AHA fordert weiterhin nachhaltige Konzepte zum Schutz und zur Entwicklung der Leipziger Aue

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hat mit Entsetzen und Unverständnis die Nachrichten von LVZ-Online vom 13.12.2013 aufgenommen, dass eine unverminderte Fortsetzung der Holzungen in den Auen von Weißer Elster, Luppe, Nahle, Pleiße und Parthe stattfinden soll. Dies geschieht trotz massiver Mahnungen genau das nicht mehr zu tun, da die bisherigen Abholzungen –z.B. in der Burgaue und im Connewitzer Holz- zu einer nachhaltigen Zerstörungen der gewachsenen Auenwaldstrukturen geführt hat. Diese Holzungen haben zudem zu einer massiven Beförderung von Gehölzarten –wie z.B. des Spitzahorns- geführt, welche man eigentlich zurückdrängen wollte. Zudem zeigen die bisherigen Pflanzungen von Stieleichen die Schaffung von eingezäunten forstwirtschaftlichen Monokulturen, wie es beispielsweise bereits in dem NSG Burgaue geschehen ist.
Es ist in dem Zusammenhang ungeheuerlich, dass trotz der klar und deutlich eingetretenen Verschlechterung der Auenwaldstrukturen und nicht eindeutig nachgewiesenen Verbesserung der Artenzusammensetzung, das Grünflächenamt der Stadt Leipzig an den naturschutzfachlich katastrophalen steuerfinanzierten Abholzungen festhält und das noch als Naturschutzmaßnahmen verkauft. Dabei schreckt man noch nicht mal vor europäisch und sächsisch naturgeschützten Gebieten zurück. Diesbezügliche Bedenkungen und Hinweise weisen die verantwortlichen Vertreter ständig aggressiv und schroff zurück. Von daher hält es der AHA für dringend geboten sich verstärkt für den Schutz und Erhalt von Auenlandschaften einzusetzen. In dem Zusammenhang möchte der AHA seine diesbezüglichen Aktivitäten auch in den Auenlandschaften von Leipzig und Umgebung verstärken.
Auf Grund der weiterhin angedachten Abholzungen im Rahmen einer teilweisen Wiedereinführung der Mittelwaldwirtschaft und einer damit verbundenen weiteren Bedrohung der Auenwälder in Leipzig, hatte der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) bekanntlich u.a. zu einer Herbstexkursion am Samstag, den 30.11.2013 in die ca. 277 ha große Burgaue eingeladen gehabt.
Im Zusammenhang der ungehinderten Abholzungen in der Leipziger Aue fordert der AHA erneut und unvermindert diese rein forstwirtschaftlich geprägten Maßnahmen sofort einzustellen und stattdessen wieder eine sukzessive, naturnahere Entwicklung der Auenwälder im Stadtgebiet von Leipzig zuzulassen. Somit können die Auen und die dazugehörigen Auenwälder als bedeutsame Lebens- und Rückzugsräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, als bestehender und potenzieller Hochwasserraum sowie als Ort der sanften Naherholung für die Menschen der Region dienen. In dem Sinne ist eine rein forstwirtschaftliche Nutzung in der gegenwärtigen Quantität und Qualität nicht zu akzeptieren.
Der AHA sieht es von daher weiter für dringend erforderlich an die Eintiefung der Luppe zu stoppen und Renaturierungen des Gewässerlaufes zu prüfen, weiterhin Möglichkeiten der länderübergreifenden Reaktivierung der abgeschnittenen Altarme der Weißen Elster und der Luppe ökologisch, hydrologisch und ökonomisch zu untersuchen sowie durch Deichrückverlegungen eine großflächige Ausweitung der Retentionsflächen anzugehen. Somit wäre beispielsweise eine bessere Einbeziehung der Auenwälder in das Überflutungsregime von Weißer Elster, Luppe, Nahle, Pleiße und Parthe möglich. Zudem könnte neben der Wirkung für den Hochwasserschutz ein zurückdrängen weniger wassertoleranter Gehölzarten -wie Spitzahorn- erfolgen. Für den AHA ergibt sich daher das Erfordernis umfassende Deichrückverlegungen zu untersuchen und letztendlich umzusetzen, Wasserbauwerke –wie der Neubau des Nahleauslassbauwerks- sowie die mehr als umstrittene, im Jahre 1998 für die Burgaue festgelegte Mittelwaldwirtschaft unverzüglich einzustellen bzw. zu beenden.
Daher fordert der AHA die Verantwortlichen des Freistaates Sachsen und der Stadt Leipzig auf, dass die sogenannte Mittelwaldwirtschaft flächendeckend in den Auenwäldern der Städte Leipzig und Schkeuditz unverzüglich einzustellen und der naturnahen Entwicklung der Vorrang einzuräumen ist. Die Schutzgebietsverordnungen sind dem entsprechend anzupassen und z.B. bei der Burgaue zudem noch FFH-RL-konform auszugestalten. Zusammen mit den unbedingt vorzunehmenden Deichrückverlegungen, entspricht das einem nachhaltigen Schutz und Erhalt der Auenlandschaften an Weißer Elster, Luppe und Nahle sowie ihrer Nebengewässer und eines darauf abgestimmten Umganges mit Hochwasser. In dem Blickfeld betrachtet, bekräftigt der AHA erneut seine Unterstützung grüßen die Exkursionsteilnehmer und auch der AHA zu sehr großen Teilen den gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU und SPD im Stadtrat von Leipzig vom 13.11.2013 und der damit verbundenen Begründung. Nach Auffassung des AHA eröffnen sich mit der Ausrichtung und Durchführung eines Auenwaldsymposiums im 1. Halbjahr des Jahres 2014 und der damit verbundenen vorläufigen Rückstellung des Ersatzneubaus des Nahleauslassbauwerkes die Möglichkeit Fragen zum Schutz, Erhalt und Entwicklung der Auenlandschaften im Stadtgebiet von Leipzig und des damit verbundenen Umgangs mit Hochwasser und Retentionsflächen auf den Prüfstand zu stellen.
Der AHA ist jedenfalls bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen Möglichkeiten an der Prüfung und Erarbeitung einer aktuellen und nachhaltigen Auenschutz-, Hoch- und Grundwasserkonzeption mitzuwirken. Darüber hinaus ruft der AHA zur aktiven Mitwirkung interessierter Bürgerinnen und Bürger in den Städten Leipzig, Markkleeberg und Schkeuditz auf, sich mit einzubringen. Interessenten können folgendermaßen zum AHA Kontakt aufnehmen:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Leipzig und Umland
Otto-Adam-Straße 14
04157 Leipzig
Tel.: 0176/84001924 (Handytarife aus allen Netzen)
Fax.: 01805-684 308 363
E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Dienstag: von 19.00 – 20.00 Uhr telefonisch



