AHA hält besonderen Schutz von Fuhne und Ziethe dringend erforderlich

15-Köthen Ende Angerstraße Blick Über Ziethe Nach Nordosten Auf Scherbelberg Mit Solarpark (3)

Nach Auffassung des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) tragen Fließgewässer zur Belebung von Landschaft und Ortschaften bei. Zudem bilden Fließgewässer meistens das Rückgrat von Biotop- und Grünverbünden sowie bieten selbst Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Das bildete die Grundlage für eine Fahrradexkursion des AHA am 20.05.2017 im Vorfeld des Internationalen Tages der Umwelt, welche von Köthen nach Bernburg führte. Weiter lesen


AHA hält verstärkten Schutz der Auenlandschaft in der Stadt Bernburg für dringend geboten

14-Bernburg Am Werder Blick Auf Saale & Industriepark Solvay Bernburg Nach Süden (2)

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) sieht nach wie vor viele Reserven beim Schutz, Erhalt und der Entwicklung der Auenlandschaft der Stadt Bernburg. Diese Feststellung und verbunden mit Überlegungen zu einer Optimierung des Schutzes, des Erhaltes und der Entwicklung der Auenlandschaft der Stadt Bernburg zu beraten, welche hauptsächlich von der Saale, aber auch von den Mündungsgebieten von Fuhne und Wipper, bildeten die Basis einer mehrstündigen Fahrradexkursion am 20.06.2017 in den Bereich des Mündungsgebietes der Fuhne in die Saale, früherer Kleingartenanlagen im nordöstlichen Stadtgebiet, des Dröbelschen Busch und der Streuobstwiese „Am Werder“. Weiter lesen


AHA sieht mit sehr großer Sorge die fortgesetzte schonungslose Nutzung der halleschen Ziegelwiese als Partymeile

Bekanntlich gehören Auenlandschaften zu den arten- und strukturreichsten Natur- und Landschaftsräumen der gemäßigten Zonen. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebens- und Rückzugsräume, Hochwasser der Flüsse und Bäche den notwendigen Ausbreitungsraum, tragen zur Steuerung des Wasserhaushaltes bei sowie ermöglichen den Menschen Erholung und Entspannung.

Diese vielfältigen Funktionen von Auen entlang von Flüssen und Bächen bedürfen nach Auffassung des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) besonderer und umfassender Maßnahmen zum Schutz und Erhalt sowie zur Betreuung und Entwicklung. Dafür sich einsetzen sieht der ehrenamtliche und gemeinnützige AHA als seine vorrangige Aufgabe an. Weiter lesen


AHA fordert konsequenten Schutz, Erhalt und naturnahe Entwicklung der Auenlandschaft im Stadtgebiet von Wittenberg

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) sieht in Martin Luthers Anschlag seiner 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg am 31.10.1517 einen würdigen Anlass im Jahr des 500 Jahrestages des Ereignisses, den großen, bedeutsamen, aber auch nicht ganz umstrittenen Reformator umfassend zu gedenken.

Gerade Mitteldeutschland mit seinen Lutherstädten Eisleben und Wittenberg ist dafür ein ganz besonderer würdiger Ort zum Feiern und Gedenken.

Jedoch sieht der AHA die dringende Notwendigkeit, die Belange des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes nicht außer Acht zu lassen. Im Falle des geplanten „Festwochenendes zum Reformationsjubiläum“ am 27. und 28.05.2017 erkennt der AHA jedoch massive Verstöße gegen diese dringend erforderliche Notwendigkeit. Die Durchführung eines „evangelischen Open- Air-Gottesdienst – auf der 40 Hektar großen Festwiese vor den Toren Wittenbergs“ ist aus Sicht des AHA ein massiver Eingriff in einen bedeutsamen Teils der Aue des insgesamt 1.094 Kilometer langen Stromes Elbe. Die Tatsache, dass neben der 40 Hektar Kernfläche noch zahlreiche zusätzliche Belastungen für den Abschnitt der Elbe und ihrer Aue in der Lutherstadt Wittenberg vorgesehen sind, wozu zum Beispiel eine Pontonbrücke sowie ein gerechnetes Aufkommen von 100.000 Besucherinnen und Besucher gehören, verschärft zusätzlich die Situation während der Hochzeit der Brutzeit.

