AHA erwartet in Sachsen-Anhalt Politikwechsel in Sachen Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz

Im Ergebnis der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 13.03.2016 führten CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen Sondierungen zur Bildung einer gemeinsamen Regierung durch. Nunmehr haben die führenden Gremien der drei Parteien beschlossen Koalitionsverhandlungen für eine schwarz-rot-grüne Landesregierung aufzunehmen. Nach Ansicht des Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) besteht nunmehr die sehr große Möglichkeit und Chance im Land Sachsen-Anhalt die Grundlagen für einen massiven Politikwechsel in Themenfeldern Soziales, Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit sowie nicht zuletzt im Umgang mit Umwelt, Natur und Landschaft zu schaffen.

Für den AHA bedarf allein das Spektrum zum Schutz, Erhalt und Entwicklung von Umwelt, Natur und Landschaft einen massiven Wandel in einer künftigen Regierungspolitik. Dazu zählen die bereits erwähnten Unterlassungen von Ausbaumaßnahmen der Elbe, Veränderungen in der Energiepolitik mit Hinwendung zur Stärkung der vielfältigen dezentralen Nutzung von regenerierbarer Energie und der Ausstieg aus der energetischen Nutzung fossiler Brennstoffe aller Art. Ebenso gilt es in der Landwirtschaft nicht nur die industriell betriebene Massentierhaltung mit dem ebenso massenhaften Aufkommen von Gülle zu stoppen, sondern bestehende derartige Anlagen zu Gunsten alternativer Haltungen zu schließen, umzubauen und umzustrukturieren.

In Bezug auf die Landwirtschaft muss sich eine künftige Landesregierung ferner für eine Rückkehr und Ausweitung der Vielfalt des Anbaus von Feldfrüchten einsetzen und dazu alle gesetzlichen Rahmenbedingungen und finanziellen Möglichkeiten und Anreize auf den Weg zu bringen. Dazu gehören aber auch Fließgewässern einen beidseitigen Gewässerschonstreifen von jeweils mindestens 10 m Breite als hydrologischen und ökologischen Entwicklungsraum sowie Biotop- und Grünverbund einzuräumen. Gleiches gilt für den Schutz, Erhalt und Entwicklung bestehender und neuer Flurholzstreifen und –inseln in Form von Obstbaum- und Kopfweidenbeständen, gepflanzter und sukzessiv entstandener bzw. entstehender Baum- und Strauchbeständen mit Kraut- und Wiesensaumen. Dies alles befördert nicht nur die Verbesserung des Landschaftsbildes und die Vielfalt an Struktur und Arten sowie die Ausweitung von Lebens- und Rückzugsräumen, sondern dämmt erheblich die Bodenerosion durch Wind und Wasser ein und ermöglicht verstärkte ökologische Kreisläufe und Gleichgewichte. Eine so sich umweltfreundlicher entwickelnde Landwirtschaft trägt somit zur Gesundung der Böden sowie von Oberflächengewässern, Grund- und Schichtwasser bei.

Nach Auffassung des AHA muss Sachsen-Anhalt ebenfalls seinen Beitrag zur Reduzierung der gegenwärtigen deutschlandweiten täglichen Flächenversiegelung laut Umweltbundesamt und Statistischem Bundesamt im Umfang von 70 bis 80 ha leisten. Dazu gehören nicht nur der Stopp von weiteren Verbauungen und damit verbundener Neuversiegelung von Böden für Verkehrs-, Wohn- und Gewerbebauten, sondern die Prüfung von Rückbau und Renaturierung von verbauten und versiegelten Flächen. Damit verbunden ist eine drastische Änderung der Verkehrs- und Baupolitik erforderlich. Eine deutliche Hinwendung zur Beförderung des Öffentlichen Personen- und Schienennahverkehrs trägt zudem zum Schutz und Verbesserung von Klima und Lärm bei. Eine Einführung von fahrscheinlosen Öffentlichen Personen- und Schienennahverkehr, verbunden mit der Wiederherstellung bereits gestrichener Bahn- und Busstrecken müssen dabei wesentlicher Bestandteil der Überlegungen und Planungen sein.
Eng damit verbunden ist der sparsame Umgang mit Bodenschätzen und Rohstoffen aller Art. Dazu zählt, dass ökologisch, historisch, archäologisch und landschaftlich bedeutsame Felsgebiete und ihr näheres Umfeld –wie der Burgstetten im Landkreis Saalekreis- von gnadenlosem Abbau von Rohstoffen verschont bleiben müssen.

