AHA hält Schutz und Entwicklung der Saaleauenlandschaft zwischen Unterer Aue und Peißnitz für dringend geboten

Die Stadt Halle (Saale) ist u.a. stark von der insgesamt 413 km langen Saale und ihrer Aue geprägt. Besonders nennenswert sind dabei die Saale-Elster-Luppe-Aue, die Naturschutzgebiete Pfingstanger, Saaleauenschaft bei Böllberg und Rabeninsel, Peißnitznordspitze sowie Forstwerder in Trotha. Ebenso erwähnenswert sind aber u.a. auch die Pulverweiden, der Holzplatz, die Salinehalbinsel, der Sandanger, der Amselgrund, der Saalwerder und das Mündungsgebiet der Götsche. Einen besonderen Abschnitt bildet die Saaleaue zwischen der Altstadt Halle und Halle-Neustadt bzw. zwischen der Unteren Aue über Pulverweiden/Holzplatz bis zur Peißnitzinsel.

Die ca. 60 ha große Saaleinsel Peißnitz gehört zu den bedeutsamsten Bestandteilen der halleschen Saaleaue und befindet sich im ca. 2.300 ha Landschaftsschutzgebiet Saaletal. Der Name Peißnitz rührt vom sorbischen Namen Pusteniza (Einöde, Findling) her und drückt aus, welche Rolle die Peißnitz vor Jahrhunderten spielte. Besonders schützenswert sind auf der ca. 2.000 m langen und ca. 200 bis 300 m breiten Peißnitzinsel ein ca. 10 ha großes Naturschutzgebiet (NSG) im Norden und ein etwa 3 ha großen Geschützten Park im Süden sowie große Teile am Saaleufer und angrenzend an die Schutzgebiete ausgedehnte Auenwald- und Wiesenbereiche anzusehen.

Der Gutspark Gimritz im Süden war schon zu slawischer Zeit Siedlungsgebiet. Die Bewohner des Dorfes gingen dem Fischfang und der Viehhaltung nach. Aus Letzterem leitet sich auch die älteste Namensform „Gumnisti“ ab, was übersetzt „Platz, wo die Rinder Getreide treten“ lautet. Der Amtsrat und Großgrundbesitzer Bartels, welcher die Peißnitzinsel 1821 für 22.530 Taler von der Stadt Halle (Saale) kaufte, gestaltete große Teile der Insel um. So auch den Südteil der Insel, wo nun ein Gutspark mit dendrologischen Besonderheiten entstand. Die Peißnitzinsel ist südöstlich von der Elisabethsaale, in Fortsetzung nordöstlich von der Stromsaale sowie südlich, südwestlich, westlich und nordwestlich von der Wilden Saale umströmt. Seit dem endgültigen Aus der wassertouristischen Nutzung Anfang/Mitte der achtziger Jahre konnte sich der Teil der Saale auf großen Strecken naturnaher entwickeln. Somit dient die Wilde Saale u.a. zahlreichen Vogelarten als Lebens- und Nahrungsraum. Dazu zählen neben Wasservögeln auch der Eisvogel und vereinzelt die Beutelmeise.

An der Schnittstelle zwischen der Peißnitzinsel und Sandanger am Südteil des Gimritzer Gutspark haben sich sogar Inseln aus Schotter, Kies und Auenlehm gebildet. Diese Tatsachen lassen deutlich erkennen, dass eine Wiederherstellung der wassertouristischen Nutzung der Wilden Saale zur Störung bzw. Beendigung der naturnaheren Entwicklung führen könnte. Im gegenüber dem südlichen Bereich der Peißnitzinsel angrenzenden Nordostteil des Sandangers ist deutlich der in den Jahren 1968 bis 1978 verschüttete Verbindungsarm zwischen Elisabethsaale und Wilder Saale erkennbar. Im Jahre 1987 verkippte man im dem Bereich massiv Schotter, umso diesen Prozess zu verstetigen. Der Saalealtarm durchfloss einst den Sandanger und bildete auch einen Bogen im Westteil des Holzplatzes. Dieser Saalebogen fand ebenfalls in den Jahren 1968 bis 1978 sein verschüttetes Ende. Im Bereich des Anglerheims in der Mansfelder Straße ist der Verlauf des Teils der Saale noch am deutlichsten erkennbar. Als Grund fungierte der Schnellstraßen- und Brückenneubau zwischen den einst in den Jahren 1967 bis 1990 eigenständigen Städten Halle (Saale) und Halle-Neustadt. Zusammen mit der massiven Verschmutzung der Saale bildeten diese Bauarbeiten den massivsten Eingriff in Umwelt, Natur und Landschaft in dem Teil der halleschen Saaleaue. Trotzdem war es möglich, dass große Teile des Saaleabschnitts zwischen Unterer Aue und Peißnitzinsel nicht nur erhalten blieben, sondern sich naturnaher weiter entwickeln konnten. Dazu zählen auch die ausgedehnten Auenwaldreste beidseitig der Elisabethsaale westlich zwischen Unterer Aue und Mündungsgebiet des 8,2 km langen Roßgraben/Zscherbener Bachs sowie östlich zwischen Pulverweiden und Sophienhafen. Diese sich sukzessiv entwickelten und entwickelnden Auenwaldreste bedürfen eines massiven Schutzes. Gegenwärtig hat am östlichen Ufer mit dem Massivbau eines ca. 2,5 m breiten asphaltierten Radwanderweges zwischen Holzplatz und Sophienhafen ein verheerender Eingriff in ein sukzessives Auenwaldentstehungsgebiet stattgefunden.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hat immer wieder ganz deutlich und eindringlich auf diesen Umstand hingewiesen und somit vor Eingrif-fen in dem Teil der Saaleaue gewarnt. Zudem der Teil der Saaleaue eindeutig zum Hochwassereinzugsgebiet gehört, was erst das Winterhochwasser im Jahr 2011 und das Sommerhochwasser im Jahr 2013 ganz deutlich aufgezeigt hatten. Der AHA ver-wies ferner darauf, dass mit dem Holzplatz und der Hafenstraße angemessene Alter-nativen bestanden. Somit fanden ohne ordnungsgemäße Umweltverträglichkeitsprü-fung und unter offensichtlich massiven Einsatz öffentlicher Mittel umfassende und sinnlose Eingriffe in Natur, Landschaft und Umwelt in dem Teil der Saaleaue statt. Nunmehr besteht darüber hinaus die Gefahr, dass diese Asphaltstraße bald auch als Rennstrecke für Quads, Motorräder und Mopeds dient.

