AHA führt Radexkursion entlang der Bode, Saale und Fuhne durch

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) führt am Samstag, den 24.05.2014 eine ca. fünfstündige Radexkursion entlang der Bode bis zum Mündungsbereich in die Saale in Nienburg (Saale) und zum Naturschutzgebiet „Sprohne“ sowie zum Mündungsbereich der Fuhne in die Saale in Bernburg durch.

Im Rahmen der Radexkursion beabsichtigt der AHA die Bedeutung und Vorschläge zum Schutz und Erhalt der Bode und ihrer Aue zu erläutern, wozu auch der Park in Neugattersleben gehört. Dabei spielen auch die Gefahren eine Rolle, welche zum Beispiel in Folge einer Salzwassereinleitung im Falle der Erschließung eines Braunkohlentagebaus Egelner Südmulde auftreten können.
Darüber hinaus ist Ziel der Radexkursion den Biotopverbund entlang der Saale mit seinen Altarmen und dem 15,34 ha großen Naturschutzgebiet Sprohne zwischen den Mündungsbereichen von Bode und Fuhne zu würdigen, welches zu den bedeutsamen Bestandteilen des europäischen Schutzgebietes nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie „Nienburger Auwald-Mosaik“ zählt.

Ebenso ist vorgesehen, die Bedeutung und Schutzwürdigkeit der Fuhne darzulegen. Außerdem hält es der AHA für dringend geboten im Rahmen der Radexkursionen auf die Bedrohungen durch die bereits im Betrieb befindliche EBS-Mitverbrennungsanlage im Schwenk-Zementwerk und die von Solvay und Tönsmeier betriebene Müllverbrennungsanlage in Bernburg sowie die Zerschneidung durch die B 6n hinzuweisen.

Ferner möchte der AHA Möglichkeiten aufzeigen, wie jeder zum Schutz und Erhalt dieser wertvollen Gebiete beitragen kann. Dabei gedenkt der AHA auch für eine Mitwirkung in möglichen ehrenamtlichen Arbeitsgruppen an der Bode, die Interessengemeinschaft Fuhne sowie für die Regionalgruppen Wettin-Können-Bernburg und Calbe (Saale)-Barby (Elbe) zu werben.

Treff ist 10.00 Uhr am Bahnhof Staßfurt, welche am Bahnhof Bernburg enden wird.



AHA hält Schutz, Erhalt und naturnahere Entwicklung im Gebiet zwischen Saale, Schlackenbach und Schlenze für dringend geboten

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hält eine Änderung des Umgangs mit dem Landschafts- und Naturraum zwischen Saale, Schlackenbach und Schlenze für dringend geboten.

Im Rahmen einer Fahrradexkursion des AHA erfolgte eine Besichtigung dieses sehr vielfältigen und entwicklungsfähigen Landschafts- und Naturraumes. Als erstes erfolgte die Besichtigung des Schlackenbaches, welcher in der Ortslage sehr stark eingeschränkte Möglichkeiten der Entfaltung hat. Für den Schlackenbach sollte als Maßstab der Entwicklung der naturnahere Zustand unterhalb von Belleben bis Alsleben dienen. Nur so kann der Bach als Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dienen, Hochwasser aufnehmen, den Landschafts- und Naturraum aufwerten sowie den Mindestansprüchen aus der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) entsprechen. Entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten zeichnen sich im Gewässerabschnitt zwischen Belleben und dem Gutspark Piesdorf ab. Hier sind deutliche Tendenzen einer naturnaheren Entwicklung erkennbar, wozu Ansätze einer Mäandrierung sowie noch vereinzelte Ufergehölzentwicklungen gehören. Das am Nordwestrand des Gutsparks Piesdorf befindliche und vom Schlackenbach durchströmte Feuchtgebiet lässt, wie auch der Gesamtverlauf durch Piesdorf und Belleben, deutlich die hohen Nährstoffbelastungen von den benachbarten Feldern erkennen. Im Piesdorfer Gutspark hat es leider in den letzten Jahren zu einem nicht unerheblichen Verlust an Gehölzen geführt, was sich negativ auf das Erscheinungsbild des Parks, den Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten auswirkt sowie in der nunmehrigen Beförderung der nitrophilen Staudenkulturen zeigt. Zudem ist das ein negatives Signal in einer eher gehölzarmen Agrarlandschaft z.B. in Richtung Gerbstedt. Darüber hinaus belasten umfassende Ablagerungen von Müll und Gartenabfällen im Nordostrand des Piesdorfer Gutsparks nicht nur das Erscheinungsbild, sondern den Park mit zusätzlichen Nährstoffen und womöglich auch mit Schadstoffen. Zudem bilden derartige Ablagerungen von Müll und Gartenabfällen Gefahrenquellen für Mensch und Tiere. Von daher waren sich die ExkursionsteilnehmerInnen sehr schnell einig, dass diese Ablagerungen von Müll und Gartenabfällen unverzüglich zu beseitigen sind und es gilt, erneute Verschmutzungen zu verhindern.

Während die ExkursionsteilnehmerInnen mit großer Freude den Bestand an Kopfweiden im Schlackenbach in östlicher Angrenzung zum Piesdorfer Gutspark aufnahm, kam Unverständnis zu den Ausbaggerungen im Bachbett noch weiter östlich in Angrenzung zur K 2112 auf. Neben der Tatsache, das es gilt Fließgewässern eine naturnahe Entwicklung zu ermöglichen, ist mit massiven Schädigungen im Wurzelbereich der am südlichen Ufer stehenden Kopfweiden zu rechnen. Derartige Bauarbeiten sind nach Auffassung der ExkursionsteilnehmerInnen künftig zu unterlassen.
Das Gehölz, welches sich in Piesdorf südöstlich bis östlich von der K 2112 befindet und vom Schlackenbach durchströmt ist, weist starke Eutrophierungserscheinungen auf, welche –wie bereits erwähnt- vorrangig in dem Nährstoffeintrag von den angrenzenden Feldern begründet liegt. Es sollte, nach Meinung der ExkursionsteilnehmerInnen, eine Prüfung erfolgen, inwieweit eine sukzessive Erweiterung des Gehölzes nach Osten möglich ist, um mit der Erweiterung der Gehölzfläche den gesamten Natur- und Landschaftsraum aufwerten zu können, weiteren Lebens- und Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen zu schaffen, den Nährstoffeintrag auch so zu mindern sowie einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Der Landschaftsraum zwischen Piesdorf ist sehr stark von Gehölzarmut, Windräder und einer sehr lückenhaften Obstallee entlang des Weges geprägt.
Nach Auffassung der ExkursionsteilnehmerInnen ist dringend eine Entwicklung von Gehölzflächen und –streifen als Mischung von Sukzession und Pflanzung heimischer Gehölzarten dringend geboten. Die Gehölzebereiche bedürfen zudem eines Saumstreifens aus Kräutern, Stauden, Wildblumen und Gräsern, welche zusammen mit den Gehölzen als Lebens- und Rückzugsraum für viele Tier- und Pflanzenarten fungieren kann. Zudem werten derartige ökologisch dringende Maßnahmen das Landschaftsbild auf, verringern Erosion, verbessern das Klima und sorgen für meine Rückhaltung von Wasser in der Fläche. Jedoch ist eine Umstellung der Landwirtschaft dringend erforderlich. Von einst ca. 25 sind 5 bis 7 Ackerkulturen übriggeblieben, von denen ein Großteil Humuszehrer sind sowie unmögliche Lebensbedingungen z.B. für Feldhasen, Feldhamster und Bodenbrütern sowie Jagdbedingungen für Greifvögel und Eulen bestehen.