Der AHA sieht ferner massiven Handlungsbedarf beim Schutz, Erhalt und Entwicklung der Waldbestände und des öffentlichen Grüns in bzw. an den Gemeinden. Die bisherige Kommerzialisierung der Forstwirtschaft hat zu massiven, zerstörerischen Eingriffen in den Gehölzbeständen Sachsen-Anhalts geführt. Selbst Naturschutzgebiete wie z.B. der Hakel, der Plötzkauer Auwald und die Sprohne blieben bzw. bleiben von diesen Eingriffen nicht verschont. Das muss nach Meinung des AHA ein Ende haben. In dem Zusammenhang gilt es die Ausweitung von Wald- und Gehölzflächen zu prüfen sowie einen sorgsamen Umgang mit ihnen zu verknüpfen. Gleiches gilt es für das Grün innerhalb der Städte und Gemeinden anzusetzen, um immer wieder zu beklagende Massenabholzungen entlang von Straßen und Wegen sowie in Wohngebieten und Parks zu beenden.

Bekanntlich prägen Flusssysteme und Auen von Elbe sowie ihrer großen Nebenflüsse wie Mulde, Saale und Havel große Teile des Landes Sachsen-Anhalt. Sie gehören zu den arten- und strukturreichsten Landschaften der Erde, bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebens- und Rückzugsraum, beeinflussen den Wasserhaushalt und bieten naturgemäß Hochwasser Ausbreitungs- und Gestaltungsraum sowie der Bevölkerung Raum zur Erholung und Entspannung. Dem kommt zu Gute, dass beispielsweise zu den am wenigsten ausgebauten Flüssen der Erde zählen.
Der AHA hält es nicht nur erforderlich die bestehenden Fluss- und Auenlandschaften von Elbe, Mulde, Saale und Havel sowie ihrer zahlreichen und bedeutsamen Nebengewässer zu schützen und zu erhalten, sondern auch zahlreiche Altauen wieder an die jeweiligen Flüsse anzuschließen. Die somit wiederhergestellten Wechselbeziehungen zwischen Fließgewässern und Auen ermöglichen nicht nur eine Ausweitung von arten- und strukturreichen Natur- und Landschaftsbestandteilen, sondern erhöht umfassend wieder den Ausbreitungsraum von Hochwasser. Spätestens seit den jüngsten Hochwassereignissen in den Jahren 2011 und 2013 sollten das klargestellt haben. Daher sind ernsthaft, wissenschaftlich fundiert massive Deichrückverlegungen oder gar Deichaufhebungen zu prüfen und unverzüglich umzusetzen. Dazu sind aber auch länderübergreifende Vernetzungen nach Flusssystemen dringend erforderlich, um dabei ebenfalls die Revitalisierung von einst baulich abgeschnittenen Fließgewässerabschnitten wissenschaftlich zu planen und darauf beruhend umzusetzen. Dabei darf der Rückbau bestehender Bebauungen in Überflutungsgebieten nicht nur kein Tabu sein, sondern gilt es gezielt in die Überlegungen einzubeziehen.