Kommentare

  • Mario Graul

    Ich finde es ziemlich schlimm wenn man das Wort „Naturschutzfachlich“ in den Mund nimmt um der eigenen Aussage mehr Pseudogewicht zu verleihen. Naturschutzfachlich impliziert das dieses Wissen auf wissenschaftlichen Grundlagen basiert und da gibt es grundsätzlich mehrere Auffassungen. Ein Mittelwald ist eine Bewirtschaftungsform die in Deutschland sehr selten geworden ist, an der aber eine große Zahl von Arten hängen, die ebenfalls am Aussterben sind. Auch das ist eine „naturschutzfachliche“ Erkenntnis die man, wenn man es denn zur Kenntnis nehmen möchte, durchaus recherchierbar wäre. Ich denke aber das es darum nicht geht. Es geht darum, wie so oft in teilen des Naturschutzes, eigene Ideologien, meist fernab wissenschaftlicher Tatsachen, zu verfolgen. Sonst hätte man mal nachgefragt wo bitte der Forst die Idee von der Mittelwaldwirtschaft her hat. Es ist nämlich nicht wie behauptet eine reine forstliche Maßnahme, sondern es war eine Idee von Leipziger Naturschützern, die der Forst bereitwillig aufgenommen hat. Dies kommt in Ihrem Statement, ob absichtlich oder unabsichtlich nicht zum Ausdruck. Das gefällte Bäume erst mal nicht so toll aussehen, ist klar. Aber offene Stellen im Wald sind nichts schlimmes sondern schaffen für zahlreiche Arten abwechslungsreiche Lebensräume. Die Wälder komplett sich selbst zu überlassen, schützt keine Art, nein sie vermindert die Biodiversität sogar, weil in einer heutigen, von Stickstoffeinträgen durch die Luft veränderten Welt, natürlich ein anderer „Urwald“ ensteht als dies vor tausenden von Jahren der Fall war, wo übrigens Stürmen und diverse Größere Pflanzenfresser für Auflichtungen gesorgt haben. Da man schlecht Wisente und andere Wildrinder im Leipziger Auwald frei lassen kann, braucht es forstliche Maßnahmen. Ich fand es übrigens auch sehr amüsant das Sie wissenschaftliche Ergebnisse eingefordert haben, im Zusammenhang mit den forstlichen Maßnahmen, genau wissend das sich Biotope an denen Waldstrukturen beteiligt sind, sich sehr langsam ändern. Einfach weil Bäume teilweise Generationen brauchen um zu wachsen. Wenn sie Ergebnisse wollen, empfehle ich Ihnen sich mit dem Thema „Steigerwald“ zu befassen. Dies ist möglicherweise das einzigste Waldgebiet in dem Mittelwaldwirtschaft seit alters her betrieben wird. Schauen sie sich dort mal die Artenlisten an und vergleichen sie die mit denen „normal“ bewirtschafteter Wälder in Franken oder naturbelassenen. Sie werden dort deutliche Unterschiede feststellen und dies vor allem bei der Pflanzen und der Insektenwelt. Ich möchte beiläufig darauf hinweisen, das es im Leipziger Auwald eine Schmetterlingsart gibt, die in Deutschland nur an 2 weiteren Standorten heimisch ist. Einer der Standorte ist… oh Zufall, der Steigerwald. Diese Art könnte von der Mittelwaldwirtschaft profitieren. Überlässt man den Auwald sich selbst, wird sie ganz sicher früher oder später aussterben. Und dies, so denke ich wiegt viel schlimmer als ein paar gefällte Bäume.