Während z.B. die Mäusepopulationen stark schwanken, können sie ihren Nahrungsfeinden nicht als Nahrung dienen, da diese z.B. in Mais- und Rapsfeldern schlecht jagen können. Infolge hoher Mäusepopulationen ausgebrachte Giftköder erhöhen die Gefahr für die ohnehin schon bedrängte und gestresste Fauna noch mehr.

Nach Auffassung der ExkursionsteilnehmerInnen gilt es nunmehr ein entsprechendes wissenschaftlich-fachlich fundiertes Flurholzkonzept zu erarbeiten, zu prüfen, öffentlich zu beteiligen und letztendlich dann umzusetzen. Hier sehen die ExkursionsteilnehmerInnen ein umfassendes wissenschaftliches Potenzial an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Hochschule Anhalt, Standort Bernburg.

Zudem vertreten die ExkursionsteilnehmerInnen die Position, dass entlang des Weges zwischen Piesdorf und Gerbstedt unbedingt umfassende Nachpflanzungen von Obstbäumen stattfinden sollte. Die Pflanzaktionen könnten als Bürgerarbeitseinsätzen erfolgen.

In Gerbstedt nahmen die ExkursionsteilnehmerInnen mit Unverständnis den Zustand des Lohbaches auf. Eingezwängt in Betonbauwerken, zeigt der Bach auch Verschmutzungen durch ungeklärte Abwässer auf. Während die Einleitung der Abwässer sofort einzustellen sind, bedarf es ebenfalls eines wissenschaftlich fundierten Konzeptes wie künftig der Durchfluss des Lohbaches durch die Ortslage von Gerbstedt ausgestaltet sein könnte. Der gegenwärtige Zustand entspricht in keiner Weise den Ansprüchen der WRRL und von daher ist schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen. Gleiches gilt für den Gewässerabschnitt Am Raindorf.

Im Abschnitt bis zum Ortseingang Zabenstedt ist zum Erstaunen der ExkursionsteilnehmerInnen das Bachbett komplett ausgetrocknet. Es sind jedoch deutlich Spuren von temporären Wasserdurchflüssen erkennbar. Hier halten die ExkursionsteilnehmerInnen eine dringende Aufklärung seitens der zuständigen Behörden und Verwaltungen dringend geboten. Weiter vertreten die ExkursionsteilnehmerInnen die Position, dass der Lohbach naturnah sein Bachbett durchströmen muss. In Zabenstedt dagegen tritt im Bereich des Wasserweges aus einem unterirdischen Rohr optisch klares Wasser hervor, was zur umfassenden Speisung des Lohbaches führt. Im Bereich der Wassermühle sind Sohl- und Uferbefestigungen erkennbar. Diese gilt es jedoch unverzüglich zu entfernen.
Im Mündungsgebiet des Lohbaches in die Schlenze befindet sich eine offenbar überweidete und nicht ordnungsgemäß betreute Streuobstwiese. Die Bäume sind teilweise in einem sehr schlechten Zustand und die Lücken in der Streuobstwiese nehmen rasant zu. Hier sehen die ExkursionsteilnehmerInnen akuten Handlungsbedarf, was nach einer wissenschaftlichen Eingangsuntersuchung, im Rahmen einer darauf aufbauenden Konzeption zum Beispiel Umfang und Art der Beweidung, der Pflege, Betreuung und Bepflanzung festlegt. Hier sind Flächeneigentümer und zuständige Behörden gefordert.
Die Schlenze weist hier naturnahe Mäandrierungserscheinungen auf, welche durch eine südlich angrenzende Straße, deutliche Eingrenzung erfährt. Ein sich westlich anschließendes Feuchtgebiet benötigt einen massiven Schutz, um Austrocknung, Betreten, Vermüllung und Pflanzenentnahmen ausschließen zu können.

Der Verlauf der Schlenze bis zur Einmündung des Abflusses aus dem Schlüsselstollen bei Friedeburg ist von umfassenden naturnahen Tendenzen gekennzeichnet. Dies zeigt sich insbesondere in Mäandrierungen und sukzessive Entstehungen von Ufergehölzen. Jedoch sind zumeist geringe oder gar keine Gewässerschonstreifen erkennbar. Die ExkursionsteilnehmerInnen stellten die Forderung auf, dass die im Wassergesetz des Landes Sachsen-Anhalt verankerten Gewässerschonstreifen einzuhalten sind. Für Gewässer I. Ordnung sind 10 m breite Streifen beiderseits der Uferkante festgelegt. Diese Breite ist auch dringend erforderlich, um eine naturnahe Entwicklung von Gewässern zu ermöglichen.

Der Thaldorfer Bach weist bereits jetzt naturnahere Tendenzen, welche es zu schützen und zu sichern notwendig ist. Daher halten es die ExkursionsteilnehmerInnen für sinnvoll, u.a. den Straßenaufbruch in der L 158 bei Friedeburgerhütte, unweit der Einmündung in die Schlenze, massiv zu erweitern.