Für dieses gigantische Vorhaben, wozu die Evangelische Kirche in Deutschland und der Deutsche Evangelische Kirchentag gemeinsam einladen, greift man unverantwortlicher Weise in ein 8.422 ha großes Schutzgebiet nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie „Elbaue zwischen Griebo und Prettin (FFH0073)“ und in das ca. 5.206 ha großes Landschaftsschutzgebiete „Elbetal – zwischen Wittenberg und Bösewig“ ein.

In der vom Land Sachsen-Anhalt herausgegebenen Beschreibung von Natura 2000-Gebieten ist zur „Elbaue zwischen Griebo und Prettin (FFH0073)“ ist folgendes vermerkt, Zitat:

„Zwischen Griebo und Prettin erstreckt sich ein weitgehend waldfreier Abschnitt des Elbetals. Er wird charakterisiert durch weite Wiesenflächen, in die Altwässer, Kolke und Flutrinnen eingebettet sind. Das FFH-Gebiet erfasst diese Bereiche und beschränkt sich weitgehend auf die aktuelle Überschwemmungsaue.“, Zitat Ende

Weiterhin beinhalten die Beschreibungen noch folgende Angaben zu Lebensraumtypen, Fauna und Flora, Zitat:

Lebensraumtypen und Flora

An der Elbe fallen im Sommer große Flächen in den Buhnenfeldern trocken, so dass sich die ephemeren Bestände des FFH-LRT 3270 Flüsse mit Schlammbänken (716 ha) ausbilden können. Hier entwickeln sich Fluren mit Rotem Gänsefuß (Chenopodium rubrum), Hirschsprung (Corrigiola litoralis), Schlammkraut (Limosella aquatica), Portulak (Portulaca oleracea) oder Kleinem Flohkraut (Pulicaria vulgaris). Aus Bleddin gibt es an Schlammflächen an Altwassern Wiederfunde des Scheidenblütgrases (Coleanthus subtilis) als Art gemäß Anhang II der FFH-Richtlinie, die bislang als erloschen galten. In Gräben und Fließen tritt der FFH-LRT 3260 Flüsse mit Wasservegetation (10 ha) u. a. mit Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus), Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), Berle (Berula erecta) und Bachbunge (Veronica beccabunga) auf. In den Altwässern ist der FFH-LRT 3150 Eutrophe Seen (436 ha) entwickelt. Die sehr vielgestaltige Vegetation wird von Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Wassernuss (Trapa natans), Seekanne (Nymphoides peltata), Ährigem Tausendblatt (Myriophyllum spicatum), Glänzendem und Stumpfblättrigem Laichkraut (Potamogeton lucens, P. obtusifolius) und Gemeinem Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) aufgebaut.

Da sich die typischen Auenwiesen erst im Raum Wittenberg ausprägen, dominieren im Gebiet die Bestände des FFH-LRT 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (936 ha) mit Glatthafer-, Fuchsschwanz-, Rotschwingel- und Honiggraswiesen. Aus der Fülle der Arten sei hier nur auf Wiesen-Labkraut (Galium album), Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Knolligen Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Kümmel-Silge (Selinum carvifolium) und Silau (Silaum silaus) verwiesen. In trockenen und mageren Ausbildungen erscheinen Gemeine Hainsimse (Luzula campestris), Färber-Scharte (Serratula tinctoria) oder Kleine Wiesenraute (Thalictrum minus). Die Bestände des FFH-LRT 6440 Brenndolden-Auenwiesen (180 ha) weisen Arten wie Langblättrigen Blauweiderich (Veronica maritima), Brenndolde (Cnidium dubium), Goldschopf- und Vielblütigen Hahnenfuß (Ranunculus auricomus, R. polyanthemos) auf. Die Bestände des FFH-LRT 6120* Trockene, kalkreiche Sandrasen (< 1 ha) kommen sehr kleinflächig auf Dünen als Rauhblattschwingel-Rasen mit kennzeichnenden Arten wie Zierliches Schillergras (Koeleria macrantha), Großer Knorpellattich (Chondrilla juncea) und Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe) vor. Der Wald tritt im Gebiet im Vergleich zum Offenland weitgehend zurück und reduziert sich auf kleine Restbestände der Hartholzauenwälder und die Weichholzauenwälder als Galeriebestände an der Elbe. Der FFH-LRT 91F0 Hartholzauenwälder (158 ha) schließt zahlreiche Gehölze auf nassen bis wechseltrocken Standorten ein, die sich aus Stiel-Eiche (Quercus robur), Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior), Flatter-Ulme (Ulmus laevis), Winter-Linde (Tilia cordata), Feld-Ahorn (Acer campestre) und den Obstarten Wild-Apfel (Malus domestica) und Wild-Birne (Pyrus communis) zusammen setzen. Silber- und Fahl-Weide (Salix alba, S. x rubens) bauen gemeinsam mit Schwarz-Pappel (Populus nigra) die Baumschicht des FFH-LRT 91E0* Weichholzauenwälder (185 ha) auf. In der Strauchschicht wächst Korb-Weide (Salix viminalis). Die Feldschicht wird von Arten der Feuchtstaudenfluren und Röhrichten, wie Blutweiderich (Lythrum salicaria), Gemeinem Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea) und Uferstauden, wie Katzenschwanz (Leonurus marrubiastrum), gebildet.

