AHA fordert umwelt- und naturschutzgerechte Vorbereitung und Umsetzung der Landesgartenschau in Bad Dürrenberg!

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) kann es nicht oft genug erklären, dass der Schutz, der Erhalt, die Betreuung und die Entwicklung von Auenlandschaften sowie angrenzender Landschaften und Naturbestandteile eine sehr bedeutsame Erkenntnis beim Planen und Handeln sein muss. Dass die Realität leider oft anders aussieht, muss der AHA oft genug und immer wieder feststellen.
Um sich immer wieder ein aktuelles Bild der Auenlandschaften zwischen den Städten Weißenfels, Bad Dürrenberg, Leuna, Merseburg und Halle (Saale) zu verschaffen, dienen immer wieder Fahrradexkursionen in diesem Landschaftsraum.
Als Bestandteil des 36.754 ha großen Landschaftsschutzgebietes „Saaletal“ bildet die Auenlandschaft einen sehr wichtigen Bestandteil der Saaleaue entlang der 413 km langen Saale. Gerade im Raum der Stadt Bad Dürrenberg sind einige Restauenwälder erhalten geblieben. Ferner sorgt der in Bad Dürrenberg einmündende Ellerbach eine weitere ökologische und landschaftliche Belebung der Landschaften in den Landkreisen Saalekreis und Burgenlandkreis. Seit dem Jahr 2000 haben im Rahmen eines von der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt unterstütztem Projekt des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) Schülerinnen und Schüler aus Bad Dürrenberg den Ellerbach untersucht und Vorschläge für die Verbesserung der Wasserqualität unterbreitet. Jedoch fanden auch in dieser Region menschliche Eingriffe in das Flusssystem der Saale statt. Somit erfolgte in den Jahren 1817 bis 1822 eine Regulierung der Saale von Halle (Saale), oberhalb Schieferbrücke bis Weißenfels, was zum Bau von 10 Steinschleusen führte. Zahlreiche Flussbegradigungen und Saalealtarme zeugen noch von diesen Eingriffen. Einen derartigen Teil der Saaleaue bildet eine Mischlandschaft aus Saalealtarm mit begleitenden Auenwaldresten sowie einer Streuobstwiese in der Stadt Bad Dürrenberg, unweit des Ortsteils Kirchfährendorf. Laut Bodenverwaltungs- und verwaltungs GmbH (BVVG) handelt es sich um eine Fläche mit einem Gesamtumfang von 17,0338 ha. Die Gesamtfläche setzt sich aus 10,2618 ha Streuobstwiese, 6,3820 ha Forsten und Holzungen und aus 0,3900 ha Wasserfläche zusammen.
Auf der nunmehr für 115.000,00 Euro veräußerten Fläche erfolgte im 6,3820 ha großen Wehrichtwald Kirchfährendorf umfassende Abholzungen, welche starke strukturelle Störungen und Schädigungen in dem Wald zur Folge hatten. Im Rahmen dieser Abholzungen warf man den bereits gut vorangeschrittenen sukzessiven Prozess der Wiederentstehung eines Hartholzauenwaldes z.B. bestehend aus Gemeiner Esche, Stieleiche und Feldulme entscheidend zurück. Hier gilt es nach Auffassung des AHA sämtliche Abholzungen zu stoppen und den Weg zur sukzessiven Auenwaldentwicklung zu öffnen und zu sichern. Die 10,2618 ha große Streuobstwiese bedarf einer nachhaltigen Pflege, um sie zu erhalten. Neben den Pflegemaßnahmen erscheint es nach Meinung des AHA sinnvoll zu sein, eine Sortenbestimmung der Bäume vorzunehmen und eine umfassende Pflege-, Schutz- und Entwicklungskonzeption zu erarbeiten. Ferner hält es der AHA für dringend geboten die Umsetzung der Auflagen der BVVG für die ohne Pacht- und Nutzungsvertrag genutzten Bauten und Nebenanlagen der Motorradsportgemeinschaft Bad Dürrenberg e.V. restlos zu beräumen. Ebenso verweist der AHA darauf, dass laut Darstellungen der BVVG, der Kanu-Club Bad Dürrenberg e.V. eine Teilfläche von ca. 1.500 m² als Vereinsfläche ebenfalls ohne Pacht- bzw. Nutzungsvertrag nutzt. Dabei ist eine Teilfläche mit einem Bootshaus und Blechgaragen für Boote überbaut. Auch hier sieht der AHA massiven Handlungsbedarf innerhalb eines Landschaftsschutzgebietes und Hochwassereinzugsgebietes.