Im Bereich der Einmündung des Fleischbaches sind die umfassenden Sohlbefestigungen aus der Schlenze zu entfernen, so der einheitliche Tenor der ExkursionsteilnehmerInnen.
Für den Mündungsbereich des Abflusses aus dem Schlüsselstollen bei Friedeburg in die Schlenze schlagen die ExkursionsteilnehmerInnen eine umfassende räumliche Erweiterung vor, um hier ein halogen geprägtes Feuchtgebiet entstehen zu lassen, um hier einer einzigartigen, durchaus standortgerechten Fauna und Flora Lebens- und Rückzugsraum zu geben. Im Vorfeld ist jedoch eine Erarbeitung einer wissenschaftlich-fundierten Konzeption erforderlich, welche unter Federführung von Wissenschaftlern und Studenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Hochschule Anhalt, Standort Bernburg entstehen sollte.

Die Einmündung der Schlenze in die Saale weist immer wieder eine Ansammlung von Müll und Unrat auf. Diese gilt es nach Meinung der Exkursionsteilnehmer unverzüglich zu entfernen.
Im Rahmen der Fahrradexkursion fand auch eine Besichtigung der Schleuseninsel bei Nelben statt. Die ca. 15 ha große Insel ist im Westen von einem durch den Schleusenbau in den Jahren 1939 bis 1942 entstandenen Saaledurchstich und im Osten von der Stromsaale umflossen. Im Süden trennen sich beide Saaleteile. Während die Stromsaale über ein Wehr abfließt, durchfließt der Saaledurchstich ein Wehr mit den Maßen: Länge: 104 m; Breite: 12 m und Tiefe der Kammer: 3,3 m.

Das Auengebiet gehört zur Gemarkung der Stadt Könnern im Landkreis Bernburg. In östlicher Richtung schließt sich das Gebiet der Gemeinde Rothenburg an, welche sich im Landkreis Saalkreis befindet. Vom Südwestzipfel der Insel aus kann man in das Gelände das Draht- und Seilwerk Rothenburg einsehen.

Geologisch eingerahmt und großräumig geprägt von anstehenden Karbon-Schichten der Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke, welche sich aus Sandsteinen bzw. Schiefertonen mit eingeschalteten Konglomeratbänken zusammensetzen, welche durch die intensive Rotfärbung erkennbar sind.

Insel ist größtenfalls von offenen Wiesen- und nitrophilen Hochstaudenflächen geprägt. Ebenfalls vorhanden ist eine genutzte Ackerfläche im westlichen Bereich des Mittelteils der Insel. Im Westteil der Insel in Richtung Saaledurchstich und Schleuse besteht ein mit Gehölzen bewachsener Deich. Ebenso wie die ca. 2 bis 5 m breiten Gehölzstreifen gedeihen dort zum Beispiel Weißdorn, Europäisches Pfaffenhütchen, Gemeiner Liguster, Heckenrose, Silberpappel, Hybridpappel, Gemeine Esche, Robinie, Silberweide, Stieleiche, Schwarzer Holunder, Feldahorn, Eschenahorn, Purgier-Kreuzdorn sowie Feld- und Flatterulme. Ferner sind im mittleren und Nordteil der Insel Wiesen- und nitrophile Staudenflächen zu finden, welche beispielsweise von Großer Brennnessel, Königskerze, Purpurtaubnessel, Großer Klette und Gemeines Leimkraut (Taubenkropf) bewachsen sind. Auf der gegenüber der Ackerfläche in östlicher Richtung befindlichen Hochstaudenfläche hat eine Sukzession eingesetzt. An zahlreichen Stellen sind ein- bis zweijährige Jungpflanzen von Gemeiner Esche, aber auch von Stieleiche und Pappel erkennbar. Bei einer weiteren Nichtbeeinflussung durch Menschenhand ist hier mit einem deutlichen Aufwuchs eines standortgerechten Hartholzauenwaldes zu rechnen, welcher im Anschluss in der Süd- bzw. Südwestspitze, deutlich mit jüngeren bis älteren Bäumen bewachsen, bereits existent ist. Hier ist ein ca. 20 bis 40 Jahre alter Hartholzauenwald vorhanden, welcher sich in solchen auentypischen Gehölzarten in der Baumschicht wie Stieleiche, Feld- und Flatterulme, Gemeiner Esche, Feldahorn, Vogelkirsche und Winterlinde dokumentiert. In der Strauchschicht kommen Weißdorn, Europäisches Pfaffenhütchen, Feldahorn, Schwarzer Holunder etc. als auentypische Arten. Aber auch auenuntypische Gehölze wie zum Beispiel Robinie, Heckenrose, Bocksdorn, Gemeiner Flieder und Steinweichsel sind existent. In der Feldschicht konnten zum Zeitpunkt einer Begehung am 29.10.2005 u.a. Große Brennnessel, Purpurtaubnessel, Großer Klette und Gemeines Leimkraut (Taubenkropf) festgestellt werden. Erfreulich sind der Jungaufwuchs von Gemeiner Esche sowie vereinzelten Stieleichen und Feldahorn sowie das vor Ort gebliebene Totholz. Letzteres entsteht insbesondere in Folge des noch immer grassierenden Ulmensterbens.
Im Bereich der Schleuse und dem Schleusenübergang stehen standortuntypische Anpflanzungen von Spitzahornheistern.

Zusammenfassend gilt es einzuschätzen, dass die Schleuseninsel vielfältig strukturiert ist und sich weitergehend dahin weiter entwickeln kann. Die rasante, sehr oft umweltfeindliche Entwicklung erfordert ein schnelles und konstruktives Handeln zum Schutz, Erhalt, Pflege und Betreuung einzelner und zusammenhängender Naturlandschaften. Hier im konkretem Fall handelt es sich um die Schleuseninsel bei Nelben.

Der ehrenamtlich wirkende AHA möchte die Erstellung einer Pflege- und Entwicklungskonzeption für die Schleuseninsel, Stadt Könnern (Landkreis Salzlandkreis) im Rahmen seiner Möglichkeit begleiten und sich für eine umfassende praktische Umsetzung einsetzen, was strukturell u.a. in der Gründung einer entsprechenden Arbeitsgruppe sein Ausdruck finden soll.
Die zu erstellende Arbeit hat daher die dringende Aufgabe dazu eine fundierte Handlungsgrundlage zu bilden. Im Interesse einer weiteren Beobachtung des Gebietes wird ferner eine weitere, fortlaufende Bearbeitung empfohlen. Der AHA verabschiedete dazu am 05.12.2005 einen „Rahmenplan zur Erstellung einer Pflege- und Entwicklungskonzeption für die Schleuseninsel bei Nelben, Stadt Könnern (Landkreis Bernburg)“.

