AHA feierte in Braunsbedra seinen 25. Jahrestag der Gründung

Bekanntlich gehören der Erhalt und der Schutz von Natur, Umwelt und Landschaft zu den zwingenden und lebensnotwendigen Aufgaben der gesamten Gesellschaft. Nur leider ist immer wieder festzustellen, dass man dem Erfordernis bei Weitem nicht immer die notwendige Beachtung bzw. den gebotenen Umfang einräumt. Dies entsprechend aber einzufordern, sehen Umwelt- und Naturschutzorganisationen, wozu auch der heutige am 23.02.1991 gegründete Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) gehört, als ihren hauptsächlichen Zweck an. Der AHA führte dazu am Samstag, den 27.02.2016 eine Veranstaltung zum 25. Jahrestag seiner Gründung in “Pfännerhall”/Zentrale für Zukunftstechnologie, Kunst und Design, Zentralwerkstatt Pfännerhall Geiseltal e. V., Grubenweg 4 in 06242 Braunsbedra, Beginn: 10.00 Uhr durch. Dabei hatte der AHA mit einer vielfältigen Veranstaltung auf seine Wurzeln hinweisen, welche bis in das Jahr 1980 zurückreichen, hinweisen, fachlich-inhaltliche Aktivitäten vorstellen sowie Vorhaben für die Zukunft erläutern. Die 30 anwesenden Personen konnten in dafür bestens eingerichteten Räumen, dank eines sehr netten und fürsorglichen Personals sowie sehr guter Verpflegung ein sehr vielfältiges Programm absolvieren.

17-Braunsbedra Am Südufer Geiseltalsee
17-Braunsbedra Am Südufer Geiseltalsee

In seiner Begrüßung wies der Vorsitzende Andreas Liste darauf hin, dass die dringende Notwendigkeit des Wirkens von Umweltorganisationen mehr denn je erforderlich ist. Er begrüßte ausdrücklich die anwesenden Mitglieder, den Bürgermeister der Stadt Braunsbedra Steffen Schmitz, das Mitglied des Landtages Dr. Verena Späthe sowie Eva Beyer von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Salzlandkreises. Er bedankte sich für die unermüdliche Arbeit der Vorbereitungsgruppe des AHA sowie die Gastfreundlichkeit der anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von “Pfännerhall”/Zentrale für Zukunftstechnologie, Kunst und Design, Zentralwerkstatt Pfännerhall Geiseltal e.V..

In seinem Grußwort dankte der Bürgermeister der Stadt Braunsbedra Steffen Schmitz für die Einladung, welcher er gerne gefolgt sei, und drückte seine Genugtuung aus, dass der AHA sich entschieden hat in seiner Stadt seinen 25. Gründungstag zu feiern. Er umriss die dringende Notwendigkeit von Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz sowie eines Engagements für diese Sache. Jedoch verwies er auch, dass seine Stadt die Entwicklung einer touristischen Nutzung des 1.840 ha großen Geiseltalsees, welcher somit der größte See des Landes Sachsen-Anhalt und zur Zeit der größte künstliche See Europas ist, für dringend notwendig erachtet. Er hält dazu dringend einen fachlich-fundierten Dialog mit Umweltorganisationen, so auch mit dem AHA, für erforderlich. Er wünschte zudem der Veranstaltung einen guten Verlauf Zum Thema „Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA)“ legte der Vorsitzende Andreas Liste zuallererst den historischen Entwicklungsweg dar, welcher im Frühjahr 1980 auf der halleschen Peißnitz seinen Anfang nahm. Die Gründung des Gründung des Arbeitskreises Umweltschutz (AKUS) Halle in der Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU) im Kulturbund (KB) der DDR am 16.01.1983 im „Club der Werktätigen“ in Halle-Büschdorf, die Gründung und Umgestaltung seiner Peißnitzgruppe am 29.05.1983 und 16.07.1987, die Auflösung des AKUS im Januar 1990, die Bildung des Arbeitskreises Auenwald Peißnitz im Kulturbund Halle e.V. am 24.03.1990 sowie letztendlich die Gründung des AHA am 23.02.1991.

