche Nutzfläche im Süden
6. das Schwimmbad, welches aus dem Fuchsbach sein Wasser bezieht.

Hinweis: In den Fuchsbach, welcher über weite Strecken ausgebaut ist, sollen die Wässer der Deponie über die Rückhaltebecken mit all den veränderten und belasteten Inhaltsstoffen geleitet werden.

Selbst bei einer Einzelfallprüfung ist die Deponie aus diesen Gründen nicht genehmigungsfähig.

4. Meteorologie:

Zur Beurteilung der meteorologischen Daten des Geländes wird auf Daten der Station Halle – Kröllwitz zurückgegriffen.
Diese Station ist mit ihren Daten für das Gelände nicht ausreichend aussagekräftig.
1. liegt diese Station über 35 km Luftlinie vom Standort entfernt
2. ist der Standort von einer gänzlich anderen Geomorphologie, am Ostrand der östlichen Harzabdachung, im weiteren Umfeld zum Brocken gekennzeichnet
3. zur Beurteilung der Klimadaten ist der Referenzzeitraum von 1961 – 1990 zu nutzen. Vergleiche ergeben sich in Bezug auf den Zeitraum von 1991-2020. Das betrifft besonders die Prognosen zu Regenfällen und Wind. Dabei spielen mögliche Extremereignisse eine zentrale Rolle.

5. Hydrologie/Karst:

Das Gelände befindet sich in der Nähe zum Ausgehenden des Kupferschieferflözes, welches sich nördlich und westlich befindet. Aktuell kann beim Befahren der B 180 die Verortung des westlichen Bereiches an der gemauerten Böschung erkannt werden. „Im westlichen Untersuchungsgebiet streichen… Gesteine der stratigrafischen Einheiten Zechstein (Perm) und Buntsandstein (Trias) aus. Das Schichteinfallen ist flach in Richtung Ost. Die Zechstein-Buntsandsteingrenze ist im westlichen Bereich der Bergehalde zu erwarten.

Der Ausstrich des Zechsteins ist ein exponierter Standort für Karstprozesse.
Der Zechsteinausstrich ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Lage des ehem. Flussbettes der Wipper…identisch. Die zutage tretenden, wasserlöslichen (subrodierbaren) Sulfatgesteine (Gips und Anhydrit) unterlagen in diesem Bereich starken Lösungsprozessen durch die Einwirkung von Oberflächen- und Grundwasser. Der – im Vergleich zum Umfeld – abgesenkte und erodierbare Untergrund im Zechsteinausstrich markiert eine bevorzugte Abflussbahn für Oberflächenwasser und damit auch für die Wipper.

Insbesondere auch bergbaulich indizierte Veränderungen der Grundwasserdynamik (Wipperverlegung, Wasserhaushaltungen) führten darüber hinaus auch zur bruchartigen Karstformen an der Oberfläche (Erdfälle). Für den Zeitraum 1982 bis 2017 ergeben sich keine Hinweise auf Erdfälle bzw. ein aktives Karstgeschehen innerhalb oder im Umfeld der Halde“ Zitat Hy.S.15/16

Anmerkung: Dieser Feststellung wird widersprochen. Möglicherweise sind, warum auch immer, Tagesbrüche dem LAGB nicht zur Kenntnis gelangt.

Der Bereich des Zechsteinausstriches erstreckt sich auf einem großen Teil des westlichen Untersuchungsgebietes und auch nördlich. Dieser große Bereich ist als Karstgebiet weiter aktiv.
Über den Karst können Sickerwässer in tiefere Schichten einfließen.
So gab es z.B. im Februar 2013 mindestens zwei Erdfälle hinter dem Sportplatz von Großörner, welche schnell verfüllt wurden.
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 14.02.2013

Karsterscheinungen unterhalb der noch bestehenden Bergehalde können erst nach deren Abbau lokalisiert werden.

Es ist geboten durch geeignete Untersuchungsmethoden, auch Bohrungen, in einem geeigneten Raster diese Karstzone in ihrem Ausmaß zu ermitteln.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit endet die Karstzone südöstlich des alten Wipperverlaufes.
Die Schlussfolgerung ist, dass das gesamte Karstgebiet als Haldenuntergrund gegenüber der Tiefe abgedichtet werden müsste.

Das geologische Profil des Freieslebens-Schachtes II ist nicht für den gesamten Bereich repräsentativ.

Hinweise auf den Altbergbau in diesen Bereich sind eher spärlich.

Im westlichen Teil des Gebietes wurde im 16./17.Jh. der Hundeköpferstollen aufgefahren. Im Gebiet existieren die LL 1 HU – 4 HU. Deren Lage ist kein Zufall. Sie entspricht den Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Zeit in Bezug auf den Abstand zum Kupferschieferausstrich. Weiterhin befindet sich das LL 27 S (Schlüsselstollen) als Wetterschacht im westlichen Bereich.

Über den Zustand des Hundeköpfer Stollens und des LL 27 S ist wenig bekannt. Sollten sie verbrochen sein, sind Auswirkungen auf die Tagesoberfläche sehr wahrscheinlich und spezielle Sicherungsmaßnahmen notwendig. Sollte der gesamte Hundeköpfer Stollen verbrochen sein, sind wesentlich größere Sicherungsmaßnahmen gemäß Stollenverlauf notwendig.
Da der Stollen mit hoher Wahrscheinlichkeit verbrochen ist, sind Sicherungsmaßnahmen zwingend notwendig, um den open windows effekt, das heißt das Abfließen von Sickerwasser in den Untergrund zu verhindern.

