AHA hält umweltgerechte Nutzung der halleschen Ziegelwiese für dringend geboten

Bekanntlich gehört die hallesche Ziegelwiese, mit seinem künstlich angelegten See mit Fontänenanlage mit bis zu 40 m hohem Wasserstrahl und ausgedehnten Wiesen- und Rasenanlagen zu den meistbesuchtesten Naherholungsgebieten im Stadtgebiet von Halle (Saale).
Die Geschichte der Ziegelwiese reicht weit zurück. Bereits im Stiftungsprivileg vom 05.07.1121 sprach der Erzbischof Rüdiger von Magdeburg die Ziegelwiese dem Kloster Neuwerk zu, welches einst auf der Höhe des heutigen Botanischen Gartens lag. Das Kloster nutzte die Insel als Grasweide für das Klostervieh. Damals führte das Weideland auch den Namen „Großer Weide“. Im Jahre 1530 löste Kardinal Albrecht das einflussreiche Kloster auf und ließ Kirche und andere Bauten abreißen. Der umfangreiche Landbesitz, wozu der „Große Werder“ gehörte, fiel nun unter die Verwaltung des Neuen Stifts. Bereits ab dem Jahre 1532 beanspruchte Kardinal Albrecht das reizvolle Saalegelände bis zur Moritzburg wieder für seine Zwecke. Nach der Reformation, welche mit dem Abzug des Kardinals Albrecht begann, kam der Werder schließlich zum Amt Giebichenstein.
Im 17. Jahrhundert nutzten die Administratoren des Erzstiftes Magdeburg die Wiese als Festplatz. Insbesondere der prunkliebende Herzog August von Sachsen veranstaltete hier manches Schauspiel. So ist in der halleschen Stadtchronik von Olearius „Halygraphia“ unter dem Tag 04.07.1667 zu lesen: „Abends um 10 Uhr/sind wegen der Fürstlichen Gemahlin Geburts Tages/Aufzuege: Ballett und Feuerwerk im Werder bey der Stein Mühlen praesentiert worden.“

Nach dem Jahre 1680, in brandenburgisch-preußischer Zeit, setzte wieder eine intensive wirtschaftliche Nutzung ein. Das Amt Giebichenstein errichtete in der Nähe des Kirchtores eine große Ziegelei, welche den von ihr benötigten Lehm von dem Werder holte. Von daher rührt auch der spätere Name „Ziegelwiese“. Ein Zugang zur Ziegelwiese seitens der Stadt bestand so gut wie gar nicht. Wer von der Würfelwiese an der Moritzburg über die Brücke zur Ziegelwiese wollte, musste bis zum Jahre 1868 dem Schleusenmeister einen „Dreier“ entrichten. Daraufhin erhielt der kleine Übergang den Namen „Dreierbrücke“.Ende des 19. Jahrhunderts nahm sich der hallesche Verschönerungsverein der Ziegelwiese und veranlasste an den Wegrändern Baumpflanzungen. Nach zahlreichen gärtnerischen Bemühungen um die Ziegelwiese, erwarb im Jahre 1911 die Stadt Halle (Saale) den Werder inmitten mehrerer Saalearme. Die Ziegelwiese war da schon in sportlicher Nutzung. Im Spätherbst setzte man die Nordhälfte der Ziegelwiese unter Wasser, um sie im Winter als Eisbahn verwenden zu können. Generationen von Hallensern haben hier das Schlittschuhfahren gelernt. Zu den bekanntesten Personen gehörte der berühmte Schauspieler und Schriftsteller Curt Goetz, welcher bis 1906 das Stadtgymnasium besuchte.