4-Braunsbedra Pfännerhall Gisela Döring & Andreas Liste
4-Braunsbedra Pfännerhall Gisela Döring & Andreas Liste

Andreas Liste erläuterte, dass der AHA momentan 110 natürliche und 13 kooperative Mitglieder hat, welche zum großen Teil in 3 Regionalgruppen, 3 Ortsgruppen, einer Interessengemeinschaft, 21 territorialen Arbeitsgruppen und 11 thematischen Arbeitsgruppen mitwirken. Er verwies besonders auf das Bestehen der Umweltbibliothek „Jürgen Bernt-Bärtl“ in Merseburg, die Aktivitäten von Jugendarbeitsgruppen am Ellerbach im Umfeld der Stadt Bad Dürrenberg, die zahlreich erarbeiteten Konzeptionen, durchgeführten Exkursionen, Erfassungen und Arbeitseinsätze, erstellten Stellungnahmen und Presserklärungen sowie einer sehr anschaulichen eigenen Homepage. Dies ist aus seiner Sicht nur der vielfältigen Aktivitäten der ausschließlich ehrenamtlichen Mitglieder in den Ländern Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Berlin zu verdanken.

Als erstes Beispiel diente der vom Projektleiter des AHA Horst Zeitz vorgestellte und vorgeführte Film „Mit Planktonnetz und Chemiekoffer“, welcher im Rahmen des Projektes „Erarbeitung einer Pflege- und Entwicklungskonzeption für den Ellerbach“ entstanden ist. Er zeigte die vielfältigen Aktivitäten von Schülerinnen und Schülern der Borlachschule in Bad Dürrenberg auf, welche die umfassenden, fachlichen Erfassungs- und Auswertungsarbeiten in Bild und Ton festgehalten hat.
In seinem Beitrag „Auen als Lebensraum des Bibers“ legte Karl-Andreas Nitsche (AHA) sehr anschaulich, fachlich-fundiert dar, warum der Schutz und Erhalt der Auenlandschaften und des Bibers so eng zueinander gehören. Er unterstrich dabei, dass nicht der Biber in die menschlichen Lebensräume vorgedrungen ist, sondern umgekehrt der Mensch z.B. durch Flussausbaumaßnahmen, Ausdeichung großer Auengebiete, verstärkter Bau von Verkehrstrassen, Siedlungs- und Gewerbebauten die Auen und somit den Lebensraum des Bibers einschränkte. Von daher ist der häufige mediale und behördliche Feldzug gegen den Biber falsch fundiert und verkehrt ausgerichtet. Nur die Revitalisierung und Renaturierungen von Auenlandschaften können hier ökologisch positive Veränderungen herbeiführen. Dabei entstehen wieder mehr naturnahere Auen, welche als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, Wasserreservoir, Naherholungsraum für Menschen sowie als natürlicher Ausbreitungsraum für Hochwasser dienen.

In guter Anknüpfung dazu stellte der 2. stellvertretende Vorsitzende des AHA Detlef Eisewicht eine umfassende und tiefgreifende Analyse und einen ausführlichen Ausblick mit der Überschrift „Die Umsetzung des Renaturierungskonzeptes Fuhneaue – der aktuelle Stand und die daraus abzuleitenden Optionen für die Zukunft“ vor. Dabei beleuchtete er den gegenwärtigen Zustand des Fuhnegebietes im Gebiet der Stadt Bitterfeld-Wolfen, Stadtteil Wolfen und erläuterte die konzeptionelle Phase sowie erste und künftig notwendige Maßnahmen zur Umsetzung der Konzeption. Für die interessierte Öffentlichkeit besteht die Möglichkeit im Rahmen folgender Exkursionen die AHA-Vorstellungen vor Ort dargelegt zu bekommen:

Samstag, den 16.04.2016
Wanderexkursion entlang der Fuhne bis zur Brödelgraben-Einmündung
Marschroute: Kurzer Aufenthalt im Naherholungsgebiet „Fuhneaue“ Wolfen mit dem Gondelteich zwecks Besichtigung, Fortsetzung der Wanderung über den Fuhnetalweg bis zum Erlen-Eschen-Wald „Reudener Busch“ im Wolfener Naherholungsgebiet und Landschaftsschutzgebiet „Fuhneaue“ und anschließend bis zur Einmündung des Brödelgrabens in die Fuhne, Fuhne-Überquerung über die Brücke unweit der Ortsumgehungsstraße von Salzfurtkapelle, Fortsetzung der Tour über den Feld- und Wiesenweg bis zum Brödelgraben-Tunnel unter der BAB 9, weiter über den Brödelgrabenweg – vorbei am Kiesabbaugebiet Reuden-West – bis nach Reuden, Rückmarsch über den Fuhnetalweg, die Leipziger Straße (B 184) und die Eisenbahnstraße zum Wolfener Bahnhof
Treff: 10:00 Uhr Bahnhof Wolfen
Dauer: ca. 6 Stunden