Fauna

Biber (Castor fiber) und Fischotter (Lutra lutra) besiedeln alle Gewässer des Gebietes. Diesen kommt dabei nicht nur die Bedeutung als dauerhafter Lebensraum für beide Arten zu, sondern auch die Funktion als wichtige Verbundtrasse zwischen angrenzenden Habitaten. Quartiermöglichkeiten für Bäume bewohnende Fledermausarten sind auf Grund des Fehlens ausreichend großer Altbaumbestände stark eingeschränkt. Als Nahrungshabitat spielt das Gebiet aber wegen des Vorhandenseins zahlreicher Gewässer für vergleichsweise viele Arten eine große Rolle. Neben dem Großen Mausohr (Myotis myotis) kommen hier v. a. typische Arten der Flussauen wie Wasser-, Rauhaut- und Mückenfledermaus (Myotis daubentonii, Pipistrellus nathusii, P. pygmaeus) sowie Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) vor.

Die Überschwemmungsauen bieten dem Moorfrosch (Rana arvalis) gute Bedingungen für eine weite Verbreitung. Dagegen wurden der Kammmolch (Triturus cristatus) lediglich vereinzelt in Kleingewässern der Auenwälder gefunden. Auch die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) nutzt nur wenige Gewässer in Deichnähe zur Fortpflanzung. Die Funde der Rotbauchunke (Bombina bombina) konzentrieren sich im Bereich um Pretzsch-Bösewig-Bleddin. Nach dem Hochwasser 2002 wurde sie auch wieder in flachen Wiesensenken bei Wartenburg und im Wittenberger Luch festgestellt. Ebenso sind frühere Vorkommen der Kreuzkröte (Bufo calamita) auf dem ehemaligen militärischen Übungsgelände bei Iserbegka infolge der stattgefundenen Sukzession nach Einstellung des Militärbetriebes nicht mehr vorhanden, während das punktuelle Vorkommen des Laubfrosches (Hyla arborea) um Bösewig immer noch sehr individuenstarke Bestände aufweist. Rufende Wechselkröten (Bufo viridis) wurden bisher lediglich bei Bösewig festgestellt.

Die Elbe ist als Wandergewässer des wieder eingebürgerten Lachses (Salmo salar) anzusehen, von dem es ober- und unterhalb des FFH-Gebietes Nachweise gibt. Der Fang semiadulter Flussneunaugen (Lampetra fluviatilis) lässt die Frage offen, ob es sich um zum Meer abwandernde Tiere handelt, oder ob sie im Gebiet zur Fortpflanzung schreiten. Geeignete, flach überströmte Kiesbänke wären dafür vorhanden. Der Rapfen (Aspius aspius) kommt in allen Altersgruppen in diesem Elbeabschnitt vor, so dass auch Reproduktion stattfindet. Auch der Stromgründling (Romanogobio belingi) ist im Fluss präsent. Die zahlreichen Altwässer und Altarme im Gebiet werden in Abhängigkeit von ihren Alterungsstadien ebenfalls von einer auentypischen und artenreichen Fischfauna besiedelt. Hier und in einigen Kolken kommt der Bitterling (Rhodeus amarus) vor, da Muscheln der Gattungen Unio und Anodonta vorhanden sind, die der Reproduktion dieser ostracophilen Fischart dienen. Auch in den großen Altarmen Durchstich und Wendel wurde der Bitterling gefangen. Im Auslauf der Wendel konnte der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) gefunden werden. Offenbar besiedelt er auch die Alte Elbe Bösewig, denn wiederholt wurden dort nahrungssuchende Schwarzstörche (Ciconia nigra) im Flachwasser beim Fang und Verzehr dieser Fische beobachtet.