Schlussfolgerung: Der gesamte westliche Bereich müsste gegenüber den unteren Schichten abgedichtet werden.

Ein nicht beachteter Fakt im Untergrund des Bereiches sind die 1875 während der Teufe von Schacht II in einer Tiefe von 99,50 m angetroffenen, mit Wasser gefüllten Schlotten. Über die Größe, Ausmaße und Verlauf ist fast Nichts bekannt.
In der Mansfelder Mulde gibt es eine Anzahl von Beispielen über Verbrüche derartiger Schlotten und Hohlräume in diesen Tiefen und tiefer mit enormen Auswirkungen auf die Oberfläche. Verbrüche sind hier jederzeit möglich.

Weiterhin existieren lt. Markscheiderischer Stellungnahme, S 1 vom 04.09.2008 unter dem Kaufgegenstand „Kammern die während des 2.Weltkrieges zu Schutzzwecken aufgefahren wurden. Auch diese befinden sich in Teufen um 100m. Bedingt durch die große Überdeckung werden diese Grubenbaue, selbst wenn sie zu einen späteren Zeitpunkt zu Bruch gehen, keine negativen Auswirkungen auf die Tagesoberfläche haben.“

„Darüber hinaus befinden sich in Teufen um t – 100 m unter GOK Schutzkammern des 2. Weltkrieges. (Hydrologisches Gutachten für das Planfeststellungsverfahren, S.21,Pkt.4.1.)

In beiden Quellen verzichtet man auf nähere Einzelheiten, wobei sich das Gutachten hier eindeutig auf die Markscheiderische Stellungnahme bezieht.

Vom Schacht II aus wurden Ende des II. Weltkrieges Hallen im Anhydrit aufgefahren, in welche Rüstungsproduktion der Mansfelder Kupfer- und Messingwerke verlagert werden sollte. Die Auffahrung der Hallen erfolgte von 1943 bis 1944 auf der Schlüsselstollnsohle.

Den Darstellungen, dass es bei einem Verbruch keine Auswirkungen auf die Tagesoberfläche haben wird, wird entschieden widersprochen.

Im Mansfelder Land gibt es mehrere Beispiele, wo ein Szenario mit enormen Auswirkungen auf die Tagesoberfläche, unter ähnlichen Bedingungen geschah.
Nur waren dort keine vom Menschen geschaffenen Hallen existent.

Dazu kommen noch die in diesen Schichten existenten Schichtwässer, welche aus angrenzenden Bereichen wirken.
Die überlieferte Gesteinsbeschreibung des FLS II (lt. Hy S.15 Tabelle 2, lokale Bezeichnung) zeigt die Situation in der Tiefe sehr differenziert.

Es gibt durchaus differierende Angaben (auch zum Hy), je nach Quelle, zu den Schichtstärken.
Ab einer Tiefe von 68 Metern sind blauer Letten, Asche mit Rauhstein, blauer Letten mit Asche und Anhydrit, Asche mit Rauhstein, Stinkstein und wieder Asche in Schichten anstehend. Ab ca. 84 m bis auf Schlüsselstollenniveau (+ 74 m NN) von ca. 116 m folgt Gips.

Durch die Lage der Hallen ist davon auszugehen, dass bei einem Verbruch auch der Schlüsselstollen verschüttet wird, mit Auswirkungen auf die gesamte Mansfelder Mulde.

Die Situation in der Tiefe stellt sich hier entscheidend anders dar, als beschrieben.

1. Welche Erkenntnisse existieren über die Schutzräume in den Unterlagen der Mansfeld AG und deren Nachfolgern sowie aus anderen Quellen?
2. Sind Angaben zu Größe und Ausmaßen und Lage der „Schutzräume“ bekannt?
3. Warum wurden wohl keine weiteren Nachforschungen unternommen?

6. Verwendung von Kupferschlacke:

Bei der Beurteilung der Verwendung ist festzustellen, dass in dem Fall der Deponie es eine Verwendung im Wasserbau wäre.

Natürlich würden auch ihre Eigenschaften, wie die erhöhten Schwermetallgehalte und die höhere Radioaktivität auf die gesamte Deponiefläche in einer Mächtigkeit von 30 cm verteilt.

Die durch die Deponieabfälle und das Eluat der Kupferschlacke belasteten Wässer sollen in die Wipper und den Fuchsbach eingeleitet werden, danach gelangen sie in die Saale und die Elbe.

Die dann nachweisbaren Schwermetallgehalte in den Uferschlämmen in Höhe der Hansestadt Hamburg werden sich im Laufe der Zeit weiter erhöhen.

Über die Auswirkungen auf Algen, Mikroorganismen, Kleinstlebewesen, Pflanzen, Tiere und dem Menschen (u.a. Freibad) wird nicht weiter eingegangen.

Die Wirkung von Kupferionen auf das Algenwachstum ist lange bekannt. Neuere Forschungsergebnisse beweisen, dass verschiedene andere Organismen Schwermetalle in ihrem Gewebe anreichern.

Untersuchungen zum unweltverträglichen Einsatz von Kupferschlacken (Eisensilikatgestein) im Wasserbau. Band 1(2), Endbericht. Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz, BfG-1834 vom Oktober 2014 zeigen diesen Fakt deutlich.