Samstag, den 18.06.2016
Radexkursion entlang der Fuhne zum Gondelteich, zum Erlen-Eschen-Wald „Reudener Busch“, zur Brödelgrabeneinmündung, zur Fuhnevogtei, zum Quellgebiet der Fuhne mit Fuhnebifurkation, zum Quellbusch sowie entlang des Zörbiger Strengbaches bis zum Gut Mösslitz
Treff: 10.00 Uhr Bahnhof Wolfen
Dauer: ca. 6 Stunden

Nach der Mittagspause griff der Abteilungsleiter in der Thüringer Landgesellschaft Marcel Möller das Thema „Hochwasserschutz und gewässerstrukturverbessernde Maßnahmen an der Weißen Elster zwischen BAB A 4 und Landesgrenze Thüringen/Sachsen-Anhalt“ auf. Im Rahmen umfassender Darstellungen beschrieb er eine Planung, welche alle Interessen und Notwendigkeiten der Anwohner, Landwirte, Denkmalschutz, Verkehrsplanungen, des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes zueinander abwägen muss und letztendlich aber auch zur Schaffung wesentlich bessere Möglichkeiten zur Ausbreitung des Hochwasser führt. Dazu sieht der Referent u.a. die dringende Notwendigkeit sich eng mit Behörden, Kommunen, Flächeneigentümern, Anwohnern, Landwirten, Vereinen und Verbänden abzustimmen.
In dem Zusammenhang sei auf folgende Fahrradexkursion hingewiesen:

Samstag, den 25.06.2016
Fahrradexkursion durch die Aue der Weißen Elster zwischen Gera und Zeitz
Treff: 10:00 Uhr Bahnhof Gera, Ausgang Bahnhofsstraße
Ende: Bahnhof Zeitz, Ausgang Baenschstraße unweit der Weißen Elster
Dauer: ca. 6 Stunden

Zum Abschluss der Veranstaltung nahmen die Veranstaltungsteilnehmer an einer sehr fach- und sachkundigen Führung durch die Ausstellung sowie einer Exkursion zum Geiseltalsee teil. Im Rahmen der Exkursion legte der AHA grobe Eckpunkte seiner Vorstellungen zur Entwicklung des Geiseltalsees dar. Dazu zählt die Entwicklung eines Tourismus, welcher sich den Bedingungen des Umwelt-, Landschafts- und Naturschutzes unterordnet, das 1.156 ha großen Naturschutzgebiet „Bergbaufolgelandschaft Geiseltal“ unangetastet bleibt und ggf. eine Erweiterung zu prüfen ist. Ferner verweist der AHA darauf, dass bei einer stetigen und möglichen Verringerung der Niederschlagsmengen auf 300 mm im Jahr und jährlichen Verdunstungsmengen im Umfang von ca. 700 mm u.a. eine Verringerung des gegenwärtigen Wasservolumens von ca. 423 Millionen m³ und der Wasserfläche von 1.840 ha zur Folge haben kann. Außerdem betrachtet der AHA weiter mit kritischen Blick, dass nunmehr die Geisel durch den See verläuft, da das Fließgewässer seine Sedimente im See hinterlässt, sie nicht in seiner nachfolgenden Aue verteilen kann und letztendlich womöglich zusammen mit der Verringerung des Wasservolumens langfristig zur schrittweisen Verlandung des Geiseltalsees führen kann.

Der AHA hält es zudem für dringend geboten die sukzessive Entwicklung der Gehölz-, Hochstauden- und Wiesenflächen an den Hängen sowie der Röhrichtbereiche am Seeufer zu befördern, zu sichern und zu schützen. Hier besteht die Möglichkeit arten- und strukturreiche Landschaften und Natur zu schaffen, welche vielen Tier- und Pflanzenarten als Lebens- und Rückzugsraum dienen kann.

Jedenfalls ist sich der ehrenamtliche und gemeinnützige AHA bewusst, dass er sich weiterhin und verstärkt für den Schutz und Entwicklung des Geiseltalsees sowie der Auen der Geisel widmen möchte. Dazu gehört auf jeden Fall u.a. sehr gerne das Angebot des Bürgermeisters der Stadt Braunsbedra Steffen Schmitz aufzugreifen.
Selbstverständlich können sich auch Interessenten an den AHA-Aktivitäten beteiligen. Wer Interesse hat, wende sich bitte an folgende Anschriften:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de
Internet: https://www.aha-halle.de

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Merseburg-Leuna-Bad Dürrenberg
/Umweltbibliothek Merseburg „Jürgen Bernt-Bärtl“

Weiße Mauer 33
06217 Merseburg
Tel.: 0176 – 52562945
Fax.: 0180-5684 308 363 (deutschlandweit zum Ortstarif)
E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de
E-Mail UBM: ubh2004@yahoo.de

Fotos: Dietmar Hörner



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