Exuvienzählungen im Jahre 2006 belegen, dass die Vorkommen der Grünen Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia) in mehreren Elbeabschnitten gute Erhaltungszustände aufweisen. Die Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes), eine stenöke Fließwasserart, wurde im Bereich der sandigen Buhnenfelder nachgewiesen.

Das FFH-Gebiet liegt im zentralen Teil des EU SPA. Es besitzt insgesamt eine herausragende Bedeutung für Brut- und Gastvögel, insbesondere als ein Vorkommensschwerpunkt von Knäkente (Anas querquedula) und Kiebitz (Vanellus vanellus). Im Bereich der Alten Elbe Bösewig befinden sich die letzten regelmäßig besetzten Brutreviere des Großen Brachvogels (Numenius arquata) an der Mittelelbe, während die Uferschnepfe (Limosa limosa) hier nur noch ausnahmsweise zu brüten versucht. Fischadler (Pandion haliaetus) und Seeadler (Haliaeetus albicilla) horsten im Gebiet und während der Zugzeiten durchwandern zahlreiche Wat- und Wasservögel die Elbeaue, vor allem im Bereich der Alten Elbe Bösewig. Dort rasten und überwintern mehrere Tausend Saat- und Blässgänse (Anser fabalis, A. albifrons) sowie Hunderte Singschwäne (Cygnus cygnus) und Kampfläufer (Philomachus pugnax). Die Alte Elbe Bösewig ist seit längerem auch ein Rast- und Schlafplatz für Hunderte Kraniche (Grus grus), von denen ein Teil regelmäßig im Gebiet übersommert. Auch Schwarz- und Weißstorch (Ciconia nigra, C. ciconia) werden regelmäßig in bedeutender Zahl beobachtet. Zitat Ende

Diese Angaben verdeutlichen nach Auffassung die Bedeutung der Elbaue bei Wittenberg als zentralen Teil des FFH-Gebietes und des Landschaftsschutzgebietes, welche zudem noch zentraler Bestandteil eines europäischen Vogelschutzgebietes sowie des zum UNESCO international anerkannten, länderübergreifenden Biosphärenreservates „Flusslandschaft Elbe“ gehörenden 125.743 ha großen Biosphärenreservates „Mittelelbe“ sind.

Eine derartige ökologische und landschaftsprägende Schutzwürdigkeit lässt sich nach Meinung des AHA keinesfalls mit der am Wochenende vom 27. bis 28.05.2017 geplanten gigantischen Veranstaltung der Evangelischen Kirche vereinbaren. Für den AHA ist es zudem enttäuschend, da Einrichtungen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland bisher immer wieder erfreulicherweise als Verfechter und Mittler des Schutzes und Erhaltes der Elbe, ihrer Aue und Nebengewässer eingetreten sind bzw. eintreten.

Die Elbe mit ihrem Einzugsgebiet im Umfang von 148.268 Quadratkilometern gehört nach Donau, Weichsel und Rhein zu dem viertgrößten Flusseinzugsgebiet Mitteleuropas und ist damit etwa doppelt so groß wie die Fläche des Freistaates Bayern. Damit verdeutlicht sich zudem die europäische Bedeutung des Stromes Elbe, ihrer Auen und ihres Flusseinzugsgebietes. Zudem fungiert die Elbe und ihr Flusseinzugsgebiet als gigantischer Raum des Biotop- und Grünverbundes sowie klimatisch gesehen als Kaltluftentstehungsgebiet und –verbreitungsraum. Nur strenger Schutz und eine darauf abgestimmte Nutzung des Elberaumes können diesen Zustand sichern oder womöglich gar verbessern.

Nach Auffassung des AHA steht der für das Wochenende vom 27. bis 28.05.2017 geplante evangelischen Open- Air-Gottesdienst auf den Elbwiesen in der Lutherstadt Wittenberg dem dringend notwendigen Schutzanliegen eindeutig entgegen.