Eine Einleitung in Oberflächengewässer im öffentlichen Bereich mit den beschriebenen Parametern verbietet sich. Die Wässer müssen als Sondermüll betrachtet werden.

Zur Verwendung der Kupferschlacke im Wasserbau gibt es unterschiedliche Empfehlungen.

Im Land Sachsen-Anhalt lehnte das Staatliche Amt für Umweltschutz Halle den Einsatz von Schlacken zur Uferbefestigung ab.

Insgesamt geht es darum Lebensräume und Lebensgemeinschaften zu schützen und zu erhalten und Stoffeinträge in die Gewässer zu minimieren, so dass in allen Gewässern ein guter chemischer und ein guter ökologischer Zustand bzw. ein gutes ökologisches Potential erreicht und bewahrt sowie Natur und Landschaft nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden.

Die Einleitung von mehr schwermetallhaltigen Eluat in die Gewässer Wipper, Saale und Elbe stellt gegenüber dem vorhergehenden Zustand einen Verstoß gegen die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) dar. Sie verstößt gegen die Ziele der WRRL und insbesondere gegen das Verschlechterungsverbot.

7. Fauna und Flora:

Über die Fauna und Flora des Gebietes ist wenig bekannt. Die durchgeführten Kartierungen sind sehr spärlich gehalten und lückenhaft.

Fast das gesamte Betriebsgelände ist mit einem Krötenzaun ohne Fangeinrichtung umgeben, welcher nicht nur Wanderungen von Amphibien in das Gelände verhindert.

Das Gebiet wird als Jagdgebiet von Rotmilan, Mäusebussard, Sperber und Turmfalke genutzt.

Durch zielgerichtete Kartierungen sind eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen, besonders im östlichen Teil, zu erwarten.

Die selektive Biotoperfassung in Vorbereitung der Haldenkonzeption war da schon viel aussagekräftiger.. Darauf sei hier verwiesen.

Besonders die gefährdete Pflanzengesellschaft – Armeria halleri mit den Pflanzen Minuartia verna ssp. Herzynia und Silene vulgaris var.humilis waren großflächig vertreten.

Weiterhin muss untersucht werden, ob von den mehreren hundert Exemplaren von Epipactis atrorubens noch Bestände existieren.

In den geplanten Regenrückhaltebecken würden sich Algen, Mikroorganismen Kleinsttiere, an Wasser gebundene Tiergruppen und deren Entwicklungsfomen sowie Pflanzen ansiedeln, welche dann die Kupferionen und anderen Rückstände der Deponie aufnehmen würden.

8. Verkehr:

Die An- und Abfahrten der Kraftfahrzeuge, besonders von LKW, kann nicht vom Verkehrsnetz der Region besonders der B 86 und B 180 getrennt betrachtet werden.

Allein die jetzige Limitierung belastet den Verkehr.

Darunter haben besonders die Ortslagen Mansfeld, Siebigerode und Annarode zu leiden.

Es ist zu erwarten, dass diese Belastungen durch eine Deponie weiter steigen.

Eine Anlieferung aus anderen Bundesländern und ggf dem EU-Ausland widerspricht den ökologischen Notwendigkeiten.

Sehr schnell wird da wieder ein Ruf nach der Nordverlängerung der BAB A 71 laut, welcher ebenfalls an den Notwendigkeiten widerspricht,

9. Zusammenfassung;

1. Der Bedarf einer Deponie auf dem Gelände des Freiesleben-Schachtes konnte nicht begründet werden.
2. Die geologische Barriere ist unterschiedlich wasserdurchlässig.
3. Mächtigkeit und Ausdehnung der geologischen Barriere sind nicht hinreichend bekannt.
4. Sickerwasser kann in unterschiedlicher Menge in den Untergrund und in die Vorfluter gelangen
5. Die im Sickerwasser enthaltenen Stoffe sind mit denen vor der Deponie nicht vergleichbar (Ausnahmen Bergehalde und Ausschlägehalde) und die Belastung der Wässer sind von den Eigenschaften der deponierten Stoffe abhängig.
6. Recycling hat absoluten Vorrang vor Verklappung.
7. Über die Deponie speziell die Wasserführung/Rückhaltebecken würden Schwermetalle und andere Stoffe in den Naturkreislauf gelangen und zu einer Verschlechterung führt und mit der Europäischen Wasserrahmen Richtlinie nicht vereinbar ist.
8. In der Tiefe existieren Hohlräume großen Ausmaßes (Hallen aus 2.WK und Schlotten) welche mit Auswirkungen auf die Oberfläche verbrechen können.
9. Der Einsatz gebrochener Kupferschlacke verbietet sich genau wie die Einleitung der Deponiewässer in den Wasserkreislauf.
10. Der Verkehr in Verbindung mit der Deponie belastet das Verkehrsnetz unverhältnismäßig.

Fazit: Aus den geschilderten Gründen ist die Deponie nicht genehmigungsfähig.

Das Mansfelder Land braucht keine neuen Deponien, sondern wegen der vorhandenen Belastungen ein flächendeckendes Sanierungskonzept.