    • AHA

      Lieber Mario Graul,

      da Sie sich nicht weiter vorgestellt haben, was eigentlich schon die Höflichkeit gebietet, gehe ich mal davon aus, dass Sie sich schon die betreffenden Gebiete angeschaut und zudem mit dem Thema Auenlandschaften auseinandergesetzt haben.
      Diese Maßnahmen sind reinforstwirtschaftlicher Natur und haben nichts mit Naturschutz zu tun. Neben den umfassenden Kahlschlägen, Pflanzung von standorttypischen Monokulturen in Reih und Glied, zeigt die erste „Mittelwaldwirtschaftsfläche“, was passiert, wenn der Mensch denkt sich auch noch so in derartige Landschaften einzumischen. Jetzt dominieren die Arten, welche man eigentlich zurückdrängen wollte. Sie haben Recht, der Mensch beeinflusst unsere Natur sehr negativ, wozu Verbauungen, Nährstoffeintrag, aber eben auch solche sehr fragwürdigen Forstmaßnahmen gehören. Daran ändert nichts, wenn Naturschutzorganisationen dies einst forderten. Nur was gilt es nun zu tun ? Zu den bereits erfolgten Beeinträchtigungen durch den Menschen noch weitere hinzufügen ? Das kann doch nicht die Lösung sein ! Eine entscheidende Lösung wäre aber, Deiche zurückzuverlegen, die Auenwälder wieder regulär in das Hochwasserregime zurückzuführen, die Fließgewässer wieder zu renaturieren sowie endlich die unendlich klimafeindliche Verkehrs-, Bau- und Siedlungspolitik abzuändern. Solange das nicht geschieht, muss ich -so bitter das auch ist- eine Veränderung unserer Natur und Landschaft hinnehmen. Die sind dann nämlich, angesichts ebengenannter Umweltveränderungen, schlicht und ergreifend standortgerecht.
      Im Übrigen kann ich nicht alle Landschaften, Wälder etc so vergleichen wie Sie das tun. Der „Steigerwald“ ist kein Auenwald, wie Sie bestimmt schon erkannt haben dürften. Abgesehen davon, dass ich Fragen der Arten- und Strukturvielfalt nicht nur auf einen engeren oder engen Raum betrachten darf. Das tun schon Andere genug. Es gilt eher in Räumen und Verbünden zu denken.
      Im Übrigen können Sie sich mal vorstellen, welchen fachlichen Hintergrund Sie haben und inwieweit Sie womöglich in die unwissenschaftlichen Fällmaßnahmen im Leipziger Auenwald eingebunden sind. Achso, die Stadt Leipzig bietet das Holz im Rahmen von Holzauktionen und Holzsammelscheinen an…Wer da nicht einen klingenden Geldbeutel auf Kosten von Natur und Landschaft vermutet.
      Nichts für ungut Herr Graul, Tunnelblick und fragwürdige Vergleiche helfen der Sache nicht…


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