AHA setzt sich für den Schutz, den Erhalt und die Entwicklung der Auenlandschaften in Magdeburg und Umland ein

26-Magdeburg-Werder-Blick Von Ecke Hubbrücke&Kleiner Stadtmarsch Elbeabwärts Nach Nordwesten Auf Dom (1)

Die mit 241.134 Menschen bewohnte, 201,84 km² große sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt Magdeburg ist sehr stark durch den insgesamt 1.094 Kilometer langen Strom Elbe geprägt. Das Magdeburger Stadtgebiet durchquert die Elbe auf einer Länge von 21,1 km. Im Ostteil der Stadt lässt sich noch deutlich die einstige Furkation der Elbe erkennen, wobei insbesondere die Alte Elbe die einstige vielfältige Struktur noch am ehesten abbildet. Mit dem ca. 125 ha großen, im Nordosten der Großstadt an der Grenze zur Einheitsgemeinde Biederitz gelegenen Biederitzer Busch sowie dem im Südosten befindlichen 282,25 ha großen Naturschutzgebiet „Kreuzhorst“ sind noch sehr arten- und strukturreiche Restauenwälder existent. Dazwischen bildet insbesondere der zwischen Stromelbe und Alter Elbe ab dem Jahre 1871 als englischer Landschaftspark gestaltete, 200 ha große Rotehornpark einen sehr bedeutsamen Naherholungsraum für die Bevölkerung. Weiter lesen


Stellungnahme zur 1. Änderung und Ergänzung des Bebauungsplans Nr. 55 „Südfläche des Saaleparks – Südliche Erweiterungsfläche“ der Stadt Leuna, Ortsteil Günthersdorf

Zu Begründung

Zu 1.1. Lage des Plangebietes

Die geplante Inanspruchnahme von erneut 12,6 ha stellt einen weiteren Beitrag zur weiter hohen täglichen Flächenversiegelung in Deutschland für Gewerbe-, Wohn- und Verkehrsflächen. Laut Unweltbundesamt und Statistischem Bundesamt liegt der Wert bei 66 ha pro Tag, was in etwa im Jahr die Fläche der Stadt Leipzig ergibt. Auf das Jahr hochgerechnet: 66 ha/Tag x 365 Tage im Jahr = 24.090 ha = 241 km². Im Vergleich dazu hat die Stadt Leipzig gegenwärtig eine Fläche von 297,6 km² = 29.760 ha.
Die Stadt Leuna umfasst eine Fläche von 86,7 km² = 8.670 ha. Selbst, wenn man die Flächen der Städte Merseburg -54,71 km² = 5.471 ha- und Bad Dürrenberg -36,13 km² = 3.613 ha- dazurechnet, kommen diese drei Städte zusammen „nur“ auf eine Flächengröße im Umfang von 177,5 km² = 17.754 ha. Diese Zahlenvergleiche sollen die momentanen gesamtdeutschen Ausmaße der Versiegelung pro Tag und hochgerechnet im Jahr verdeutlichen.
Ferner lässt das gegenwärtige Planungsverfahren deutlich erkennen, dass Möbel Höffner den bisherigen Bebauungsplan Nr. 55 nutzte, um sich räumlich weiter auszudehnen und immer mehr Flächen für private Profitinteressen zu versiegeln. Somit ist schon an dieser Stelle deutlich zu erkennen, dass private Interessen über öffentliche Interessen stehen soll. Die Mehrheit des Stadtrates der Stadt Leuna und die Bürgermeisterin der Stadt Leuna Frau Dr. Hagenau haben das bereits an der Stelle gröblichst missachtet, indem man alle Bedenken unqualifiziert unberücksichtigt ließ. Inwieweit hier Interessenverquickungen existent sind gilt es ggf. in einem anzuberaumenden Verfahren zu prüfen, zu werten und womöglich daraus Konsequenzen abzuleiten.