Den Abschluss der Fahrradexkursion bildete der Severin bei Gnölbzig. Der Severin hat nach schriftlicher Auskunft des amtierenden Landrates des Landkreises Salzlandkreis Ulrich Gerstner vom 27.11.2006 eine Größe von ca. 9 ha und gehört zur Stadt Könnern (Saale) im Landkreis Bernburg und liegt im Bereich des Bernburger Triasgebietes. Eingerahmt ist der Auenwaldrest von Nordwest bis Südost von einem Saalealtarm, welcher im Rahmen eines Durchstiches („Begradigung Gnölbzig“) in den Jahren 1934/35 von der Saale abgetrennt wurde. In nordöstlicher und östlicher Richtung bildet die Saale die Abgrenzung. Der alte Saalearm stellt zugleich die Grenze zwischen den Städten Könnern (Saale) und Alsleben (Saale) dar. In direkter Angrenzung befinden sich die Ortsteile Gnölbzig (Stadt Alsleben) und Trebnitz (Könnern). Der Auenwaldrest Severin ist Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes Saaletal. Eigentümer des gesamten Auenwaldrestes ist Hartmut Bohnefeld aus Löbejün-Schlettau.

Der Severin ist zu fast Zweidrittel als Hartholzauenwald ausgeprägt. Davon zeugen insbesondere in der Baumschicht u.a. Gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.), Feldulme (Ulmus minor Mill.), Flatterulme (Ulmus laevis Pall.), Feldahorn (Acer campestre L.) und Stieleiche (Quercus robur L.), in der Strauchschicht u.a. mit Schwarzem Holunder (Sambucus nigra L.), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea L.) und Jungpflanzen oben genannter Arten sowie in der Krautschicht u.a. mit Waldgelbstern (Gagea lutea L.), Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides L.), Buschwindröschen (Anemone nemorosa L.), Wald-Veilchen (Viola reichenbachania Jord.), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria L.), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum L.), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Wald-Ziest (Stachys sylvatica L.), Große Brennnessel (Urtica dioica L.), Große Klette (Arctium lappa L.), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense L.), Gefleckter Taubnessel (Lamium maculatum L.), Giersch (Aegopodium podagraria L.) und Bereifte Brombeere oder Kratzbeere (Rubus caesius L.) bewachsen sind. Im östlichen Teil gedeihen in der Krautschicht des weiteren Bär-Lauch (Allium ursinum L.) und Hohler Lerchensporn (Corydalis sava L.). Neben der typischen Hartholzauenwaldzusammensetzung sind im nordwestlichen Teil mehrere Reihen Hybridpappelbestände zu erkennen, welche aber von hartholzauentypischen Pflanzen durchsetzt sind. Im östlichen Teil existiert ein kleiner Bestand von Rotbuche (Fagus silvatica L.).

Im nördlichen Bereich erfolgt eine intensive landwirtschaftliche Nutzung des Severins. Einzelne Solitärstieleichen lockern die sonst scharfe Abgrenzung zum Hartholzauenwald auf.
Die Uferzonen des Saalealtarmes sind überwiegend als Weichholzaue ausgeprägt. Insbesondere der Aufschüttungsbereich zwischen Saale und Altarme zeichnet sich als Standort der Silberweide (Salix alba L.) aus.

Der Saalealtarm ist außer dem südöstlichen Bereich ab dem Brückenzugang offen. Dieser südöstliche Bereich ist stark verlandet und mit Röhricht bewachsen. Im Bereich des Brückenüberganges mündet ein Bach in den Saalealtarm. Die Uferzonen im offenen Gewässerbereich sind häufig von Folgen der Anglertätigkeit gekennzeichnet. Dazu zählen zertretene Uferzonen, abgebrochene Zweige und häufig Müllreste.

Das Wegenetz ist schmal und unversiegelt. Alle Wege sind durch die ackerbauliche Nutzung unterbrochen, was eine Rundwegmöglichkeit praktisch verhindert. Um den Auenwald zu erhalten, zu schützen und sukzessiv weiterentwickeln zu lassen, erscheinen daher auf den ersten Blick folgende Maßnahmen bzw. Vorhaben dringend vonnöten zu sein:

  • Aufgabe der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung und sukzessive Entwicklung eines Auenwaldes zum Beispiel aus Saatguteintrag des angrenzenden Hartholzauenwaldes
  • Unterbindung bzw. Verhinderung jeglicher Holzentnahme und Fällungen, um den ebengenannten Prozess nicht zu gefährden, Nahrungs- und Lebensräume (z.B. für Bodenbrüter) zu erhalten sowie
  • Stoffkreisläufe zu befördern
  • Unterbindung jeglicher Störungen an Fauna und Flora, wozu Tötung und Verletzung von Tieren sowie die Beschädigung und Entnahme von Pflanzen und deren Teile gehören muss
  • Unterbindung der Angeltätigkeit und des Verlassens der Wege, um die Boden- und Ufervegetation nicht weiter zu schädigen, sondern eher deren Weiterentwicklung zu befördern
  • Beibehaltung des pfadähnlichen Wegenetzes und Verhinderung von Wegeversiegelungen und –aufweitungen
  • Fortsetzung des ebengenannten Wegesystems im Nordteil der Insel unter Beachtung der sukzessiven Entwicklung
  • Wiedereinrichtung eines Naturerkenntnispfades
  • Festlegung eines Leinenzwanges für Hunde
  • Verhinderung einer Vermüllung des Gebietes
  • Unterbindung des Befahrens mit Kraftfahrzeugen

