AHA hält es für unverantwortlich die Bauvorhaben BAB 143/Westumfahrung Halle und L 159n sowie zur Erweiterung der BAB 71 als Kompensationsmaßnahme für den Kohleausstieg zu verkaufen

Nach unveränderter Ansicht des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder hat das Bundesverwaltungsgericht am 12.06.2019 mit der Abweisung der Klage gegen den Bau der Bundesautobahn (BAB) 143 – Westumfahrung Halle offensichtlich dem propagandistischen und umweltfeindlichen Feldzug aus Wirtschaft und Politik, von Verwaltungen sowie angeblich unabhängiger Medien nachgegeben und somit ein Zeichen gegen den Schutz und Erhalt von Umwelt, Natur und Landschaft und dem Klimaschutz sowie für eine Fortsetzung der bisherigen umwelt-, natur- und klimafeindlichen Bau- und Verkehrspolitik gesetzt hat. Darin verdeutlicht sich, dass Kräfte innerhalb der Justiz, ebenso wie große Teile der Politik, der Wirtschaft, der Verwaltungen sowie der Medien die Notwendigkeit des Schutzes und Erhaltes von Umwelt, Natur und Landschaft sowie des Klimaschutzes noch immer den Interessen der Bau- und Verkehrslobby unterordnen und somit es offenbar bei dem dringend notwendigen Wandel nur bei Sonntagsreden belassen wollen. Dabei ist praktisches Handeln gefordert. Dazu gehört eben auch radikales Umdenken und Handeln in der Verkehrs- und Umweltpolitik.
Nunmehr greift der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU) nun noch in die Mottenkiste und möchte unter der Überschrift Wirtschafts- und Infrastrukturprojekte im Rahmen des Ausstieges aus der Kohle die Verlängerung der Bundesautobahn (BAB) 71 als Verbindung zwischen BAB 38 und BAB 14 aus der Versenkung holen. Es zeigt sich dabei, dass der CDU-Mann nicht bereit ist für ein komplettes Umdenken in der Umwelt-, Verkehrs- und Energiepoltik.
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gibt zur aktuellen täglichen Neuausweisung von Siedlungs- und Verkehrsflächen in der Bundesrepublik Deutschland folgendes an, Zitat: „“Täglich werden in Deutschland rund 58 Hektar als Siedlungsflächen und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht einer Flächenneuinanspruchnahme – kurz Flächenverbrauch – von circa 82 Fußballfeldern.“, Zitat Ende

Das ergibt im Jahr einen Flächenverbrauch im Umfang von 21.170 ha. Im Vergleich dazu liegt diese Zahl zwischen der Fläche der Stadt Essen (21.034 ha) und der Stadt Lübeck (21.419 ha).
Eine Umsetzung dieses Planes hätte eine Komplettzerschneidung des östlichen Harzvorlandes zwischen den Kreisstädten Sangerhausen zur Folge. Im konkreten sind die Auen und Einzugsgebiete von Helme, Goldgrundbach, Kliebigbach, Dippelsbach und Wipper, geschützte Waldgebiete wie das Naturschutzgebiet „Eislebener Stiftsholz“ mit den angrenzenden Waldgebieten zwischen Blankenheim, Klosterrode, Beyernaumburg, Riestedt, Emseloh, Mansfeld und Harz. Eingebettet sind hier u.a. auch das FFH-Gebiet Kliebigbachtal sowie sowohl bergbaugeschichtlich und ökologisch sehr bedeutsame Haldenlandschaften des Mansfelder Landes. Zudem ist eine durchaus mit Einzel- und Gruppengehölzen sowie mit Restobstalleen geprägte höhergelegene Agrarlandschaft an der Wasserscheide zwischen Saale und Wipper zu zerschneiden.
Damit sind ebenfalls Biotop- und Grünverbundräume zwischen der Saale, Harz, Kyffhäuser und Helmeaue massiv bedroht. An der Stelle sei daran erinnert, dass bereits die Bundesautobahnen 14 und 38 aus vielfältigen Gründen des Umwelt-, Natur-, Klima- und Landschaftsschutzes, dem Erhalt von Wohn- und Lebensqualitäten vor Ort, Gründen der Historie und Archäologie sowie dem Erhalt einer zusammenhängenden Agrarlandschaft umstritten sind. Mit einem angedachten bzw. bereits begonnenen Bau der BAB 71 und 143 hat man einen von Anfang an befürchteten Dominoeffekt ausgelöst.
Natur- und landschaftsräumlich gesehen ist das angedachte Baugebiet der BAB 143 von einer bedrohlichen Trasse BAB 71 nicht allzu weit entfernt. Hier sei noch einmal u.a. darauf hingewiesen, dass hier im unmittelbaren 2 km Umkreis des angedachten und bereits begonnen Bebauungsgebietes 2 Landschaftsschutzgebiete, 5 Naturschutz-gebiete, 23 flächenhafte Naturdenkmale und 4 geschützte Landschaftsbestandteile be-finden, 2 Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiete, ein Naturschutzgebiet, 1 flächenhaftes Naturdenkmal, 2 Geschützte Landschaftsbestandteile und 2 Landschaftsschutzgebiete akut von Zerschneidung bedroht sind. Namentlich seien z.B. als betroffene Schwerpunkte das FFH-Gebiet Muschelkalkhänge westlich Halle zwischen Lieskau, Zappendorf/Köllme und Bennstedt, die Saaleauenlandschaft zwischen Brachwitz und Salzmünde, das Salzatal sowie das FFH-Gebiet Porphyrkuppenlandschaft nordwestlich Halle zwischen Gimritz, Brachwitz und Döblitz genannt.
Es ist unverantwortlich den dringend erforderlichen Ausstieg aus der Förderung und Nutzung aus der Kohle mit derartigen Bauvorhaben „ausgleichen“ zu wollen. Der Ausstieg aus der Kohle ist insbesondere aus Gründen des Schutzes von Klima, Umwelt, Natur sowie Landschaft verbunden. Dies dient dem Erhalt alles Lebens auf unserer Erde, so auch im Land Sachsen-Anhalt. Die Baumaßnahmen wirken aber so, als wolle man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
Daher fordert der AHA nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die Koalitionspartner SPD und Bündnis 90/Die Grünen auf, der schon krankhaften Autoaffinität des Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts und seiner CDU Einhalt zu gebieten. In dem Zusammenhang gilt es eine Wiederaufnahme der Verlängerung der BAB 71 zu stoppen und alle baulichen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Bauvorhaben Verlängerung der BAB 143 und L 159n unwiderruflich und sofort zu beenden.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) drückt zudem weiterhin die dringende Notwendigkeit aus, dass der bedrohte Lebens-, Landschafts- und Naturraum im unteren Saaletal und im östlichen Harzvorland erhalten und von baulicher Zerschneidung und Zerstörung, damit verbundener weiterer Ausdehnung von Flächenversiegelung, Verlärmung sowie Belastungen mit Abgasen und Feinstaub verschont bleibt.

Wer noch mehr zu den Aktivitäten des AHA zum Schutz, Erhalt und Entwicklung des unteren Saaletals und des Östlichen Harzvorlandes erfahren möchte, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V.
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Tel.: 0345/2002746

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 26.01.2020



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