Zu 1.5. Derzeitiger Zustand des Pkanungsgebiets, vorhandene Nutzungen, Seite 8

In der Tat bestehen in Fortsetzung zu dem nordöstlich überplanten 18,70 ha bildet auch hier eine gewisse Vielfalt in der Landschaft den prägenden Charakter, welche auf der bestehenden Zusammensetzung aus landwirtschaftlich genutzter Fläche, Gehölzflächen, Hochstaudenbereiche sowie grundwasserbeeinflusster Mulden und Gräben. Eine Überbauung im Umfang von 12,6 ha führt unweigerlich zur Zerstörung eines bestehenden Biotop- und Grünverbundsystems, potenziellen sukzessiven Entwicklungsgebietes mit Lebens- und Rückzugsraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten sowie Kaltluftentstehungsgebietes.
Die Planungen und deren Umsetzungen zur Errichtung des „Saaleparks“ in Günthersdorf haben zu folgenden Problemen geführt:

  • Im Einzugsbereich von Weißer Elster und Luppe findet bereits jetzt eine gewerbliche Nutzung auf einer Fläche von 124.216 m² = 12,42 ha statt. Das bedeutete bereits damals ein Verlust von entsprechender Fläche von Retentions- und Ackerfläche. Mit der bisherigen Bebauungsplanung kämen noch weitere 18,70 ha hinzu, was bereits jetzt die bebaute Fläche von 31,12 ha anwachsen lässt. Die nunmehrige Nutzung hat bekanntlich zu einer enormen Zunahme des Autoverkehrs in der Region geführt. Eng damit verbunden sind vermehrte Belastungen mit Abgasen, Lärm und Feinstaub.
  • Die Städte Leipzig, Halle (Saale) und Merseburg wiesen zu Recht auf massive Kaufkraftverluste in ihren Innenstädten hin. Diese Kaufkraftverluste führten nicht nur zur wirtschaftlichen und sozialen Belastung der Verkaufseinrichtungen in den drei Städten, sondern sorgten zudem für ebengenannte Mehrungen der Belastungen von Umwelt, Natur sowie von Lebens- und Wohnqualität vor Ort.

Die nunmehrige angedachte Weiterbebauung lässt jedoch folgende Mehrbelastungen erwarten:

  • Laut eigenen Ausführungen unter Punkt 3. auf Seite 24 ist mit einer vermehrten täglichen Verkehrsbelastung im Umfang von 260 Kfz-Fahrtentagen zu rechnen, was auf das Jahr hochgerechnet 94.900 zusätzliche Kfz.-Fahrten bedeutet.
  • Mit der nunmehr angedachten Erweiterung der versiegelten Flächen um 12,6 ha würde sich so die versiegelte Fläche auf nunmehr auf 43,7 ha erhöhen. Eine Entwicklung in einem ökologisch vielfältigen und durchaus bereits mit Auenwäldern, Sukzessionsflächen, Feuchtgebieten, Fließgewässern, Wiesen- und Hochstaudenflächen besiedeltem potenziellem Entwicklungsgebiet und möglichen Biotopverbundraum bedeutet eine derartige Bebauung einen Totalverlust, welcher durch die auf den unter Punkt 9.2.3. auf Seiten 93 bis 102 dargestellten „Ausgleichsmaßnahmen“ keinesfalls „Ausgleich“ finden können.
  • Insgesamt gesehen sind die Auswirkungen von Veränderungen in der Beeinflussung nicht ausreichend genug bewertet. Angesichts möglicher Veränderungen in der Niederschlagssituation in Heftigkeit in kurzen Zeiträumen, fortgesetzter Bodenversiegelung sowie wenig nachhaltiger Forst- und Landwirtschaft ist mit höheren Hochwassern auch nach längeren Frost- und Trockenperioden zu rechnen, was nicht nur zu vermehrten Überflutungen, sondern auch zu vermehrten Auftreten von Druck- bzw. Qualmwasser führt. Zudem hat das Ende der Tagebaue im Leipziger Südraum, Bitterfelder Raum, früheren Geiseltalgebiet und des einstigen Tagebaugebietes Merseburg – Ost zu erheblichen Anstiegen von Grundwasser geführt. Dabei sucht sich das Grundwasser offenbar auch neue Wege zum Abfluss.
  • Die unter Klima/Luft dargelegten Auswirkungen einer Bebauung auf die Kaltluftentstehung finden zu wenig Gewicht und die Prognosen der Kaltluftverteilung auf ein verbautes Gebiet können über die potenzielle zusätzliche Erwärmung des Gebietes keinesfalls hinwegtäuschen.
  • Die Auswirkungen auf das Landschaftsbild –siehe auch Seite 73- bei einer naturnahen Entwicklung gilt es noch mehr hervorzuheben.
  • Die auf die unter Punkt 9.1.3., den Seiten 57 bis 65 dargestellten Fachgesetze und Planungsgrundlagen vernachlässigen die notwendigen fachlichen und rechtlichen Schlussfolgerungen auf das aktuelle Planungsvorhaben. Wie bereits der Bebauungsplan Nummer 55, trägt auch seine 1. Änderung zu einer Verschlechterung der Zustände bei, welche nicht zugelassen sind.

