AHA fordert Förderung einer nachhaltigen und regionalproduzierenden Landwirtschaft

Immer wieder hat der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) auf die Ursachen des rasanten Anstiegs der Pegel von größeren und kleineren Fließgewässern bei Niederschlägen, Tauwetter und teilweise gefrorenen Böden hingewiesen. Nach Auffassung des AHA vernachlässigt man häufig nach Auffassung ganz wichtige Faktoren, welche dazu führen, dass der Anstieg der Wasserstände so rasant und umfassend vonstatten geht. Dazu zählen ausgeräumte Landschaften, versiegelte Böden, fehlende Gewässerschonstreifen und Retentionsflächen sowie begradigte und häufig an Ufern und in der Gewässersohle befestigte Fließgewässer.

An der Stelle weist der AHA darauf hin, dass das Umweltbundesamt und das Statisti-sche Bundesamt ermittelt haben, dass gegenwärtig in Deutschland eine tagtägliche Neuversiegelung von Boden im Umfang im Umfang von 69 ha Boden stattfindet. Dies geht zumeist zu Lasten von fruchtbaren Böden und der Land-wirtschaft. Das entspricht in etwa einer Fläche von ca. 100 Fußballfeldern und im Jahr in etwa einer Fläche von 25.185 ha -69 ha/Tag x 365 Tage/Jahr = 25.185 ha/Jahr. Im Vergleich dazu die Flä-che der Stadt Leipzig, welche 29.760 ha beträgt. Der nunmehrige Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD hat dazu folgendes vermerkt, Zitat:

„Flächenschutz
Unser Ziel ist, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2030 auf maximal 30 Hektar/Tag zu halbieren. Wir prüfen, mit welchen zusätzlichen planungsrechtlichen und ökonomi-schen Instrumenten das Ziel erreicht werden kann.“, Zitat Ende

Nach Auffassung des AHA, ist bereits diese Anzahl, angesichts des fortgeschrittenen Versiegelungsgrades, viel zu hoch.

Neben dem besonderen Schwerpunkt Flächenversiegelung für Siedlungs-, Verkehrs- und Gewerbebauten, gehören auch eine weiter zunehmende Verarmung der Landwirtschaft und der Ackerflächen dazu.
Während zu DDR-Zeiten bis 25 verschiedene Ackerkulturen auf den Feldern standen, hat sich die Vielfalt auf 6 – 7 Kulturen verarmt. Während einst im Rahmen der Fruchtfolge auch Humusmehrer wie Luzerne, Phacelia und Klee-Gras-Gemische zur Verbesserung der Bodenstruktur beitrugen, dazu noch idealen Lebens- und Nahrungsraum für zahlreiche Tiere boten, prägen heute hohe, undurchdringliche, humuszehrende Kulturen wie Mais und Raps das Bild der Agrarräume. Es folgt Humusabbau, geringere Wasserdurchlässigkeit mit einhergehender Bodenverdichtung. Auf Grund des von Monokulturen veranlassten und beförderten Abbaus der Artenvielfalt auf der Fläche, Rückgangs des Humusbestandes mit einhergehender Minderung des Puffervermögens, Wasserdurchlässigkeit und Bodenverdichtung, versucht man mit verstärkten mineralischen Düngemittelgaben und Ausbringen von Pestiziden das gestörte Gleichgewicht auf den Flächen auszugleichen. Angesichts der immer mehr zunehmenden, klimatisch bedingten Starkniederschläge und der verminderten geringeren Wasseraufnahmefähigkeit der Böden, fließt das Wasser oberflächlich ab und erodiert dabei den häufig stark mit Nährstoffen und Pestiziden angereicherten Boden. Neben der Tatsache, dass somit eine Ursache von Hochwasser benannt ist, führt dies zur zunehmenden Verschlammung und Eutrophierung von Gewässern. Jedoch in Trockenphasen sorgen Winderosion sowie Abdrift von Düngemitteln und Pestiziden für eine ähnliche Wirkung. Häufig fehlende Gewässerschonstreifen verstärken und befördern diesen Prozess.

Weitere Belastungen stellen ebenfalls die zunehmende Industrialisierung und Zentralisation der Landwirtschaft im Rahmen der Tierhaltung dar. Immer mehr Bestrebungen und Pläne treten zu Tage, welche Massentierhaltungsanlagen beinhalten und mit vagen sowie fadenscheinigen Arbeitsplatzprognosen versuchen Widerstände aus der Bevölkerung zu paralysieren. Leider finden diese Lobbyisten schnellen Anklang bei Landesregierungen, Landkreisen, Städten und Gemeinden.

