AHA fordert Rückbau einer weiteren Schiffsanlegestelle an Halles Saaleufer zwischen Burg Giebichenstein und Klausberge

Bekanntlich bilden Fluss- und Auenlandschaften eine wichtige Einheit. Beide stehen in einer engen und sehr vielfältigen Wechselbeziehung zueinander. Die Auenlandschaften dienen den Flüssen als Ausbreitungsraum für Hochwasser und versorgen sie somit mit Wasser, Sedimenten und z.B. als Schwemmgut herangetragenes neues genetisches Material aus Tieren und Pflanzen. Im Umkehrschluss fungieren die Auenlandschaften als „Reinigungskraft“ für die Flüsse, indem beispielsweise Auenwälder das abgebremste Wasser von Sedimenten „befreien“ sowie Schwemmgut „herauskämmt“.
Diese langzeitige Wechselbeziehung hat somit eine der arten- und strukturreichsten Naturlandschaften der gemäßigten Zonen hervorgebracht, welche zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebens- und Rückzugsraum bietet. Darüber hinaus trägt diese intensive Wechselbeziehung zur Verbesserung des Landschafts- und Ortsbildes urbaner Gebiete bei und sorgt als Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet und –korridor für eine nachhaltige Verbesserung des Klimas.
Verständlicherweise haben daher Fluss- und Auenlandschaften eine magische Anziehungskraft für die stressgeplagte Bevölkerung um die Natur zu genießen und sich in ihr ausgiebig zu erholen. Nur in welchem Umfang kann diese besondere, sensible Natur und Landschaft menschlichen Tourismus verkraften ? Ab welcher Intensität fängt der Mensch an Fluss und Aue zu schädigen?

Seit Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat u.a. eine massive bauliche und strukturelle Erweiterung am Saaleabschnitt zwischen Rainstraße und unterhalb der Burg Giebichenstein stattgefunden. Zu den einst 5 Schiffsanlegestellen sind 3 weitere derartige Anlagen und ein weiterer Bootsanleger mit Motorbooten hinzugekommen. Das führte unweigerlich zu massiven baulichen Eingriffen in den Bereich des Saaleufers sowie zu umfassenden Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes des halleschen Saaletals zwischen den Stadtteilen Giebichenstein und Kröllwitz sowie Rainstraße und Klausberge. Mit dem Motorbootanleger kamen noch Belastungen mit Lärm und Abgasen hinzu.

Im Rahmen einer Begehung entdeckten Mitglieder des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) am 24.10.2014 die Baustelle einer weiteren Schiffsanlegestelle. Eine diesbezügliche Anzeige vom gleichen Tag an den halleschen Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand ist bis heute unbeantwortet geblieben.

Der AHA verweist darauf, dass auch dieser Baustandort sich mitten im Landschaftsschutzgebiet „Saaletal“ sowie zwischen dem Naturschutzgebiet „Nordspitze Peißnitz und über dem flächenhaften Naturdenkmal „Klausberge“ bis zum Naturschutzgebiet „Forstwerder“ befindet. Es erfolgte ein massiver Eingriff in das Saaleufer, was zu einem weiteren Verbau von Saaleaue führte.

Nunmehr fordert der AHA den sofortigen Stopp dieses Skandalbaus, den unverzüglichen Rückbau der Anlage sowie eine Ermittlung und Bestrafung der Verantwortlichen. Ferner hält es der AHA für dringend geboten, auch die baulichen Erweiterungen aus den Gesichtspunkten des Umwelt-, Landschafts- und Naturschutzes sowie eines nachhaltigen Umgangs mit Hochwasser auf den Prüfstand zu stellen. Der AHA favorisiert eine Reduzierung des baulichen Wildwuchses an dem Teil des halleschen Saaleufers.
Darüber hinaus ruft der AHA die Bevölkerung auf, sich für ein natur-, landschafts- und umweltverträgliches Wassertourismuskonzeption einzusetzen, welche weitläufig zur Abstimmung mit derartigen Aktivitäten, beispielsweise in den Städten Leipzig, Merseburg und Leuna sowie in den Landkreisen Saalekreis, Leipziger Land und Nordsachsen, beiträgt.

Wer dazu Interesse hat, wende sich bitte an folgende Anschrift:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
Fax.: 01805-684 308 363
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Fotos: Andreas Liste



Kommentare

  • Bommersbach, Lutz

    Hallo,
    ich bin jetzt nicht so der Umweltschützer, ich bin jemand der durch Halle geht und sich freut das irgendwo noch unberüherte Natur existiert.
    Wenn ich dann sehe das z.B. das Rive-Ufer vollständig betoniert wird, sowie das Natuschutzgebiet Peißnitz-Nordspitze verkleinert wurde und asphaltierte Wege verbaut wurden. Desweiteren im Fostwerder Holzeinschäge vollzogen wurden, frage ich mich wirklich, ist Halle wirklich am Erhalt der Naturschutzgebiete interessiert? Ein weiters Beispiel ist die Dölauer Heide, das ist wohl nur noch Landschaftsschutzgebiet!? Dort wird massiver Holzeinschlag vollzogen, die Wege sind z.T. völlig von Maschinen zerfahren. Die Dölauer Heide ist nur noch Nutzwald. Halle reduziert massiv Naturschutzgebiete in Halle. Gerade der Forstwerder, weil ich da in der Nähe wohne, liegt mir am Herzen. Es ist schon traurig zu sehen wie sich Passanten nicht benehmen können und das geperrte Gebiet betreten, neue Trampelpfade anlegen. Es ist wirklich schade.

  • Bommersbach, Lutz

    Oh was vergessen,
    man vergesse nicht den Holzeinschlag an den Klausbergen, man hört dort kaum noch Vögel. Vor allem am Fuß der Burg Giebichenstein, da waren sonst viele viel Vögel zu hören. Jetzt ist da kaum noch was.
    Nun gut die Gaffiti-Freaks brauchen ja auch neu Leinwände, sie „verschönern“ ja jetzt die Klausberge.
    Großartig.

  • Christoph Schade

    Hallo Lutz,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Wir sind uns diesen katastrophalen Zustand durchaus bewusst und mahnen diesen auch ständig öffentlich an. Leider greift die Presse unsere Stimme nicht häufig auf.

    Wenn Du Lust und Zeit hast, komm doch mal zu einer Mitgliederversammlung um sich besser auszutauschen. Die nächste findet am 12.5.17 um 19.00 Uhr, Holzplatz 7a, 06108 Halle (Saale) satt. Wir würden uns auf dich freuen. Gib bitte vorher Bescheid. Einen aktuellen Veranstaltungsplan können wir dir per Email zusenden.

    Gruß Christoph Schade


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