Zu 1.6. Vegetation im Planungsgebiet

Die agrarkulturell geprägte Fläche zeigt andrerseits eine sukzessive Entwicklung auf, welche es in Anknüpfung an andere Schutzgebiete der Region sowie unter Berücksichtigung der hydrologischen Bedingungen zu beachten gilt.

Zu 1.8. Umgebung des Planungsgebietes

Hier sei u.a. auf die vorangegangenen Stellungnahmen zur Bebauungsplanung Nr. 55 sowie auf die zu Punkt 1.5. verwiesen.

Zu 2. Übergeordnete Planungen und sonstige Vorhaben

Der LEP 2010 hat sich ebenfalls an gesetzliche Rahmenbedingungen zu orientieren. Dazu zählen u.a. die Wasserrahmenrichtlinie der EU (WRRL) vom 22.12.2000 hat dazu u.a. folgendes geregelt, Zitat:

„(33) Das Ziel eines guten Gewässerzustands sollte für jedes Einzugsgebiet verfolgt werden, so dass eine Koordinierung der Maßnahmen für Grundwässer und Oberflächengewässer ein und desselben ökologischen, hydrologischen und hydrogeologischen
Systems erreicht wird.“, Zitat Ende

Der Artikel 1 der WRRL beinhaltet zudem das Gebot der Verbesserung und des Schutzes von Gewässern und ein damit verbundenes Verschlechterungsverbot.

Ferner besagt der Artikel 6, der RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen folgendes aus, Zitat:

„Artikel 6

(1) Für die besonderen Schutzgebiete legen die Mitgliedstaaten die nötigen Erhaltungsmaßnahmen fest, die gegebenenfalls geeignete, eigens für die Gebiete aufgestellte oder in andere Entwicklungspläne integrierte Bewirtschaftungspläne und geeignete Maßnahmen rechtlicher, administrativer oder vertraglicher Art umfassen, die den ökologischen Erfordernissen der natürlichen Lebensraumtypen nach Anhang I und der Arten nach Anhang II entsprechen, die in diesen Gebieten vorkommen.
(2) Die Mitgliedstaaten treffen die geeigneten Maßnahmen, um in den besonderen Schutzgebieten die Verschlechterung der natürlichen Lebensräume und der Habitate der Arten sowie Störungen von Arten, für die die Gebiete ausgewiesen worden sind, zu vermeiden, sofern solche Störungen sich im Hinblick auf die Ziele dieser Richtlinie erheblich auswirken könnten.
(3) Pläne oder Projekte, die nicht unmittelbar mit der Verwaltung des Gebietes in Verbindung stehen oder hierfür nicht notwendig sind, die ein solches Gebiet jedoch einzeln oder in Zusammenwirkung mit anderen Plänen und Projekten erheblich beeinträchtigen könnten, erfordern eine Prüfung auf Verträglichkeit mit den für dieses Gebiet festgelegten Erhaltungszielen. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Verträglichkeitsprüfung und vorbehaltlich des Absatzes 4 stimmen die zuständigen einzelstaatlichen Behörden dem Plan bzw. Projekt nur zu, wenn sie festgestellt haben, daß das Gebiet als solches nicht beeinträchtigt wird, und nachdem sie gegebenenfalls die Öffentlichkeit angehört haben.“, Zita Ende

Das Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (NatSchG LSA) weist unter § 22
Absatz 1 in Verbindung mit § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes folgende „Gesetzlich geschützte Biotope“ aus, Zitat:

„(1) Gesetzlich geschützte Biotope im Sinne des § 30 Abs. 2 Satz 2 des Bundesnaturschutzgesetzes sind zusätzlich:

1. temporäre Flutrinnen in Überschwemmungsgebieten und Auen,
2. hochstaudenreiche Nasswiesen,
3. planar-kolline Frischwiesen,
4. naturnahe Bergwiesen,
5. Halbtrockenrasen,
6. natürliche Höhlen, aufgelassene Stollen und Steinbrüche,
7. Streuobstwiesen,
8. Hecken und Feldgehölze außerhalb erwerbsgärtnerisch genutzter Flächen sowie
9. Reihen von Kopfbäumen.