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 11.10.2020

Die Stellungnahme als PDF


Unterlagen zur Unterrichtung der Öffentlichkeit gemäß §14 (1) Landesentwicklungsgesetz Sachsen-Anhalt Juli 2020 zum Raumordnungsverfahren für das Vorhaben „B 181 Ortsumgehung Zöschen-Wallendorf-Merseburg“

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) betrachtet mit sehr großer Sorge das Vorhaben „B 181 Ortsumgehung Zöschen-Wallendorf-Merseburg“. Eine Umsetzung des Vorhabens führt zur Zerschneidung und Beeinträchtigung von Umwelt, Natur und Landschaft, setzt ein vollkommen falsches Signal in der Phase des verstärkten Klimawandels, vernachlässigt die Notwendigkeit der Beförderung des Öffentlichen Personennahverkehrs und der massiven Einschränkung des Motorisierten Individual- und Güterverkehrs sowie trägt zur Erhöhung der Belastungen mit Stickoxiden, Kohlendioxid, Feinstaub und Lärm. Daher gilt es das Vorhaben schon in der Planungsphase einzustellen.
Nachfolgende Darlegungen legen die Bedeutung und Schutzwürdigkeit der Saaleauenlandschaft zwischen den Städten Merseburg dar:

AHA hält besonderen Schutz der Saaleaue zwischen den Städten Merseburg und Leuna für erforderlich

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) kann es nicht oft genug erklären, dass der Schutz, der Erhalt, die Betreuung und die Entwicklung von Auenlandschaften eine sehr bedeutsame Erkenntnis beim Planen und Handeln sein muss. Dass die Realität leider oft anders aussieht, muss der AHA oft genug und immer wieder feststellen.
Seine Vorstellungen darzulegen dienen die vom Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) durchgeführten Herbstrundexkursion durch die Saaleauenlandschaft zwischen Merseburg und Leuna mit Aufenthalt auf der Rischmühleninsel.
Die Exkursion diente der Darstellung der Schutzwürdigkeit und Bedeutung der Saaleaue zwischen den Städten Merseburg und Leuna sowie der Gefährdungen für das Gebiet. Ferner möchte der AHA im Rahmen dieser Exkursionen, welche auch zur Rischmühleninsel führt, seine Vorschläge zum Schutz, Erhalt und Entwicklung dieser Bereiche der Saaleaue erläutern sowie Überlegungen zum nachhaltigen Umgang mit dem Hochwasser darlegen.
An der ersten Station erläutert dabei der AHA am in den Jahren 1970 bis 1972 errichteten Wehr vom Vorderen Gotthardteich zur Klia seine diesbezüglichen Überlegungen zum Schutz und zur Entwicklung der Klia.
Fließgewässer und ihre Auen gehören zu den bedeutsamsten Landschaftsbestandteilen. Sie bieten zahlreichen Tieren und Pflanzen Lebens-, Nahrungs- und Rückzugsraum sowie geben zudem der stressgeplagten Menschheit die Möglichkeit der Entspannung und Erholung. Jedoch ist der Anteil naturnaher oder gar natürlicher Gewässer- und Auenstrukturen immer mehr verloren gegangen. So auch im Stadtgebiet von Merseburg. Während die Geisel auf ihrem 20,8 km langen Weg von der Quelle in Mücheln bis zur Mündung in den Gotthardteich z.B. im Bereich der Mündung des Klyegrabens zwischen der Stadt Merseburg und der Gemeinde Geusa durchaus naturnahe Elemente aufweist sind durch den Ausbau der Klia derartige Strukturen dort gänzlich beseitigt worden. Die Ausbaumaßnahmen in der ca. 3 km langen Klia im Zeitraum von Mai 1969 bis Juni 1977 haben einen vollkommen ausgebauten technischen Kanal hinterlassen. Ein Zustand, welcher mit dem heutigen Erkenntnisstand abzulehnen und womöglich zu ändern ist. Dazu bedarf es wissenschaftlicher und technischer Untersuchungen, welche in eine Konzeption zur Renaturierung, Pflege und Entwicklung münden.
Dazu legte der AHA am 07.01.2002 einen „Rahmenplan zur Erstellung einer Konzeption zur Renaturierung, Pflege und Entwicklung der Klia in der Stadt Merseburg, Landkreis Merseburg-Querfurt“ vor. Dieser Rahmenplan geht davon aus, dass die Klia im gegenwärtigen Zustand hat einen sehr geringen ökologischen Wert besitzt. Jedoch könnte sie ein sehr wertvolles Bindeglied zwischen der Saale- und Geiselaue darstellen. Um das zu erreichen erfordert es eine nachhaltige Umgestaltung der Klia und ihres Umfeldes, was eine fundierte wissenschaftliche und technische Erarbeitung einer Konzeption zur Renaturierung, Pflege und Entwicklung erfordert. Eine Einbeziehung der Bevölkerung von Anfang an schafft bereits in der konzeptionellen Phase eine breite Akzeptanz und befördert ein späteres schöpferisches Mitwirken.
Der AHA hält an seinen Vorschlag fest, welcher die Prüfung und Untersuchung einer Wiederbelebung des alten offenen Abflusses der Geisel beinhaltet.
Die Rischmühle, welche eine von 5 Mühlen im Mittelalter darstellte und erstmalig 1284 in einer Urkunde als „Ruschenmuhel“ genannt ist, gab der heutigen Rischmühleninsel ihren Namen. Jedoch hatte die Mühle, welche im Jahre 1939 in Folge eines Großbrandes der Siloanlage ihre Tätigkeit als Papiermühle einstellte recht unterschiedliche Namen. In Ratsurkunden, Chroniken und Kirchenbüchern sind nachfolgende Bezeichnungen vermerkt:

  • im Jahre 1509 „Saalmühle“
  • im Jahre 1576 „molitor Rischensis“ (Rischmühle)
  • im Jahre 1685 „Mühle vor dem Saalthor“
  • im Jahre 1759 „Rischmühle“

Der Standort der Mühle ist fast genau gegenüber der Saalekrümmung, an der Basis der heutigen Halbinsel und inmitten eines früheren Mühlgrabens einzuordnen. Dieser Mühlgraben speiste vermutlich auch die Neumarktmühle und nahm vor der Wiedereinmündung in die Saale die Geisel auf.
In etwa muss sich der Graben parallel zur heutigen B 181 befunden und die nunmehrige Halbinsel als tatsächliche Rischmühleninsel ausgewiesen haben.
Die heutige Rischmühleninsel, welche sich in einem Saalemäander und teilweise in einem Hochwassereinzugsgebiet befindet ist zu großen Teil aufgeschüttet und beherbergt eine im Jahre 1998 erbaute Mehrzweckhalle mit dazugehörigen Parkplätzen, einen geschotterten Veranstaltungsplatz sowie in östlicher Richtung am Saaleufer einen Hartholzrestauenwald. Seit dem Jahre 1999 ist dieser wertvolle Auenbestandteil als ca. 2,7 ha großes flächenhaftes Naturdenkmal „Auwald Rischmühleninsel“ ausgewiesen. Jedoch weist das bedeutsame Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zahlreiche Beeinträchtigungen durch Trittschäden in Form von Trampelpfaden, Vermüllungen und freiherumlaufende Hunde auf.
Nunmehr gilt es nach heutigen Gesichtspunkten unter Beachtung ökologischer, stadtgeschichtlicher und touristischer Aspekte eine Umgestaltung der Rischmühleninsel anzugehen. Die einzelnen Aspekte gilt es mit Bedacht und Vernunft miteinander abzuwägen. Dabei gilt es vorteilhaft rechtzeitig und umfassend die Bevölkerung einzubeziehen und zwar schon in der konzeptionell-gedanklichen Projektphase.
Das ca. 2,7 ha große flächenhafte Naturdenkmal „Auwald Rischmühleninsel“ lässt noch deutlich die Struktur eines saaletypischen Hartholzauenwaldes erkennen. Dazu gehören zum Beispiel das Vorkommen von Stieleiche, Gemeiner Esche, Feld- und Flatterulme, Schwarzen Holunder, Blutrotem Hartriegel, Waldziest, Großer Brennnessel, Scharbockskraut, Goldsternchen, diverse Veilchenarten und Lerchensporn. Ebenfalls kennzeichnend sind die Untergliederungen in Baum-, Strauch- und Kraut-(Feld)schicht.
Der Auenwald weist jedoch eine Breite zwischen gerade einmal 2 bis 3 m bis hin zu etwa maximal 10 m auf. Auf Grund des direkt vorbeiführenden, befestigten Weges beeinträchtigen wegeverlassene Personen und freiherumlaufende Hunde den schmalen Auenwaldstreifen nicht unerheblich. Trampelpfade und teilweise Vermüllungen sowie Beunruhigungen der Tierwelt sind die Folge. Als weitere Probleme sind die teilweise direkt an den Auenwald heranreichenden Aufschüttungen sowie die wegebegleitenden auenuntypischen Baumbestände bestehend aus Gemeiner Eberesche und Baumhasel.
Im Interesse des nachhaltigen Schutzes, Erhaltes und weiteren Aufwertung des Auenwaldes und damit der gesamten Rischmühleninsel gilt es folgende Maßnahmen zu prüfen und auch umzusetzen:

  • Beseitigung der Aufschüttungen ab dem asphaltierten Weg am Ostrand der geschotterten Fläche
  • In dem Zusammenhang Rückbau des Halbrundweges bis ebengenannten Weges
  • Im Rahmen der Beseitigung der Aufschüttungen, Schaffung von Feuchtgebieten mit Flachbereichen am Rand und unregelmäßig zu mähender Wiesen im Umfeld
  • Sukzessive Erweiterung des Auenwaldes auf die beräumten Flächen – keine Vornahme von Pflanzungen, höchstens Aussaat bzw.
  • Einbringen von Eicheln von den Stieleichen vor Ort
  • Einrichtung eines ökologischen Erkenntnispfades am künftigen Randweg

