AHA begrüßt Entscheidung der Stadt Gera keine Neubebauung in Langenberg zuzulassen!

Der gemeinnützige und ehrenamtliche Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) setzt sich bekanntlich sehr intensiv für den Schutz, Erhalt und naturnahe Entwicklung der Weißen Elster, ihrer Fluss- und Auenlandschaften, ihrer Nebengewässer sowie angrenzender Natur- und Kulturlandschaften ein. Dies geschieht in Form von Stellungnahmen, Vorschlägen, Exkursionen sowie Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit.
Im Rahmen dieser räumlich, fachlich-inhaltlich und organisatorisch umfassenden ehrenamtlichen Tätigkeit beabsichtigt der AHA nunmehr auch seine Aktivitäten auf die ca. 30 km lange Weiße Elster zwischen den Städten Gera und Zeitz zu intensivieren.
Dabei bilden der Erhalt, der Schutz und die Entwicklung weiterer Abschnitte zu naturnahen Natur- und Landschaftsräumen, die Erweiterung von Hochwasserräumen, die mögliche Wiederanbindung von Altarmen und eines umwelt- und naturverträglichen Tourismuskonzeptes, die Entwicklung eines breitgefächerten Umweltbildungskonzeptes sowie die Unterstützung des Vorhabens der Ausweisung großer Teile des Gebietes der Weißen Elster ab Gera, über Markkleeberg, Leipzig, den angrenzenden Landkreisen bis nach Halle (Saale) zur Ausweisung zum UNESCO-Weltkulturerbe, die ersten Arbeitshauptschwerpunkte. So lassen sich ökologische, geologische, archäologische, historische, kulturelle, wissenschaftliche, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte umfassender und günstiger ins Verhältnis bringen, um so angemessen zukunftsfähig länderübergreifend eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Perspektivisch erscheint es in dem Zusammenhang sinnvoll zu sein, die Gebiete über Gera, Greiz und Plauen bis ins Erzgebirge nach Tschechien ins Quellgebiet auszuweiten.
Dazu ist es jedoch notwendig, dass die Stadt Gera diesen dringenden Schutzanspruch verstärkter in die eigene Stadtplanung aufnimmt.
Medienberichten zu Folge, hat sich nunmehr die Verwaltung der Stadt Gera entschieden im Geraer Ortsteil Langenberg im Bereich der Glockenstraße eine Bebauung für Wohnbebauung auf einer 0,94 ha großen Wiesenfläche nicht zuzulassen.
Schon aus der Sicht der Bevölkerungsentwicklung Geras ist diese Bebauung nicht zu rechtfertigen.
Laut Stadtverwaltung Gera hatte die Stadt mit Stand vom 31.03.2021 eine Einwohnerzahl von 93.167 Einwohner. Mit Stand vom 31.09.2020 lag die Einwohnerzahl noch bei 93 833 Personen. Das bedeutet für diesen Zeitraum einen Rückgang von 666 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Zudem weist die „Sozialstatistik der Stadt Gera“, Stand: 28. Februar 2020, auf Seite 16, unter den Punkten 3.1. für das Jahr 2018 einen Wohnungsbestand für Wohnzwecke im Umfang von 60.508 Wohnungen und davon einen marktaktiven Leerstand von 10,2 % = 6.171,82 Wohnungen aus.
Neben der Tatsache, dass u.a. soziale Verbesserungen dringend geboten sind, um die Abwanderungen zu mindestens zu stoppen, gilt es zuerst den hohen Wohnungsleerstand zu beseitigen, ehe man erneut Flächenverbrauch für neue Einfamilienhäuser zulässt. Das verlangen ökologische, klimatische und hydrologische Erkenntnisse, Vernunft und Erfordernisse.
Daher hält der AHA beispielsweise weiter an seiner Anregung fest, die ca. 9 ha große Fläche zwischen Mühlgraben, Stadtbahnbrücke und Leibnitzstraße massiv zu entsiegeln, bis zum naturgewachsenen Boden zu beräumen und eine Sukzession zu ermöglichen. Darüber hinaus gilt es die Fläche der Weißen Elster als Retentionsraum zurückzugeben. Dieser Bereich kann sich so nicht nur als Lebens- und Rückzugsraum von Tieren und Pflanzen und Teil eines größeren Grün- und Biotopverbundes entwickeln, sondern zum verbesserten Eintrag von Sauerstoff, Luftfeuchtigkeit sowie Kalt- und Frischluft und somit zur Verbesserung des Stadtklimas und der Lebens- und Wohnqualität der Menschen beitragen. Ferner führen derartige Grünbereiche zur Auflockerung und Verbesserung des zumeist stark versiegelten Stadtbildes.
In dem Blickwinkel betrachtet, unterstützt der AHA die bisherige Aussage der Stadt Gera im Geraer Ortsteil Langenberg im Bereich der Glockenstraße keine Bebauung für Wohnbebauung auf einer 0,94 ha großen Wiesenfläche zuzulassen.
Alternativ schlägt der AHA den Wiesenkomplex in eine partiell und unregelmäßig zu mähende bzw. zu beweidende Wiese umzuwandeln, um so einen arten- und strukturreichen Natur- und Landschaftsbestandteil entwickeln zu können. Wiesen dienen nicht nur als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzen sowie in der Blütezeit als Nahrungsgrundlage für zahlreiche Insektenarten, sondern auch als Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet, was zu mindestens zur Stabilisierung des Klimas im gesamten Stadtgebiet Gera beitragen kann.
Ferner gilt es das Gebiet, weitläufig von den FFH-Gebieten „Schluchten bei Gera und Bad Köstritz mit Roschützer Wald“ und „Brahmeaue“ sowie der Aue der Weißen Elster eingerahmt, in ein umfassendes Biotop- und Grünverbundsystem einzubetten.
Solche Verbundsysteme tragen zur Schaffung bzw. Stabilisierung von faunistischen und floristischen Verbindungen sowie zur Verbesserung des Luftaustausches bei und wirken Verinselungen einzelner Biotope entgegen. Daher ist dringend geboten nicht nur eine Stabilisierung, sondern eine weitere Wiederausweitung von Biotop- und Grünverbundsystemen zu ermöglichen. Neben der ökologischen und klimatischen Wirkungsvielfalt, tragen solche Maßnahmen umfassend zur Auflockerung und Verbesserung des Stadtbildes bei und erhöhen somit auch die Attraktivität als Wohnstandort und verbessern Möglichkeiten für eine nachhaltige, umwelt- und naturgerechte Naherholung für die stressgeplagte Bevölkerung.
In dem Zusammenhang bekräftigt der AHA wiederholt und mit Nachdruck seinen Wunsch und Bereitschaft sich im Rahmen seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Möglichkeiten verstärkt für den Schutz, Erhalt und Entwicklung des gesamten Flussgebietes der Weißen Elster von Quelle bis zur Mündung einzusetzen. Dazu zählen selbstverständlich auch das Stadtgebiet Gera sowie der Abschnitt der Weißen Elster zwischen den Städten Gera und Zeitz. Daher hatte die Mitgliederversammlung des AHA vom 07.12.2020 beschlossen eine länderübergreifende Regionalgruppe Gera-Zeitz zu bilden. In dieser AHA-Gruppe können sich ehrenamtliche Interessenten unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildung und Beruf einbringen. Wer Interesse hat, wende sich bitte an folgende Kontaktmöglichkeit:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Leipzig und Umland
Otto-Adam-Straße 14

04157 Leipzig

E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Andreas Liste
Vorsitzender

Halle (Saale), den 01.05.2021

Fotos: AHA



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