Seit mehreren Jahren verfolgt der AHA mit sehr großer Aufmerksamkeit und Sorge die vielfältigen Vorbereitungen der Stadt Bad Dürrenberg zur Landesgartenschau im Zeitraum vom 21.04. bis 25.10.2023. Leider sind bereits massive Zerstörungen in den Gehölzbestand im Kurpark sowie an den Hängen zu Saale und Ellerbach erfolgt. Diese massiven Eingriffe in den Gehölzbereichen haben erwartungsgemäß zu umfassenden bis vollständigen Gehölzverlusten geführt, welche negative Auswirkungen auf Fauna und Flora, aber auch eine erosionsbedingte Gefährdung der Hanglagen bewirken können. Daher hält es der AHA für dringend geboten, diese Eingriffe in die Gehölzbestände im Kurpark und an den Hängen zu den Auen von Saale und Ellerbach sofort und unwiderruflich einzustellen. Hier sieht der AHA ohnehin das Land Sachsen-Anhalt und den Landkreis Saalekreis gefordert, um den massiven Zerstörungen an Umwelt, Landschaft und Natur Einhalt zu gebieten.
Der AHA regt stattdessen an, im Kurpark Rasen zu Wiesen zu entwickeln, um neben der optischen Aufwertung durch Blühpflanzen in der gesamten Vegetationsperiode, mehr Nahrungsmöglichkeiten für Insekten anzubieten. Ferner gilt es die Erweiterung von Straßenbaumbeständen und Fassadenbegrünungen im Stadtgebiet in den Blickpunkt zu rücken. Darüber hinaus gilt es zu prüfen, inwieweit eine Umwandlung der intensiv genutzten Ackerfläche in der Saaleaue östlich des Lämmerwiesenweges in eine Mischfläche aus Wiese, Streuobstwiese und sukzessive Auenwaldbereiche möglich ist. In dem Zusammenhang scheint die Pflanzung einer Obstallee bzw. Schaffung einer Kopfweidenallee am östlichen Rand des Lämmerwiesenweges in Richtung Feld sinnvoll zu sein.
Diese Maßnahmen entsprechen eher den Grundsätzen für die Durchführung von Landesgartenschauen vom 19.03.2013 sowie der Ausschreibung für die Durchführung einer Landesgartenschau in Sachsen-Anhalt im Jahr 2022 vom 30.10.2015, welche u.a. den Landschafts-, Natur- und Umweltschutz, das Stadtklima sowie die Entwicklung neuer Grün- und Freiräume im Konzept enthalten soll.
Das bisherige Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt hat bereits eine Förderung in Höhe von bis zu 5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auf Grund der Verwendung umfassender öffentlicher Mittel erwartet der AHA nun eine transparente und fachlich-fundierte Planung der Landesgartenschau in Bad Dürrenberg im Zeitraum vom 21.04. bis 25.10.2023. Dazu muss ebenfalls garantiert sein, dass der Schutz von Umwelt, Natur und Landschaft keine Verschlechterung, sondern einen spürbaren Fortschritt erfährt.
Nunmehr hatte der Bau- und Wirtschaftsausschuss im Rahmen seiner öffentlichen Sitzung am 23.09.2021, Beschlussvorlage BA-07-2021 einstimmig einer Beschlussvorlage des Bürgermeisters und des Fachbereiches Bauen und Umwelt vom 13.08.2021 zugestimmt, dem Stadtrat den Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 18 „Parkplatz Merseburger Straße“ im Ortsteil Bad Dürrenberg zu empfehlen. Als Begründung dient dabei, Zitat: „Die Stadt Bad Dürrenberg beabsichtigt, in der Merseburger Straße einen Parkplatz für Besucher zu errichten.“ Zitat Ende. Das Plangebiet im Flurstück 54/32 (Gemarkung Bad Dürrenberg, Flur 2) umfasst eine Fläche von ca. 1,00 ha und befindet sich in nördlicher Angrenzung zur Katholischen Kirche St. Bontifatius und nordwestlich des Platzes der Freiheit. Zudem ist das mit Gehölzen bewachsene Grundstück Bestandteil des 36.754 ha großen Landschaftsschutzgebietes „Saaletal“.