Im Rahmen der im Jahre 2008 fertiggestellten „Schutz- und Entwicklungskonzept für die Saaleaue zwischen Merseburg und Leuna westlich des Mittelkanals“ griff eine damalige Studentin der Hochschule Anhalt in Bernburg dieses Thema auf und bekräftigte entsprechende Vorschläge.
Nach Auffassung des AHA gilt es angesichts der Lage im Hochwassergebiet auch die Zukunft der Mehrzweckhalle auf der Rischmühleninsel auf den Prüfstand zu stellen.
Der Weg führte weiter zum sukzessiven Auenwald zwischen Leinpfad parallel zur Saale und Naumburger Straße. Diese Entwicklung fand eine umfassende Störung, als die Stadt Merseburg im Jahre 2009 Fällungen von Hybridpappeln vornahm und somit in den sukzessiven Aufwuchs des Auenwaldes eingriff. Nach Ansicht des AHA müssen derartige Eingriffe künftig unterbleiben. Ferner bekräftigt der AHA immer wieder seinen Vorschlag eine angrenzende Wiese in Form von unregelmäßigen Mahden zu betreuen.
Bereits im November 2013 hatte der AHA gefordert, das privatfinanzierte Deichvorhaben in der Stadt Merseburg im Bereich von Werderstraße und Krautstraße sofort einzustellen und stattdessen im konkreten Fall, die vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt ursprünglich favorisierte Planung die Bundesstraße 181 zu einem Hochwasserschutzdeich umzufunktionieren erneut aufzugreifen und weiter tiefgreifend zu prüfen, sahen es auch die Exkursionsteilnehmer. Ferner gilt es, ggf. finanziert über Flutgelder, die schrittweise Umsiedlung des Wohn- und Kleingartengebiet an Werderstraße und Krautsstraße anzugehen, um diese Überflutungsgebiete der Saale mittel- bis langfristig freizuräumen bzw. zurückzugeben. So sieht nach Auffassung des AHA nun mal nachhaltiger Umgang mit Hochwasser aus, welcher allen Menschen sowie einer hochwasserbeeinflussten Auenlandschaft zu Gute kommt.
Trotz bzw. entgegen der obengenannten Mahnungen, Bedenken und Hinweise fand die Umsetzung der Maßnahmen wie statt. Die Umsetzung dieser Maßnahme verdeutlicht wieder einmal mehr, dass Demokratie und echte Mitbestimmung im Land Sachsen-Anhalt maximal auf dem Papier steht, aber nichts mit den realen Verhältnissen zu tun hat. Der AHA versicherte, dass es nun gilt Wege und Möglichkeiten zu ersinnen, um auch an dem Standort einen nachhaltigen Umgang mit Hochwasser zu erwirken.
Eng damit gekoppelt hält der AHA es für dringend geboten, weitere massive Deichrückverlegungsmaßnahmen in der Saaleaue zwischen den Städten Merseburg, Leuna und Bad Dürrenberg anzugehen. Schwerpunkte bilden da die Deiche zwischen Leuna und Bad Dürrenberg, zwischen Wölkau und Trebnitz sowie im Bereich der Fasanerie in Merseburg.
Für die ca. 240 ha große Saaleaue zwischen Merseburg und Leuna westlich des Mittelskanals beinhaltet das obengenannte im Jahre 2008 erstellte „Schutz- und Entwicklungskonzept für die Saaleaue zwischen Merseburg und Leuna westlich des Mittelskanals“ zahlreiche Vorschläge zur Entwicklung des Landschafts- und Naturraumes, zur landwirtschaftlichen Nutzung und im Umgang mit dem Hochwasser.
Am Weg zwischen Merseburg und Leuna, welcher sich zwischen Waldbad Leuna, Auenwald am Waldbad und Alter Saale befindet, regt der AHA immer wieder beidseitig des ca. 145 m langen Weges die Pflanzung von 29 Obstgehölzen an. Dabei können bei einem Pflanzabstand von 10 m sowie einer Länge der Nordbegrenzung des Weges im Umfang von ca. 145,05 m dort 15 Bäume und bei einer Länge der Südbegrenzung des Weges im Umfang von ca. 143,03 m dort 14 Bäume Landschaft und Natur aufwerten. Die Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer halten Pflanzungen und Pflege in Form von öffentlichen Arbeitseinsätzen für sehr sinnvoll. So lassen sich sehr gut praktische Aktivitäten mit umweltbildenden Aspekten verbinden. Der AHA hält dazu die Einbeziehung von Landkreis Saalekreis, der Stadt Leuna und der Eigentümer bzw. Nutzer der benachbarten Agrarflächen für sehr sinnvoll.
Im ca. 13 ha großen Auenwald im Waldbad Leuna haben die massiven Abholzungen von Hybridpappeln zu massiven Schäden geführt. Ebenso problematisch zu sehen ist die zunehmende Vermüllung des Gebietes. Der AHA weist in dem Zusammenhang auf die am 13.08.2001 verabschiedeten „Vorschläge zur Pflege, Entwicklung und Betreuung des Kreypauer Holzes und des Waldes am Waldbad Leuna“, welche unbedingt eine naturnahe Entwicklung des Auenwaldes nahe legt.
Ferner sind verstärkt Aktivitäten des Bibers auf. Hier gilt es insbesondere im Auenwald am Waldbad verstärkt eine naturnahere Entwicklung zuzulassen und auch den Biber zu schützen.
Die Saaleaue in der Stadt Leuna unterhalb der Stadtteile Rössen und Ockendorf gilt es von jeglicher Bebauung freizuhalten sowie punktuell die sukzessive Entwicklung von Auenwäldern zu ermöglichen. Ferner bedarf die Saale Freiräume, um eine natürliche Dynamik zwischen Prall- und Gleithängen zu ermöglichen. So besteht die Möglichkeit Kräfte im Wasser zu brechen und Sedimente umzuverteilen. Letzteres verhindert zudem die Eintiefung des Flusses, was in trockenen Zeiten eine Austrocknung der Auen zur Folge hat und bei Hochwasser eine Abgabe in die Auen verhindert, da die Ufer dann wie Deiche wirken. Zudem dienen die immer wieder abbrechenden Ufer als Lebens- und Rückzugsräume z.B. für Eisvogel, Uferseeschwalbe und Bienenfresser. Eine Verschotterung behindert die ebengenannten Prozesse und führt zudem zur Verschwendung wertvollen Rohstoffes, wozu Gestein eindeutig dazugehört.
Auf einer gegenwärtig intensiv landwirtschaftlich genutzten, ca. 6,25 ha großen dreieckigen Fläche, welche sich nördlich der Grenze der Städte Leuna und Merseburg sowie westlich des Radwanderweges befindet und nach Westen und Norden ansteigt, begrüßten die Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer den vom AHA vorgetragenen Vorschlag eine Streuobstwiese entstehen zu lassen. Diese Fläche befindet sich auf fruchtbarem Boden, in einem unbeschatteten Gebiet und ist gut erreichbar. Alles positive Kriterien zur Errichtung einer Streuobstwiese. Bei einem Flächenbedarf pro Obstbaum im Umfang von ca. 20 m² berechneten die Exkursionsteilnehmerinnen und Exkursionsteilnehmer die Möglichkeit der Pflanzung von 3.125 Obstgehölzen. Nunmehr gilt es u.a. die Eigentumsverhältnisse zu ermitteln sowie den Kontakt zum Landkreis Saalekreis sowie zur Stadt Merseburg zu suchen.
Der südöstlich bis südlich anschließende Graben an der Grenze zwischen den Städten Merseburg und Leuna bedarf unbedingt einer Beräumung der Sohl- und Uferbefestigung, einer darauffolgenden Beförderung der Mäandrierung mit Störhölzern und -steinen sowie der Entwicklung eines mindestens 10 m breiten Schutzstreifens beiderseits der Ufer. Ebenso erscheint es sinnvoll zu sein, den Mündungsbereich wieder komplett zu entsiegeln. Gleiches trifft für das Mündungsgebiet eines Baches in die Saale in der Stadt Leuna im Ortsteil Ockendorf zu.

