AHA fordert Stopp jeglicher forstwirtschaftlicher und baulicher Eingriffe im Naturschutzgebiet Peißnitznordspitze

Seit dem Mai 1980 betreuten 3 Jugendliche den ca. 10 ha großen Hartholzauenwald im Norden der Peißnitz. Die ersten Aktivitäten waren die Erfassungen von Avifauna und des Baumbestandes im der sehr bedeutsamen Auenwald. Jedoch hatte vielfältiges menschliches Handeln dem Auenwald schwere Schäden zuge-fügt. So holzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des VEB Garten- und Landschaftsge-staltung (GALA) regelmäßig das Unter- und Totholz aus dem Gebiet und verbrannten das Holz an drei Flecken in dem Waldgebiet. Jedes Jahr wieder zum Laternenfest missbrauchten Wasserskifahrer den Nordteil der Nordspitze als Startplatz für Wasserskifahrer. Ebenfalls zum Laternenfest campierten hunderte von Menschen am Ufer und nutzten dieses als Aussichtstribüne. Zertretende Ufer und zurückgelassener Müll waren die Folge.

Desweiteren nutzte das Pionierhaus den Auenwald als Übungsgelände für ihre aus Trabanten umgebauten Pionierpanzerautos. Ferner gab es eine Menge Budendörfer auf einer Lichtung im Südteil des Auenwaldes. Leihbootnutzer fuhren in die damals noch befahrbare Wilde Saale. Lagerplätze mit Feuer und Müll an den Ufern waren die sichtbaren Folgen. Diese verheerenden Zustände bildeten den Ausgangspunkt der Umwelt- und Naturschutzarbeit im Mai 1980 im Nordteil der Peißnitzinsel. Schrittweise nahmen sich die drei Jugendlichen der Umsetzung von Schutzmaßnahmen in dem Hartholzauenwald an. An oberste Stelle stand die Beendigung der flächendeckenden Abholzungen, was mit dem Verbrennen von Holz verbunden war. Nach jahrelangen Schwierigkeiten erreichte die nunmehr am 29.05.1983 gegründete Peißnitzgruppe des Arbeitskreises Umweltschutz (AKUS) in der Gesellschaft für Natur und Umwelt im Kulturbund der DDR im gleichen Jahr, dass diese Massenabholzungen ihr Ende hatten. Im gleichen Jahr erreichte die nunmehrige AKUS-Gruppe, dass ein Verbot des Befahrens der Wilden Saale mit Ruderbooten und Kanus ein Verbot erteilt bekam. Motorbooten war der Zugang schon damals untersagt.

In den Jahren 1980 bis 1984 beseitigten Mitglieder und Freunde der AKUS-Gruppe in unzähligen Arbeitseinsätzen alle Trampelpfade. Im Zeitraum der Jahre 1982 bis 1983 gelang es das Befahren mit den Pionierpanzerautos zu unterbinden, was noch in Absprache mit dem Bezirksschulrat und der Leitung zur Gründung einer Arbeitsgruppe „Sozialistische Landeskultur“ am Pionierhaus ab 01.09.1983 führte. Anfang des Jahres 1984 beräumte eine Einheit der Deutschen Volkspolizei das Budendorf.

Im Jahr 1983 beantragte die Peißnitzgruppe des AKUS zweimal die Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet, was leider erst im Jahr 1990 zum Erfolg führte. Eingebettet im AKUS suchte die Peißnitzgruppe immer engen Kontakt zu den anderen Fachgruppen der halleschen GNU, was sich u.a. in der vielfältigen Mitgliedschaften in der Gruppe niederschlug. Insbesondere die Ornithologen, Entomologen und Feldherpetologen waren hier aktiv. Die Einbeziehung von KB und GNU aller Ebenen schwankte immer wieder zwischen Zustimmung und strikter Ablehnung hin und her. Ferner gab es immer verschiedene sachliche, aber auch konfrontative Kontakte u.a. mit dem Rat des Bezirkes Halle, dem Rat der Stadt Halle (Saale), der Deutschen Volkspolizei, dem Rat des Stadtbezirkes Halle-West, der GALA und dem VEB Naherholung Halle.

Erst im Jahre 1990 erreichte man gemeinsam mit dem nunmehrigen Magistrat der Stadt Halle (Saale) ein Ende als Startplatz für den Wasserski und die erstmalige Sperrung des Restauenwaldes Peißnitznordpitze zum Laternenfest. Im gleichen Jahr begannen mit Hilfe der Sowjetarmee die Wiederherstellungsarbeiten eines Feuchtgebietes als Amphibienlaichgewässer, was die AKUS-Gruppe seit 1984 plante und seit 1987 bis 1989 konzipierte und welche im Jahre 1994 endeten. Der heutige Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA), am 23.02.1991 gegründet, ging genau aus dieser Gruppe hervor und sieht sich somit verpflichtet diese mühsam erarbeiteten Erfolge zu sichern und zu schützen. Nunmehr genießt der arten- und strukturreiche Hartholzauenwald mit fast vollständigem Weichholzauengürtel auch den Schutzstatus nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH).

Neben einer sehr interessanten Entdeckung von Biberfrassspuren am 14.03.2015, mussten Mitglieder des AHA desweiteren feststellen, dass eine massive Ringelung von vormarkierten Bäumen mitten im NSG und FFH-Gebiet erfolgte. Ferner haben Personen begonnen Holzhäuser in einen Baum und auf die Erde zu bauen. Der AHA fordert nunmehr die seit dem 01.01.2014 für das Naturschutzgebiet zuständige hallesche untere Naturschutzbehörde auf die Verursacher der Ringelungen zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen sowie sofort die Arbeiten einzustellen. Ferner gilt es alle Buden unverzüglich aus dem NSG und FFH-Gebiet zu entfernen. Diese Aktivitäten im NSG und FFH-Gebiet Peißnitznordspitze sieht der AHA als unwürdige Fortsetzung der massiven Abholzungs-, Rodungs- und Ringelungsarbeiten im näheren Umfeld des Amphibienlaichgewässers an. Ferner werfen diese Aktivitäten Vorahnungen auf, wenn der Entwurf des halleschen Wassertourismuskonzeptes so zum Tragen kommt, wozu u.a. die Wiederöffnung der Wilden Saale dazugehört.

In dem Zusammenhang ruft der AHA zur Mitarbeit in seiner seit dem 29.05.1983 bestehenden ehrenamtlichen Peißnitzgruppe auf, um sich verstärkt für den Schutz, Erhalt und Entwicklung der Landschaft, Natur und Umwelt auf der Peißnitzinsel einsetzen zu können. Wer Interesse hat in der Gruppe mitzuwirken, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA)
Große Klausstraße 11 in 06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345/200 27 46; Fax.: 01805/684 308 363 (deutschlandweit zum Ortstarif)
Internet: https://www.aha-halle.de
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Fotos: Frank Hahn & Dietmar Hörner



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

*