Diese Baumaßnahmen ordnen sich verheerender Weise in den Neubau des riesigen, im Jahre 2010 eröffneten Sportboothafens am Südostufer der Elisabethsaale und nordwestlich des in den Jahren 1857 bis 1926 betriebenen Sophienhafens ein. Bereits die Errichtung des Sportboothafens führte zu massiven Eingriffen in das Landschafts-bild und Hochwassereinzugsgebiet der Saale. Eine Verschärfung der Situation tritt mit der Umsetzung des im Jahre 2010 vom halleschen Stadtrat beschlossenen Bebau-ungsplans Nr. 151 „Wohngebiet am Sophienhafen, Nord- und Westseite“, welcher ein Gebiet mit einer Fläche von 4,7 Hektar umfasst. Nach Auffassung des AHA sind das Entwicklungen in dem Teil der halleschen Saa-leaue, welche klar und deutlich im Widerspruch zu einem nachhaltigen Schutz, Erhalt und Entwicklung von Natur, Umwelt und Landschaft steht sowie zeitgemäßen Um-gang mit Hochwasser und seinen Einzugsgebieten steht. Wider besseren Wissens ha-ben nach Auffassung des AHA haben die Verantwortlichen der Stadt Halle (Saale) nunmehr vollendete Tatsachen zu Lasten von Umwelt, Natur und Landschaft geschaf-fen.

Der AHA hat mit Konzeption aus dem Jahre 1996 die Wiederherstellung der Saale-schleifen im Holzplatzgebiet und auf dem Sandanger vorgeschlagen. Das Vorhaben trägt im Falle seiner Umsetzung nicht nur zur Verbesserung für Umwelt, Natur und Landschaft bei, sondern gehört unweigerlich zum ordnungsgemäßen Umgang mit Hochwasser dazu. Der vom halleschen Oberbürgermeister im Jahre 2013 widerrecht-lich begonnene, zwischenzeitlich vom Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt geneh-migte und vorerst vom Verwaltungsgericht Halle gestoppte Deichneubau gehört auf keinem Fall dazu.

Ferner regt der AHA an den im Teutschenthaler Ortsteil Zscherben entspringenden Roßgraben Möglichkeiten für eine naturnahere Entwicklung einzuräumen sowie zu prüfen, inwieweit eine Aufhebung der ca. 180 m langen Verrohrungen im Bereich des Gewerbegebietes Halle-Neustadt und im Gebiet des Südparks umsetzbar ist. Im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU aus dem Jahre 2000 schlägt der AHA daher die Erstellung einer wissenschaftlich fundierten Schutz- und Entwicklungs-konzeption vor. Als wissenschaftliche Partner könnten die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie die Hochschule Anhalt in Bernburg dienen. Darüber hinaus hält der AHA eine Regelung der Angelstandorte sowie der Art und Weise des Angelns für dringend geboten. Gegenwärtig beanspruchen Angler immer mehr Uferabschnitte an den Fließgewässern. Die Folgen sind heruntergetretene Ufer, Störung, Vergrämung und Beeinträchtigungen der Tierwelt –insbesondere von Brut-vögeln- im Uferbereich sowie häufig Vermüllung. Hier sieht der AHA unverzüglichen Handlungsbedarf.

In dem Zusammenhang ruft der AHA die Bevölkerung auf, sich verstärkt für den Schutz, Erhalt und Entwicklung der Landschaft, Natur und Umwelt einzusetzen sowie ggf. aktiv mitzuwirken. Wer Interesse hat in einer ehrenamtlichen AHA-Gruppe mitzu-wirken, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA)
Große Klausstraße 11 in 06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345/200 27 46; Fax.: 01805/684 308 363 (deutschlandweit zum Ortstarif)
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Fotos Andreas Liste



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