Die Massentierhaltung führt zu unhygienischen und qualvollen Haltungsverhältnissen von Tieren in der Landwirtschaft. Diese bestialischen und verabscheuungswürdigen Haltungsbedingungen führen zudem zu unverantwortlichen und Tiertransporten quer durch Europa, Asien sowie Afrika und befördern die Entstehung und Ausbreitung von Tierseuchen und -krankheiten.
Darüber hinaus bedarf es ferner der Betrachtung, welche Zusatzbelastungen an Abgasen, Feinstaub und Lärm die LKW-Transporte bedeuten, wo die anfallende Gülle verbleiben soll sowie welcher Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort entsteht.

Dieses Vorhaben zeigt eindeutig auf, dass eine ordnungsgemäße Umsetzung von Umwelt-, Tier- und Klimaschutz sowie die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe und Unternehmen noch immer nur bzw. eher Thema für Sonntagsreden von profilierungssüchtigen Politikern ist. Es sind immer wieder die gleichen Leute, welche nach Neu- und Ausbauten von Autobahnen und Straßen rufen, um noch mehr und größere LKW auf die Trassen zu schicken sowie die Landwirtschaft immer deutlicher in die Hände einzelner profitgieriger Personen bzw. Unternehmen treiben. Wie deckt sich das mit den Plänen der gegenwärtigen Landesregierung Sachsen-Anhalt im Allgemeinen und die ländlichen Regionen im Speziellen für Menschen attraktiv zu gestalten und zu entwickeln ? Wie soll das geschehen, nachdem bereits Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts zahlreiche Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verschwanden, die bestehenden regionalen Betriebe immer mehr in Bedrängnis bzw. gar ins Aus geraten und somit eine Regionalisierung der Wirtschaft eher ein Stop als Beförderung erfährt ?

Der AHA hält es daher für dringend geboten, eine ländliche Lebens- und Produktionsstruktur zu erhalten und zu entwickeln, welche den sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Bedingungen vor Ort, in der Region und im Regionalverbund entspricht. Dazu gehört interdisziplinär gedacht, den Fließgewässern naturnahe Entwicklungen zu ermöglichen, wozu die Möglichkeit der Mäandrierung, die Schaffung von mindestens 10 m breiten Gewässerschonstreifen entlang beider Ufer, verstärkte Schaffung von Möglichkeiten zur Wieder- bzw. Neuentstehung von Gehölzflächen in der ausgeräumten Agrarlandschaft sowie eine vielfältige Fruchtfolge im Ackerbau, welche auch tier- und bodenfreundliche Kulturen wie z.B. Luzerne, Phacelia, Lupine und Landsberger Gemenge, bestehend aus Zottelwicke (Vicia villosa), Inkarnatklee (Trifolium incarnátum) und Welschem Weidelgras (Lolium multiflorum), einbezieht. Derartige Maßnahmen verhindern auch die wind- und wasserbedingte Bodenerosion und der damit verbundenen Einträge von häufig mehr oder minder stark nährstoff- und pestizidbelasteten Böden in die Gewässer. Einhergehend müssen solche Maßnahmen mit der Schaffung von Retentionsflächen, der Beseitigung von Verbauungen in und am Gewässer sowie die Unterstützung der Mäandrierung durch den Einsatz von Störsteinen oder –hölzern sowie z.B. des Belassens von Ästen, Laub und Zweigen im Gewässerbett.

Dieses Gesamtpaket erfordert jedoch ein klares Umdenken auf internationaler und europäischer Ebene, aber auch im Maßstab von Bund, Ländern und Kommunen.

Nur eine vielfältige, auf regionaler Produktions- und Handelsbasis beruhende Wirtschafts-, Umwelt-, Verkehrs-, Sozial- und Kulturpolitik ermöglicht u.a. die Lösung der obengenannten Probleme.

Insofern begrüßt der AHA, dass der Landkreis Anhalt-Bitterfeld Strafanzeige gegen den Betreiber des Schweinehochhauses in Maasdorf, die HET GmbH erstattet hat.

Dieser Schritt war nach Ansicht des AHA schon längst überfällig. So setzt der Landkreis Anhalt-Bitterfeld ein klares Zeichen gegen die katastrophalen, qualvollen und somit inakzeptablen Haltungsbedingungen im Schweinehochhaus in Maasdorf.

Der AHA fordert darüber hinaus sich endlich und generell für eine nachhaltige Landwirtschaft einzusetzen, welche durch artgerechte Haltung von Tieren, Arten- und Strukturvielfalt an Anbaukulturen und des ländlichen Raumes, Schutz von Boden, Wasser, Luft, Umwelt, Natur und Landschaft sowie der Verwendung von umweltfreundlichen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln geprägt ist.

Der AHA ist bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen Arbeit an derartigen Maßnahmen konzeptionell und praktisch mitzuwirken und ruft daher auch die interessierte Bevölkerung zur intensiven Mitarbeit auf. Wer Interesse daran hat, kann sich an folgende zentrale Anschrift wenden:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Internet: http://www.aha-halle.de



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