Mit sehr Sorge betrachtet der AHA das in der Unterrichtung des Deutschen Bundestages vom 05.08.2016, Drucksache 18/9350 im Bundesverkehrswegeplan 2030 auf Seite 144, unter laufenden Nummer 28 mit „vordringlichen Bedarf“ vermerkte, 11,8 km lange Projekt Ortsumgehung Zöschen – Wallendorf. Das mit der Projektnummer B 181 – G10 – ST versehene Straßenbauvorhaben mit einer Investitionssumme in Höhe von 89,3 Millionen Euro, stellt eine massive Bedrohung der Auenlandschaft zwischen Luppe und Saale dar. Neben einer drohenden massiven Zerschneidung dieses sehr arten- und strukturreichen Landschafts- und Naturraumes, besteht ferner die Gefahr Ausbreitungsraum von Hochwasser einzuschränken. Daran ändert auch eine geplante 1.8 km lange Brücke nichts. Angesichts der in jüngster Zeit geführten Debatten zum Öffentlichen Personennahverkehr – z.B. Straßenbahnverbindung zwischen den Städten Halle (Saale) und Bad Dürrenberg – senden die politischen Verantwortlichen vollkommen falsche Signale in Sachen Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz sowie Wohn- und Lebensqualität aus. Der AHA hatte beispielsweise im Rahmen einer Presseerklärung vom 19.12.2014 die Überlegungen des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) zur Schaffung eines Bürgertickets begrüßt und angemahnt den Weg konsequent weiter zu gehen. Diese Forderung bekräftigt der AHA nunmehr mit Nachdruck.
In dem Zusammenhang bekräftigt der AHA, dass das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zur aktuellen täglichen Neuausweisung von Siedlungs- und Verkehrsflächen in der Bundesrepublik Deutschland folgendes angibt, Zitat: „Täglich werden in Deutschland rund 58 Hektar als Siedlungsflächen und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht einer Flächenneuinanspruchnahme – kurz Flächenverbrauch – von circa 82 Fußballfeldern.“, Zitat Ende
Das ergibt im Jahr einen Flächenverbrauch im Umfang von 21.170 ha. Im Vergleich dazu liegt diese Zahl zwischen der Fläche der Stadt Essen (21.034 ha) und der Stadt Lübeck (21.419 ha).
Ferner besteht die Gefahr des Eingriffes in bestehende Kaltluft- und Frischluftentstehungsgebiete und -korridore, welche im Falle der Umsetzung des Straßenbauvorhabens künftig dann verstärkt mit Abgas-, Feinstaub- und Lärmbelastung konfrontiert sind.
Abgesehen davon ist davon auszugehen, dass der Wert als Gebiet von Naherholung und Tourismus massiv darunter leidet.

Der AHA bekräftigt immer wieder, dass noch viel Arbeit und Engagement erforderlich ist, um einen ordnungsgemäßen Schutz, Erhalt und Entwicklung der Auenlandschaft zwischen den Städten Merseburg und Leuna zu ermöglichen.