Für den Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) ist das ein weiterer Beweis dafür, dass die Stadt Bad Dürrenberg mit der Vorbereitung einer vom Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz geprägten Landesgartenschau im Jahr 2023 vollkommen überfordert scheint.
Anders kann man ein derartiges Vorhaben in einem Landschaftsschutzgebiet, was eindeutig an Denken und Handeln vergangener Jahrzehnte anknüpft, welche von Zerstörung von Umwelt, Natur und Landschaft, Verkehrsdominanz des Autoverkehrs sowie Missachtung der notwendigen Optimierung des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Schienenpersonennahverkehrs sowie einer damit verbundenen Vermeidung von Flächenneuversiegelungen und der mit dem Motorisierten Individualverkehr verknüpften Belastungen durch Abgase, Feinstaub und Lärm ausgeht.
Dabei bestehen Möglichkeiten beispielsweise mit der Bahn und der Straßenbahnlinie 5 Bad Dürrenberg zu erreichen. Ferner ist nicht zu erkennen, dass sich die Stadt Bad Dürrenberg um eine Optimierung der Anbindung und Takte von Bahn, Straßenbahn und Bus bemüht hat bzw. bemüht.
Offensichtlich haben die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung der Stadt Bad Dürrenberg noch immer nicht die Zeichen erkannt. Neben der massiven Zerstörung von Gehölzbeständen ist dieser Vorstoß zum Bau eines ca. 1,00 ha großen Parkplatzes auf eine mit Gehölzen bestandene Fläche ein weiterer Beleg dafür, dass man regelwidrig die Vorbereitungen zur Landesgartenschau im Jahr 2023 dazu nutzen möchte Grün zu zerstören und neue Parkplätze zu bauen.
Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) spricht daher der Stadt Bad Dürrenberg das Verantwortungsbewusstsein, die Kompetenz und den Willen eines angemessenen Umgangs mit kritischen Feststellungen und Anmerkungen ab. Daher prüft der vom Umweltbundesamt nach § 3 Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz (UmwRG) anerkannte, gemeinnützige und ehrenamtliche Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) Bedingungen, welche einen Entzug der Vorbereitungen und der Durchführung der Landesgartenschau im Jahr 2023 durch die Stadt Bad Dürrenberg ermöglichen lassen.
Andrerseits erklärt sich der AHA weiterhin bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Möglichkeiten an einer naturnaheren Entwicklung, einen umfassenden Schutz und Erhalt der Auenlandschaft bei Bad Dürrenberg sowie einer ökologisch orientierten Vorbereitung und Durchführung der Landesgartenschau im Zeitraum vom 21.04. bis 25.10.2023 mitzuwirken.
Auf Grund der Vielzahl der vielfältigen Aufgaben, ruft der AHA zur Mitwirkung in seiner ehrenamtlichen Regionalgruppe Merseburg-Leuna-Bad Dürrenberg auf.
Wer Interesse hat, wende sich bitte an folgende Anschriften:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de
Telefon: 0345 200 27 46
Telefon & WhatsApp: 0176 643 623 67 (Handytarife aus allen Netzen)

 

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Merseburg-Leuna-Bad Dürrenberg/
Umweltbibliothek Merseburg „Jürgen Bernt-Bärtl“ (UBM)
Weiße Mauer 33

06217 Merseburg

E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 15.09.2021



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