Leider erfolgte mit dem Bau eines Stichkanals im Sommer 2011 eine bis zu einen bis anderthalb Meter Absenkung des Wasserspiegels in dem Saalealtarm, was zum Absterben von Fischen führte und zudem die Alteichenbestände im Severin gefährden.
Im Interesse einer nachhaltigen naturnahen Entwicklung des Restauenwaldes Severin und eng damit verbundener Schutzmaßnahmen, gilt es so schnell wie möglich eine wissenschaftlich fundierte Schutz- und Entwicklungskonzeption zu erstellen, welche in Form einer Diplom- Beleg- oder Praktikumsarbeit erfolgen kann. Die im Ergebnis der wissenschaftlich-fachlichen Bearbeitung entstandene Schutz- und Entwicklungskonzeption stellt eine grundsätzliche Basis zum weiteren Umgang mit dem Severin dar. Ferner gilt es sie als Handlungsgrundlage für Eigentümer, Nutzer und zuständige Behörden zu verwenden. Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) sieht es als Aufgabe an, die Konzeption in enger Abstimmung mit Eigentümer und zuständigen Behörden umzusetzen. Besonders die im Aufbau begriffene AHA-Regionalgruppe Wettin-Könnern-Bernburg hat sich das Ziel gestellt, hier die Arbeit vor Ort wahrzunehmen. Eine eng damit verbundene Umweltbildungsarbeit soll zur dringend erforderlichen öffentlichen Akzeptanz und Mitwirkung beitragen.
Der AHA hat hierzu am 04.06.2007 einen „Rahmenplan zur Erstellung einer Schutz- und Entwicklungskonzeption für den Severin, Stadt Könnern (Saale) im Landkreis Bernburg, ab 01.07.2007 Landkreis Salzland“ verabschiedet.
Der ehrenamtliche und gemeinnützige AHA sieht hier die Notwendigkeit in dem Gesamtraum sich verstärkt für einen intensiven und nachhaltigen Schutz, Erhalt und Entwicklung einzusetzen. Interessenten können sich unter folgender Anschrift melden:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Wettin-Könnern-Bernburg
in attac-Villa Könnern
Bahnhofstraße 06
06420 Könnern (Saale)
Tel.: 034691/52435
Fax.: 01805-684 308 363 (deutschlandweit zum Ortstarif)
E-Mail: aha_halle@yahoo.de

Bilder der Exkursion folgen in Kürze.


Tilia Umwelt GmbH und AHA kooperieren miteinander

Die Tilia Umwelt GmbH und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) beabsichtigen im Interesse des Schutzes von Umwelt, Natur und Landschaft sehr eng zusammenzuarbeiten. Dazu ist die Tilia Umwelt GmbH nunmehr kooperatives Mitglied des AHA geworden. Mit der fachlich und inhaltlich sehr kompetenten Tilia Umwelt GmbH ist ein Partner dazugekommen, welcher sich bereits einen sehr guten Namen als Spezialist für Energie, Umwelt, Wasser und Abwasser gemacht hat. Der im Jahre 2009 gegründete Dienstleister erarbeitet dafür praktikable, kundengerechte und nachhaltige Lösungen, welche die Grundlage für ein umweltgerechtes Handeln bietet.
Beide Partner sehen nun so die Möglichkeit ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Pläne miteinander abzustimmen und zu bündeln. Dies ist nach Auffassungen der Tilia Umwelt GmbH und des AHA mehr denn je geboten, um sich so optimal für die gemeinsamen Ziele einzusetzen und andere zu gewinnen, das ebenfalls zu tun.
Daher halten es beide Partner für sehr wichtig durch praktische Aktivitäten, Veranstaltungen zur Umweltbildung, gezielter Beratung, das Thema Schutz von Umwelt, Natur und Landschaft sowie Energie, Wasser und Abwasser verstärkt in das öffentliche Bewusstsein einzubringen.


AHA hält Schutz, Erhalt und nachhaltige Entwicklung des Landschafts- und Naturraumes zwischen Halle und Leipzig für dringend geboten

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) hält einen umfassenden Schutz und Erhalt sowie eine nachhaltige Entwicklung des Landschafts- und Naturraumes zwischen den Städten Halle (Saale) und Leipzig für dringend geboten. Aus dem Grund führte der AHA eine ca. sechsstündige Fahrradexkursion in die Auenlandschaften zwischen Halle (Saale) und Leipzig durch. Die Fahrradexkursion nahm dabei folgende Route:

Entlang des Diemitzer Grabens, der Reide, zum Überlauf des Hufeisensees in die Reide, in den Park von Dieskau, durch die Saale-Elster-Luppe-Aue und entlang des Wallendorfer und des Raßnitzer Sees im Landkreis Saalekreis, durch die Luppeaue bei Schkeuditz, durch die Elster-Luppe-Nahle-Aue in der Stadt Leipzig sowie zum Mündungsbereich der Parthe in die Weiße Elster Im Bereich des Diemitzer Grabens, wo die erste Station der Fahrradexkursion begann vermittelte der AHA seine Auffassung zur angedachten Erweiterung der Osttangente von der Delitzscher Straße über Reideburger Straße, Reideburger Landstraße, Hobergerweg, Berliner Straße bis zur Berliner Chaussee – B 100. Im Falle eines Baus der Osttangente ist von einer weiteren Versiegelung weiterer, bisher offener Ackerflächen, die Zerschneidung des potentiellen Entwicklungsraumes im Bereich des Diemitzer Grabens sowie späteren Mehrbelastung des Raumes mit Lärm, Abgasen und Feinstaub. Das führt zur weiteren Verschlechterung der Umwelt, Natur und Landschaft sowie zur starken Beeinträchtigung der Lebensqualität der hier lebenden Menschen. Das diese Osttangente nicht zur Entlastung der halleschen Innenstadt beitragen soll, entgegen der immer gebetsmühlenartig verkündeten Rechtfertigungsversuche für diese zusätzliche Verkehrstrasse, zeugen u.a. die nicht vorliegenden Konzepte für Verkehrseinschränkungen und die geforderte Beibehaltung der Vierspurigkeit der Merseburger Straße.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) betonte in dem Zusammenhang erneut die Notwendigkeit einer naturnaheren Entwicklung in Halles Osten.
Dazu zählen als räumliche Schwerpunkte die Reide und der Hufeisensee, aber auch u.a. die Nebengewässer Kabelske und Diemitzer Graben. Im Rahmen einer naturnaheren Entwicklung gilt es erst einmal alle Abwassereinleitungen in die Fließgewässer zu beenden, beidseitig der Uferkanten einen Gewässerschonstreifen von 10 m einzuhalten, landwirtschaftliche Nutzungen zu extensivieren sowie weitere Bebauungen nicht zuzulassen. Neben ihrer standörtlichen Bedeutung gilt es die Fließgewässer als Biotop- und Grünverbundzonen anzusehen und dabei auch u.a. in der Stadt Halle (Saale) das flächenhafte Naturdenkmal Resttümpel Kanena, die Geschützten Landschaftsbestandteile Gehölz bei Büschdorf und Park Sagisdorf sowie im Landkreis Saalekreis den Dieskauer Park einzubeziehen. Von daher hat der AHA ferner immer wieder angeregt ein Landschaftsschutzgebiet Reidetal in der Stadt Halle (Saale) und im Landkreis Saalekreis einzurichten. Darüber hinaus legte der AHA am 05.10.2010 ein Konzept zur Entwicklung der Kabelske vor, welches auf einer Ursachenforschung zum Hochwasser beruht.