Wer Interesse hat an den Zielen des ehrenamtlichen und gemeinnützigen AHA und seiner Umweltbibliothek Merseburg „Jürgen Bernt-Bärtl“ mitzuwirken, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Merseburg-Leuna-Bad Dürrenberg/
Umweltbibliothek Merseburg „Jürgen Bernt-Bärtl“
Weiße Mauer 33

06217 Merseburg

Tel.: 0176 – 52562945

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 20.09.2020

Unterlagen und Links:

B181n_öffentliche Bekanntgabe Merseburg_
ROV-B181-OU-Z-W-M-Oeffentlichkeitsunterrichtung-MLV

Raumordnungsverfahren: Ortsumgehung Zöschen-Wallendorf-Merseburg


Stellungnahme zur Genehmigungsplanung zum Vorhaben Talsperre Zeulenroda – Vorsperre Riedelmühle – Sedimentberäumung der Stauwurzel und Errichtung einer Grundschwelle

Zu     1        VERANLASSUNG
Zu     3       EINORDNUNG DES PLANUNGSGEBIETES

Erwartungsgemäß führen Fließgewässer Sedimente mit, welche diese in ihrem Weiterverlauf im Flussbett, aber bei Hochwasser, in ihrer Aue platzieren. Dies ist ein sehr wichtiger Vorgang bei der Entwicklung des Fließgewässers und ihrer Aue sowie der damit eng verbundenen Landschaft, Natur und Umwelt. Infolge der Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit an Querbauwerken und in derartigen Talsperren entziehen diese den Fließgewässern die sehr bedeutsamen Sedimente und führen somit zur empfindlichen Störung der Fließgewässer. Das führt zur Verringerung oder gar Ende des Sedimenttransportes und „Einbaus“ im Flussbett und in der Aue. Somit besteht die akute Gefahr, dass das jeweilige Fließgewässer abgelagerte Sedimente aus der Gewässersohle aufgreift und weitertransportiert und somit eine Gewässereintiefung auslöst. Dadurch kann eine weitere Austrockung des Umlandes erfolgen, da das sich immer mehr eintiefende Fließgewässer zunehmend Wasser aus den angrenzenden Landschaften entzieht. Ferner ist schwieriger oder gar keine ordnungsgemäße sowie ökologisch und hydrologisch dringend notwendige Überflutung und Verteilung des Hochwassers in der Aue möglich. In der Regel nehmen derartig mit Hochwasser aufgefüllte Fließgewässer noch mehr Hochwasser auf und treffen dann verstärkt auf Siedlungsgebiete.
Eine derartige Entwicklung gilt es auszuschließen bzw. ggf. zu beenden.
Andrerseits zeugen Sedimenttransporte von zunehmender Bodenerosion in Folge kultur- und fruchtfolgearmer Landwirtschaft mit verstärkten Monokulturanbau von Humuszehrern und gehölzarmen Agrarlandschaften. Hier sind grundsätzliche Veränderungen erforderlich.

Zu     4       ART UND UMFANG DES GEPLANTEN VORHABENS
Zu     5       BAUDURCHFÜHRUNG UND TECHNOLOGISCHE ANGABEN

Entgegen der Darstellungen ist mit massiven Eingriffen in Fauna und Flora zu rechnen. Bereits ein Ablassen von Wasser kann zu massiven Schädigungen von Fauna und Flora bzw. zu Zerstörungen am gegenwärtigen Bestand führen. Die Zuwegung mit ihren angedachten Bodenversiegelungen und Gehölzrodungen bedeuten weitere massive Eingriffe in Natur, Landschaft und Umwelt. Ggf. gilt es zu prüfen, inwieweit eine umfassende Reduzierung des Sedimentbestandes unter Erhalt und Schutz der gegenwärtig entwickelten Fauna und Flora im und am Gewässer erfolgen kann. Dazu gilt es Verfahren durch Absaugungen zu prüfen. Ferner ist es wichtig darauf einzuwirken, dass eine nachhaltigere Landwirtschaft zu weniger Einträgen von Sedimenten, Nährstoffen und Pestiziden führen. Dafür ist aber eine generell nachhaltigere Herangehensweise erforderlich.
Darüber hinaus ist anzuregen, im Rahmen einer wissenschaftlich fundierten Konzeption die Möglichkeit der Durchleitung der Sedimente durch die Vorsperre Riedelmühle und die Talsperre Zeulenroda zu ermöglichen, um die Weida besser mit Sedimenten versorgen zu können.
Ein korrekter Umgang mit Hochwasser erfordert Ausschluss von Neuversiegelungen, Rückbau von bestehenden Versiegelungen, eine nachhaltigere Landwirtschaft sowie die Zulassung einer strukturell vielfältigeren Agrarlandschaft.

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 03.08.2020

Deckblatt
Inhaltsverzeichnis
Erläuterungsbericht_200401brm
Anl. 1_0101_ÜLP
Anl. 1_0102_ÜLP Staufläche_352_75
Anl. 1_0601_LP_1000
Anl. 1_0602_LP_500
Anl. 1_0603_LP_1000-50
Anl. 3.1.1 Hydraulik – Aufstau
Anl. 3.1.2 Hydraulik – Durchlässigkeit
Anl. 4.1 Baumkataster
Anl. 5.1.1 V170622brm UNB
Anl. 5.1.2 V170803brm OWB
Anl. 5.1.3 V170809brm OWB
Anl. 5.1.6 181022 Stn TLVwA 22.10.2018
Anl. 5.1.7 190906 Stgn TLUBN VS Riedelmühle
Anl. 5.2 Medienauskunft
Anl. 6.1 Grundstücksverzeichnis


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