AHA fordert naturnahe Entwicklung des Ettersberges

Das Bundesamt für Naturschutz beschreibt den 17 km² großen Ettersberg in seinem Landschaftssteckbrief folgendermaßen, Zitat:

„Der Ettersberg mit einer Höhenlage von 300 bis 478 m ü. NN ist ein überwiegend bewaldeter, schildförmiger Höhenzug mit Plateau inmitten des Thüringer Beckens nördlich von Weimar. Die Hänge sind von tiefen Runsen und Tälchen zerschnitten. Zahlreiche Erdfälle sind vorhanden. An der Oberfläche liegen ausschließlich Sedimente des Oberen Muschelkalkes. Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist gering, der Grünlandanteil nimmt davon nur einen sehr kleinen Teil ein. Große Flächen mit Grenzertragsböden sind zunehmend ungenutzt.“, Zitat Ende

Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie hat zu den drei Naturschutzgebieten im Bereich des Ettersberges folgendes vermerkt, Zitat:

„Die kreisfreie Stadt Weimar hat Anteil an drei Naturschutzgebieten (NSG), wovon die NSG 50 und 323 mit einem kleinen Teil auch im Landkreis Weimarer Land liegen.

NummerNameGröße (ha)
49Rautenschlag19
50Prinzenschneise 1)88
323Südhang Ettersberg 1)408

1) liegt in zwei oder mehr Landkreisen

Die NSG 49, 50 und 323 befinden sich im Naturraum 3.5 (Ettersberg).

Das NSG 49 „Rautenschlag“ liegt am Nordhang des Muschelkalksattels des Großen Ettersbergs, der sich als auffälliger Höhenzug über das allgemeine Niveau des flachwelligen Innerthüringer Beckens und des Ilmtals heraushebt. Das Gebiet schließt eine standörtliche Abfolge naturnaher Waldgesellschaften und relativ junger Ausbildungsformen von Erdfällen ein. Bekannt ist das Gebiet auch als Fundort einiger weit verbreiteter und häufiger Pilzarten, z. B. Eichen-Wirrling. Das NSG, in unmittelbarer Nähe des Jagdschlosses Ettersburg gelegen, ist ein Teil der ehemaligen äußeren Parkanlagen und seit dem Jahre 2000 Teil einer Naturwaldparzelle „Raufenschlag“. Im Nordosten des Gebiets befindet sich eine zur Wasserversorgung (Ettersburg) gefasste Quelle („Brauns Quelle“) mit Brunnenhäuschen.

Das NSG 50 „Prinzenschneise“ ist Teil eines Waldkomplexes auf dem Großen Ettersberg etwa 2 km nördlich von Weimar. Es umfasst naturnahe Waldgesellschaften (u. a. Hainsimsen-Buchenwald, Labkraut-Eichen-Hainbuchenwalde) mit artenreicher Mollusken- und Schmetterlings- sowie bemerkenswerter Bodenarthropodenfauna. Für die Winter-Linde und die Stiel-Eiche stellt das NSG ein wichtiges Genreservat dar. Im östlichen und nördlichen Teil (und östlich angrenzend) befinden sich Reste eines Hügelgräberfeldes. Während der markierte Wanderweg, die „Prinzenschneide“, die südliche Begrenzung des NSG darstellt, liegt die nördliche Grenze auf der Trasse der ehemaligen Buchenwaldbahn. Das Gebiet beherbergt ein Totalreservat.

Einen wesentlichen Teil des Südhanges vom Muschelkalkrücken des Ettersberges nimmt das NSG 323 „Südhang Ettersberg“ im Naturraum 3.5 (Ettersberg) ein. Er ist durch diverse Kleinformen untergliedert. Den größten Flächenanteil des NSG nehmen Kalkmagerrasen, in einer für Thüringen bemerkenswerten Ausdehnung, im Komplex mit bewaldeten Erosionstälern, Gebüschen und ausgedehnten Streuobstwiesen als Lebensraum störungsempfindlicher Tierarten ein. Zum Biospektrum zählen ebenso Teiche und temporäre Kleinstgewässer. „ Zitat Ende

Ferner befindet sich der größte Teil der Landschaft im EU-Vogelschutzgebiet Ackerhügelland und im FFH-Gebiet Nr. 45 „Großer Ettersberg“.

Auf Grund dieser Tatsachen leiten sich zwingende Notwendigkeiten ab, wozu ein Verschlechterungsverbot gehört. Nach Auffassung des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) gilt es daher in derartigen schutzwürdigen Gebieten vorrangig eine naturnahe Entwicklung zuzulassen. Die immer vom Forst vorgetragene Behauptung, dass nur forstwirtschaftliche Maßnahmen die Vermehrung und Entwicklung der Stieleiche ermöglichen, ist nicht korrekt. Abgesehen davon, dass die Fällungen und der Einsatz von schwerer Räumtechnik die Struktur der Wälder stören bzw. gar zerstören, entziehen Bodenverdichtungen und übermäßige Lichteinträge die besonderen Entwicklungsmöglichkeiten der empfindlichen und langsam wachsenden Stieleichenjungbäume. Verschärfung erfährt die Situation, dass auf Grund hoher Nährstoffeinträge Staudenkulturen und verstärkt Spitz- und Bergahorn Einzug halten.

Die Stieleiche benötigt Halbschatten, um keimen und sich entwickeln zu können. Vereinzelt umstürzende Bäume schaffen dafür ausreichend Raum. Ferner bieten Waldrandbereiche und bestehende Kleinlichtungen sehr guten Entwicklungsraum.
Darüber hinaus dienen Wälder durch Aufnahme von Kohlendioxid sowie der Abgabe von Sauerstoff und Wasser als Teil einer dringend notwendigen Klimaregulierung und gehören somit zum bedeutsamen und unersetzlichen Teil des Klimaschutzes. Ferner dienen Wälder der Naherholung für die einem vielfältigen Stress ausgesetzte Menschheit. Ebenfalls fungieren sie als sehr bedeutsamer Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie spielen bei dem Schutz, dem Erhalt und der Entwicklung von Biotop- und Grünverbundräumen eine sehr wichtige Rolle.
Insofern ist eine andere Herangehensweise in den vielfältigen Schutzgebieten dringend nötig. Die Antwort des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft vom 06.06.2017, Drucksache 6/4026T auf die Die Kleine Anfrage 2058 des MdL Roberto Kobelt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) vom 24. März 2017 im Thüringer Landtag lässt leider kein Umdenken erwarten.

Von daher ruft der AHA zu einem verstärkten bürgerschaftlichen Engagement auf, um ein Einlenken des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft zu erreichen. Dabei sind aber auch die Fraktionen des Thüringer Landtages und die gesamte Thüringer Staatsregierung gefordert.

Der AHA ist bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Möglichkeiten sein Wissen sowie seine Erfahrungen einzubringen. Ferner bietet der AHA sich an Interessenten eine Plattform zur Mitwirkung anzubieten. Wer Interesse hat mitzuwirken, wende sich bitte an folgende zentrale Anschrift des AHA:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
Fax.: 01805-684 308 363
E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de
Internet: http://www.aha-halle.de

Anhang: dka42058_massive_forstarbeiten_mit_schwertechnik_im_ffh-gebiet_nr._45_grosser_ettersberg_mit_teilweiser_betroffenheit_des_nsg_nr._50_prinzenschneise_rk



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