Von daher beobachtet der AHA nicht nur mit Sorge die Bebauungspläne für den Hufeisensee mit Golfplatz, Ausbau der Wasserskianlage, Asphaltierung von Wanderwegen und Schaffung neuer Parkplätze sowie den Weiterbau der Osttangente, sondern ebenfalls die im Bebauungsplan 70.3. angedachte Neubebauung auf einer Fläche von 4,7 bis 5 ha, wo eine Neuverbauung für 42 neue Eigenheime auf einer Bebauungsfläche von 2,1 ha vorgesehen ist. Die bisher ackerbaulich genutzte Schwarzerdefläche grenzt unmittelbar an den Diemitzer Graben und das Geschützte Landschaftsbestandteil Gehölz bei Büschdorf an. Neben der Neuversiegelung wertvollen Ackerbodens, führt dies zur weiteren Einschränkung des Biotop- und Grünverbundraumes entlang der Diemitzer Grabens und im unmittelbaren Bereich des Geschützten Landschaftsbestandteils Gehölz bei Büschdorf. Ferner missachten die Planer die steigenden Grund- und Schichtwasserstände. Selbst die Planungsunterlagen gehen von Grundwasserständen zwischen 1 bis 1,5 m unter der Bodenoberfläche aus. Während Bewohner in Halles Osten über hohe Grundwasserstände klagen, beabsichtigt die Stadt Halle (Saale) eine weitere Bebauung in solchen Gebieten zuzulassen. Hier sieht der AHA neben dem ramponierten Ansehen der halleschen Verantwortlichen in Sachen Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz, des weiteren die geschworene Verpflichtung Schaden von der Stadt Halle (Saale) fernzuhalten bzw. abzuwenden, zum unendlich wiederholtenmale verletzt.

Auf Grund der ökologischen und hydrologischen Bedenken fordert der AHA die Bebauungsplanung ersatzlos zu streichen und stattdessen eher etwas gegen die Leerstände von bestehender Bausubstanz zu tun.
Darüber hinaus schlägt der AHA vor, die ackerbaulichen Flächen verstärkt extensiv zu nutzen, Maßnahmen zur Renaturierung des Diemitzer Grabens im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu konzipieren und anzugehen, dem Diemitzer Graben ebenfalls einen Gewässerschonstreifen von beidseitig mindestens 10 m einzuräumen sowie das Geschützte Landschaftsbestandteil Gehölz bei Büschdorf in allen Richtungen Raum für eine sukzessive Ausdehnung um mindestens das doppelte der bisherigen Fläche von 1,2 ha zu geben.

Im Bereich des Dieskauer Parks mussten die ExkursionsteilnehmerInnen mit Entsetzen feststellen, dass eine massive Mehrfachlärmbelastung durch die Motorcrossanlage sowie den umfassenden Luftfrachtverkehr durch die DHL vorlag. Diese unzumutbaren Lärmbelastungszustände gilt es unverzüglich und ersatzlos zu beenden. Hinsichtlich des umfassenden Luftfrachtverkehrs durch die DHL, welcher flächendeckend die Kernregion zwischen den Städten Halle (Saale) und Leipzig sowie darüber hinaus in Mitleidenschaft zieht, lässt sich anhand der schon am Tag deutlich erkennbaren Lärmbelastungen, eine dringende und sofortige Einführung eines Nachtflugverbotes zwischen 22:00 und 06:00 Uhr ableiten. Die ExkursionsteilnehmerInnen sehen das, trotz anderslautender Sichten z.B. des Bundesverfassungsgerichtes, des Bundesverwaltungsgerichtes, des Bundes, des Freistaates Sachsen, des Landes Sachsen-Anhalt, der Städte Halle (Saale) und Leipzig sowie des Flughafenbetreibers und der DHL, als weitere dringliche Aufgabe an, um die Umwelt zu schützen, Lärm sowie Abgase zu senken und somit die hier lebenden Menschen vor weiteren unerträglichen Belastungen zu schützen.
Im Dieskauer Park diskutierten die ExkursionsteilnehmerInnen um die weitere Entwicklung des sehr wertvollen Natur-, Landschafts- und Kulturraumes im Spannungsfeld zwischen Natur- und Denkmalschutz und damit verbundener Forst- und Bauarbeiten. Dabei bekräftigten sie die Vorstellungen des AHA, dass sehr schützenswerte Biotope und Landschaftsräume wie die Reideaue, die Bruchwaldgebiete, der Gehölz- und Röhrichtbestand sowie die Saum- und Randbereiche eines umfassenden Schutzes bedürfen und somit weitere Eingriffe auszuschließen. Bei aller Notwendigkeit und damit verbundenen Verständnis zur Entwicklung des Parks nach alten Plänen, dürfen die jahrzehntelangen Entwicklungen von Natur und Landschaft nicht unberücksichtigt bleiben. Immerhin dient der Dieskauer Park als Landschaftsschutzgebiet mit Naturdenkmalen und schützenswerten Biotopen ausgestattet, als Lebens- und Rückzugsraum von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, als Biotop- und Grünverbundraum entlang der Reide und ihrer Nebengewässer zwischen den weitgehend ausgeräumten Landschaften in Halles Osten und angrenzenden Bereichen des Saalekreises, dem Hufeisensee, dem Osendorfer See mit angrenzender Kippenlandschaften sowie der Elster-Luppe-Aue.
Bereits die in Bau befindliche ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt-Halle/Leipzig-Berlin lassen noch deutlicher als einst vorgestellt erkennen, welche Zerschneidung u.a. der Saale-Elster-Luppe momentan stattfindet und somit Zementierung erfährt.

Zwischen den Schkopauer Ortschaften Döllnitz und Lochau nahmen die ExkursionsteilnehmerInnen den nunmehrig errichteten Supermarkt in Augenscheinen. Dabei waren sich alle Anwesenden schnell einig, dass die Gesamtfläche eher einer extensiven Nutzung bzw. Entwicklung in Angrenzung zur Aue der Weißen Elster bedarf. Dies ist notwendig, um in Interesse einer besseren Umwelt, entsprechende Entwicklung durch Dauergrünland gekoppelt mit sukzessiv entwickelten Gehölzbeständen zu ermöglichen.