Diese Wiedervernässungsphase führte nach Auskunft zahlreicher Naturinteressierter zu teilweiser arten- und strukturreichen Entwicklungen dieses Bestandteils der Saaleaue. So berichtete man auch von Orchideenvorkommen. Im Vorfeld zu den 10. Arbeiterfestspielen im Zeitraum vom 14. 06.1968 bis 16.06.1968 legte man das Gelände mit Erd- und Bauaufschüttungen trocken und erbaute dabei den bereits erwähnten künstlichen See mit Fontänenanlage. Im Zuge dieser Arbeitsfestspiele nahm man u.a. die Fontänenanlage in Betrieb. In Nacharbeit der vom Arbeitskreis Umweltschutz Halle (AKUS) in der Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU) im Kulturbund der DDR (KB) bereits im Jahre 1985 aufgeworfenen ersten Diskussionen zur Umgestaltung der Ziegelwiese, legte einer seiner Nachfolger, der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) im Jahre 1994 Konzeptionelle Vorschläge für das Gebiet vor. Die Schwerpunkte der Konzeption liegen in der Entwicklung naturnaherer Wiesen mit partieller und unregelmäßiger Mahd sowie in der Wiederherstellung einer Feuchtwiese im Nordteil der Ziegelwiese. Neben einer kurzen nichtssagenden schriftlichen Antwort, widmete die Verwaltung der Stadt Halle (Saale) kurze Zeit später das Gebiet zur Hundewiese um. Das geschah wieder einmal ohne öffentliche Diskussion und Einholung von Stellungnahmen. Ein Musterbeispiel also dafür, wie eine echte Demokratie garantiert nicht funktionieren kann.

Nunmehr sorgt sich der AHA, dass die Ziegelwiese, offenbar von Politik und Verwaltung gezielt toleriert, zu einer Party- und Saufmeile verkommt. Das nennt man dann Teil eines gewässertouristischen Konzeptes. Bereits jetzt dient die gesamte Ziegelwiese als Grillplatz, Partymeile mit teilweise lauter Musik sowie Ersatzort für Kneipe und öffentlicher Bier- und Schnapswiese. Als Stätten der Verrichtung der Notdurft fungieren die Gehölzflächen auf und an der Wiese. Die Folgen sind Vermüllung, Beschädigung von Gehölzen –Äste und Zweige finden Verwendung für Feuerstellen-, heruntergetretene Rasen-, Wiesen- und Uferzonen sowie zunehmende Unhygiene. Hinzu kommt, dass vor, während und im Anschluss an das weitgehend ungehemmte Partygeschehen die gesamte Ziegelwiese als eine unbegrenzte Hundewiese dient. Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt sind selten feststellbar und wenn, dann meistens außerhalb der Partyzeit.

Der jüngste Höhepunkt der skandalösen Missnutzung der Ziegelwiese bildete die Abifete am Freitag, den 24.04.2015, wo laut Hallescher Wasser und Stadtwirtschaft GmbH allein 860 kg Müll angefallen ist. Neben der Tatsache, dass man der Umwelt massiven Schaden und einem begehrtem Naherholungsgebiet starke Beeinträchtigung zufügte, scheinen zudem die Folgekosten des unverantwortlichen Vergnügens Einzelner die Müllgebührenzahler der gesamten der Stadt Halle (Saale) mittragen zu dürfen.
Das Beispiel Ziegelwiese, welches sich u.a. getrost auf die Würfelwiese, das Saaleufer südwestlich der Klausberge, die Klausberge selbst und den Heinrich-Heine-Park ausweiten lässt, zeugt von dem Unvermögen der Verantwortlichen der Stadt Halle (Saale) hier ausreichend den Schutz und Erhalt von Umwelt, Natur sowie Landschaft und somit die Sicherung der Naherholung für die gesamte Bevölkerung zu gewährleisten und umzusetzen. Für den AHA ist es inakzeptabel, dass die Parks und Grünanlagen der Stadt Halle (Saale) zu „Ersatzkneipen“ und Orten des Vandalismus verkommen. Leider scheinen Politik und Verwaltung der Stadt Halle (Saale) eher die Zustände legalisieren zu wollen. Dazu soll nach Auffassung des AHA insbesondere das geplante gewässertouristische Konzept für Halle dienen.
Der AHA ruft daher die interessierte Bevölkerung auf, an einem Veranstaltungs- und Tourismuskonzept für die Stadt Halle (Saale) mitzuwirken, welches das Primat der Belange des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes, des sanften Tourismus sowie der Wahrung der Lebens- und Wohnqualität der halleschen Einwohnerinnen und Einwohner beachtet und berücksichtigt.

Wer Interesse hat dazu mit dem AHA in Kontakt zu treten, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
Fax.: 01805-684 308 363
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Oder über das Kontaktformular unter Kontakt



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