Bauliche Eingriffe und Störungen von Flusslandschaften wie der Saaleseitenkanal, der Saale-Elster-Kanal, sogenannte Hochwasserrückhaltebecken -z.B. an Selke und Querne- , Steg- und Bootsanlegeanlagen aller Größen und Art, sowie nicht zuletzt die vermehrten Planungen von Polder –z.B. an Elbe, Mulde, Saale, Havel, Weißer und Schwarzer Elster- tragen eher zur Beeinträchtigung der wertvollen Auen und angrenzender Natur und Landschaft sowie zur Unterbrechung von Kalt- und Frischluftbahnen bei und bedürfen eines unverzüglichen Stopps.
Damit eng verbunden ist, dass bestehende und künftige Tourismuskonzepte sich unbedingt in die Notwendigkeit, Belange und Erfordernisse zum Schutz von Umwelt, Natur und Landschaft einzuordnen haben und nicht umgekehrt. Nur so sind nachhaltige Störungen, Zerstörungen und Beeinträchtigungen von Umwelt, Landschaft und Natur ausgeschlossen und das eigentliche Ansinnen –Erlebnis Natur und Landschaft- ernsthaft umsetzbar.

Gleiches gilt auch für die zu bevorzugende Reduzierung und Wiederverwendung von Müll. Es ist unverantwortlich, dass eine Auslastung von Müllverbrennungsanlagen zum Import von Müll führt. Ebenso ist es unverantwortlich, dass man selbst einsturzgefährdete und von Grundwasser beeinflusste Gruben, wie die Einlagerung von Dickstoffversatz im Grubenfeld Angersdorf, noch immer nicht einem klaren und deutlichen Verbot unterliegt.
Ein derartiges, bestimmt nicht vollständiges Paket zum Schutz, Erhalt, Entwicklung und Betreuung von Umwelt, Natur und Landschaft erfordert jedoch eine umfassende und rechtzeitige Einbeziehung der Bevölkerung sowie ihrer Verbände, Vereine und Initiativen. Ebenso bedarf es einer massiven Beförderung der Umweltbildung an Schulen, Volkshochschulen sowie bei Behörden sowie nicht zuletzt der Wissenschaft und Forschung.

Der AHA fordert daher die potenziellen Koalitionspartner auf, im Koalitionsvertrag und im künftigen Handeln der Landesregierung Sachsen-Anhalts die Umkehr im Umgang mit Umwelt, Natur und Landschaft klar, eindeutig sowie verbindlich zu verankern und entsprechend umzusetzen.
In dem Atemzug ruft der AHA die Bevölkerung auf echte Demokratie zu leben und sich gezielt einzubringen. Dazu bietet der ehrenamtliche und gemeinnützige AHA allen Interessenten sich als Organisation an, um daran mitzuwirken.

Wer Interesse hat sich mit dem AHA in Verbindung zu setzen, kann dies unter folgenden Kontakten tun:

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Große Klausstraße 11
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 2002746
Fax.: 01805-684 308 363
E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de
E-Mail UBM: ubh2004@yahoo.de
Internet: http://www.aha-halle.de

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Regionalgruppe Merseburg-Leuna-Bad Dürrenberg
/Umweltbibliothek Merseburg „Jürgen Bernt-Bärtl“
Weiße Mauer 33
06217 Merseburg
Tel.: 0176 – 52562945
Fax.: 0180-5684 308 363 (deutschlandweit zum Ortstarif)
E-Mail AHA: aha_halle@yahoo.de
E-Mail UBM: ubh2004@yahoo.de

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Regionalgruppe Leipzig und Umland
Otto-Adam-Straße 14
04157 Leipzig
Tel.: 0176/84001924
Fax.:01805-684 308 363
E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Internet: http://www.aha-halle.de

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Ortsgruppe Dessau-Roßlau
Donnerstag von 19.00 bis 20.00 Uhr
im Schwabehaus
in der Johannisstraße 18
06844 Dessau-Roßlau
Tel.: 0340 – 66158320
Fax.: 0180 – 573 737 6961
(beide Verbindungen deutschlandweit zum Ortstarif)
E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Internet: http://www.aha-halle.de

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder
zu Halle (Saale) e.V. – (AHA)

Regionalgruppe Wettin-Könnern-Bernburg
Dienstag: von 18.00 bis 19.00 Uhr
attac-Villa Könnern
Bahnhofstraße 06
06420 Könnern (Saale)
Tel.: 034691/52435
Fax.: 01805-684 308 363 (deutschlandweit zum Ortstarif)
E-Mail: aha_halle@yahoo.de
Internet: http://www.aha-halle.de

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