Die nächste Station bildete der einstige, mitten in der Elster-Luppe-Aue gelegene Tagebau Merseburg – Ost, wo am 01.09.1971 der Aufschluss begann, bei einem 3 bis 6 prozentigen Anteil an Natriumchlorid an der aschefreien Substanz den einzigsten Salzkohle – Tagebau der DDR darstellte und einen flächenmäßigen Gesamtumfang 13 km² aufweist. Im Vorfeld der Tagebauerschließung erfolgten in den 50er und 60er Jahren massive Umverlegungen der Weißen Elster, welche bereits zu nachhaltigen Störungen bzw. Zerstörungen der Elster-Luppe-Aue hervorriefen. Der Tagebau stellte am 30.04.1991 seine Kohleförderung ein. Der 1992 von der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) verabschiedete und 1993 behördlich bestätigte Betriebsabschlussplan, die Hauptsanierungsleistungen im Zeitraum der Jahre 1991 bis 2000 sowie die Flutungen mit Wasser der Weißen Elster in den Jahren 1998 bis 2000 konnten keine schlüssigen antworten hinsichtlich der voranschreitenden Versalzung und Versauerung des Wassers geben. Somit wechselt die Gefahr von bisheriger Austrocknung der Elster-Luppe-Aue hin zur möglichen Versalzung und Versauerung ganzer Auenbereiche mit negativen Auswirkungen z.B. auf Umwelt, Natur und Landschaft, Gewinnung von Trink- und Brauchwasser sowie von Bausubstanz in den Auenortschaften. Abgesehen davon, dass die Auswirkungen bis weit in die Saaleaue hineinwirken können. Die ExkursionsteilnehmerInnen unterstützten daher die Aufforderung des AHA an die LMBV sowie die zuständigen Behörden im Land Sachsen-Anhalt und in den Kommunen endlich geeignete, wissenschaftlich-technisch fundierte Maßnahmen zu erarbeiten, öffentlich zu beraten und dann nach dem Abstimmungsprozess festzulegen und umzusetzen.

Hinsichtlich der landwirtschaftlich genutzten Flächen diskutierten die ExkursionsteilnehmerInnen hinsichtlich der Ausgangslage und möglicher Entwicklungswege. Während zu DDR-Zeiten bis 25 verschiedene Ackerkulturen auf den Feldern standen, hat sich die Vielfalt auf 6 – 7 Kulturen verarmt. Während einst im Rahmen der Fruchtfolge auch Humusmehrer wie Luzerne, Phacelia und Klee-Gras-Gemische zur Verbesserung der Bodenstruktur beitrugen, dazu noch idealen Lebens- und Nahrungsraum für zahlreiche Tiere boten, prägen heute hohe, undurchdringliche, humuszehrende Kulturen wie Mais und Raps das Bild der Agrarräume. Es folgt Humusabbau, geringere Wasserdurchlässigkeit mit einhergehender Bodenverdichtung. Auf Grund des von Monokulturen veranlassten und beförderten Abbaus der Artenvielfalt auf der Fläche, Rückgangs des Humusbestandes mit einhergehender Minderung des Puffervermögens, Wasserdurchlässigkeit und Bodenverdichtung, versucht man mit verstärkten mineralischen Düngemittelgaben und Ausbringen von Pestiziden das gestörte Gleichgewicht auf den Flächen auszugleichen. Angesichts der immer mehr zunehmenden, klimatisch bedingten Starkniederschläge und der verminderten geringeren Wasseraufnahmefähigkeit der Böden, fließt das Wasser oberflächlich ab und erodiert dabei den häufig stark mit Nährstoffen und Pestiziden angereicherten Boden. Neben der Tatsache, dass somit eine Ursache von Hochwasser benannt ist, führt dies zur zunehmenden Verschlammung und Eutrophierung von Gewässern. Jedoch in Trockenphasen sorgen Winderosion sowie Abdrift von Düngemitteln und Pestiziden für eine ähnliche Wirkung. Häufig fehlende Gewässerschonstreifen verstärken und befördern diesen Prozess.

Nach Auffassung des AHA gilt es daher, alles zu unternehmen, die Vielfalt der Anbaustruktur und somit die Fruchtfolge zu verbessern, Gewässerschonstreifen von mindestens beidseitig 10 m zu belassen sowie den Gehölzbestand mit krautigen Saumstreifen sukzessiv oder pflanzend zu erweitern.

Selbstverständlich stand auch das Thema Hochwasser angesichts der jüngsten Hochwasserereignisse in den Jahren 2011 und 2013 sowie der immer weiter dicht an den Ufern von Weißer Elster, Luppe und Nahle stehenden und teilweise stark befestigten Deich auf der Tagesordnung. Ebenso die rasant im Feistaat Sachsen zunehmenden Abholzungen, welche bereits an der Landesgrenze beginnen, sich beispielsweise massiv im Naturschutzgebiet Burgaue, welches zudem ebenfalls nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt ist, ausgebreitet haben und ebenso massiv in den Auenwäldern in Leipzigs Süden ihre Fortsetzung gefunden haben.