§ 39 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Halbsatz 2 des Bundesnaturschutzgesetzes gilt entsprechend.“, Zitat Ende

Im Planungsgebiet lassen sich durchaus 1. und 8. Als „Gesetzlich geschützte Biotope“ nach o.g. geltenden Recht einordnen.

Daraus lässt sich folgendes schlussfolgern:

1.) Die geplanten Bauarbeiten führen zur Zerstörung von Feldgehölzen sowie zu starken Beeinträchtigungen von Flutrinnen, bergen die Gefahr der negativen Beeinflussung des Pfeifengraswiese bei Günthersdorf (FFH 0283), einstweilige Sicherstellung als GLB, Verordnung vom 30.6.2011, Beeinträchtigungen an Qualität und Quantität des Grundwassers sowie die Zerstörung eines Kaltluftentstehungsgebietes und eines sich entwickelnden Biotopverbundes.
2.) Die unter 2.3.1. dargelegten Einwendungen der Stadt Leuna begründen nicht die Notwendigkeit des Bebauungsplans Nr. 55 und seiner 1. Änderung, da sie vom vorherigen Ist-Zustand ausgeht. Ferner vernachlässigt diese Positionierung die naturschutzfachlichen und –rechtlichen Verantwortungen, welche die Stadt Leuna zu tragen hat.
3.) Auf Grund der o.g. Feststellungen ist die Feststellung unter Punkt 2.1.1. letzter Satz überhaupt nicht nachvollziehbar, dass die Planungen den dort aufgeführten Zielen und Grundsätzen entsprechen, wenn man o.g. Gesichtspunkte ausblendet.

Zu 3. Städtebauliche Konzeption für das Plangebiet

Die hier aufgeführten Positionen sind rein von möglichen bzw. angedachten betriebswirtschaftlichen Erwägungen der KRIEGER Grundstück GmbH und des Unternehmens Höffner geprägt und blendet komplett die Bedürfnisse im öffentlichen Interesse aus. Neben der typischen Planungen auf der Verwendung des öffentlich finanzierten Autobahn- und Straßennetzes sowie der damit verbundenen Belastungen für Mensch, Umwelt, Natur und Landschaft sind vorrangig umfassende, bereits o.g. Beeinträchtigung vor Ort zu erwarten.
Die angegebenen zusätzlichen Belastungen im Umfang von 260 Kfz-Fahrtentagen ergeben auf das Jahr hochgerechnet 94.900 zusätzliche Kfz.-Fahrten. Eine Rechtfertigung zur Zerstörung von Landschaft, Umwelt und Natur aus Gründen eigener Gewinnoptimierung gilt es öffentlich und planerisch zu ächten. Somit ist kein öffentliches Interesse des Vorhabens zu erkennen.

Abschlussbemerkungen

Entgegen jeglicher neuer Erkenntnisse zur Klimaveränderung damit veränderter Wetterbedingungen und Zunahmen von Hochwasserereignissen sowie des noch immer voranschreitenden Verlustes bzw. Einschränkung von Lebensraum für Tiere und Pflanzen beabsichtigt die Stadt Leuna erneut Schaden an Umwelt, Natur und Landschaft anzurichten. Gerade die Region Schkopau-Merseburg-Leuna müsste angesichts jahrzehntelanger Verschmutzungen der Umwelt durch Buna und Leuna ein besonderes Maß an Sensibilität dafür aufbringen.
Genau darauf orientiert, muss sich verstärkter Schutz von Umwelt, Natur und Landschaft ableiten lassen und diesen Gesichtspunkten endliche eine entscheidende Rolle einzuräumen. Das Gleiche trifft für den Erhalt und die Weiterentwicklung vielfältig lebendiger Innenstädte z.B. in Leipzig, Halle (Saale) und Merseburg zu.
Insofern gilt es zu beschließen die Planungen zur 1. Änderung und Ergänzung des Bebauungsplans Nr. 55 „Südfläche des Saaleparks – Südliche Erweiterungsfläche“ der Stadt Leuna, Ortsteil Günthersdorf dahingehend zu beenden, dass eine Durchführung des angedachten Vorhabens nicht erfolgt.