Die ExkursionsteilnehmerInnen nahmen die Forderungen des AHA auf, dass endlich ein ökologisch-nachhaltiges Hochwasserkonzept für das Flussgebiet der Weißen Elster entsteht, welches mit den Freistaaten Sachsen und Thüringen sowie dem Land Sachsen-Anhalt abzustimmen ist. Darin sollte nach Auffassung des AHA enthalten sein, generell weitere neue Verbauungen und Versiegelungen –insbesondere in der Aue- auszuschließen und Rückbaumaßnahmen zu prüfen; sich für eine vielfältigere, ökologisch orientierte Landwirtschaft einzusetzen; Fließgewässer von Querbauwerken, Sohl- und Uferbesfestigungen zu befreien, zu renaturieren und mindestens eine naturnahe Gewässerentwicklungen mit Uferschonstreifen von mindestens beidseitig 10 m Breite zuzulassen und zu befördern; Umfassende Deichrückverlegungen vorzunehmen und somit von den Fließgewässern getrennte Auenwälder –z.B. in der Elster-Pleiße-Aue im Süden Leipzigs und die Burgaue- wieder anzuschließen und somit Überflutungsraum zurückzugeben. Als Ausgangspunkt sei sich in dem Zusammenhang folgende Situation vor Augen geführt, welche u.a. Dr. Hans-Dieter Kasparidus vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung im Rahmen des 5. Leipziger Auensymposiums am 16.04.2011 darlegte. Er bezifferte die Auenfläche mit 4.563 ha. Weiter führte er aus, dass davon 3.934 ha Altaue sowie 524 ha rezente Aue und 105 ha Fläche Fluss umfassen. Prozentual bedeutet dies, dass 86,22 % zwar morphologisch Aue sind, aber in der Regel durch Deiche abgetrennt, keine Überflutung mehr erfahren sowie nur 13,78 % einer Überflutung zur Verfügung stehen.
Eng damit gekoppelt gilt es intensiv zu prüfen, inwieweit die einst abgeschnittenen und im Rahmen der Umverlegungen und Begradigungen von Weißer Elster und Luppe auch teilweise verschütteten, sehr vielfältigen und struktureichen alten Flussverläufe wiederherzustellen möglich ist. Nach Auffassung der ExkursionsteilnehmerInnen könnte dies perspektivisch auch zur vollständigen oder teilweisen Aufhebung und Beseitigung der kanalisierten Fließbereiche von Weißer Elster und Luppe führen.

Mit dem beispielsweise nunmehrigen Neubau des Nahleauslassbauwerks durch die Stadt Leipzig beabsichtigt man jedoch den verheerenden Weg des alleinigen wasserbaulich-technischen Hochwasserschutzes, welcher eindeutig vorrangig auf den Neu- und Ausbau von Deichen, die Degradierung von Auen zu Poldern und eben den Neubau dieses Nahleauslassbauwerks orientiert, fortzusetzen bzw. zu intensivieren.
Die ExkursionsteilnehmerInnen schlagen alternativ vor, die Baustelle mit den bisherigen Einbauten zu beseitigen und die Öffnung des Deiches an der Stelle beizubehalten. Dies wäre der erste Schritt in die richtige Richtung.

Im Bereich der Einmündung der Parthe in die Weiße Elster, wo die Exkursion mit dem Fahrrad endete, stellten die ExkursionsteilnehmerInnen mit Unverständnis fest, dass Gartennutzer weiterhin ungehindert ihren Garten in den Fließraum der Parthe hinein erweitern können. Hier ist unbedingt Abhilfe zu schaffen. Ebenso gilt es Möglichkeiten zu prüfen, inwieweit der kleingärtnerisch belegte Überflutungsraum von Weißer Elster und Parthe, eine schrittweise Freiräumung erfahren kann.

Zusammengefasst sei festgestellt, dass die Fahrradexkursion klar die Bedeutung und Schutzwürdigkeit der Auenlandschaften von Reide, Weißer Elster, Luppe, Nahle und Parthe verdeutlichte. Ferner zeigte sie aber auch die Bedrohungspotenziale auf, wozu Verbauungen, Fluglärm und Raubbau gehören. In dem Zusammenhang erfolgte seitens des AHA eine umfassende Erläuterung eigener Vorschläge zum Schutz, Erhalt und Weiterentwicklung dieser bedeutsamen sowie arten- und strukturreichen Auenlandschaften.

Ebenso legte der AHA gegenüber den ExkursionsteilnehmerInnen auch den Gedanken der Ausweisung eines UNESCO-Weltkulturerbes in der Elster-Luppe-Aue dar und warb für eine Mitarbeit in einer diesbezüglichen ehrenamtlichen AHA-Arbeitsgruppe.

Darüber hinaus zeigte der AHA Möglichkeiten zur Mitwirkung auf und stellte in dem Zusammenhang seine Mitgliedsvereine IG Nachtflugverbot Halle/Leipzig e.V., Rudolf-Steiner Verein Elsteraue e.V. und FLUG e.V., die Regionalgruppe Leipzig und Umland, die Ortsgruppe Merseburg sowie die Arbeitsgruppen Reide und Saale-Elster-Luppe-Aue vor.

Bilder: Andreas Liste


AHA führt Radexkursion entlang der Saale von Bernburg nach Könnern durch

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) veranstaltet am Samstag, den 10.05.2014 eine ca. sechsstündige Fahrradexkursion entlang der Saale von Bernburg nach Könnern. Der Weg führt dabei zum Dröbelschen Busch, vorbei an dem Mündungsbereich der Wipper, durch das Naturschutzgebiet „Auwald bei Plötzkau“ und zum Severin bei Gnölbzig.

Im Rahmen der Fahrradexkursion ist vorgesehen die Bedeutung dieses wichtigen Teils der Saaleaue darzulegen und auf die umfassende arten- und strukturreiche Landschaft, ihre Schutzwürdigkeit, Gefahrenpotenziale sowie auf Möglichkeiten zum Schutz und Erhalt hinzuweisen. Besondere Augenmerke sollen dabei u.a. auf die Gefahren eines Saaleausbaus, der Errichtung und Inbetriebnahme der gigantischen Müllverbrennungsanlage auf dem Werksgelände von Solvay, des Baus der B 6n sowie Abholzungen in Auenwaldgebieten gerichtet sein. In dem Zusammenhang möchte der AHA seine eigenen umfassenden Schutz- und Entwicklungsvorschläge, zum Beispiel für den Dröbelschen Busch, das Wippermündungsgebiet, das Naturschutzgebiet „Auwald bei Plötzkau“ und zum Severin bei Gnölbzig, vorstellen. Ferner beabsichtigt der AHA das diesbezügliche Wirken seiner Regionalgruppe Wettin – Könnern – Bernburg und Möglichkeiten einer Mitarbeit zu erläutern.

Treff ist 10.00 Uhr am Bahnhof Bernburg. Die Fahrradexkursion endet am Bahnhof Könnern.

Wer noch mehr über Vorstellungen und Aktivitäten des AHA erfahren bzw. gar im Rahmen seiner ehrenamtlichen Arbeit für den Schutz, Erhalt und Entwicklung der Auen- und Flusslandschaften mitwirken möchte, kann sich an folgende Anschrift wenden:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)
Regionalgruppe Wettin-Könnern-Bernburg

in attac-Villa Könnern
Bahnhofstraße 06
06420 Könnern (Saale)
Tel.: 034691/52435;
Fax.: 01805-684 308 363 (deutschlandweit zum Ortstarif)
E-Mail: aha_halle@yahoo.de


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